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Text am Hals

Freitag, 10. August 2012

In einigen zwanzig Metern Entfernung gewahre ich das lummeligste Einmannzelt, das ich je gesehen, worein sich heute Nacht wieder drei Göllersche Recken zwängen werden, um jeden Zentimeter, Decke und Raumes, einsardint zu kämpfen.

Etwas dahinter sind eben drei Sächsinnen mit drei Autos, drei herrschaftlichen Aufschlagwohnstätten und drei sicherlich wohlgeratenen und guterzogenen kleinen Kindern angerückt: eine große, moderne Flickwerkfamilie?

Derweil überbieten sich, indem dorten der Einweggrill sorgsam bestückt, die Meinen wechselseitig im dem anderen Wegfressen von Brot und Salami, den jeweiligen Entrüstungsstürmen ob der brüderlichen Rücksichtslosigkeit, durchstreifen den Hag am Bautzener Stausee, dieweil der Alt’ unterm Dächle am Reiserechnerle sitzt, trutzig, trotz kühler Brise in der kurzen Hos’, darüber sinnend, ob er den bösen Text von vorhin, der zwar zwingend, aber doch vielleicht allzuwenig verträglich nachwies, dass Philosophie nicht dem vollen Bauche entspringen müsse, dass ein gewisser Gott zu seinem Bruder, oder Alter Ego, nämlich dem Teufel, geschickt gehörte.

Der Text ist gut, und es ist ein Jammer, so etwas aus Vernunftsgründen zurückzuhalten. Da ich aber bezüglich der Zartbesaitetheit abrahamitisch Gläubiger inzwischen einige Erfahrung besitze, weiß, wie wenig sie es zu ertragen vermögen, wenn man ihren Gott als das bezeichnet, was er ist, wird er wohl erstmal ins Schatzkästlein gelegt, daselbst zu schlummern, bis dass er eines Tages die Zeit breche.

Immer wenn ich zu dem Schlusse komme, dass ein guter Text (die wenigsten außer mir werden ihn dafür halten) jetzo oder baldo eher nicht zu veröffentlichen sei, werde ich ein bisschen melancholisch. Das ist wie als ob man seinem Kinde das Spielen auf der Gasse verböte, weil sich dort gerade gar zu viel Gesindel herumtreibt. (weiterlesen…)