Von den kinderlosen Maulhelden

Ausnahmsweise stelle ich, da mir die Sache wichtig, diesen Teil eines Kommentars zu “Vom Staat als verbindendes Regulativ” auf Leser Dudes Seite auch hier nochmal ein:

“Es führt in der Tat kein Weg daran vorbei, dass sich jeder einzelne vor Ort wehrt, so gut er kann.
Allerdings ist das – wie ich alleinerziehender Vater zu sein, macht es nicht leichter – im Zusammenhang mit staatlichen Schulsystemen eine sehr heikle Sache, denn man bringt im Handumdrehen die eigenen Kinder in die Bredouille, ist dann sozusagen noch schuld daran, dass man sie, wofern nicht schon bald das Jugendamt vor der Türe steht, noch umso mehr in den Schwitzkasten nimmt. So sind es auch meist Kinderlose, die dazu ganz genau wissen, was sie täten, da sie es selbst nicht tun müssen.
Manche von ihnen lachen einen ja geradezu noch aus, dass man so blöd gewesen, diesem System Kinder zum Fraße vorzuwerfen, gehen gar so weit, dass man sich damit an seinem Nachwuchse versündigt habe. So weit sind manche jener Helden, die sich darin sonnen, für niemanden Verantwortung zu tragen, außer für sich selbst. Mit denen werde ich auch nicht mehr so milde verfahren, wie bisher.
Anonym im Netz herumranzen, an andere Forderungen von wegen konsequentem Widerstand stellen, feist, fett, ahnungslos, feige. “Jockele geh’ du voran!” (Ich halte Dich, Dude, nicht für einen Vertreter jener.)
Namenlose Maulhelden. Sich noch ihrer Weitsicht und Intelligenz brüstend, dass sie sich nicht über Kinder angreifbar gemacht. Da muss ich an mich halten, nicht in die unterste Schublade meines Schimpfwörterprachschatzes zu greifen.
Gerade Alleinstehende müssten den Mut haben, anzugreifen, mit heruntergeklapptem Visier. Davon sehe ich aber nicht viel.
Bräsig, besser dran, herumsitzend und bescheid wissend. Viel mehr Zeit habend, viel weniger Risiko gehend, auf andere herabsehend.”

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Wer Lust hat, einen harten verbalen Händel mit mir anzufangen, der ist anhiero herzlich dazu eingeladen. Kommentatoren unter Decknamen werden jedoch allenfalls eine Antwort von mir erhalten. Danach werde ich deren Beiträge, solange sie im hier anliegenden Rahmen bleiben, zwar noch freischalten, aber nichts mehr dazu sagen. In diesem Strange, sollte sich einer ergeben, wird jetzt mal ganz klar und konsequent positiv diskriminiert. Voll asozial.

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5 Antworten zu “Von den kinderlosen Maulhelden”

  1. Armin sagt:

    “Manche von ihnen lachen einen ja geradezu noch aus, dass man so blöd gewesen, diesem System Kinder zum Fraße vorzuwerfen, gehen gar so weit, dass man sich damit an seinem Nachwuchse versündigt habe.”
    Lieber Magnus,
    Mir sind die Tränen gekommen. Ich kenne die Situationen, die Du beschreibst, die Gefahren, denen man sich aussetzt mit Kind(ern) als kritisch denkender, politisch publizierender Mensch. Die Obenstehenden, die es durchaus zur Genüge gibt, überbieten sich in Zynismus mit solchen Ausserungen. Gerade mich hat der Zwist zwischen kompatiblem Familienvater, Vater ganz alleine, Mensch, kritischem Bürger durchaus wiederholt durcheinander gebracht – und damit in nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten.

    Kinderlose Maulhelden – ich lese ab und an Kommentare, die unter die Gürtellinie gehen und noch dazu erstaunlich substanzlos sind. Ob die alle von Kinderlosen sind, vermag ich nicht zu beurteilen, aber niveaulos ist sie auf jeden Fall. Und auch grundlos verletzend, finde ich. Deine Kritik ist manchmal auch ganz vehement, aber nach meinem Empfinden immer noch mit Respekt geschrieben, letztlich als fundierte eigene Meinung gedacht.

    “Konsequenter Widerstand”: Wenn ich das nur schon höre, nerve ich mich. Erstens geht es darum, was jeder tut, was er kann, je nach Situation. Es ist auch nicht alles so verdammt Schwarz Weiss, dass man immer weiss, wie und gegen wen und was konsequent Widerstand zu leisten. Zweitens hat der eine den Freiraum zu einer bestimmten Lebensart, der andere nicht. Ich muss zum Beispiel dort malochen, wo ich eigentlich nicht möchte, da zahlen, wo es mir eigentlich nicht passt, da eingesperrt sein in meinen Käfig, wo es mir weh tut. Heisst dass jetzt, dass ich ein Systemarschloch bin? Liegen die Dinge so einfach?

    Ich bin froh um Menschen, die nachdenken, nicht nachplappern. Menschen, die sich äussern, nicht oberflächlich und plakativ, sondern nachhaltig, vielschichtig und tiefgründig. Menschen, denen es nicht nur um das Aussen geht, das Blendende Einerlei des Endloskonsums, die Schönheit der Austauschbaren, die abgetretenen Pfade der einfachen Denkpositionen. Sondern um das Innen, die Fragen der Freiheit, der Selbstbestimmung, der Zukunft ohne vorgestecktes “System” – nur schon die Frage, was ist das eigentlich “Menschsein”, die Grundfragen eben.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin

    Nun muss ich gleich mit einer Ausnahme beginnen; ich werde Dir – auch ohne vollständigen Klarnamen – selbstverständlich gegebenenfalls auch nochmal antworten, da ich Dich und Deine Lage kenne.

    Man hat meine Kinder in den letzten gut sieben Jahren, seit ich über Nacht als Witwer dastand, öfter ziemlich übel durch den Wolf gedreht, was ich hier aber nicht näher erörtern möchte.

    Ja, meine Kritik an jenen, die gar einem wie mir, der trotz seiner und seiner Kinder Lage sich öffentlich nicht wenig verwagt, dazu noch frech, altklug, besserwisserisch, arrogant, hämisch lachend auf den Kopf scheißen, ist vehement.

    Ich weiß nicht mehr, wie oft ich – nicht wegen der feigen Machenschaften solcher Leute – , meist heimlich, geweint habe.

    Wäre ich entsprechend üblicher Maßstäbe vernünftig, so schriebe ich das natürlich gar nicht hier hin.

    Erstens aber interessiert es mich nicht mehr sonderlich, wer mich wegen eines solchen Eingeständnisses für schwach, für leicht zu erledigen hält. Zweitens schäme ich mich nicht dafür. Und drittens mögen andere erkennen, dass es da nichts zum Schämen gibt.

    Ja, manchmal Rotz und Wasser.

    Mir gleich, wer sich den Luxus gönnt, mich dafür zu verachten. Wer aber Menschen wie Dich oder mich oder andere in ähnlicher Lage öffentlich als unfähige, verweichlichte Schwächlinge abstempelt, weil sie nicht jederzeit ein lachender James Bond (der ja nur gut schießen und metzeln kann, im Auftrage jener mörderischen Majestät, sonst nichts): Dem Eckensteher leuchte ich heim in sein Heuchelloch, in seinen schwarzgalligen, eklen Krötenschleimpfuhl.

    Ich habe die Nase gestrichen voll von derlei Gestalten. Die können mich kennenlernen. Ich kann nämlich auch noch etwas anderes, als bloß Heulen.

    Im Schwäbischen sagt man: “Der kommd mer grad gschliffa!”

    Derlei Leute gehören, auch exemplarisch, damit jeder weiß, wo Barthel den Most holt, verbal von der Platte geputzt.

    Es ist mir weiters egal, wenn einer den Dummtrick rausholt, ich sei ja verbittert. Voller Aggressionen, den ganzen blöden Psychodreck. Ja, kann ich da nur sagen, nein, verbittert bin ich nicht, aber ich schlage jetzt zurück! Schleicht Euch! Maul halten! Oder es setzt was!

    Deren Wagemut, zumal wenn auf sich allein gestellt, reicht gerade mal von vor dem Frankfurter Kreuz bis vors Frankfurter Kreuz. Man traut sich allenfalls in großer Rotte über einen gerade am Boden Liegenden herzufallen.

    Solchen Heuchlern, die sich nicht selten auch noch erhaben esoterisch verbrämen – es sind fast immer Männer, oder was man also zu heißen pflegt – gehört unmissverständliches, härtestes, klarstes Wort angetan.

  3. Dude sagt:

    “Es führt in der Tat kein Weg daran vorbei, dass sich jeder einzelne vor Ort wehrt, so gut er kann.”

    Spannend! Genau das hab ich – in anderer Form – mit meiner neusten Publikation, auch noch mal doppelt unterstrichen, ohne diesen Artikel hier zu dem Zeitpunkt zu kennen.

    Immer diese Scheisssynchronizitäten – man muss sie einfach lieben! :-)

    Ps. @Magnus

    In meiner Wahrnehmung hat Armin hier in meisterlicher Manier etwas sehr tiefgehendes und emientes angesprochen, und da es Dir hier offensichtlich um einen Detailaspekt dessen geht, wäre dieser Kommentar von ihm eigentlich ein Gastbeitrag wert, oder?

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Wenn Armin seinen obigen Kommentar als Gastbeitrag einstellen möchte (etwas Überarbeitung wäre jedoch notwendig; z.B. passte das “Lieber Magnus” nicht hinein; zwei oder drei kleine Flüchtigkeitsfehler wären herauszunehmen; der Bezug müsste für Leser nachvollziehbar neu dargestellt werden; was aber alles nicht viel Aufwand): gerne.

  5. Armin sagt:

    Statt Gastkommentar (Danke für die Blumen ;-) hier ein Link zu meinem 1. richtigen Artikel auf conspirare:
    “Ich, der ich weiss, mir einzubilden, dass ich weiss, nichts zu wissen, weiss, dass ich nichts weiss”
    http://www.conspirare.net/w2/ich-der-ich-weiss-mir-einzubilden-dass-ich-weiss-nichts-zu-wissen-weiss-dass-ich-nichts-weiss
    Liebe Grüsse
    Armin

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