Mit ‘Verliebtheit’ getaggte Artikel

Keine Dulcinea bitte!

Mittwoch, 24. April 2013

Grade sah ich mich (nur um zu sehen, ob ich so das Haus verlassen könne, sonst mache ich das aus guten Gründen, außer beim Rasieren, nur sehr selten) im Spiegel an und dachte spontan: ‘Mein Gott, guck dir den an, mindestens eine Rasur und etwas mehr Contenance könnte nicht schaden.’

Wie bringt es einer, der doch am Abend vorher keine zwei Flaschen Absinth getrunken, fertig, noch am Nachmittage so auszusehen?  (Ich hätte wirklich nicht – bin ich ein Weib? – in diesen blöden Spiegel sehen sollen.)

Zuerst kam ich auf den Gedanken, dass Denken die Schönheit (selbst die s e h r relative) nicht befördere, verwarf diesen dann aber, zuwenigst aus Trutz.

Den Spiegel verantwortlich zu machen, verwarf ich noch schneller.

Sodann kam ich auf die Idee, dass es mir der Lust fehle.

Das erklärte die Sache aber auch nicht. Es mag mir zwar nicht selten der Lust fehlen, zu spülen, putzen und aufzuräumen, grundsätzlich aber leide ich nicht an Lustfehl.

Da ich von gestern auf heute kaum zehen Jahre älter geworden sein kann, mir in dieser Zeitspanne keine üblere als die übliche Unbill zuteil ward, kann es fast nur noch daran liegen, dass ich (abgesehen von den zu stutzenden Barthaaren) zu schlecht, zu pessimistisch hinschaute.

Keine allzuüblen Träume, Mephistopheles, dessen ich mich ja gerade, den Faust erklärend, wieder mehr beschäftige, als ihm wohl lieb, traute sich erst recht nicht an mich heran, sich noch mehr meines Spottes einzuhandeln, womit normalerweise nur noch eine andere vernünftige Erklärung bliebe, nämlich jene, dass ich unglücklich (oder überhaupt) verliebt sei.

Davon weiß ich aber auch nichts.

Bin ich jetzt schon in eine verliebt, ohne dass ich das mitbekommen hätte?

Bei näherer Betrachtung wird man wohl eingestehen müssen, dass es selbst derlei idiotisch-tragische Fälle wohl schon gab.

Hülfe es mir jetzt, herauszufinden, wie sie heiße?

Meist schadet es der Genesung, wenigstens dem Arzte, der ja auch von etwas leben will, nicht, zu wissen, woran der Patient leidet. Sollte ich aber tatsächlich verliebt sein, so wäre ich mir da nicht so sicher.

Wäre es nämlich so, so wäre es sehr wahrscheinlich besser, ich vergäße es einfach, was weitaus schwerer fiele, wüsste ich, in welche konkrete Dulcinea.

Also gut: Ich weiß es nicht und will es auch lieber nicht wissen.

Alles war nur eine momentane psychische Belastungsstörung, ich gehe nachher zum Lidl, rasiert, wie als ob nie etwas gewesen wäre.

Man ehre die edlen Frauen

Sonntag, 30. September 2012

Wenn ich echte Frauen treffe, was auch schon nicht so überhäufig, aber immerhin vorkommt, die dann, noch viel seltener, auch noch zu jenen gehören, die gerne und richtig Denken sich nicht nur zu ihrem Vorteile antun, sondern ganz einfach so, und natürlich mehr als einfach so, auch noch Spaß daran haben, dann, Überolymp, auch noch ein bisschen nett zu mir sind, kann ich doch noch in die Gefahr geraten, dem schlimmsten aller Verstandestrüber, der Verliebtheit, alswelche die übelste Brut der Hoffnung, also glatt des Teufels, anheimzufallen.

“Darfst du jetzt, in diesem erlesenen Ausnahmefalle, nicht doch mal wieder, wenigstens so ein kleines süßes Bisschen, verliebt sein?” – flötet da die Schlange, die mich in Wirklichkeit nur aus dem Gleichgewicht zu bringen, auf Abwege, zum Sinnlosen hin, wenn nicht gar ganz zu vernichten trachtet.

Man soll sich noch nicht einmal in Frauen verlieben, die gerne denken, das auch können, und überdies bei einem guten Glase Nichtwassers dazu keck zu lachen verstehn.

Lieben darf man sie, klar; was auch sonst; aber selbst jene, und sie haben es am allerwenigsten verdient, dürfen einen damit nicht, gar noch völlig unverschuldet, in jene Morbidität des Geistes werfen. (weiterlesen…)