Mit ‘Denkfiguren Dresden’ getaggte Artikel

Kindern Philosophie?

Mittwoch, 18. Juli 2012

Man mag meinen, es sei lächerlich, Kindern mit Philosophie zu kommen.

In Wahrheit tut dies jeder gute gebildete oder auch weniger gebildete Elter, wenn er nicht immerzu den Herrgott im Munde führt, ob bewusst, ob unbewusst, jeden Tag.

Allein schon ob wenigstens vierer Dinge: einen erweiterten Blickwinkel zu schaffen, das Selbstbewusstsein zu stärken, das Urteilsvermögen zu schärfen und den jungen Menschen als soziales Wesen zum Verständnis des Ganzen hinzuführen.

Als ich schon über dreißig Lenze zählte, mich wieder einmal in schwieriger Lage befand, sagte meine lebensweise, überaus tapfere Oma wie zu einem Kinde zu mir: “Magnus, em Läba goht emmer widder a Dierle uff!” (Magnus, im Leben geht immer wieder ein Türlein auf!)

Das gab mir, doch schon halbwegs erwachsen, einfach so, viel Mut und viel Kraft.

Und genau hierher gehört wiederum mein (eines von zweien) spanisches Lieblingssprichwort: Me he quebrado el brazo, quizás por bien! (Ich habe mir den Arm gebrochen, mag sein zum Guten!)

Noch persönlicher: Meine geliebte verstorbene Frau, mit der ich zwei prächtige Buben gezeugt habe, meinte einmal zu mir, was mich dauerhaft und tief berührte (gut, das ist jetzt nicht unbedingt direkt “Philosophie für Kinder”, ich erlaube mir das Abschweifen hier aber), dass ich sie ohne meine schweren Verletzungen, heute noch als Narben überdeutlich sichtbar, vielleicht nie angesehen, gar genommen hätte. (Ich wusste lange nicht, wie ich Mädchen bzw. Frauen überhaupt ins Gesicht schauen könne.)

Will, auf Kinder bezogen, heißen: Ein Blick auf die Dinge über den Augenblick, die momentane Lage hinaus, Höheres, kann nicht früh genug vermittelt werden!

JETZT hast du es nicht geschafft, ja! Heißt das etwa, dass du es nie schaffen kannst? Pustekuchen!

Man kann Mädchen von Hildegard von Bingen erzählen und Jungs von Miguel de Cervantes Saavedra.

Und es geht eben nicht nur um Lebenshilfe in ungünstigen Lagen. (weiterlesen…)