Die Vorstellung, Cervantes habe den Don Quijote als Abbild eines eifernden Jesuiten konzipiert, wie von “Tosco Torpedo” in seinem Kommentar zum zweiten Teil insinuiert, ist abwegig (Sollten die Obscurati von Skull & Bones symbolisch seine Füße küssen, so wissen sie wohl kaum, was sie da tun.).
Dass Cervantes in seinem Hauptwerk immer wieder den guten katholischen Glauben als Leitstern hervorhebt, ist meines Erachtens lediglich der Hürde der damaligen scharfen Zensur geschuldet, die es zu überwinden galt; die Hauptfigur des Fahrenden Ritters selbst ist in keiner Weise moralisch eng, bigott, rigide angelegt, vielmehr von tiefem mitfühlendem Verständnis für die Irrungen des Menschen, zumal des jungen, geprägt.
Alles Edle, alles Echte, Wahre ist ihm heilig; seinen irdischen Genüssen zugeneigten Diener Sancho behandelt er stets nachsichtig; und als ihm ein Adliger sein Leid klagt, sein Sohn habe den rechten Weg vom Studium der Theologie in Richtung seiner Leidenschaft zur Poesie aufgegeben, verteidigt der Ingeniose den jungen Mann in seiner Wahl vom Prinzip her, allerdings nicht ohne die Bedingungen der Begabung und Ernsthaftigkeit zu stellen, sowie den Schunddichtern das Seine mitzugeben. (weiterlesen…)
Nachdem Miguel de Cervantes Saavedra schon als Vierundzwanzigjähriger in der Seeschlacht von Lepanto die Kraft eines Armes verloren, geriet er auch noch in feindliche Gefangenschaft, wo er täglich um seinen Kopf zu fürchten hatte.
Viele Jahre später, literarisch noch immer nicht erfolgreich, als Fünfzigjähriger, also praktisch schon ein Greis in jener Zeit, wanderte er in den Knast von Sevilla, vorgeblich wegen Unterschlagung von Steuergeldern, für fünf Jahre, eigentlich ein fast sicheres Todesurteil.
Doch daselbst überlebte er unter Schwerverbrechern wohl nicht nur kraft seines gewandten Geistes, sondern es kam ihm die Idee des Don Quijote, des also scheinbar verrückt wie sinnlos fahrenden Ritters, der fortan die ganze Welt betören sollte.
Im letzten Räuberloch gebar sich ein Genie. (weiterlesen…)
Die positive Traumatisierung existiert. Nicht nur in dem Sinne, dass der Mensch sich daran gewöhnen kann, denselben Schmerz, den er schon lange oder öfter erfahren hat, gelassener und leichter auszuhalten, dass der Schmied über eine kleine Brandwunde nur noch lacht und sie zwei Stunden später nicht einmal mehr spürt, sondern auch auf der psychischen Ebene.
Dies allerdings lehrt die Wissenschaft meines Wissens nicht sehr laut. Dass nicht nur Ärzte, Krieger und Huren immer härter werden können, ohne ihre Menschlichkeit, ihren Verstand, ihr Mitgefühl einbüßen zu müssen. Im Gegenteil.
Während einerseits Schläge leichter weggesteckt werden können, die den Ungeübten aus der Bahn würfen, kann nicht nur das Sensorium für Gefahr einsichtsmäßig wie intuitiv weiterentwickelt, sondern auch die Analyse der Strukturen und Methoden von Peinigern und Angreifern verfeinert werden, alswelches d a s Problem der Entwickler und Nutzer von psychologischen Massenvernichtungswaffen darstellt. (weiterlesen…)
Der Weihnachtsbaum (für “aiwaz” stehend, die Rune des Immergrüns, der Ewigkeit und der Erneuerung) ist ein wunderbares Geschenk des germanischen Mythos’ an die Welt, von dem ich mich freue, dass auch Christen sich um ihn versammeln.
Gerade war ich in einer Netzdiskussion, und eine Teilnehmerin bezeichnete die Wikileaks-Assange-Sexaffäre in Schweden als “petite affaire amoureuse”, woraufhin sich ein anderer beklagte, dass er nicht recht Französisch könne.
Mir fiel dann ein, ihm zu sagen, heute heiße es weniger elegamment “One Night Stand”.
Gestern Abend, zum metereologischen Winteranfang, erinnerte ich mich bei einem Gläschen Weißen (es war kein Eiswein) an einen der konsequenteren meiner Arbeitgeber.
Ich, Mitte Februar bei anhaltendem Schneeregen seit Stunden pittschnass vor dem Bagger unten im Kanal im Matsch sumpfend pickelnd, nachmittags circa um vier, noch kein Schichtende in Sicht, ward von IHM, indem er gemütlich eine Zigarette anzündend, aus seinem Daimler ausgestiegen, sich vor mich hinpflanzte, mir ein paar Minuten genüsslich zuguckte, schließlich also einfach angesprochen, ER seinen stattlichen Ranzen vorstülpend: “Na, Göller, wie geht’s?” (weiterlesen…)
Gestern sah ich mir mit den Kindern nochmal den ursprünglichen Starwars-Film an.
Der altweiseste, schnuckelige Zwerg Segelohren-Yoda, der ziemlich am Anfang des Multikulti-Mutantenschlachtfestes stirbt, nachdem er dem jungen Luke Skywalker noch guten Rat mitgibt, hat, wie mein knapp Zehnjähriger treffend bemerkte, in 900 Jahren biblischer Lebensspanne immer noch nicht richtig Deutsch gelernt.
Die Dekandenzdecadents bilden eine relativ junge Rasse, die sich in den letzten Jahren jedoch sprunghaft vermehrt hat.
Der DD (ich verwende ob des langen, pleonastischen Wortes fortan die Abkürzung) ist meist männlich, über vierzig und kinderlos (oder er hat aus Versehen eins, das ihn bei der Ex-Niemalswirklichholden nur noch Geld kostet).
Der typische DD ist recht gebildet (oder hält sich dafür), arbeitet recht brav (es kann allerdings auch ein Hartzi DD sein) und verbringt den größten Teil seiner Freizeit, wovon er aufgrund seiner Kinderlosigkeit in der Regel recht viel hat, damit, die Welt (speziell die deutsche) wegen ihrer Dekadenz anzuprangern.
Moslems, Schwule (Juden traut er sich nicht), Politiker, Hartzis, schmarotzende Weiber und Feministinnen sind häufig bevorzugte Ziele seiner aufgeblasenen Bräsigkeit, zudem natürlich Beamte generell, vor allem faule, nichtsnutzige Lehrer.
Selber hält der DD sich für ein Vorbild des gesellschaftlichen Nutzzweckes, (weiterlesen…)
Ich habe beschlossen – wohl wissend, was auch meine besseren Beschlüsse mitunter wert sind –, bis ins hohe Alter ab und an ernsthaft Schach zu spielen (sollte mir denn ein solches dereinst vergönnt sein).
Ich kenne bislang kaum eine bessere Möglichkeit, einmal geistigen Urlaub zu nehmen, als indem ich mich mehrere Stunden lang in einem strengen Regeln folgenden Denken übe, das so anders ist, als mein sonst übliches.
Und einem begabten Fünfzehnjährigen gegenüber zu sitzen, (weiterlesen…)
“hey,
leider habe ich deinen Namen nicht gefunden daher grüße ich dich mit “hey” ich habe es mir zu Gemüte geführt. Scheint mir sehr plausibel zu sein. Leider gibt es noch keine deutsche Übersetzung, nach meiner Erfahrung wird das den Leserkreis sehr einschränken. Ich werde die Sache im Netz verfolgen, kann ich interessante Links an euch schicken? Kathrin”
Damit, dass hier regelmäßig gute Übersetzungen aus dem Englischen am Platze wären, trug sie bei mir Eulen nach Athen oder – wie ein guter Freund zu scherzen pflegt – “Lammkeulen nach Hammelburg”.