Den Göller fernmündlich wiedergetauft

Eben rief, indem ich noch am Vorgängerartikel arbeitete, entweder ein Spaßvogel oder ein Durchgedrehter mit Berliner Nummer bei mir an, erklärte mich als im Namen Jesu Christi getauft, hub sogar, zwar nicht übermäßig gekonnt, schließlich, in katholeskem Stile, mit einem “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes”-Gesange an.

Der Clown oder Depp frug mich noch, ob es mir gutgehe, was ich bejahte, wohinzu ich setzte, dass ich gleichwohl nie etwas wider gute Wünsche habe, da die ja kaum je schaden könnten.

Daraufhin schwieg ich, wartend, was noch käme. Nach einigen fünf Sekunden legte der fernmündliche Sonntagsgast, sich ebenso gruß- und namenlos verabschiedend, wie er das Gespräch begonnen, einfach auf.

Nun bin ich also, abermals ungefragt (an meine lutheranische Ersttaufe erinnere ich mich nicht mehr; sie hat aber wohl stattgefunden), womöglich ein ernstlich fernmündlich Wiedergetaufter.

Denn zum Schlusse hin, nachdem ich anfänglich bloß lachte, eben einen Scherzkeks vermutete, womöglich im Auftrage meines Kumpels in Berlin, beim Rezitativ, bekam ich doch zunehmend den Eindruck, irgendein Chaot mit Vorwahl 030 sänge da tatsächlich mit feierlich-gläubigem Ernste.

Unterm Strich ist die Sache recht vergnüglich gewesen, denn so einen Anruf bekam ich noch nie. (Bitte aber nicht nachahmen. Sowas ist nur einmal originell und dementsprechend erheiternd.)

War der Anrufer ein lustiger, so mag das am Sonntagnachmittage zwar etwas frech gewesen sein, mich bei der Arbeit dergestalt zu stören, aber, einmal, des Unterhaltungswerts halber, geschenkt.

War es nun wirklich ein veritabler Dummchrist, so stellen sich zunächst zwei Fragen.

Erstens: Wie komme ich zu der zweifelhaften Ehre, anhand welcher Kriterien ward ich erwählet?

Zweitens: Wieso wählte mein Täufer diesen ungewöhnlichen, anonymen Weg, mich Christi Gnade teilhaftig werden zu lassen?

Beidenfalls kann ich einer Antwort halber nur spekulieren.

Gleichwohl: Es gibt immerhin Anhaltspunkte hierfür.

Da ich die Figur des Jesus hier schon verschiedentlich thematisiert habe, das Abrahamitentum insgesamt, möchte ich als natürliches Opfer ausgemacht worden sein. Bei durchgedrehten Christen ist sowas normal.

Weiters möchte ein gewisser Überraschungseffekt angepeilt worden sein, also, dass ich sozusagen wiedergetauft sei, bevor mir Widerspruchs überhaupt einfiele. Auch das kann man sich bei abgedrehten Christen als Beweggrund für diese eher unübliche Vorgehensweise ohne weiteres vorstellen.

Dies im Verbunde mit der Geheiligten Feigheit, keinen Namen zu nennen, indem man an einem Sonntage privat bei jemandem zu einem gedachtermaßen derart hehren Zwecke anruft, passte auch zu einem oder mehreren Absturzchristen.

Insgesamt muss ich jedenfalls, als Satiriker und auch sonst Scherzen nicht abgeneigt, konstatieren, dass, war es doch ein Witzbold, der seine Sache sehr gut gemacht hat.

Das war desfalls mehr als nur talentiert und chuzpös: eine wahrlich reife Leistung.

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Eine Antwort zu “Den Göller fernmündlich wiedergetauft”

  1. Thomas sagt:

    Das Örtliche Punkt DeEh : Rückwärtssuche ;)

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