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Es braut sich was zusammen in Deutsch-Südschwitz

Mittwoch, 27. Februar 2013

In Deutsch-Südschwitz, jener merkwürdsamen, hessengroßen deutschen Enklave am Südrande der Sahara (inzwischen hat selbst der Sonderwirtschaftszonenoberkommissar den Begriff “Enklave” verwendet), gehen rasante gesellschaftliche Umwälzungen vor sich.

(Letzter Bericht: “Kriegen wir keine kleine Kolonie? Deutsch-Südschwitz”?)

Seit der OK in Berlin erwirkt hat, die exorbitante Biersteuer aufzuheben, da diese zu einem Schmuggelwesen babylonischer Dimension geführt habe, sind die Margen im Biergeschäft zwar etwas geringer (es zahlte eh so gut wie keiner die Steuer), aber dafür steigt der Umsatz desto kräftiger. Keiner jammert.

Immerhin ist die Bevölkerung innert kurzer Zeit von 80 000 auf geschätzte 120 000 Einwohner angewachsen, und es kommen zu weit über 90% sehr durstige Deutsche. (Man sagt hier: “Wer in Deutsch-Südschwitz das Trinken nicht lernt, dem lehrt die Wüste sein Ende.”)

Das Hartzamt weiß nicht mehr, was es machen soll.

Mal kippen ein paar frisch hereingebrandete Punks aus Berlin direkt vor dem Amt um, des frühen Abends, endsturz vom ersten Gelde, um am anderen Morgen daselbst gröhlend zu erwachen und angemessene Loblieder auf die geliebte Bundesrepublik anzustimmen.

Der Renter-Olli ist in dem Teil von Freiberg, der Hauptstadt, den man scherzhaft “die Altstadt” nennt, der unangefochtene König. Nicht einmal die Abschaffung der Biersteuer (sie hatte schon einiges an Freibier gekostet), die ihn ja wirtschaftlich doch hätte gefährden können, hinterließ einen sichtbaren Schrammen in seinem kleinen Imperium. Im Gegenteil. Freiberg hat jetzt 40 000 Einwohner (viele sagen, in Wirklichkeit 50 000) und sozusagen schon eine Altstadt, für deren Funktionieren er zuvörderst sorgt.

Durch den ständigen Durst ist es zu allerlei Folklore gekommen. Teilweise scheint es, ich deutete es am Schlusse des ersten Berichts an, kommt schon eine Art identitärer Geist auf; es entstehen eigene Redewendungen und Sprichwörter; ein paar Hintlinge haben sich gar den Spaß gemacht, ein Lied aufs Land zu singen und eine Art Nationaltanz dazu aufzuführen. Man gab ihnen reichlich Bier. (Bier ist, neben dem Euro, Zweitwährung. Man kann es auch umgekehrt betrachten. Bier wird nämlich immer genommen.)

Eine Combo, von der noch nie einmal einer etwas gehört und auch im Weltnetze keinerlei Kunde zu finden, fand sich plötzlich in einem von Rentner-Ollis Clubs ein und trällerte, hardrockstyle, also los: “Los, los, los! Los von Nord-Doof!”

Den Refrain kann man sich denken.

(“Nord-Doof” ist hier nicht ungeläufig für die Berliner Regierung, die Bundesrepublik insgesamt, manche, ganz Boshafte, sagen auch “das Altreich”.)

Ja, man hat einiges vor, hier unten. (weiterlesen…)