Archiv für die Kategorie ‘Sprachwissenschaft’

Scumpire: “Schundreich”?

Dienstag, 27. November 2012

Grade habe ich ein elegantes neues englisches Wort gelernt: “scumpire”.

Es stammt offenkundig von “scum” (Abschaum) und “empire” (Reich) ab.

Es soll bezeichnen, na, das erschließt sich von selbst.

Wie könnte es auf Deutsch heißen?

“Schundreich”? “Schandreich”? “Schindreich”?

 

 

 

Smart Mob: Was für eine Rotte?

Montag, 26. November 2012

Ich will mich jetzt doch, sozusagen präventiv, auch noch dem “smart mob” begrifflich zuwenden, also jener behaupteten Unterkategorie des “flashmobs”, der Blitzrotte, die in ihrem Mobtum von einer gut organisierten und vernünftig zielgerichteten Intelligenz getragen sein solle.

“Smart”, zunächst Schmerz bedeutend, können wir hier, irgendwas zwischen geschickt, glatt, intelligent, gewitzigt und behende bezeichnen sollend, nicht nehmen, fällt uns hier nicht so leicht zu.

Bleiben wir für den zweiten Teil bei der Rotte – mir hat schon ein alter Jäger erzählt, wie ausgebufft die Sauen seien – , so fragt sich, wie diese Art Rotte konzis und treffend deutsch zu benamen sei.

“Witzige Rotte”? “Gewitzte Rotte”? “Kluge Rotte”? “Gescheite Rotte”? “Käpselesrotte”?

Wir kommen doch zum Widerspruch an sich in der Sache. (weiterlesen…)

Cash Mob: “Bargeldrotte”?

Montag, 26. November 2012

Sollte nun – siehe Vorgängerartikel – der “flashmob” eine “Blitzrotte” sein, so würde aus dem “cash mob” fast sprachnatürlich eine “Bargeldrotte”.

Was aber machen wir dann mit den “smart mobs”?

Das ist zunächst kein sprachwissenschaftliches Problem, weil die “smart mobs” nur eine bislang unklar definierte, lediglich behauptete Untervariante der “flashmobs”, also der Blitzrotten, darstellen. (weiterlesen…)

Flashmob: “Blitzrotte”?

Montag, 26. November 2012

Über den neuen Begriff “cash mob” kam ich darauf, dass ich ja noch nicht einmal einen deutschen Begriff für “flashmob” kenne, eine Sache, die ich, zumindest wenn ein nicht unbedeutendes soziales Phänomen beschrieben, wenigstens für mich nicht leicht auf mir sitzen lasse.

Finde ich keinen vernünftigen, der schon eingeführt, so muss ich einen erfinden.

Es wenigstens versuchen.

So kam ich denn auf “Blitzrotte”. (weiterlesen…)

Vom Ödsinn

Montag, 26. November 2012

Der Ödsinn ist die Ur- und Endstufe des Blödsinns.

Das Wort Blödsinn selbst stammt ja von einem zusammengezogenen Bla + Ödsinn ab.

Will heißen: Solange Ödsinn noch herausgebabbelt wird, -geblökt, -geblubbert, ist er nicht allein in seiner Ödnis.

Ödsinn heißt genau, was es heißt: Jedem Sinn ist öde. Jeder Sinn ist öd.

Nicht einmal mehr Kamerad Blödsinn erfreut durch ein Bla. (weiterlesen…)

Silke Burmester versucht “Sag’s auf Deutsch”

Sonntag, 25. November 2012

Da schreibt eine Spiegel-Kolumnistin eine mehr oder weniger antibajuwarische Satire, den Bayern unter anderem ihr erbärmliches Deutsch reinzureiben.

Ja, “ihr”, nicht deren.

Abgesehen davon, dass man den Stil der Dame als prosodisch schwach bezeichnen muss, ihren Witz als gezwungen, was jeweils noch Geschmackssache sein mag, fehlt da mal ein Wort, das dortstehen müsste, macht sie Grammatikfehler, verwechselt “das” und “dass”, und ihre Kommasetzung ist für eine Profi unter aller Kanone. (Sie weiß auch nicht, wann man nach Doppelpunkt nicht groß schreibt.)

Hätte ihr vielleicht gutgetan, hätte sie ein Gymnasium in Weiden oder Deggendorf besuchen dürfen, wo die Lehrer zumindest zu ihrer Zeit angesichts solcher Schwächen noch zu scharfen Sanktionen gegriffen hätten. (weiterlesen…)

Vom Dienen

Samstag, 24. November 2012

“Man kann nicht zweier Herren Diener sein.”

Eben höre ich diesen merkwürdigen Spruch schon wieder und denke wiederum, obschon ich die üblich anzunehmende Metaphorik verstehe, dass man am besten so vielen Herren dient, keines einzigen Diener mehr zu sein.

Seit wann bin ich Diener?

Will ich eines Herren Diener sein?

Oder dann doch lieber der zweier oder dreier oder mehrerer, je nach Entwicklung in den besten Dienerstand zu kommen?

Was ist mit dem Militär? (weiterlesen…)

Vom gefährlichen positiven Denken

Donnerstag, 08. November 2012

Vorhin las ich einen Artikel über neue Forschungsergebnisse (er ist zu läppisch, als dass ich ihn verlinkte) dazu, dass man auf Koffein besser positiv konnotierte Wörter erkenne. (Der Zufall wollte es, dass ich Ähnliches erst drei Tage zuvor aus einem ernstzunehmenden Buche zur Verhaltensforschung mitgenommen.)

Nun, Koffein euphorisiert. Jedenfalls die meisten Zeitgenossen.

Ich frage mich nun aber (der Artikelautor kam gar nicht so weit, er bezweifelte das nicht), ob es denn gut sei, wenn man positiv Ausgedrücktes auffälliger wahrnimmt, als normalerweise.

Ich sehe da (wenn die Beobachtung stimmt) durchaus die Gefahr einer leichteren Manipulierbarkeit.

Das heutzutage so gepriesene positive Denken mag für Verkäufer, Entertainer und Politiker nützlich sein; Wissenschaftlern und Philosophen rate ich da zu deutlich mehr Vorsicht.

Völlige Objektivität ist ohnehin ein so gut wie unmöglich’ Ding; das wird nicht besser, indem man nur noch mehr sieht, was einem gefällt: das ist ja so schon die Falle der Fallen. (weiterlesen…)

Von der Zipfe

Dienstag, 06. November 2012

“Anfangs dachte ich, sie wäre eine arrogante Zipfe.”

Sagte ich, bevor er zum Nachsitzen musste, vorhin zu meinem Jüngeren bezüglich einer Frau.

Erklärte ihm dann noch, dass sich auf ein leicht beleidigtes und nachtragendes Weib einzulassen der direkte Weg in die Hölle sei. Da parke man lieber gleich dort ein.

“Papa, was ist denn eigentlich eine Zipfe?” (weiterlesen…)

Kernwörterbuch

Montag, 05. November 2012

Mit Konfuzius und Nietzsche ein Kernwörterbuch verfasst, das wär’s.

New York Times “enthusiastisch” für Obama

Sonntag, 28. Oktober 2012

Die einflussreichste Zeitung Nordamerikas, manche sagen, der ganzen Welt, die New York Times, hat gestern in einem Editorial des Titels “Barack Obama for Re-Election” in bemerkenswerter Weise für eine Wiederwahl des Amtsinhabers der US-Präsidentschaft plädiert.

Der Artikel schließt, nachdem verschiedene Politikfelder abgearbeitet und jeweils Romney als der Schlechtere beurteilt, Obamas Erfolge herausgestrichen (manchmal hätte man sich noch mehr davon gewünscht), also:

“For these and many other reasons, we enthusiastically endorse President Barack Obama for a second term, and express the hope that his victory will be accompanied by a new Congress willing to work for policies that Americans need.”

(Aus diesen und vielen weiteren Gründen unterstützen wir Präsident Barack Obama begeistert für eine zweite Amtszeit und drücken die Hoffnung aus, dass dieser Sieg von einem neuen Kongress begleitet sein wird, der für die den Amerikanern notwendige Politik zu arbeiten willens.)

Nun ist es zwar Tradition, dass die NYT sich kurz vor der Wahl eindeutig für einen Präsidentschaftskandidaten ausspricht (siehe Kasten links im Originalartikel, wo die jeweils unterstützten Kandidaten aufgeführt werden), und doch springt das Wort “enthusiastically” (enthusiastisch, begeistert) im letzten Satz ins Auge. (weiterlesen…)

Von der alten neuen Agora

Sonntag, 28. Oktober 2012

Gestern saß ich mit einem vortrefflichen, gebildeten, keinem derben Scherze wie feinen Witze abholden Manne zusammen, dessen Kenntnis und Bewusstsein bezüglich sprachlicher Feinheiten und Register ich als zumindest außergewöhnlich bezeichnen will.

So kamen wir denn auch auf die deutsche Sprache als solche bzw. den heutigen Zustand und Behuf derselben. Ein Streit ergab sich. Jovial, beim Biere, aber engagiert, heftig, direkt ausgetragen.

Er meinte, die Komplexität der deutschen Sprache sei unhaltbar; Konjunktive, komplexer Satzbau, das sei von gestern; keiner mehr wolle so etwas lernen; kaum noch Deutsche, Ausländer, Migranten schon gar nicht; kein Wunder sei es, dass Englisch, aufgrund seiner einfachen grammatischen Struktur, Weltsprache geworden; man müsse den Tatsachen ins Auge sehen und sich in dieser Richtung anpassen; das sei nunmal der Lauf der Welt. Ich kämpfe, anderes, gar eine Renaissance der gehobenen deutschen Sprache ansetzen zu wollen, einen vergeblichen, wenn nicht lächerlichen, zwar vielleicht hehren, aber doch klar verlorenen, sinnlosen Kampf. (weiterlesen…)

Keuschlammfrüchte

Freitag, 26. Oktober 2012

“Keuschlammfrüchte”: Ja, so etwas gibt es, und der botanisch normalerweise nicht völlig unbewanderte Blogautor erfuhr es erst über den sogenannten “Mönchspfeffer”.

Dass der, vom Geschmacke wie vom lateinischen Namen “Vitex agnus-castus” her (wie z.B. auch der Szechuan-Pfeffer) kein echter Pfeffer sein könne, war mir, (auch weil er sonst hätte “Piper” heißen müssen) gleich klar, als ich letztes Jahr in der Markthalle zum erstenmal ein Päckchen davon erworben und soßenwürzend verkostet hatte.

Meine Nachlässigkeit als Philolog, dass ich bei diesem deutschen wie lateinischen Namen (agnus und castus kann ich noch) nicht gleich nachsuchte, was es damit auf sich habe.

Und siehe da, dieser Lippenblütler (Salbei, Oregano, Thymian…: sehr viele unserer Würz- und Heilkräuter sind Lippenblütler) soll doch tatsächlich seit Menschengedenken bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt werden, Wechseljahresproblemen, hat seinen Namen aber davonher, dass ihm nachgesagt wurde (wird? – ich habe keinen Spion im Vatikan), er entgeile den Mann, mache die Mönche keusch, wie es sich geziemt. (weiterlesen…)

“Shitstorm” ok, “Scheißesturm” oweh?

Freitag, 26. Oktober 2012

Eben las ich davon, gleich im Aufmacher eines großen Mediums, über die Piratin Julia Schramm sei, ob einer ungemeinfreien Buchveröffentlichung, im Netz ein “Shitstorm” hinweggefegt. (Im Artikel ohne die Anführungszeichen.)

Wieso traut sich – bislang, so weit ich es sah – kein großes Medium, geläufigerweise “Scheißesturm” (wiederum ohne Gänsefüßchen) hinzuschreiben?

Etwa, weil die Übersetzung so schwierig wäre? (Kleiner Scherz.)

Nein, man soll ja im Deutschen nicht Scheiße sagen. Heißt es. Es hält sich zwar keiner daran, aber so heißt es. (weiterlesen…)

“Rechersuche”: Googles Ende?

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Nein, beim Titel ist kein “n” verlorengegangen, sondern es handelt sich um den Namen der neuen französisch-deutschen Suchmaschine (er spricht sich zu Deutsch etwa “Reschersüsch”).

Wir haben die Seite, die Google ersetzen soll, mal auf Herz und Nieren getestet und gaben folgerichtig zuerst den Suchbegriff “Test” ein.

Die ersten drei Ergebnisse lauteten:

francemedicaux.fr “Le mot anglais ‘test’ ne peut pas…”

testyourgerman.eu “Die intergubernementale Implementation des Euro ist ein Test für…”

bankenunion.de “Die Testphase der europäischen Banken- und Medienunion…”

Das war schon recht ermutigend.

Wir beschlossen dann, den Begriff “Lüge” einzugeben: (weiterlesen…)

Immer noch kuhlere Tuhls

Montag, 22. Oktober 2012

Ich habe mich schon verschiedentlich dazu eingelassen, tue das nun aber nach dem Redundanzprinzip wiederum.

Je jünger, dümmer und ungebildeter die Leute, je oberflächlicher sie Englisch können, um desto mehr tendieren sie dahin, irgendwelche eingeschleppten angelsächsischen Modebegriffe bedenkenlos zu verwenden und sich dabei auch noch besonders großartig zu fühlen.

Lustig daran ist nicht selten, dass sie damit meinen, indem sie noch nicht einmal die geläufigste Lehnwortbedeutung wirklich kennen und richtig anzuwenden wissen, geschweige denn die verschiedenen originalsprachlichen Bedeutungen, selbst auf Vorträgen jeden damit beeindrucken zu können.

Traurig ist hinwiederum, dass das, wenn nicht gerade ich mit im Publiko sitze und mal wieder meinen intoleranten Tag habe, gar nicht so selten funktoniert, “performt” sozusagen. Man “liket” es. Man weiß zwar nicht warum, ebensowenig wie der Schwätzer am Pult, aber man weiß, dass das angezeigt ist.

Da in unseren endverweichlichten Zeiten sinnfällige Sprachkritik weithin als bösartig beleidigend gehandelt, passiert meist auch dann nichts, wenn doch ein oder mehrere Zuhörer merken, welch faule Eier da gelegt werden.

Ja, verwendet der Vortragende, der Sprecher, ein deutsches Wort falsch, so mag man das noch einwenden dürfen, ist es aber ein englisches, so gilt das vielerorts als mindestens sehr unhöflich, beckmesserisch, haarspalterisch, als ewiggestrig.

Aber, akademische Absturzrepublik, siehe Frau Minister, inzwischen kann man ja auch auf Bachelor studieren, also auf bologneser Geselle. (Sogar als Vetschie.) (weiterlesen…)

Magnus Egalplag, der Mindmapper

Montag, 22. Oktober 2012

Mein Gott, bin ich froh, dass ich weder einen redlich verdienten noch einen erschwindelten Doktortitel habe.

Ersterenfalls hielte ihn jeder für erschwindelt, zweiterenfalls wäre er es auch noch.

Letzteres wäre, bei allem Elend, aber doch noch besser, da gerechter.

Auch viel normaler. Und normal zu sein, das ist heute wichtiger denn je.

Normaler als mit einem erschwindelten Doktortitel kann man fast gar nicht sein.

Man fällt so keiner Sau mehr auf.

Außerdem, wenn man dann noch Frau ist, also gut übernormal normal, wird jeder, der die erschwindelte Promotionsarbeit kritisiert, jede Alsodochsau, zum “Hexenjäger”: erst recht, wenn die Hex’ katholisch ist.

Was lernen wir aus der ganzen Plagerei?

Bis zum Abitur sollte frau beim Abschreiben aufpassen, danach ist es Egalplag. (weiterlesen…)

Fazplag / Jürgen Kaube: Mein lieber Schavan

Montag, 22. Oktober 2012

“Die Diskussion um Annette Schavans Dissertation hat keine Absurdität ausgelassen.”

Das ist der erste Satz des von Jürgen Kaube verfassten Kastens unter dem jüngsten FAZ-Artikel zur Schavan-Promotionsaffäre unter dem bezeichnenden Titel “Cui bono?”.

Und er ist sozusagen selbstbezeichnend.

Kaube sagt darin, sinngemäß, nicht ganz zu unrecht, dass die Erziehungswissenschaften der letzten Jahrzehnte im Prinzip recycelter Müll seien.

Dass die meisten Doktorarbeiten dazu so scheiße und irrelevant und nur abgeschrieben und kompiliert seien wie jene von Frau Schavan, weshalb es auch egal sei, dass diese scheiße und abgeschrieben und irrelevant sei.

Komplett unterschlagen wird dabei, dass man selbst bei einer scheißigen, irrelevanten, zusammenkompilierten Dissertation, außer, dass sie hinreichend Wörter aufweisen muss, wenigstens die Zitierregeln gelernt haben und beachten sollte.

Offiziell gilt das heute noch, werter Herr Kaube. (weiterlesen…)

“Ausgewogenheit”: Das gefiele dem Lug

Donnerstag, 18. Oktober 2012

‘…man will ja ausgewogen argumentieren…: schrieb ich eben vorhin noch in meinem Beitrag “Knabenbeschneidung: Einen Nutzen mag sie bringen“.’

Was soll das, nicht immer, aber eben oft, mit dem “ausgewogen”?

In der Tat, die deutsche Fußballnationalmannschaft besann sich gestern (ach: es ist schon vorgestern) der Ausgewogenheit, indem sie sich auch noch vier Tore reindonnern ließ.

“Ausgewogen” ist inzwischen ein typisches Verschleierungs-, ein Lügenwort.

Es suggeriert den hehren Wunsch nach Objektivität, wo doch nur Schleimquallentum, Anpassung gefordert. (weiterlesen…)

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