Blogs: Von Bedenklichem und Erfreulichem

Was ich fast noch weniger verstehe, na gut, ich verstehe es aus gewissen Beweggründen her schon, als dass man als Blogautor in Leserkommentare mittendreinkommentiert, ist, dass man einen Kommentarstrang plötzlich einfach schließt.

Bei einer MSM-Zeitung (einem Schafsmedium) mag ich das ja noch viel leichter nachvollziehen; man will die Sache von der Backe haben; möglicherweise kamen schon ein paar Kommentare, die man lieber nicht gesehen hätte, sich aber auch nicht verwagte zu zensieren. Da ist das die einfache Lösung.

Ich habe in bald fünf Jahren keinen einzigen Kommentarstrang zugemacht. Bin ich blöd?

Mag sein. Ich habe aber immer wieder erlebt – es gibt bekanntlich Suchmaschinen und auch andere Wege, die einen erst später auf einen Artikel bzw. die Kommentare dazu führen können – , dass erst alleweil Monate später Gewichtiges hereinkam. Mich hat das dann immer gefreut, auch manchmal dahingehend inspiriert, mich eines fast schon vergessenen Themas erneut anzunehmen.

Ich bin nicht “cool”. Wollte ich nie sein. Allenfalls manchmal gelassen, da jetzt doch schon nicht mehr ein glatter Jüngling.

Wieso die Türe schließen?

Waltet da Faulheit? Ein “Was geht mich mein Geschwätz von gestern an?” Arroganz? Ist einer vielleicht ganz einfach nicht mehr dem gewachsen, was er mal schrieb? Feigheit?

Gut. Jeder macht es, wie er das will. Es gibt zum Glück keine Vorschriften dazu. Wäre ja noch schlimmer.

Ich sehe es aber so: Entweder lässt man Kommentare zu, oder man lässt es.

Es mag ja mal einen Artikel geben, zu dem man gar keine Kommentare veröffentlichen will. Ist mir zwar noch nicht vorgekommen: das jedoch kann ich fallweise nachvollziehen.

Ich denke, wo wir nicht von den Schafsmedien sprechen, dass eine Art Erhabenheit verbreitet werden soll, meist jedenfalls, wenn einer sagt: “So Kinderchen, hierzu gibt es jetzt nichts mehr zu sagen.”

Eines offenen Geistes, der sich der Welt stellt, Ausnahmen mag es geben, meines Erachtens eigentlich unwürdig.

Keiner zwingt den Autor, nochmal zu antworten. Viele Autoren sind eh nicht sonderlich interaktiv. Daran ist nichts zu bemängeln. Ich halte es zwar anders, verstehe aber durchaus, wenn jemand sein Sach’ einfach so stehen lässt, andere reden, selbst nichts mehr dazu sagt.

Ich “habe” nicht viele regelmäßige Kommentatoren, bekomme oft wenig, nicht selten gar keinen Kommentar herein.

Dafür aber sind die, die reinkommen, oft Weckrufe. Wenigstens Hinweise von Gewicht.

Und manchmal sind verdammt gute Texte dabei. Da hat wirklich jemand was gedacht. Das sind mit die schönsten Momente.

Genug gemeckert. Es bewegt sich einiges.

Als ich anfing, war es noch kaum üblich, dass Blogautoren sich mit ihren Kommentatoren regelrecht unterhielten. Wirklich austauschten. Nicht im Sinne eins “Chats”. Ernsthaft. Genau. Überlegt.

Das hat sich geändert. Eine überaus positive Entwicklung.

Man schreibt wieder.

Und man versucht, richtig zu schreiben.

Eine durchaus bedeutende kulturelle Entwicklung.

 

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2 Antworten zu “Blogs: Von Bedenklichem und Erfreulichem”

  1. Jochen sagt:

    Hallo Magnus!

    Ich habe gestern etwas entdeckt, was mich die ganze Nacht nicht hat schlafen lassen. Mir ging dabei so viel im Kopf herum, daß ich das jetzt erst einmal ordnen muß. Es in Worte zu fassen, ist so viel, daß ich es in kleinen Portionen servieren muß, die demnächst auf meiner Seite erscheinen werden. Ich möchte nur soviel verraten, es wird spannend. Ich meine, Theorien kann ich ja soviel aufstellen wie ich will; aber ich meine, daß es diesmal mehr ist, als nur eine Theorie.

    Schönen Gruß und schönen Tag Dir noch,

    Jochen Anderssagen

  2. Hallo Magnus,
    habe zu diesem Thema zwar auch ein paar andere Ansichten, jedoch hast Du mich mit Deinem Artikel nach vielem Abwägen letztlich dazu bewegt, die Kommentarfelder wieder aufzuschließen, bzw. die Türchen meiner errichteten Trutzburg wenigstens angelehnt zu lassen; es macht ja sowieso keinen Unterschied.
    LG und frohes Schaffen!

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