Mit ‘Schmerzphone’ getaggte Artikel

Schmerzphonwahn

Montag, 17. Februar 2014

Na also, es bewegt sich was, es geht.

Deutsche Großfirmen beginnen damit, ihre Mitarbeiter vor ihren Schmerzphonen zu schützen.

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/erreichbar-nach-dienstschluss-massnahmen-der-konzerne-a-954029.html

Ein kranker oder toter Mitarbeiter ist halt doch kein guter Mitarbeiter.

 

Bermudadreieck der Vernünfte

Montag, 10. Februar 2014

“Bermuda-Dreieck der Vernünfte”: Den Kalauer brachte mir vorhin ein Schüler mit.

Er hat ihn laut eigenen Angaben von seinem Deutschlehrer, der ihn gegenüber seinen Schülern so verwandte, als dass er jetzt bei ihnen wohl genau dort gelandet sei (unsicher ist, ob er tatsächlich “der Vernünfte” sagte oder nicht doch “der Vernunft”).

Der wackere Pennäler nun übertrug die schöne Findung in seiner Hausaufgabe auf das Schmerzphon bzw. wie es auf seine Nutzer wirkt.

Er nahm sie jedenfalls intuitiv zur Hand, denn ich musste ihm noch erklären, dass “Vernunft” normalerweise nicht pluralisiert wird, weswegen mir das mit den Vernünften hier gerade erst recht gefalle.

Schwarzes Loch der Gesundheiten.

Abyssos der Wissen.

Schlingschlund der Arese und Aphroditen.

Malstrom der Füge.

Grabgrube der Verstände.

Wie heißt die Büchs’ fürs abgelegte Handy?

Dienstag, 12. November 2013

Leser Dude kommentierte gerade auf meinen Artikel “Schmerzphonzombies” u.a.:

“Ich bin übrigens kurz davor bei mir zuhause ein radikales Handyverbot zu erlassen. Wer rein will, kann das Ding im Briefkasten deponieren.”

Und brachte auch diesen wichtigen Link noch dazu:

http://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2013/07/19/das-betreten-meiner-wohnung-mit-einem-aktiven-mobilfunktelefon-ist-ab-heute-untersagt/

Ich kann mir das leider so nicht einfach leisten, weil ich auch zuhause unterrichte, zumal Jugendliche.

Aber mir kam daraufhin eine spontane Idee, die ich jetzt zu entwickeln trachte, wie ich gesundheitlich wie sozial doch ein wirtschaftlich vertretbares Signal setzen könne.

Nicht unbedingt im Briefkasten auf der Gass’, auch nicht in einer Stahlkiste im Treppenhaus, auch nicht auf dem Scheißhaus, aber doch einige Meter vom Unterrichtsraum wie den Hirnen meiner Kinder (die Strahlung nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab) könnte ich eine Handykiste installieren, von woher man, wenn’s gar nicht anders geht, die Quälteile noch klingeln hören könnte, um sie notfalls dort abzunehmen und vor der Loserbox zu betreuen.

Allein, mir fehlt noch ein hübsches Behältnis, worein die Leute ihr Schmerzphon gerne tun, das vielleicht gar noch ganz lustig finden, und einen netten, vielleicht gar einen sexy Namen sollte es auch haben. (Sonst behalten die ihre Handys und ich habe keine Kundschaft mehr.)

Womöglich sollte das Teil sogar (damit der Witz ankommt, und wegen der Diskriminierung und so) drei Bettchen haben, eines für Männlein, eines für Weiblein und eines für Zwitter.

Ja, welche Größe, welche Farbe, außen wie innen, welches Material, das fragt sich auch noch.

Wenn ich es das “Handybettchen” oder das “Mobikörblein” nenne, lachen wahrscheinlich nicht alle. “Temporäre Schmerzphonverwahranstalt” ist hinwiederum nicht nur zu lang, sondern auch noch gleichzeitig zu konkret und hart.

Wie wär’s mit “Handyparkplatz”?

Oder: “Handystall”?

Oder: “Lümmeling”?

Naja. Wird mir schon noch was einfallen.

Wozu bin ich Philolog?

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Handykirche? – “Da darf es einfach mal beten!” – ? Äh.

Handybunker? Handyschatzkistchen? Handyasyl? Handyhaftanstalt? Handymoppel?

Nein, ich denke, das reißt es alles noch nicht.

Der Name muss ein magischer sein.

Nebeltruhe von Avalon kann ich den Verwahrkasten natürlich auch nicht nennen.

Elektrofix? Elektrotrix? Strahlnix?

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Einfach Fridolin? Fipps? Heimdall? Borgberger?

Schlummerland? Villa Elektra? Handysan? Abstahan?

Oh weh!

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Händihus? Holophonatora? Peilhalla?

Es wird schon noch.

Huginshag?

Ok. Versteht keiner. Viel erklären sollte nicht sein.

Oder?

Wozu den Namen erklären?

Umso eher denkt mal einer drüber nach.

So könnten gleich zwei pädagogische Ziele erreicht werden.

 

 

 

 

 

Schmerzphonzombies

Montag, 11. November 2013

Wahrscheinlich werden wohlweislich keine Statistiken darüber geführt.

Nachdem ein Spezi es vor Monaten schon erlebt hatte, wie ein vielleicht Achtzehnjähriges, schmerzphongesteuert, zu ihrem Glücke gerade noch mit der Matschrübe gegen einen Laternenmasten statt unter die Straba lief, hatte ich am Donnerstag, nachdem ich abends um sechs noch auf einen Unterrricht ausgerückt war, schon jede Menge dieser Zombies gesehen, wie sie zum Feierabende mit ihren infernalischen Maschinen durch die Stadt torkelten, über die Straße, egal woherum, auf der Heimfahrt mit dem Radl ein entsprechendes Erlebnis.

Leicht bergab, also mit vielleicht 30 Kmh, bei bester Vorderbeleuchtung, war es nur einer zackigen Vollbremsung und meinen guten Bremsen zu danken, dass ich nicht in eine vielleicht Fünfunddreißigjährige hineinbrezelte, die mit ihrem Schmerzphon an der Back’ einfach, ohne irgendwo hinzublicken, plötzlich eilig die Fahrbahn querte.

Totgefahren hätte ich sie wohl nicht; aber für etwas Krankenhaus, zumal für die Adrette, ich bin hart im Nehmen und will da nicht hin, hätte es leicht gereicht.

Ich plärrte sie noch an, wie lange sie das wohl zu überleben gedenke, diesen Wahn.

In ihrem leichten Schock, noch kaum erwacht, goschte sie noch Halbunverständliches zurück, noch völlig ohne Einsicht.

Ich bin weiland über 25 Jahre unfallfrei Auto gefahren. In jeder alten Stinkemistkarre, bei jeder Witterung, übermüdet, versiffte Brille, bei jeder Halbsicht.

Aber auch mir ist es passiert, dass ich einen Fehler machte; ich habe auch schon einmal eine rote Ampel überfahren.

Diese Schmerzphonidioten, ich sehe es täglich, gucken an der Ampel gerade mal kurz auf, ob es Grün geworden, latschen dann, ohne auch nur noch im geringsten darauf zu achten, ob doch nicht nur ein Radler komme, den sie wohl noch überlebten, über die Hardcorekreuzung.

Die laufen unter einen Bus, einfach so, merken erst, dass sie noch lebten, wenn sie tot sind. Vielleicht.

Die jungen Männer scheinen noch etwas vitaler, instinktsicherer. Aber das kann täuschen. Es ist nur mein ungefährer Eindruck.

Nun gut. Sollte das stimmen, so haben wir wenigstens einen Überhang an kinderlosem männlichen Kanonenfutter für den nächsten verlorenen Krieg. Aber da schickt man heute ja auch schon am liebsten Frauen hin, wegen der Gleichberechtigung undsoweiter. Also wäre das sogar etwas diskriminös.

Ja, ich war schonmal betrunken. Aber dauerbesoffen war ich nie. Und insgesamt wusste ich, wenn ich einen im Kahn hatte, wenigstens, dass ich einen drinhatte und deshalb besonders aufpassen müsse, wenn eine Straße zu queren sei. Deshalb lebe ich noch.

Die merken nicht einmal mehr, viele jedenfalls, dass sie nur noch unter bester Vorsicht halbwegs gehverkehrsfähig.

Die halten sich für sturznüchtern, für endcool.

Wenn ich nur einmal sehe, wie eines meiner Kinder so über die Straße schlurt wie diese Endfanten, hört man meinen Schrei bis weit hinter Rottweil.

Leck mich fett aber auch.

 

 

 

Vom Rechnerhass

Samstag, 20. April 2013

Leser Armin hat auf seiner Seite schon wieder einen Artikel eingestellt (den Vorgänger will ich, wie bei ihm angekündigt, auch noch angemessen würdigen), der Bemerkenswertes enthält, dessen ich jetzt zunächst eine längere Passage zitiere:

“Nein, eigentlich bin ich kein Fan von Computern, kein Fan von Mobiltelephonen, ganz einfach kein Fan von digitalen Furzen.

Nein, noch schlimmer, ich hasse sie.

Das, umso schlimmer, da ja mein Brötchenberuf immer wieder mal mit ihnen zu tun hat, da ich sie aufs innigste seit innig lang scheinenden Jahren kenne, erforsche, brauche, nutze, kaufe, entsorge, ja mich gar in sie hineinfühlen zu können meine, eine merkwürdig effektive Intuition ihnen gegenüber entwickelt habe, oft fast seherisch weiss, wo es ihnen wehtut, wann sie ihren Geist aufgeben, mit ihnen meinte reden zu können.

Aber, ich hasse sie. Wobei Hass hier nicht böse gemeint ist, sondern eher verzweifelt. Denn ich hasse meine Abhängigkeit von ihnen, die gesellschaftlichen neuen Normen, die sie heraufbeschwören, die globale Abhängigkeit der Massen im Sinne von Arbeit, Unterhaltung und Kommunikation, im Sinne von verlorenen Freunden, die jetzt Facebook Freunde heissen und womöglich mal echte waren beziehungsweise hätten sein können.

Ich hasse die Domination der Computer. Computer dominieren die Wirtschaft, Bildschirme dominieren das Leben bis das unser alle Augen viereckig werden…”

http://www.conspirare.net/w2/der-mann-des-weissen-der-ins-schwarze-schritt-oder-warum-ich-steve-mochte-und-computer-hasse/

…im Sinne von verlorenen Freunden, die jetzt Facebook Freunde heissen und womöglich mal echte waren beziehungsweise hätten sein können.  (!!!) (weiterlesen…)