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Das offene Wort ist “nicht politikfähig”

Donnerstag, 10. Oktober 2013

“Nicht politikfähig”: Das ist eine Chiffre, die mir in letzter Zeit wieder auffällt.

Auf der politischen Rechten (bzw. da, wo man patriotisch und konservativ eingestellt) tritt dieses Verdikt – besonders anlässlich des Auftretens der AfD – besonders wider jene auf, die den Islam noch immer nicht als Religion des totalen Friedens akzeptieren mögen.

Dazu müsse man halt mehr oder weniger das Maul halten – wie gegenüber Israel und Zionisten sowieso – : ansonsten sei man eben “nicht politikfähig”.

Auf der politischen Linken (also da, wo man eher internationalsozialistisch und multikulturell denkt) hinwiederum ist man, jedenfalls bei Sozis und Grünen, ebensowenig “politikfähig”, wenn man sich klar wider eine Unterstützung der NATO-Angriffskriegspolitik stellt. Ein bisschen Mitbomben muss schon sein, ein bisschen Terrorunterstützung muss schon sein, damit man “politikfähig” bleibt.

Und in der sogenannten Mitte, da ist man gleich wegen allem und jedem “nicht politikfähig”: Es kommen noch Kritik am Euro, an den EU-Kommissariaten, an den Vertragsbrüchen, am ESM-Vertrag gar, und verschiedenes mehr dazu.

Da bin ich doch froh, dass ich für alle diese Fraktionen “nicht politikfähig” bin.

So werde ich mit denen schonmal nicht verwechselt. Nicht schlecht, dieser kostenlose Service.

Die Kriecher und Schleimer der jeweiligen Fraktionen unterscheiden sich dabei in ihrer Art nicht wesentlich; die Linken und die Rechten strengen sich bei der Sprache im Schnitt etwas mehr an, als jene, die sich mittig wähnen. Das dürfte aber überwiegend dem jeweiligen Rechtfertigungsdruck geschuldet sein. Gut, teilweise bedingen das auch Sozialisation und Kenntnisstand.

Maulhalten ist hiemit für “Politikfähige” allenthalben die Devise. Die reale Welt ist ein einziger Fettnapf, in den man treten könnte. Also ist vor allem Leisetreterei zu üben, Anbiederei, die Klugheit des Feigen, der diese weise nennt.

Mal abgesehen davon nochmal zu meiner Person: Ich bin zunächst einmal Schriftsteller, auch bisweilen ein politischer, im Sinne dessen, dass ich mich zu politischen Dingen äußere, teils mit dezidierter Meinung. Deshalb habe ich aber erst recht keinen Grund, so, wie es aussieht, ganz im Gegenteil, mich als im gewünschten Sinne “politikfähig” zu gerieren.