Archiv für die Kategorie ‘Schönes’

Krise in Südschwitz (II)

Sonntag, 28. April 2013

In Südschwitz ist die Lage etwas eskaliert, einerseits, indem die OFH (“Organisation Freier Hintlinge”), deren meiste Rädelsführer ich das zweifelhafte Privileg habe, persönlich zu kennen, einen Pritschenwagen voller bereits brennnender Hanfstrünke nachts am Fuße von Freiberg abgekippt haben, jeder sahe die Lohe, drumrumtanzende Hintlinge, nackte Oberkörper, kurze Hosen, aber alle fest gestiefelt, also, dass die Stadtverwaltung wenig begeistert von dieser unangemeldeten Demonstration, Hartholtz reichlich beunruhigt, mancher Kiffer in der Hauptstadt befürchtete das Schlimmste, nämlich Rauchstoffknappheit, andererseits habe ich es geschafft, in Norddoof, in höchsten Kreisen in Berlin, immerhin schonmal für angestrengtes Nachdenken zu sorgen, ob die Dinge in Südschwitz eben doch nur dadurch zu lösen seien, dass man der Schweiz diskret einen Abstand bezahlt, die Briefkastenfirmen wieder untersagt, woraufhin den Geldbanditen die Geschäftsgrundlage entfiele, diese ob Arbeitslosigkeit sodann ohne jede weitere nötige Maßnahme eine freiwilllige Auswanderung vorzögen, also, dass der soziale Friede in Südschwitz wiederhergestellt werden könne, eine Entwicklung abgewendet, die das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland insgesamt weltweit zu beschädigen zu drohen nicht auszuschließen, kurzum, man gibt sich in Berlin kooperativ.

Mit irgendeiner fiesen Finte ist dabei natürlich noch jederzeit zu rechnen. Man sagt hier: “Wer Norddoof traut, wird von der Wüstenratz gefressen.” (weiterlesen…)

Voller als ein Volumen

Samstag, 27. April 2013

“Ich bin voller als ein Volumen!”

(Ein Spruch meines jüngeren Sohnes nach einem ihm geschmeckt habenden Mahle. Auf Anfrage vom Bruder für sich ebenfalls bestätigt. Alles weg.)

Konstantin und der Abgender

Samstag, 27. April 2013

Konstantin, dem nach seinem ersten dionysischen Abende zu Würzburg klargeworden war, dass der dortigen Universität ein also schicklicher wie nachhaltiger Besuch abzustatten sei, durchstreifte zunächst ein wenig die Räumlichkeiten, indem er sich als wie ein Altstudent oder Doktorand führend, am Röntgen- und Sanderring, stadtaus am botanischen Institut wie am Hubland umtat, den richtigen Ansatz- und Angriffspunkt auszuerspähen.

“Oha!” – Was fand er da?

Einen kleinen, fast unschuldigen Aushang des Inhalts, dass am heutigen Abend um 19.30 Uhr im Zuge des Studium Generale am Sanderring ein berühmt schwuler Gastdozent, Mister Pete Reuben Randolf Dooley, zum Thema “The Genes Of Gender Studies” im großen Hörsaal einen englischsprachigen Vortrag mit anschließender offener Diskussion abhalten werde.

Das gefiel Konstantin natürlich, indem er den Entenbraten doch schon ziemlich abspaziert hatte, gar wohl, denn also würde er sich nur nochmal über einen Gerupften mit zwei oder drei Brezeln, einen geruhsam dazu genossenen Silvaner im rechten Biergarten, hermachen müssen, den Kamm zwischendrein mal angewendet, einem womöglich also lustigen wie zielführenden Abend entgegenzusehen.

Dummerweise, so schien es zunächst, sozusagen, redete sich Konstantin mit einem theoretischen Physiker und dessen Freundin, einer philosophisch sehr bewanderten Altphilologin, deromaßen fest, dass er doch zwei Silvaner trank und auch noch eine gute halbe Stunde zu spät beim Vortrage eintraf, alswo er sich ganz schräg hinten oben diskretest noch dazusetzte.

Er kam genau richtig. Das Männlein da unten hatte sich in eine Art der merkwürdigsten Ekstase geredet, es war, wirr wie alles war, klar, dass es sich binnen kurzem zu einem Entscheidungssatze hinansteigern werde, einem Schlachtrufe, einem Mantra, zur Quintessenz seiner Blödheit hin. Und natürlich kam der Satz schließlich auch. (Es setzte noch ein etwas extrapeinliches retardierendes Moment an, kam dann aber doch, wie zu erwarten, zum Hauptergusse.)

“Gender mens, gender means you are somebody!” (weiterlesen…)

Krise in Südschwitz

Samstag, 27. April 2013

Seit Zenzi die Schule leitet und wir Tisch und Bett teilen und keiner etwas dagegen hat, außer vielleicht einer, der zwar keine Schule leiten möchte, aber vielleicht anderes mit Zenzi teilen, ist die Welt für mich so schön und erbaulich wie seit langer Zeit nicht mehr, also, dass ich über diesen Himmel auf Erden auch nicht weitere unnötige Worte verlieren will.

Leider aber häufen sich extern, in ganz Südschwitz, auch hier in Buschhausen, die Probleme.

Die Schweiz hat mit der wie immer klammen Regierung in Norddoof ein Sonderabkommen ausverhandelt, demgemäß Schweizer hier zu Sonderkonditionen allerlei Geschäfte tätigen dürfen, sich auch ansiedeln, allerlei Briefkastenfirmen eröffnen und Abschakalskapitalgeschellschaften einrichten. Das Gesocks, das da hereinbricht, will Blödbloß, da es nicht nur Sitte und Moral verdirbt in Südschwitz, sondern auch noch die Preise, in Freiberg schon arg, selbst in Buschhausen schon merklich, so dass es bei meinen Hintlingen, um es ganz vorsichtig auszudrücken, nicht eben sonderlich beliebt. Allzumal es ja nicht nur die korruptesten aller Schweizer sind, die hier aufschlagen, sondern auch noch all die Sonderschweizer, also jene Geldbanditen aus aller Welt, die mit Sondergenehmigung für eine Schweizer Sonderbriefkastenfirma tätig sind. Ein übleres Gesindel (sie machen bestimmt 70% jener Schmarotzer aus) wird die Welt, wenn je, nicht oft gesehen haben.

Es droht also ein veritabler Volksaufstand in Südschwitz. Hartholtz, der Standortkommandeur der Bundeswehr, das sagt mir Olli, ist schon ziemlich nervös. Er weiß genau, dass schon ein vierzehnjähriger Hintling drei bis fünf von jenen enddekadenten Hänflingen mit bloßen Händen binnen Sekunden niederzuwerfen wüsste, ihre Pistolen, haben sie welche, wegbeißend.

Es sind grade mal schätzungsweise dreitausend, aber sie sind bei einer Bevölkerung von irgendwo über hunderttausend (keiner weiß genau, wie viele Hintlinge es wirklich gibt) trotzdem unerträglich. Olli meinte zu mir, und etwas Vernichtenderes kann man von einem so gewetterten Wirt kaum vernehmen, sie seien die verdammt nochmal schlechtesten Dummsäufer, die er je erlebt habe. Sie wüssten nichtmal, wie man halbwegs anständig vom Barhocker fällt. Ihr Geschwätz sei so unerträglich verblödet, wie das nicht einmal in der heruntergekommensten rheinischen Trinkhalle im Puffviertel sich je anzuhören hätte, da dort selbst Paule Penner mehr verbale Originalität aufbrächte, und wenn er sich den Rüsel grade mal wieder am Tresen angehauen. Ich hätte nie gedacht, dass Olli so über seine eigenen, auch noch sehr solventen Gäste ablästern könnte. Manches von dem, was er sagte, kann ich hier nicht hinschreiben, da diese Seite keine Volljährigkeitssperre reingewickelt bekommen soll, das Vokabular eines Altprofis seines Gewerbes manchen Fluch und Schimpf umfasst, also ausgeübt ward, wie ich es nun eben Ihrer geneigten Phantasie überlassen muss.

Wer die Geschichte von Südschwitz ein wenig genauer kennt, wird jetzt unschwer erraten, was Olli, als er sich wieder abgeregt, meinte, wir sollten auf diese ganze Scheiße jetzt erst einen alten Vintage Port nehmen, dann zu mir sagen wollte, was ich aber zuerst sagte, um ihm da mal ein Schnippchen zu schlagen, dass ich wisse, was er jetzt gleich sagen werde: “Oh je. Olli. Ich soll also den Oberkommissar und den Hartholtz irgendwie belatschern, den Hintlingen erklären, ich hätte alles im Griff, nebenher brav weiterunterrichten, wie als ob nichts wäre, schonmal beim Schweizer Oberattaché ein wenig auf den Busch klopfen, sozusagen nochmal nebenher die entsprechenden Schreiben an Medien und Politik in Norddoof also listig wie geschickte geschrieben, wie die Adressaten ausgewählt, recht zügig und eifrig versenden. Stimmt’s, oder habe ich recht?”

“Es stimmt natürlich, und du hast recht, aber das reicht nicht”, versetzte Olli, nach kurzer, leicht erstaunter Pause, sehr trocken. “Du musst überdies Tuchfühlung mit den übelsten von diesen Banditen selber aufnehmen. Was sonst.”

“Ach nee, Olli. Da lasse ich einen Punkt aus, und Du hast ihn sofort.”

“Deshalb sind wir so gute Freunde.” Wir tranken noch einen Port und berieten uns in Ruhe.

(Das war vor einer Woche. Hartholtz ist vorsichtig kooperativ, hat aber selbstverständlich schwer die Hosen voll. Der Schweizer Obermufti hat mich kurz empfangen, meine etwas verschwurbelt vorgetragenen Bedenken angehört, ohne allerdings viel dazu zu sagen. Und einen Abend musste ich mit einigen von den fettesten dieser Vollidioten trinken. Dabei ergab sich ein gemischtes Bild. Einige von ihnen lachen nur über den Widerstand gegen ihre Präsenz, anderen aber ist doch schon mulmig. Das sind die mit den besseren Instinkten. Den einen oder anderen von denen werde ich wohl nochmal treffen müssen. Die Briefe gen Norddoof sind in Arbeit. Ich brauche mindestens drei verschiedene gute Briefe, richtig gute. Eine verdammte Scheißarbeit. Ich darf keinen Fehler machen. Nicht einmal daran denken, dass ich einen machen könnte. Es muss alles wie von Zauberhand geschehen.)

Meine Wirtin (Vom Menschsein) II

Freitag, 26. April 2013

Ich erzählte meiner Wirtin, dass ich von ihrer Klugheit geschrieben habe, anonym, auch davon, wie hart sie arbeite, nicht erwähnend, dass sie uns allen ein zweites Wohnzimmer biete, aber dessen, dass sie sich wohl kein anderes Leben als dieses wünsche.

Sie freute sich, fast beschämt ob der Ehrung, und sagte: “Ja, Magnus, die Leute hier sind doch meine Familie!”

(Sie hat einen Mann, zwei erwachsene Töchter und ein Enkelchen.)

Jenseits von Bill und Unbill

Donnerstag, 25. April 2013

Der Nachhall kurzer, einfachster Sätze von Verstorbenen, die man liebte, kann gewaltig sein. Immer wieder kommen sie zurück, entfalten sich nochmals neu, wie als ob zum ersten Male gehört.

Es ist, wie als ob der oder die einen verließ einem nicht nur ein sich stets erneuerndes Geschenk mitgegeben hätte, sondern auch noch ein immer wertvolleres.

Kaum je wird das demjenigen zum Zeitpunkte der Äußerung bewusst gewesen sein, was er da hinterlassen werde.

“To live in the hearts of those we leave behind is not to die.” (Thomas Carlyle)

(“In hinterbliebenen Herzen leben heißt unsterblich sein.”) (Meine freie Übersetzung)

Diese Sätze sind keineswegs nur in Augenblicken der Niedergeschlagenheit, des Gefühles des Verlustes da; sie sind auch Wegweiser zur Erneuerung, zu neuem Glücke.

Sie sind ein Erbe, von daher das wertvollste denkbare, dass man es nicht durchbringen kann, solange man nicht gänzlich den Verstand verliert.

Es ist, wie als ob der Verstorbene sich stets erneuernde Welten in einen gepflanzt.

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Gestern traf ich den Weinschlumpf (auch einen etwas überdrehten Ami und eine neugewonnene Freundin, mit denen ich mich dann unterhielt). Er trug im Schummerlicht eine dunkle Brille, derer ich ihn, verwundert, befrug, war gestürzt, das verletzte Auge aber schon etwas besser. Der Weinschlumpf hat meinen Freund James, der angelegentlich lästerte, der Weinschlumpf söffe zuviel, schon souverän um ein paar Lebensjahre übertroffen.

Ich glaube nicht ans Trinken. Aber auch nicht ans Nichttrinken oder mäßig Trinken. Letzteres allerdings in dem Sinne schon, dass man Frauen oder gar Wirtinnen nicht unmäßig angrapschen solle. Und nicht nur trinken, sondern auch etwas schaffen.

Der Weinschlumpf lacht fast immer (ich habe ihn nur einmal traurig erlebt, er gab freimütig zu, heute etwas niedergeschlagen zu sein; er war verheiratet und hat zwei Kinder, also nicht nur Trollingererfahrung), sein Deutsch ist noch beim letzten Weine makellos, kann Französisch “comme une vache espagnole”. Er macht nie Ärger und findet immer allein seine Bahn in den Westen.

Er ist ein begnadeter Zeichner, verdient sich damit, bald 70, noch ein Weingeld dazu, dabei sicherlich nicht, was man landläufig als glücklich bezeichnet, aber gewissermaßen schon jenseits von Bill und Unbill.

Ich will den Weinschlumpf noch in fünf und in zehn Jahren weinschlumpfen sehen.

(Hoffentlich lacht er sich vorher nicht tot, weil ihm ein Arzt empfohlen, er solle weniger trinken. Aber auf so einen Rat hin sagte er wohl, dass es die Natur ja schon dahingehend gerichtet habe, indem er weniger vertrage als früher.)

 

 

Keine Dulcinea bitte!

Mittwoch, 24. April 2013

Grade sah ich mich (nur um zu sehen, ob ich so das Haus verlassen könne, sonst mache ich das aus guten Gründen, außer beim Rasieren, nur sehr selten) im Spiegel an und dachte spontan: ‘Mein Gott, guck dir den an, mindestens eine Rasur und etwas mehr Contenance könnte nicht schaden.’

Wie bringt es einer, der doch am Abend vorher keine zwei Flaschen Absinth getrunken, fertig, noch am Nachmittage so auszusehen?  (Ich hätte wirklich nicht – bin ich ein Weib? – in diesen blöden Spiegel sehen sollen.)

Zuerst kam ich auf den Gedanken, dass Denken die Schönheit (selbst die s e h r relative) nicht befördere, verwarf diesen dann aber, zuwenigst aus Trutz.

Den Spiegel verantwortlich zu machen, verwarf ich noch schneller.

Sodann kam ich auf die Idee, dass es mir der Lust fehle.

Das erklärte die Sache aber auch nicht. Es mag mir zwar nicht selten der Lust fehlen, zu spülen, putzen und aufzuräumen, grundsätzlich aber leide ich nicht an Lustfehl.

Da ich von gestern auf heute kaum zehen Jahre älter geworden sein kann, mir in dieser Zeitspanne keine üblere als die übliche Unbill zuteil ward, kann es fast nur noch daran liegen, dass ich (abgesehen von den zu stutzenden Barthaaren) zu schlecht, zu pessimistisch hinschaute.

Keine allzuüblen Träume, Mephistopheles, dessen ich mich ja gerade, den Faust erklärend, wieder mehr beschäftige, als ihm wohl lieb, traute sich erst recht nicht an mich heran, sich noch mehr meines Spottes einzuhandeln, womit normalerweise nur noch eine andere vernünftige Erklärung bliebe, nämlich jene, dass ich unglücklich (oder überhaupt) verliebt sei.

Davon weiß ich aber auch nichts.

Bin ich jetzt schon in eine verliebt, ohne dass ich das mitbekommen hätte?

Bei näherer Betrachtung wird man wohl eingestehen müssen, dass es selbst derlei idiotisch-tragische Fälle wohl schon gab.

Hülfe es mir jetzt, herauszufinden, wie sie heiße?

Meist schadet es der Genesung, wenigstens dem Arzte, der ja auch von etwas leben will, nicht, zu wissen, woran der Patient leidet. Sollte ich aber tatsächlich verliebt sein, so wäre ich mir da nicht so sicher.

Wäre es nämlich so, so wäre es sehr wahrscheinlich besser, ich vergäße es einfach, was weitaus schwerer fiele, wüsste ich, in welche konkrete Dulcinea.

Also gut: Ich weiß es nicht und will es auch lieber nicht wissen.

Alles war nur eine momentane psychische Belastungsstörung, ich gehe nachher zum Lidl, rasiert, wie als ob nie etwas gewesen wäre.

Meine Wirtin (Vom Menschsein)

Mittwoch, 24. April 2013

Meine Wirtin ist mit Sicherheit eine der klügsten Frauen, die ich je kennengelernt. (weiterlesen…)

Zenzi ist jetzt meine Chefin (So schnell geht sowas)

Dienstag, 23. April 2013

So schnell werden die Dinge selbst in Deutsch-Südschwitz fast tragisch und können doch endlich vernünftig gelöst werden.

Zenzi eröffnete mir, ich sei ja ein “durchaus kompetenter Schulleiter”, “gar net so unbuschig”, schließlich (oh, wie gerne ich vergiftete Halbschmeicheleien von voll erbuschten Niederbayerinnen höre!), sie habe auch gar nichts gegen mich (also, Weib bleibt Weib, so gut wie alles), sie halte es allerdings für pädagogisch unangebracht, dass sie weiterhin kaum ein Geviert von mir entfernt wohne, denn das führe allzusehr zu Gerüchten, sie erwäge gar, eine Stelle in Freiberg anzunehmen, bringe es zwar kaum übers Herz, es gehe indes nicht an, dass sie als vorgebliche billige Konkubine des Rektors als Konrektorin ihrer Autorität und jener damit auch der der seinen verlöre.

Bevor ich auch nur eines Wortes zu entgegnen wusste, brach sie in Tränen aus, wild, diese aber ebensoschnell wieder trutzig abzuwischen, meinte, wutentbrannt: “Wenn es denn wenigstens so wäre!”

Des vermochte ich nun gar nicht zuzuordnen. Denn kaum hatte ich sie je allzufreundlich anzuschauen gewagt, ihrer unbezweifelbaren Reize halber, jenseits des Philologischen, angesprochen, mehr als einen dienstlichen Kaffee mit ihr anzusetzen mich unterfangen. Nun dies. Ich konnte fast nur noch verlieren.

Sie sah mich nämlich gar nicht so an, wie als ob eine gut gestammelte Liebeserklärung meinerseits jetzt noch irgendwohinaus oder gar -hin helfen könne. Ich verstehe zwar einiges von Sprachwissenschaft, aber auf diesem speziellen Teilgebiete derselben fühlte ich mich noch nie besonders erstudiert oder gar sicher. Also beschloss ich, es wird wohl eine Eingebung gewesen sein, spontan, als wie nie zuvor getan, jetzt einmal auf der Stelle zuammenzubrechen. Zunächst. Ich brach schwer zusammen.

Mein Gesicht ward, indem ich es gleichzeitig aschfahl werden ließ und mit kleinen roten Flecken sonder Zahl übersäete, das Kinn vor Verzweiflung leicht zitternd, die Augen osmiumkalt, jenseitig hart, graniten; mehr Entsetzen, blanken Schrecken, zugleich endgültige Entschlossenheit in Letztverzweiflung, sahe keine Frau je. (weiterlesen…)

Des Deutsches der Südschwitzer

Montag, 22. April 2013

Die Schule in Buschhausen steht. Sie ist innen schön weiß getüncht, Olli hat einem pleitegegangenen Privatgymnasium in Norddoof für einen Appel und ein Ei das ganze Inventar abgekauft, über Lagos im Container herschaffen lassen, mitsamt Rechnern, Tafeln, Lehrbüchern und einer beachtlichen Bibliothek.

Der Andrang ist gewaltig. Ich musste bereits eine Lehrerin einstellen, die die Grundis betreut. Zenzi, sie ist 38, stammt aus irgendeinem niederbayerischen Kaff hinter Deggendorf, hat zwar, zumal wenn sie sich mal wieder aufregt, was gar nicht selten vorkommt, einen etwas heftigen Akzent (naja, wenn sie mal “schleich di!” und anderes von sich gibt, ist es schon mehr als nur ein Akzent), ist aber sehr engagiert und im Erklären ein As. Die Hintlinge finden sie (es gibt hier kaum ein größeres Kompliment) “echt buschig”. Ich hörte sogar mal, wie ein kecker Hintlingsspross sie “öberst buschig” nannte, worauf ich zwar vermeinte, ein leichtes Rosa über ihr Antlitz huschen zu sehen, jener sich aber wegen schlechten Deutschs stante pede eine deutliche Rüge einfing. Zenzi ist, das lässt sich nicht bestreiten, nicht nur recht buschig, sondern, mit ihrem neckischen Pagenschnitt in Blond, auch, da man in Deutsch-Südschwitz nicht gerade fünf Mäntel übereinander zu tragen pflegt, noch nicht einmal die verfrorensten Damen, zudem neben dem, und das ist ebenfalls nicht wenig, was sie zu sagen hat, eine echte Attraktion, schadet dem Rufe und Ansehen der Schule dadurch keineswegs, auch wenn sie von mancher Hintlingsmutter mitunter etwas kritisch beäugt wird, dahingehend, ob sie dem Ihrigen wohl gar zu sehr gefallen möchte.

Sie weiß aber, was Männer sind (von X Bierfesten hinter Deggendorf, wo sie sich ihr Studium verdiente), egal wie durstig oder schon nicht einmal mehr durstig, geht damit also sehr professionell um. Ich will um sie jetzt aber nicht gleich noch mehr Worte machen, denn meine Schüler frotzeln mich eh schon mehr als ziemlich dessenthalben an, der Herr Direktor (der “Ditz”) habe offenkundig schon ein besonders Auge auf Frau Konrektorin geworfen, was ein echter Hintling aus Deutsch-Südschwitz ja problemlos verstehen könne undsoweiter undsofort…

Sowieso gibt es hier nicht wenige also aufgeweckte wie freche Kinder und Halb- bis Dreiviertelswüchsige. Die meisten von ihnen haben schon mit angespitzten Stecken Wüstenratten gejagt, bevor in Norddoof ein Kind auf ein Dreirad gesetzt wird. Ihr Wissen in Punkto örtlicher Flora und Fauna ist schon in den ersten Klassen überaus erstaunlich. Wenn sie in der großen Pause auf dem Schulhof Schleuder- und Bogen- und Armbrustschießen üben, gehen einem ob ihrer Geschicklichkeit manchesmal geradezu die Augen über. (Es gab sogar einen Antrag, man solle auch mit Kleinkaliber-, wenigstens Luftgewehren üben dürfen, den es mir aber, einen langen Sermon über Maß und Mitte in schulischer Ausbildung, zur Beförderung sozialer Kompetenz und Intelligenz, ich weiß nicht mehr, was ich sonst noch alles herausschwatzte und daherschwadronierte, Zenzi half glücklich dazu, selbst damit drohend, dass sie so keine Pausenaufsicht mehr übernähme (was zumal die Jungs dann doch etwas nachdenklich werden ließ), irgendwie nochmal abzulehnen gelang.

Etwas mehr Sorgen indes macht mir die sprachliche Entwicklung der Hintlingskinder, also auch generell der Deutschunterricht. (weiterlesen…)

Vom vierzigsten Strategeme

Sonntag, 21. April 2013

Das vierzigste Strategem ist – logischerweise – das Schwabenstrategem. Es ist auch einzeln zur Anwendung zu bringen, wird aber meist von einer größeren Menschengruppe ins Feld geführt. Diese redet so konsequent unverständlich, wie als ob sie nicht bei Verstand, bis dass andere darüber ihre Wahrnehmungsfähigkeit, schließlich ihren Verstand verlieren.

Von meiner Liebe und einer Schönen

Samstag, 20. April 2013

Ich habe nun, kein Ach, auch Magie, Kabbalah, gar noch Runen studiert, bei null Kelvin.

Das Ergebnis dieser grausen Hinterlist ist zwar einerseits nicht spektakulär, was unschwer daran zu erkennen, dass es immer noch ein paar populärere Netzseiten gibt als diese, andererseits aber doch beachtlich, zuwenigst bemerkenswert.

Über diesem Studium, das sich so gesehen gelohnt, habe ich, jede Spiritualität nach und nach gnadenlos ausgrenzend, nämlich zum Geiste, und, was viel mehr ist noch als jener, zu meinem geliebten Deutsch gefunden.

Es itzlicht und hüpft und ersondert, es bittet mich gar inzwischen, dass ich mich seiner annehmen solle. Es ist fast schon so etwas wie ein treues Weib.

Habe ich auch nur eine klitzekleinste spirituelle Anwandlung, blitzt auch nur ein Winzstrahl Glauben in mir auf, so warnt es mich, wie das kein Rottweiler oder Dobermann oder auch eine ins linke Nasenloch gekrochne Ameis’ vermöchte. Es passt auf mich auf, Tag und Nacht.

Es muss nicht einmal sagen: “Magnus, Du wirst doch nicht etwa…”

Es reicht ein “M”, oder gar keins, dass ich den Warnruf höre.

Es ist so gütig zu mir, dass ich deshalb manchmal noch weine, obschon ich weiß, mit welcher liebenden Inbrunst es sich an meinem Busen nährt.

Immer wieder auch, ganz hehre Seele, warnt es mich, zumal, wenn mein altes Laster, meine übertriebene Milde und Menschenliebe, mich wieder zu überfallen dräut: Es verweigert mir einfach einen Laut, wenn es richtig schlimm wird, gar eine Silbe oder ein Wort. Ja, es kann auch hart sein, und ich bin ihm unendlich dankbar dafür.

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Gestern Nacht hatte ich einige merkwürdige Erlebnisse. Jene mit dem dummen Engländer, der netten Polizistin, denen, die sich in dieser Stadt aufführen, wie als ob sie deren Herren, dem nebichten Musiker, meinem Freunde R., weitere, die lasse ich jetzt weg.

Ich kam nämlich mit einer neckischen jungen Schönen ins Gespräch. Nicht über lange, und sie klagte mir ihr Leid. Alle Männer wollten nur mit ihr ins Bett, es sei unerträglich, bei mir, deshalb rede sie so ausgiebig mit mir (sie hatte einen Freund dabei, der ein offenkundiges Arschloch war, sein schäbiges Glück auch kurz bei mir, erfolglos, versuchte), hege sie immerhin die Vermutung, dass jene üble Prüfung wenigstens nicht binnen der ersten zehen Minuten anstehe.

Mein Mitgefühl war natürlich beinahe grenzenlos.

So versicherte ich ihr wahrheitsgemäß (zumindest war ich in dem Moment davon überzeugt), dass ich, selbst wofern sie mir jetzt sofort den besten Beischlaf meines Lebens anböte, zwar am Ende weich werden könne, die Sache aber, obschon nächtig und etwas angebiert, erstmal noch in Ruhe, ob annahmefähig, überdächte, einerseits des nicht ungewichtigen Altersunterschieds halber, jedoch auch, nein, nicht vermutlich enttäuschender Impotenz wegen, sondern ob dessen, was wohl eher nicht dem alten Knochen, mir, sondern womöglich jener Grazie (sie überdies auch noch Pädagogin, die Sache also besonders gefährlich) daraus an allzuteuer bezahlter Gefühlsunbill aus einem so kurzsüßen Schritte erwachsen könne.

Das Wunder – naja, übertreiben wir mal nicht, also das hinreichend Wichtige – , das mich dahinbringt, diese wahre Geschichte hier zu chronistifizieren, liegt darin, dass sie mir das, kurz fast sprachlos, beinahe noch mehr zu glauben sich unterfing, denn ich selber.

Sowas nenne ich ein gelungenes erotisches Abenteuer. Allzumal bekam ich nachher noch einen Wodka ausgegeben, auf den ich eigentlich gar nicht scharf war, den ich aber der Höflichkeit und des freundlichen Anstoßens halber dann doch brav vertrank.

Omannomann! Man wird schon ganz schön anfällig, wenn man nicht mehr 24 und derart schöne Frauen einem ihrer Nöte dergestalt berichten.

Fast schon habe ich Angst vor dieser Frau. Sie ist nicht dumm, ihr sonstiger Liebreiz ist beschrieben. Was soll ich machen (mit Polizisten kenne ich mich, bezüglich dessen, wie man sich dann verhalten sollte, einigermaßen aus), wenn sie ansetzt, treffe ich sie wieder, mich von der Stelle abzuführen?

Glücklicherweise wird das wohl nicht passieren. Sie wird sich wahrscheinlich inzwischen besonnen haben, mir diese grausame Herausforderung nicht antun. Man weiß aber nie; Stuttgart ist, jedenfalls was bestimmte Viertel anlangt, fast ein Dorf…

Werden wir mal wieder etwas sachlicher, nüchterner.

Ich war zwar auch schonmal begehrter als heute, aber dass mich die Weiber geradezu allnimmersatt über den Platz und durch jede Rede trieben, das ist mir noch nicht widerfahren.

Es war nachvollziehbar, glaubwürdig, klang keineswegs paranoid oder eitel aufgesetzt, was sie sagte.

Zumal berührte mich, dass sie im Grunde sagte, dass all die Blödmänner gar nicht interessiere, was sie sage.

Es interessiert zwar schon mein ganzes Leben lang viele Blödmänner nicht, bis heute, was ich sage, aber der Fall liegt doch grundsätzlich anders.

Nie stand, steht mir dabei meine Schönheit im Wege.

(Ich gebe ihr hiemit einen gehauchten, vorsichtig-zarten Wangenkuss von ferne. Einen echten hätte ich gestern vielleicht verwagen dürfen, womöglich gar sollen, aber ich besann mich, wahrscheinlich doch richtigerweise, anders.)

 

Femasterstan hat oder heuchelt Not

Donnerstag, 18. April 2013

Nicht mehr über lange, und der Feminismus wird sich zutode gesiegt haben.

Überall nur noch verständnisvolle Schwule, winselnde Softies, Ritalinkrüppel, Quotenmänner, Masochisten, Halbdebile, androgyne Models, Colatrinker, promiskuitive, stotternde, bisexuelle Psychiater, Penner, Egoshooter, Krankenbrüder, Stricher, Bettler, Tofuoten, Blaukreuzler, Bindensammler, Arschnasen, Sinnsucher, Endinkarnierte, Lummel, Waschlappen, Lohle, Lellabebbel, Hypoaktive, Masturbanten, Sterile, Allergiker, Schlüpferschnüffler, Anustätowierte, Hirngepiercte, Mentalasylmönche  und -äbte, Rettichschnitzler, Laberbacken, Rübsamenzähler, Grünenwähler, Pinscher, Suppenstrullis, Winsler, Abdecker, Orangenhautpinsler, Sackhüpfer, Makramee-Knüpfer, Maue, Simpel, Wimpelstreichler, Leichtererseichter, Notkehlchen, zusammengebrochene Rikschafahrer, blasse Lakaien und Kotaulehrer, Bildzeitungsverweser, Hormonstandsableser, Battel und Geschwattel, kappenlose Ümpfschlümpfe, Röstitröster, Lalleinweiser, Welkreiser, Buben ohne Spitzle, Abgespätzelte, Talsohlenvermesser.

Das ist an sich schon trist. Aber es kommt noch schlimmer. (weiterlesen…)

Vom Scherbenzertreter (IV)

Mittwoch, 17. April 2013

Ich habe, wie es so meine inkompetente Art, noch einmal nachgedacht.

Ich solle also Wattebäuschchen in die Luft werfen, für jene, die sie vielleicht auffangen mögen, während Drohnen bomben und Kinder verschnitten werden. Wo nicht, so sei ich ein Arger. (weiterlesen…)

Endverendet

Dienstag, 16. April 2013

Die historischen Lügen (z.B. zu den Rheinwiesenlagern) türmen sich so hoch, dass man mit den rezenten seine übele Mühe hat, sie vergleichsweise weit in den Himmel ragen zu lassen.

Zudem: Man lügt ja nicht einfach nur zum Spaß, z.B. dahingehend, der Euro hätte dem deutschen Arbeiter unterm Strich nur Vorteile gebracht. Derlei durchzuhalten, ist ganz schön anstrengend.

Lasset uns also für die armen, ständig, naja, wenigstens immer wieder, von Widerspruch gebeutelten Lügner beten. Dauerndzu müssen sie im Büßergewande einhergehen, und kaum eine Wahrheit schenkt ihnen je ein angemessenes Mitleiden.

So müssen sie denn, in ihrer argen Diskriminiert- und Verfolgtheit, bei fast schon sauerem Chateau Petrus, tristemang, ihr Koberind in sich hineinverkahlen, einsam, Zuspruchs nur von ihren livrierten Lakaien.

Was macht es da das Leben noch lebenswert, dass man ein paar verdeckte und ein paar offene Angriffskriege führen darf? Wie sollte derlei alltägliche Routine der Tafel noch lachende Gesichter schenken? (weiterlesen…)

Ein Licht dieser Welt

Dienstag, 16. April 2013

Zum ersten Male seit einiger Zeit – zum Glück bin ich nicht mehr so viertels, mich fahrlässig zu verlieben – dachte ich heute Abend mal zwischendrein, es sei doch irgendwie schade, dass meine Gesprächspartnerin schon unzweifelhaft vergeben.

Nein, ich werde nichts versuchen. Ihre Offenheit und natürliche Freundlichkeit, ihre Freiheit der Rede, haben mich aber sehr beeindruckt. Kein dummes Gepfitze, nichts Aufgesetztes, einfach ehrlich, unmittelbar, echt.

Wohl dem, der ein gescheites Weib hat. (weiterlesen…)

Vom Überall

Montag, 15. April 2013

Schlüsselblumen, lila und gelb, aus der Mauerritze noch, ihre Blüten streckend, da die Zierkirschen schon rosa künden, der Schlehdorn sein Weiß in Pracht entfaltet, der Bärlauch sein Grün zur Suppe reckt. Endlich. Frühjahrspracht.

Und wieder erzeigt sich die Zeit als ein Kreis.

Alswie jedes Jahr wollte ich am liebsten bloß meinen Ranzen schnüren, vier Wochen lang hinaus in die Welt, auf Schusters Rappen.

Nein, dieser Wunsch wird auch diesmal nicht erfüllt.

Der Brocken muss warten, wie auch Alb und Erzgebirg; das Rheinknie wie die Ostsee; die Mainauen wie die Seen Brandenburgs; das Felsenlabyrinth wie der Vogelsberg.

Sie alle aber sind in mir, erstehen in mir neu. (weiterlesen…)

Konstantin Weines in Würzburg

Mittwoch, 10. April 2013

Nachdem Konstantin in München seine Geldkatz’ für die nächsten Unternehmungen zu Hamburg gefüllt hatte, beschloss er doch, auch da sie am Wege, zur Erholung, auch des berühmten Weines wegen, der dort wachset und gekeltert, der schönen Stadt Würzburg einen Besuch abzustatten.

Schon vor dem Bahnhofe, der fast am Fuße jenes Heiligen Weinberges, dem Steine, gelegen, drangen die süßen Düfte der gerade erblühten Magnolienbäume, derer einige daselbst die erste Frühjahrspracht Würzburgs bilden, ihm entgegen, indem die Sonne keck zwischen sich verziehenden Wolken durchlugte, seine Seele also obendrein erquickend.

Kecke Studentinnen der Lebens- und Erdkunde, der Unrechts- und Betrugswissenschaft, durchschwärmten den Ringpark alswie die Mainauen, ihre Ränzlein anmutig geschnüret und geschürzet; die Singvögelein erschollen im Balzgesange; blaue Zipfel harrten Konstantins schon im Sude; die Steinburg blickete gütig auf all dies Frankentreiben herab: nicht lange, da saß Konstantin denn auch, unter der beeindruckenden Mainfränkischen Festung, direkt am Flusse, mit Blick auf die herrliche Alte Mainbrücke, im Gasthause Brückenbäck, sich erste Atzung verschaffend.

Indem er nun dort saß, der zweite Silvaner seine Kehl’ gar freundlich hinabgeronnen, sagte er zu sich: “Potzblitz! Es zieht mich so bald doch gar nichts an jene verregnete Hamburg, wo jeder mittlere Marketender, so geht die Kunde, sich für einen Alwis hält!”

Nach dem dritten Glase machte er sich also auf; zuerst die Feste hinan, des herrlichen Blickes, ehrfürchtig der Inneren Leiste gewahrend, dann zum Käppele, zum Nachgusse auf den Schützenhof. “Eiderdaus! Jetzt hab’ ich schon dreißig Jahr’ auf dem Puckel, und sehe doch dieses Kleinod zum ersten Male!” – also sann er fast ehrfürchtig dorten, indem er andächtig Gerupften mit Bauernbrot zu einem vortrefflichen Weißburgunder führte.

So beschloss er, sich für diese Nacht keine Herberg’ zu suchen, stattdessen im Sacke mit einem Bocksbeutel auf der Festungswiese zum süßen Traume zu kommen. Der ganze Himmel hing so voller Geigen, dass er heute auch jedes Schabernacks, jedes Streiches zu entraten sich zum Vorsatze machte. (weiterlesen…)

Vom Scherbenzertreter

Mittwoch, 10. April 2013

Gestern musste ich herbe Kritik einstecken.

Seit gut einem Jahr ginge ich allzuviel mit dem Hackebeil herum, sehr häufig auf die armen Religionen dreinschlagend, allzumal meine Aphorismen dazu seien teils unterirdisch.

Kaum einmal schriebe ich Schönes, Erbauliches, Hinanführendes. Und wenn es einmal vorkomme, so gehe das in all den Zynismen und Sarkasmen drumherum unter, so dass man es kaum noch wahrnehme. Ich träte nur Scherben, derer es schon genug gebe, noch kleiner, alswelches eine eitle, unnütze, zumal wohlfeile Kunst.

Mein Einwand dahingehend, dass ich meine, damit eine notwendige Arbeit zu verrichten, da ich nicht sähe, dass sie so anderweitig hinreichend getan werde, half wenig. Auch Scherbenkleintreter gebe es genung.

Nun fühle ich mich immerhin dahingehend geehrt (man muss aus allem das Beste machen), dass man dem hauptbehuflichen Scherbenzertreter anscheinend doch zutraut, auch etwas anderes zu können. Sonst wäre ich ja wohl nicht dazu aufgefordert worden, es zu tun.

In der Tat aber enthält die Kritik Wahres; über religiöses und esoterisches Gedöns habe ich mich so häufig, so hart, auch redundant (ich bekenne mich in der Pädagogik durchaus schamlos zum Prinzip der Wiederholung, wobei allerdings auch hier ein Maß walten muss), hergemacht, dass ich diesen Bereich reduziert betreuen werde. (Ich hatte vor der scharfen Kritik selbst schon das Gefühl, dass es jetzt damit einmal lange. Insofern trug mein Kritiker, wie er es zu nennen pflegt, Lammkeulen nach Hammelburg.)

Auch ist klar, dass man, zumindest wenn man vorgeht wie ich, diese Dinge aufgreifend ständig persönliche Gefühle verletzt; für jeden mag in einem Text jener oder ein anderer Satz diese Wirkung tun; und wenn nicht in jenem Text, so in einem anderen. Also, dass fast nur noch dieser jeweilige Satz bzw. eine Teilausführung wahrgenommen wird, der Rest drumherum kaum. Man wendet sich ab. (weiterlesen…)

Conspirare.net ist zurück!

Dienstag, 09. April 2013

Conspirare.net ist wieder da. Ich freue mich für Armin.

Zitat aus dem ersten neuen Artikel:

“Es ist jedenfalls ein grosser Irrtum, sich beirren zu lassen, andere über sich irren zu lassen, selbst von all dem fast irr zu werden, umherzuirren, vor lauter irren mit Schreiben aufzuhören, sie selbst zu beirren, irr zu erstarren, sich zu verirren in den Fragen, die man sich irrerweise zum Ganzen stellt.”

http://www.conspirare.net/w2/irren-ist-menschlich/

Siehe dazu auch:

https://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/03/02/diesen-autor-in-die-klapse/

Sammasamurti büßt den toten Kakerlak

Montag, 08. April 2013

(Vorsicht böser Witz. Bitte auch Erleuchtete kein Wort ernst nehmen.)

Ein Erleuchteter, sein wirklicher Name bleibe mal im Dunkeln, wir nennen ihn Sammasamurti, zertrat versehentlich einen Kakerlak. (Vielmehr hatte ein fürwitziger Jünger den Kakerlak heimlich so geschickt plaziert, dass es fast geschehen musste. Er wollte einfach sehen, ob das dem Meister passieren könne, was darauf folge.)

Der Erleuchtete, indem ihm noch die austretende Stinkbrüh am rechten Fuße herabtroff, erkannte sogleich, dass dies ein Zeichen dafür war, dass sich Unreines, ja ein Streif Dunkel, in seinen Geist geschlichen habe.

Das entstandene kosmische Ungleichgewicht, alswelches nichts weniger als jenes seiner Seele, musste, das war sonnenklar, zeitnah (dabei hasste er ja das Wort “Zeit” wie kein anderes) wieder in Ordnung gebracht werden.

So sann er (auch Sinnen war schon lange nicht mehr seins) denn auf Abhilfe.

Einfach den Fuß abschneiden?

Nein, das wäre zu einfach gewesen.

Er musste etwas der Schwere der Sache Angemessenes tun; da biss die Maus kein Faden ab.

Also bewarb er sich als Tschandale. Die Tschandalen wollten ihn aber gar nicht haben, denn er verriet sich durch seine Sprache als kein Unreiner, sie vertrieben ihn schließlich, schon mit Steinwürfen dräuend.

Also versuchte er sich als Strichjunge, angejahrten reichen Europäerinnen zu willen zu sein. Auch das ging erbärmlich schief. Nicht nur der weitaus jüngeren und knackigeren Wettbewerber halber, sondern auch, weil Gerda, die einzige Freierin, die er in zwei Wochen des Harrens ergatterte, seine hilflos-ungeübt angesetzten, lediglich versuchten Dienste als “unterirdisch” bezeichnete und ihn von zwei livrierten Dienern aus dem Hause jagen ließ. (weiterlesen…)

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