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Jede Pflanze eine Blume

Montag, 10. Juni 2013

Für meinen einst besten Studienfreund war im Grunde jede Pflanze eine Blume.

Zwar sprach er im Würzburger Ringpark nicht von Blumen, wenn wir vor einem Gingko oder einer stattlichen Buche standen, doch waren sie für ihn, der später Doktor der Pflanzenphysiologie mit Summa cum Laude werden sollte, eben doch Blumen.

Und da ich eben an meinen Freund D. zurückdenke, der sich, zeitweise, aufgrund einer Fehldiagnose, dem baldigen Untergange geweiht sah, was er wahrscheinlich wirklich nur mir irgendwann offenbarte, woraufhin ich ihm sagte, er solle einen Scheißendreck an die Drecksgeschichten von irgendwelchen Ärzten glauben, wieder anständig essen, wozu ich ihn rege einlud, fällt mir auch wieder ein, wie er sich über das Gros der Zimmerpflanzenliebhaber lustig machte: “Die meisten Leute machen aus ihren Pflanzen Unterseeboote.”

Ebenso spottete er über jene, die ihre Pflanzen ständig düngten, wie als ob sie Turbokühe züchten wollten, über zu große Pflanzlöcher, zu viel Substrat, das die Gärtner eifrig ausbrächten und verrechneten, falsche Bodenbearbeitung, lachte über zerhackte Disteln in städtischen Rabatten (die hatte er selber ausgebracht, er nannte sich darob “Ökoterrorist”), die um ein Vielfaches zurückkehren würden, indem wir sommers, am Mainkai, die unvermeidliche Halbe in der Rechten, beim Betrachten der vorüberziehenden Studentinnenblumen übers Ansetzen und die Wirksamkeit von Tabak- und Brennesselsuden sowie die Möglichkeit von Teilreinkarnationen ernsthaft und auch weniger ernsthaft disputierten und philosophierten. (weiterlesen…)