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Vom Strategeme des günstigen Witzes (Nr. 47)

Donnerstag, 25. Juli 2013

Das Strategem des gunstverschaffenden Witzes begegnet uns praktisch überall, auf Schritt und Tritt. Werber, Politiker, Redner, Buhlende, Lehrer, Schreiberlinge: Es ist allgegenwärtig in Anwendung.

Schwierig wird es aber, was wunder, in gefährlicher Lage.

Da mag es sich dann sowohl um in der Not ad hoc zu findende tragfähige Witze drehen, als auch langfristig und verschlüsselt angelegte. Und halbverschlüsselte angelegte sowie dergestalt verschlüsselte, dass der speziell damit belegte Lachende nicht eigentlich weiß, weshalb er lacht, dass, wenn dies anliegt, viele oder die meisten oder fast alle nicht wissen, weshalb sie lachen.

Und es geht um jene Witze, zu denen die Leute sich nicht trauen zu lachen, vor sich selbst wie vor anderen, wo zunächst nur ein innerer Lachreiz erzeugt werden soll. Womöglich als Anfang oder Zwischenglied einer strategemisch aufgestellten Reihe von Witzen. Als Vor- bzw. Begleitwitz sozusagen. Als Weichkochwitz.

Und natürlich scheinbare wie wirkliche Ablenkwitze, die erst recht weiter in die gewünschte Richtung lenken.

Ohnehin kann der Strategemausübende vor einer so schwierigen, langfristig zu betreuenden Aufgabe stehen, dass er die meisten Witze gar nicht auch nur als dahingehende klare Versuche zutage treten lassen darf, sondern sie irgendwo in seiner Prosa so einzubetten, dass sie, wenn wahrgenommen, wie zufällig wirken, jedenfalls nie unzweifelhaft dingfest zu machen, bei den meisten ohnehin, meist, eher unterschwellig wirkend. Ja, anderen aber schon hörbar.

Der Punkt, so banal das klingt, ist auch schlicht der, dass die meisten Menschen lieber mehr lachten, als sie es tun, dass Lachen bekanntlich befreiend wirken kann, weshalb es auf verschiedensten Ebenen, eben auch unterbewusst oder halbbewusst nachgesucht wird. Wer also mit dem Strategeme des günstigen Witzes, als sich wiederholendes, mehrdimensionales Kettenstrategem, umzugehen weiß, kann sehr wohl im Großen wirken.

An bestimmten Stellen kann es sein, dass der Strategemanwender plötzlich gezwungen ist, den Narren zu spielen oder, es kann auf dasselbe hinauslaufen, eine ganze Witzkaskade abzusondern. Viele Leute stehen einfach stupefakt, wenn zu schnell zu viel Schräges auf sie einstürmt, halten allein deshalb inne, sehen vielleicht gar von schon fest geplanten oder spontan ins Hirn geblitzten übelsten Vorhaben und Taten ab. Die Witzkaskade kann ganz unmittelbar Leben retten. (weiterlesen…)