Vom Rechnerhass

Leser Armin hat auf seiner Seite schon wieder einen Artikel eingestellt (den Vorgänger will ich, wie bei ihm angekündigt, auch noch angemessen würdigen), der Bemerkenswertes enthält, dessen ich jetzt zunächst eine längere Passage zitiere:

“Nein, eigentlich bin ich kein Fan von Computern, kein Fan von Mobiltelephonen, ganz einfach kein Fan von digitalen Furzen.

Nein, noch schlimmer, ich hasse sie.

Das, umso schlimmer, da ja mein Brötchenberuf immer wieder mal mit ihnen zu tun hat, da ich sie aufs innigste seit innig lang scheinenden Jahren kenne, erforsche, brauche, nutze, kaufe, entsorge, ja mich gar in sie hineinfühlen zu können meine, eine merkwürdig effektive Intuition ihnen gegenüber entwickelt habe, oft fast seherisch weiss, wo es ihnen wehtut, wann sie ihren Geist aufgeben, mit ihnen meinte reden zu können.

Aber, ich hasse sie. Wobei Hass hier nicht böse gemeint ist, sondern eher verzweifelt. Denn ich hasse meine Abhängigkeit von ihnen, die gesellschaftlichen neuen Normen, die sie heraufbeschwören, die globale Abhängigkeit der Massen im Sinne von Arbeit, Unterhaltung und Kommunikation, im Sinne von verlorenen Freunden, die jetzt Facebook Freunde heissen und womöglich mal echte waren beziehungsweise hätten sein können.

Ich hasse die Domination der Computer. Computer dominieren die Wirtschaft, Bildschirme dominieren das Leben bis das unser alle Augen viereckig werden…”

http://www.conspirare.net/w2/der-mann-des-weissen-der-ins-schwarze-schritt-oder-warum-ich-steve-mochte-und-computer-hasse/

…im Sinne von verlorenen Freunden, die jetzt Facebook Freunde heissen und womöglich mal echte waren beziehungsweise hätten sein können.  (!!!)

Ja, ich schrieb das, was Sie gerade lesen, auch über eine Computertastatur, einen Computer, das Computerweltnetz verbreitet es. Ich nutze das Gerät auch, mich zu informieren, und manchmal schaue ich mir darüber sogar ein Video an (einen Fernseher habe ich schon seit über sieben Jahren nicht mehr).

Immer wieder, wenn meine Kinder zu viel am Rechner daddeln, ich sie in diesem Zusammenhang versuche, zur Besinnung zu rufen, werfen sie mir vor, dass ich doch ebenfalls stundenlang am Rechner säße.

Das ist natürlich, rein von der Tatsache her gesehen, richtig.

Im Wesentlichen aber ist mein Rechner nur eine moderne Schreibmaschine. Ja, auch eine elektronische Zeitung und eine elektronische Bibliothek und ein Elektrobriefkasten, Briefaufgebekasten.

Früher hätte ich eben, von mehr Büchern umgeben, Tintenfass daneben, was ich schreibend zu sagen wollen meinte, mittels einer Feder zu Papier gebracht.

Ich habe, außer dass es vom Verlag her so eingerichtet, nichts mit Facebook am Hut, noch nie eine SMS geschrieben (oder doch einmal? – dann erinnere ich mich nicht mehr daran), nicht einmal “getwittert” (da bin ich mir ganz sicher), besuche nur einen “Chat” eines herausragenden Publizisten, den ich zudem als Freund empfinde, ab und zu, sowohl spaßeshalber, als auch, um mich in schreibender Schlagfertigkeit zu üben. Auch Spielen am Rechner ist mir fremder gar als Obervolta (äh, ja, es heißt jetzt Burkina Faso), da es mich nicht die Bohne (ni un pimiento) interessiert.

Kurzum: Mein Computer ist für mich zu gut über 90% ein reines Arbeitsgerät, nicht mehr, als ein Kochtopf, Kochlöffel, Salzfass.

Ich habe auch sehr selten Probleme mit meinem Rechner, da ich ihn (fast) nur mit Sinnvollem beschäftige. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, wie ich vorgehen muss, wenn das Teil mal Macken hat, behalte einfach die Nerven, wenn das vorkommt, so dass es, ohne fachmännische Hilfe, schließlich doch ausführt, was ich will. Insofern habe ich keinerlei Grund, meinen Computer zu hassen. (Außer vielleicht mal wegen der Scheiß-Ebriefe.)

Trotzdem verstehe ich genau, was Armin meint.

Anstatt mit Menschen zusammenzusitzen, zu reden, hocken Milliarden, Irrelevantes aufnehmend und absondernd, vor der Maschine, verblöden sich an ihren Schmerzphonen (ich habe nur in echten Notfällen ein Mobiltelefon dabei), zumal die jungen Frauen, laden sich fünfhundert von fünfzig Millionen Apps herunter, ihrer Umwelt kaum noch wahrnehmend.

Gleich Biorobotern, in der Tat.

 

 

 

 

 

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4 Antworten zu “Vom Rechnerhass”

  1. Dude sagt:

    @Armin

    Zuerst Dir liebsten Dank für das Meisterwerk! Da es gestern schon verflucht spät war, als ihn las, wollte ich da nicht als erster mit einer lapidaren Hetzantwort einfallen, weshalb ich nichts kommentierte…

    @Magnus

    Vielen Dank auch Dir!

    Du sprichst vieles aus, was ich ebenso gesagt hätte, wenngleich etwas anders, und obendrauf noch ergänzend.

    Im Wesentlichen läuft es genau darauf heraus:

    “Kurzum: Mein Computer ist für mich zu gut über 90% ein reines Arbeitsgerät, nicht mehr, als ein Kochtopf, Kochlöffel, Salzfass.”

    Minimum 90%! Eher 99%.

    “Trotzdem verstehe ich genau, was Armin meint.”

    Dito! Er hat absolut recht, denn diese Technikabhängigkeit ist – zu Ende gedacht – fatal!
    Dazu hab ich vorher eben – durch einen sehr guten Gastkommentar inspiriert – noch einen kurzen Artikel veröffentlicht. https://dudeweblog.wordpress.com/2013/04/21/transhumanistische-materialisten/

    “Gleich Biorobotern, in der Tat.”

    Präzis!!

    Und ein weiterer sehr guter Grund diese ganzen neuartigen Technomödeli zu hassen ist folgendes…
    https://dudeweblog.wordpress.com/2013/03/19/elektrosmog-und-handystrahlung-als-zerstorer-des-lebens/ & https://dudeweblog.wordpress.com/2013/03/12/hypnotisierte-massen-manipulierte-menschen/

    Die Flimmerkästen, W-Lans und Handynetze (sich krebsartig um den Globus verbreitend, wuchernd) lassen grüssen…

    Teufelei!

  2. Dude sagt:

    Nach Jahren wieder lesend, gefällt mir der Artikel noch besser als damals schon! :-)

    Ps. Aber das mit dem E-Briefkasten sollte ja jetzt eigentlich klappen? Oder bist Du noch im Norden oben; grösstteils netzabseitig?

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Bin da. Hast Post.

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