Archiv für den Monat September 2013

USA & Cie: Décadents unter sich

Mittwoch, 11. September 2013

Ob wir in der Weltpolitik bereits mit einem Paradigmenwechsel zu tun haben, indem den USA möglicherweise eine zurückhaltendere Gangart mehr oder weniger durch verschiedene Kontrollverluste sowie ihre Gegner angezwungen?

Die Verluste im Kampf um die öffentliche Meinung sind jedenfalls erheblich, um nicht zu sagen katastrophal.

Jeder weiß inzwischen, selbst der es anlässlich Libyens immer noch nicht wissen wollte, dass die USA über die türkische und die Saudi-Qatar-Connection und auch unmittelbar mit radikalmoslemischen Terroristen kooperieren, diese ausbilden, ihnen Rückzugsräume bieten, Waffen, Logistik, was sie brauchen. Übelste Schlächter und Banditen, die demonstrativen Spaß am Massakrieren von wem auch immer haben, in Richtung Gottesstaat.

Man stelle sich nur vor, die verfolgten und gemeuchelten Christen (Alawiten und andere) wären Juden. Da stiege längst der Teufel selbst aus der Hölle. (weiterlesen…)

Deutsch-Südschwitz: Hartholtz bleibt undurchsichtig

Dienstag, 10. September 2013

In Freiberg die Herberge eines Chinesen auszumachen, war erwartungsgemäß keine große Kunst. Ich hinterließ in seinem Hotel eine Nachricht mit Ollis Nummer, er möchte ihn anrufen, könne wohl schon heute Abend auf eine Einladung zum Weine rechnen.

Gegen zwei rief ich in der Kommandatur an, bat, Oberst Hartholtz sprechen zu dürfen. Ich wurde gleich durchgestellt.

“Herr Göller, was wollen Sie?”, “etwa bei mir heute Nachmittag gut ventiliert ein Weißbier trinken?”

“Ich denke, eins schaffe ich”, bejahte ich.

“Um drei?”

“Drei.”

Zwei Minuten vor drei stand ich am Tor, pünktlich zum Plopp in Hartholtzens Dienstzimmer.

Die Gläser standen, vorgekühlt, schon bereit, ploppplopp, wir schenkten uns ein. Je ein guter Zug, und wir stellten erstmal ab.

“Und, Herr Göller, wieder ein bisschen bei Besinnung? Frau Nagel berichtete mir von nicht unerheblichen Impertinenzen Ihrerseits. Und das mit den Telefonaten war ja wohl das Letzte. Sind Sie so blöd, oder tun Sie nur so? Wollen Sie lieber den MAD zurück?”

“Wenigstens hat der MAD, als er noch echt schien, zwar vielleicht mal mein Telefon abgehört, aber er hat nie versucht, mich anzuwerben, mir irgendwie auch nur latent gedroht. Da ich beim Verscheuchen durchaus mein Scherflein beigetragen habe…”

“Das ist Schnee von gestern!”, fiel er mir ins Wort, “erstmal wüsste ich gerne, was Sie mit dem Chinesen und den Russen besprochen haben.”

Oha. Ich hatte nicht bemerkt, dass man mir gefolgt war, aber das war wohl auch nicht unbedingt nötig gewesen. Keine Kneipe schließlich in Freiberg, jedenfalls von den von mir aufgesuchten, in der Freitag Nacht nicht ein Soldat säße oder sonst jemand, der mich kennte. Hartholtz nahm es sorgfältig.

Ich beschloss, ihn jetzt nicht gleich ob seiner Impertinenz zu rügen, den Ball ruhig aufzunehmen.

“Der Chinese meinte, er sei sowas wie ein Botaniker, es gehe ihm um Landbau in ariden Gebieten. Und er fragte, wo es denn hier einen anständigen Wein gebe. Ich sagte ihm, dass er den gegebenenfalles hier bei Ihnen oder beim Olli fände, wofern er sich entsprechend benähme, und da ich ihn ja schlecht hierher einladen konnte, legte ich bei Olli ein gutes Wort für ihn ein. (Es war klar, dass Hartholtz es eh mitbekäme, wenn Herr Fong bei Olli zum Umtrunk aufschlüge.) Der internationalen Verwicklungen eingedenk, die es Südschwitz kosten könnte, wenn ein Beamter vom Landwirtschaftsministerium mit einem Helikopter der rotchinesischen Armee vor dem Verdursten gerettet werden müsste, weil der hartherzige Standortkommandierende der Bundeswehr ihn davor nicht erretten wollte, hielt ich dies dringend für geboten.”

Hartholtz war ob meiner Ausführungen wenig amüsiert, knurrte aber nur, leise: “Und die Russen?”

“Naja, die Russen. Wie Vergnügungsreisende sahen sie nicht aus. Eher ein bisschen so wie Sie.”

“Was soll das heißen?”, donnerte Hartholtz.

“Naja, ich bin ja nicht vom Fach, aber…”

“Labern Sie nicht, Göller!” (weiterlesen…)

Deutsch-Südschwitz: Das Völkerunrecht wackelt

Sonntag, 08. September 2013

Um halb elf klingelte mein kleiner Wecker. Ich hatte, als ich vom Goldenen Ochsen her in meinen Verschlag gekommen war, fast um vier, noch eine halbe Stunde gesonnen, fühlte mich aber den Umständen entsprechend gut.

Pünktlich um elf war ich bei Olli zum Frühstück.

“Na, Magnus, komm erstmal rein. Kaffee? Oder doch lieber ein Bier für den Aufgewärmten?”, neckte Olli mich zum Gruße.

“Wenn der Kaffee heiß ist, kannst du das Bier einstweilen kalt stehen lassen”, gab ich ihm zurück, “der dürfte den anstehenden Dingen wenigstens zunächst am besten dienen.”

Wir tranken erstmal Kaffee, ich zündete mir eine Morgenzigarette an.

“Sag, hast du etwas herausgefunden gestern Abend? Kriegst du in Freiberg noch ein Bier?”

“Von den Russen bekomme ich sogar zwei.”

“Russen?”, meinte Olli, “was denn für Russen?”

Also folgte die Nacherzählung meiner Fährnisse der gestrigen Nacht.

Olli schwieg eine ganze Weile.

“Magnus, meinst du, was ich meine?”

“Vermutlich.”

“Wenn man alles zusammenrechnet, ist das eine noch heiklere, größere Sache, als wir schon zu befürchten allen Grund hatten.”

“Genau so sieht es aus. Fehlen nur noch mexikanische Straßenräuber, die man hier als Verkehrspolizisten beschäftigt.”

“Immerhin sieht es so aus, noch, als ob man um uns buhle. In verschiedener Art, von verschiedenen Seiten her. Was könnte an diesem Stück Halbwüste und Wüste, gerade so groß wie Hessen, höchstens zweihunderttausend Einwohner, keine nennenswerte Industrie, keine bedeutenden mindestens bekannten Bodenschätze, keine Großbanken, keine hausgemachten oder eingeschleusten Terroristen, wenigstens noch nicht, so übergreifend interessant sein, dass du jetzt, ganz zufällig, schon mit Borissen und Fongs zu tun kriegst?”

“Es muss eine Sache sein, die unterm Strich nicht nur Südschwitz betrifft. Ich habe gestern noch lange darüber nachgedacht. Anders ergibt alles keinen Sinn.”

“Zumindest ergibt es nicht all das Gesindel. Hast du eine Idee?”

“Mir kam nur eine. Wenn der Hase da im Pfeffer liegt, geht es hier wirklich um die Wurst. Und zwar auch für Norddoof.”

“Na, dann lass’ die Katz’ mal aus dem Pfeffer!”, meinte Olli, indem er sich seinen zweiten Kaffee mittels eines kleinen Schusses Kognak rektifizierte. (weiterlesen…)

Ode an Obombo

Sonntag, 08. September 2013

O Bombo Obombo!

Du Bombenbonbon!

Bims, Bams, Bums, Bems, Boms, Bimbes!

Oberbombo Obombo!

Obombamsallah!

Jesobombes!

Juhudobombes!

Allüberallbombes!

O Bombodrom!

Obombossein!

Bombastissimus!

Bombastikulissimus!

Obombobuhl!

O Bombambule!

Bomberrimus!

————————————————————————————————————————

Das obige Gedicht ist “zwar von tief spirituellem Charakter”, so die Verfasserin, Frau Professor Lea Hardenstein, Rassismusforscherin an der Uni Regensburg, im Interview beim Speichel, wo es erstveröffentlicht wurde, “soll aber durchaus an Kitas im Rundgesang zur Frühsozialisation eingesetzt werden”.

In der Tat ein bemerkenswertes Poem. Rhythmisches Spiel entlang einer einzigen die Harmonie tragenden Silbe. Pädagogisch und sprecherzieherisch genial. Welches kluge Kind wollte sich so einem Angebot entziehen?

Es gibt auch schon eine Obombo-App für Apple wie für Android.

moron-obombo@app.com

Fanartikel gibt es unter: moron-obombo@becool.com

Wer ein Diskussionsforum sucht: moron-obombo@bangers.com

 

Obombo ohne britischen Bullterrier

Sonntag, 08. September 2013

Ginge es nicht um Krieg, so wäre es zum Lachen.

Die Amis legen so plump die immergleiche Platte auf, dass man sich schon darüber wundern muss, wie denen so gar nichts Neues einfällt. Wie als ob man nur die Sprechpuppen ausgetauscht hätte, und davon nicht einmal alle.

In einem durchschnittlich intelligent besatzten Kindergarten kommt man mit derlei Lügen und Getöse normalerweise einmal, vielleicht auch zweimal durch. Öfter klappt das kaum.

Es scheint schon gar nicht mehr darum zu gehen, ob einer die Lügen glaubt, man lügt einfach weiter. Normalerweise hält man Leute, die sich so verhalten, für irre oder geistig minderbemittelt oder beides.

Man habe jede Menge Beweise, dass Assad den Giftgaseinsatz befohlen habe, verbreitet aber schon vorsorglich, dass die UN dessen Urheberschaft kaum zwingend beweisen werde können. Womit es keiner Beweise mehr bedürfe, weil es dann ja nur der gewesen sein könne.

Es spielt überhaupt keine Rolle, wie absurd diese “Logik” daherkommt. Sie ist amerikanisch. Das genügt.

Dass der kleine Franzmann sich dem anschließt, wohl in der Hoffnung, dass jetzt, da die Briten ausfallen, die Bonanza für eine Kriegsunterstützung  größer ausfallen könnte, die restlichen EUropiden einerseits Friedenswünsche verbreiten, während sie andererseits den USA durch ihre Resolution die gewünschte kriegsrhetorische Steilvorlage liefern, rundet die Farce ab.

Saudi-Arabien und Qatar zahlen ja alles, heißt es. Der Krieg, die ganzen Terroristen, die ganze Mache koste den amerikanischen Steuerzahler keinen Cent. Und das, wo doch die Sicherheit der Vereinigten Staaten bedroht ist. Billiger kann man es kaum noch haben.

So lockt man die Kriegsmüden nun mit einem völlig risikolosen, begrenzten kleinen Krieg, einer kleinen Strafexpedition de Luxe. (weiterlesen…)

Jetzt wird es ernst in Südschwitz

Sonntag, 08. September 2013

Cui Bono? Wem nutzt es? Wozu dieser ganze Zinnober? – Also geisterte es mir im Kopfe herum, recht rat- und ziellos, bis ich plötzlich vor einem noch recht neuen Lokal stand, dem ich die Ehre noch nicht gegeben hatte, das einem gemütlichen Hessen namens Max gehörte, der – Olli hatte schon anerkennend von ihm und seiner Pinte gesprochen – eine gemütliche Kneipe eingerichtet hatte, die auch diskrete Ecken und leckere kleine Happen zum Biere bot. Sie hatte sich zu einer nicht uninteressanten Mischung aus etwas Fleischbeschau der südschwitzer Mittzwanzigerinnen mit Ambitionen, einem nicht mehr so geheimen Geheimtipp für Geschäftsreisende aus aller Welt, sowie den unvermeidlichen Hintlingen auf Brautschau entwickelt, dazu ein Piano, an dem Bodo, ein auf unerklärliche Weise nach Südschwitz geratener, also bäuchichter wie bereits ergrauter Klavierlehrer aus Potsdam, sehr rüstig noch, zwischen Beethoven und merkwürdigem Freejazz seinen Lebensabend zu erklimpern pflegte, selbst ein kleiner Literaturkreis war Dienstags dort.

An der Bar kam sogleich Max daher, begrüßte mich freudig – er kannte auch mich schon vom Sehen und vom Hörensagen – , stellte mir, ungefragt, ein Blondes hin, meinte dazu nur: “Magnus, schön dass du mal reinkommst. Das erste ist aufs Haus. Grüß mir den Olli bei Gelegenheit. Großartiger Kollege.”

Nun, hier schien ich nicht in unmittelbarem Feindesland am Rande eines reißenden Flusses angebrandet, löschte also den ersten südschwitzer Nachtdurst. Doch siehe da, was war das? – Ein Chinese von vielleicht 45 Jahren, gutaussehend, schlank, durchtrainiert, trat in einer dünnen, festen, wüstenfarbenen Hanfstoffhose, in leichten Buschstiefeln, obenherum einem kräftigen leinernen kurzen khakifarbenen Tropenhemd, ein, schaute nur einen Moment freundlich um sich, den Weg zur Theke anzusteuern, um mich mit einem gewinnenden Lächeln in fast akzentfreiem Deutsch zu fragen: “Guten Abend. Ist dieser Platz noch frei?”

So nahm er denn zu meiner Rechten platz, kramte eine New Yorker, eine Frankfurter und eine Pekinger Zeitung heraus, indem ihm sein Blondes schmeckte, überflog mal dies, mal das, steckte dann das ganze Konvolut in seinen kleinen Ziegenlederrucksack, und schnaufte erstmal durch.

Ich hielt es für an der Zeit, nunmehr, dem wohl weitgereisten Gast südschwitzerische Gastfreundschaft entgegenzubringen, indem ich ihn frug, wo er denn so ausgezeichnet Deutsch gelernt habe.

Er sah mich etwas erstaunt an und meinte: “Aber woher wollen Sie wissen, dass ich auch nur mehr als ein bisschen Deutsch kann? Ich habe doch nur ein paar Worte gesagt!” “Na, spätestens jetzt weiß ich es, und vorher war es aufgrund Ihrer Diktion sehr wahrscheinlich. Was führt Sie nach Südschwitz? Verzeihung, ich heiße Göller, ich bin Dorfschulmeister in Buschhausen.”

“Dorfschulmeister!”, sagte der Chinese in beinahe religiöser Verzückung. “Dorfschulmeister!”

Ich wunderte mich erstmal und sagte nichts.

“Ehm, ja. Entschuldigen sie. Ich bin Herr Fong. Ich arbeite für das chinesische Landwirtschaftsministerium.”

“Aha. Gibt es denn Interessantes hier für das chinesische Landwirtschaftsministerium, oder machen Sie nur Urlaub?”

“Nein, kein Urlaub. Es geht um Anbaumethoden unter besonders ariden Bedingungen. Ich habe eine Kontaktadresse in…”

“Buschhausen. Wo sonst.”

Er lächelte.

Ich konnte mir schon denken, mit wem, deshalb fragte ich nicht.

“China hat aber gar keinerlei mit dieser hier vergleichbare Klimazonen und damit Anbaubedingungen”, sagte ich stattdessen etwas spitz, “jedenfalls gesamtjahreszeitlich”.

“Sie scheinen sich ja ein bisschen auszukennen”, meinte Herr Fong, “trotzdem können sich aride Gebiete in mancher Hinsicht landwirtschaftlich sehr ähneln. Außerdem ist das chinesische Landwirtschaftsministerium nicht nur in der Volksrepublik aktiv.”

Zwei schlagende Argumente. Ich begann, Fong zunehmend ernstzunehmen. Warum erzählte er mir das so offen? Wusste er ohnehin, wer ich war? Dass ich ihm in Buschhausen sowieso über den Weg laufen würde? Wurde ich jetzt schon wegen eines chinesischen Agraringenieurs bzw. Pflanzenzüchters paranoid?

“Herr Fong, ich lüde Sie gerne zu mir zum Abendessen ein, wenn Sie in Buschhausen sind. Ich hoffe, Sie sind kein Vegetarier?”

Fong war etwas überrascht, grinste dann aber wie ein Honigkuchenpferd und schüttelte dazu den Kopf.

“Ich verführte sie nämlich gerne zu echter südschwitzer Buschküche, die ist sehr würzig, und es gibt reichlich mariniertes gegrilltes Fleisch.”

“Oh, ja, Herr Göller, das hört sich gut an.”

Ich gab ihm meine Karte, und ergänzte: “Ich weiß Ihnen in Buschhausen auch eine verlässliche, preisgünstige Herberge, so dass Sie den Rest Ihrer Spesen in die Goldene Gazelle tragen können, wo Sie auch den Menschenschlag kennenlernen, dessen wundersame Agromethoden bis nach China Beachtung finden. Das menschliche Terroir sozusagen.”

“Menschliches Terroir!”, er gackerte wieder, “menschliches Terroir!” Und verstummte ebenso abrupt.

Ob dieser merkwürdige Chinese, vom Landwirtschaftsministerium, der so gut Deutsch sprach, wohl auch von Wein etwas verstand?

Und wie als ob er meine Gedanken gelesen habe, neigte sich Herr Fong leicht konspirativ dreinblickend zu mir und sagte sehr leise: “Herr Göller, wissen Sie, wie man hier, als Zugereister, als Ausländer, gar als offensichtlicher Chinese, an eine anständige Flasche Wein kommt, ohne dass das einen Wochenlohn kostet?”

Entweder wollte er mich nur aushorchen und zum Vertrauten machen, oder er wollte gleich mal mindestens seine Weinversorgung für seinen ganzen Aufenthalt, ganz vorausschauender Chinese, klarmachen, oder beides. Um eine Flasche ging es ihm jedenfalls nicht.

“Herr Fong”, meinte ich, “die Sache ist hier in Südschwitz sehr einfach. Es gibt Leute, die direkt importieren, und diese zu kennen, das schadet nicht. Ansonsten ist Ollis Weinkontor hier in Freiberg immer noch die beste Adresse. Weinkeller der gehobenen Güte und Auswahl gibt es, da sind sich alle Südschwitzer einig, sollte es nicht einen ganz versteckten Geheimkeller geben, nur zwei. Daraus trinken aber außer den Besitzern bzw. Verwaltern nur geladene Gäste zu bestimmten Anlässen sowie Freunde mit. Man bekommt schon auch mal eine Flasche geschenkt, oder einen Karton, wenn der Kellermeister einem eine besondere Freude machen oder einem eine verdiente Belohnung zukommen lassen will.”

Entweder spielte der Chinese sehr gut oder er rechnete oder es lief ihm wirklich das Wasser im Munde zusammen.

“Herr Göller, Sie scheinen sich auszukennen”, sagte er nach einer gewissen Pause, “wer hat diese Keller, und wie kommt man da, ohne das Gesicht zu verlieren, drunter?”

Er hatte tatsächlich ‘drunter’ gesagt. Normalerweise will man unter einen Weinkeller nicht drunter.

“Wer diese Weinkeller hat, weiß hier, wie gesagt, jedes Kind. Sie gehören Olli, also dem, der aus Südschwitz ganz wesentlich gemacht hat, was es ist, sowie dem Obersten Hartholtz, dem Standortkommandierenden der Bundeswehr. Da ich sie beide gut kenne, weiß ich, dass die Gerüchte um ihre Keller keine sind.”

“Mister Göller!” – Ich weiß nicht, weshalb er jetzt ins Englische rutschte – , “mir scheint, Sie sind einer der most privileged Menschen hier in Südschwitz!”

Es schien wirklich, als sei ihm der Gaul durchgegangen. Aber ich traute dem Braten nicht. Das Ganze war inzwischen auch etwas surreal geworden. Ein merkwürdig zielstrebiger Chinese.

Ich trank also mein Bier aus,  verabschiedete mich aus dem nicht gelogenen Grunde heraus, dass ich noch zu tun hätte, unter allen Höflichkeitsbezeigungen und dem Verspechen, dass ich zum Wildbret auch eine anständige Flasche Wein auftreiben werde, von Mister Fong, Wirt Max ein Dankeschön und ein Bisdann zuwinkend in die schon kühler gewordene Wüstennacht.

Glücklicherweise hatte ich mich mehr geistig bewegt denn übermäßig getrunken, also, dass ich jetzt, erst kurz nach Mitternacht, wenn der richtige Durst der Südschwitzer erst in aller Macht, zumal freitags, auszubrechen pflegt, durchaus noch meiner mit Olli vereinbarten Pflicht zu folgen glücklich mich noch in der Lage sah, indem ich ja erst eine Kneipe mit einem Mr. Fong, äh, Herrn Fong, hinter mir hatte. Ich durfte weder Olli enttäuschen, noch auch durfte ich grundsätzlich zuwenig Flagge zeigen.

In den Goldenen Ochsen würde ich so frühe nicht hineinbrechen, mitten unter Hartholtzens Bande; verdammt, es gibt ja noch diese Beamtenkneipe, wo all die Verwaltungshirsche aus Norddoof hingehen. Nein, das tue ich mir heute nicht an. Die merken eh alles später oder nie. Morgen vielleicht. Wohin?

Mit einem Male standen, indem ich innehielt, zwei normal gekleidete Männer um die vierzig vor mir, und der eine sagte: “Guten Abend. Kennen Sie sich hier in der Stadt ein bisschen aus?”

Es war am Akzent wie an den Gesichtern unverkennbar, dass es sich um Russen oder um russischstämmige Deutsche drehen musste.

“Ja, ein bisschen. Was suchen die Herren denn?”

“Wir suchen ein Lokal, wo man richtig trinken kann, schöne Frauen und so, aber keinen Puff, und keine Schlägereien und Verrickten.”

“Naja, die Herren, das sind ja allerlei Vorstellungen hier im kleinen Freiberg.” Mir fiel ein, dass es da diese von einem Schweizer betriebene kleine Spelunke gab, wo sich nicht unbedingt mein Publikum herumtrieb, von dem mir aber etwa das zu Ohren gekommen war, wenigstens bestnäherungsweise, was die Russen vermutlich bevorzögen, also, warum nicht auch noch Russen, so gehst du ganz unverdächtig, das Orchidee.

“Meine Herren, folgen sie mir ins Orchidee. Ich kann Ihnen nichts versprechen, kenne das Lokal selbst nicht gut, aber es dürfte am ehesten Ihren Vorstellungen entsprechen.”

Die Russen nickten. Dieser stellte sich als Boris, jener als Sergej vor, ich mich als Magnus.

Wir schlugen unseren Weg ein, und sie parlierten einstweilen gut gelaunt hinter mir auf Russisch. Beim Orchidee angekommen, wies ich sie zum Eingang, unsicher, ob ich mich dieser Sache weiter aussetzen solle, worauf Boris und Sergej mir jedoch sehr klar bedeuteten, dass sich nicht wenigstens auf ein Bier von ihnen einladen zu lassen eine nicht wiedergutzumachende Beleidigung der russischen Volksseele wäre, woraufhin ich mich in den Schuppen hinreichend einkomplimentiert sah.

Indem wir uns an die Theke gesetzt hatten, Schummerlicht, psychedelische Musik, alles in Schwarz und Lila und Giftgrün, kamen Sergej und Boris immer besser drauf, sie begannen in typischem Russendeutsch schlüpfrige Witze zu erzählen und sich dabei immer besser zu amüsieren.

Jetzt wollte ich doch mal auf den Zahn fühlen, denn wie Spaßtouristen sahen Boris und Sergej ebensowenig aus wie Herr Fong.

“Hey, Boris, was machst du eigentlich mit dem Sergej hier, ihr seid doch nicht etwa…”, setzte ich an.

“Sergej”, sagte Boris eiskalt, “hast du eine Ahnung, warum Magnus uns provozieren will?”

“Nein, Boris, er weiß genau, dass wir nicht schwul sind.”

“Meinst du, dass er das in der Moskauer U-Bahn auch zu uns gesagt hätte? Sergej?”

Aber plötzlich lachten sie und stießen, wie als ob nichts gewesen wäre, mit mir an.

“Na gut, ich geh’ dann mal”, sagte ich schließlich, wandte mich zum Gehen.

“Aber nein, Magnus”, meinte Sergej, “vielleicht kannst du uns doch noch ein paar Tips geben. Noch ein Blondes für meinen Freund Magnus!”

So ließ ich mich nochmal festhexen. Mal sehen, was man jetzt noch von mir wollte.

“Wir sind vom russischen Auslandsgeheimdienst.”

Jetzt musste ich mich wirklich erstmal nochmal an meinem Blonden festhalten.

Mich einigermaßen gefasst habend, schüttelte ich den Kopf und sagte: “Ihr tretet hier ganz offen als Russen auf und erzählt mir, dass ihr vom russischen Geheimdienst seid. Einen besseren Quatsch könnt ihr euch wohl nicht einfallen lassen?”

Beide schwiegen, bis Boris zu Sergej sagte: “Er hat wohl wirklich nicht viel Plan.”

Langsam aber sicher wurde mir klar, dass ich zwar wohl wirklich nicht viel Plan hatte, aber dringend so tun müsse, wie als ob es anders wäre.

“Nun, lieber Sergej, lieber Boris, wenn ihr euch in Südschwitz etwas umtut, wird man euch wohl überall bestätigen darin, dass ein gewisser Dorfschulmeister namens Magnus Göller in allen Dingen nicht viel Plan hat, ihr also nicht die ersten Helden seid, die darauf gekommen sind. Ich danke für das Bier und den angenehmen Abend.”

Und stracks hinaus, erstmal durchatmend. Was war hier los? Eigentlich wäre ich ja gerne in meine Kate abgetreten, den kleinen Verschlag, den Olli in Freiberg für mich immer diskret bereithält.

Ich konnte aber nicht schon nach zwei Kneipen und gerade mal drei Bier, zumal ohne noch den Pflichtgang in den Goldenen Ochsen anzutreten, schon in mein Geheimratseck.

Also zum Goldenen Ochsen, es war jetzt kurz vor zwei, also die Zeit, wo sich die Stimmung mit der einsetzenden Nachtkühle dort aufzuheizen pflegt.

Im Goldenen Ochsen ging es wie gewohnt feuchtfröhlich zu, die üblichen unehelichen Kinder in Anbahnung, nur der Soldatenstammtisch erschien recht merkwürdig gedrückter Stimmung hinterm Biere.

“Jungs, darf ich mich zu euch setzen, oder habt ihr geheimen Truppenrat?”, scherzte ich und setzte mich ohne eine Antwort abzuwarten wie gewohnt dazu.

“Magnus, du hast es gut!”, sagte der betrunkenste der acht oder neun Landser.

“Wieso, Hermann, ich bin nichtmal Stufz und habe auch kein legales Sturmgewehr. Und die Bundesrepublik hält viel weniger von mir als von dir. Deshalb darfst du ja in ihrer Wehr dienen.”

“Du hast aber nicht den Hartholtz an der Backe!”, meinte er versonnen, fast etwas weinerlich.

“Ich den Hartholtz nicht an der Backe?” – Ich merkte, dass ich nicht übertreiben durfte – “Wer hat denn den nicht an der Backe? Ich etwa? Zahlt der mir wenigstens ein Bier Sold?”

Harry mischte sich ein. Hauptfeld. “Dir kann er aber nicht befehlen.”

“Ach nee. Es kommt aber manchmal hart dran. Was wollt ihr Jammerlappen, ihr wolltet doch hier in Südschwitz das Vaterland tapfer verteidigen, was ist denn in euch gefahren? Werden demnächst alle von euch, die nicht beim SAS anheuern, stante pede vom Altreich verschrottet?”

“Ich verstehe fast, dass Hartholtz dich vor mir mal einen eingefleischten, arroganten Zivilistenpfennig nannte. Aber gut, du wirst es eh mitkriegen. Hartholtz will uns ab Montag den Arsch aufreißen, du kannst dir denken, was das für mich als Hauptfeld heißt, dass, wie er es formulierte: “Alle Südschwitzerinnen hinterher wissen, wo es hier echte Männer gibt.”

“Das hat der Herr Oberst doch sehr nett und motivierend formuliert”, entgegnete ich, “manche Hintlingstochter mag so ja noch auf einen Landser kommen.”

“Hör auf Magnus. Lass es jetzt mal. Er hat gesagt, er geht selbst mit, und dass wir noch bei den abgewichstesten Hintlingen das Zisternenbauen und Wurzelfressen und Handbogenjagen von den Kindern lernen sollen. Es sieht alles gar nicht nach Scherzen aus.”

“Hast du eine Ahnung, was ihn auf einmal auf diesen Rappel gebracht hat?”

“Null Plan. Naja, es ist da schon das mit seiner Tante, aber warum sollte er uns jetzt, gerade, wo er da mal ordentlich seinen Strich ziehen kann, sich selbst dazu, gnadenlos in die Wüste scheuchen wollen?”

“Wirkt er irgendwie derangiert?”

“Derangiert? Ich bin jetzt zehn Jahre bei der Truppe. Er ist unmissverständlich. Nur Soldaten mit ausgezeichneten Leistungen sollen während der Übung die übliche Vollversorgung erhalten.”

“Das heißt, er macht den Harten. Er droht mit der Höchststrafe.”

“Ja, er hat mir klar gesagt, dass selbst Vollbiersperre für achtlose Unteroffiziere jederzeit zum Programm gehört, wenn wir nicht spuren.”

“Na, ihr seid mir schöne Helden, da droht euch ab Montag Austrocknung, und ihr übt dafür schon Freitag Nacht: Lasst uns einen heben, solange die Sonne das Glas noch nicht hat!”

Das gefiel den Landsern, und sie wurden wieder lustig, und ich machte mich gegen halb vier unter südschwitzer Kalauern fort.

 

 

 

Neue Kabale in Südschwitz (III)

Freitag, 06. September 2013

Es dauerte anderntags – fast wie erwartet – nur bis gegen drei Uhr, bis Ariane Nagel bei mir in der Schule anrief.

“Nun, Magnus (verdammt nochmal, ich hatte ihr irgendwann das Du angeboten), hast du es dir überlegt?”

“Äh, naja, da wäre schon noch manches zu klären.”

“Dann heute Abend bei mir.”

“Äh, naja, ich bin mit Zenzi schon zum Essen eingeladen. (Das stimmte zum Glück.)

“Dann morgen.”

“Äh, naja…”

“Morgen.”

“Liebe Ariane, ist Dir schon einmal aufgefallen, dass ich nicht gedient habe?”

“Das ist ja das Problem mit Leuten wie dir.”

“Danke für das Kompliment.”

“Morgen”, sagte sie, schon ein bisschen genervt.

“Also gut, morgen. Um acht?”

“Um acht.”

Also musste ich bis morgen Abend schon wissen, wie ich tatsächlich herangehen werde. Ich musste also gleich Wind machen. Sprich, ich würde jetzt im Netz nach spezialiserten Sicherheitsfirmen in Altdeutschland suchen, bei zwei oder drei von denen direkt über mein Telefon anrufen, mal ganz unverbindlich nachfragen, ob ein Koordinator mit besten Ortskenntnissen und Verbindungen in Südschwitz gefragt sei. Mal sehen, wie das ankäme. Ob man wohl schon mein Telefon abhörte?

Bei der ersten Firma bekam ich einen Fritzen an die Strippe, so etwas Bräsiges habe ich selten erlebt. Herr Hügel, wie er sich nannte, erkundigte sich aber schließlich doch bezüglich meiner Möglichkeiten, brummelte etwas von wegen, dass man mich bei Bedarf kontaktieren werde.

Bei der zweiten Firma war es ein Herr Lau, der mich nicht nur fragte, wie ich denn ausgerechnet auf seine Firma gekommen sei? Man habe Südschwitz bislang nicht besonders im Blickfeld, melde sich aber gegebenenfalls bei mir.

Bei der dritten Firma war es eine Frau Müller, die nur meinte: “Südschwitz? Was gibt es denn da zu holen? Haben Sie etwa selber ein Problem?” “Nein, ich habe kein Problem”, log ich. “Es möchte aber wohl irgendwann Probleme geben. Deshalb spreche ich Sie an.” “Soso”, meinte Frau Müller, “wir werden das analysieren. Ich wünsche Ihnen noch einen sonnigen Tag.”

Ich hatte also zunächst, wie zu erwarten, wenig erreicht, aber ich hatte mich bewegt.

Anderntags, bei der Nagelin, war mir sofort klar, dass sie im Bilde war. Sie legte einen niedersächsischen Eisblick auf, und ihr Deutsch war militärisch schneidend. Sie fackelte nicht lange.

“Magnus, bist du eigentlich nicht ganz bei Trost? Was treibst du da?”

“Was meinst du?”

“Du weißt genau, was ich meine!”

“Nein, weiß ich nicht.”

“Wie kannst du im Altreich anrufen, deine Dienste anbieten? Hast du einen Sprung in der Schüssel?”

“Ich dachte, ich müsste einfach mal sehen, was der Markt vielleicht so hergibt. Und wenn hier einer einen Sprung in der Schüssel hat, so bist du das, wenn du offen zugibst, mein Telefon abhören zu lassen. Ich glaube, bei dir piept es wohl mächtig im Oberstübchen.”

Sie nahm sich mächtig zusammen.

“Pah, mit einem wie dir soll man arbeiten können? Fahrlässig bis zum Gehtnichtmehr und dann auch noch Mimose spielen?”

“Ich habe nicht darum gebeten, im Auftrage von Gehrig & Partner – vermutlich schwarz – zu arbeiten. Euer Hochwohlgeboren nebst Buhl trug mir das an.”

Das ‘nebst Buhl’ versetzte sie vollends in Rage. Das Kind war nun eh schon in den Brunnen gefallen. Es frug sich nur noch, ob und wie sie es jetzt wieder herausziehen wollte.

“Es geht um die nationale Sicherheit”, schnappte sie, während sich ihr Gesicht leicht rötete.

“Ach nee, da wäre ich ja nie drauf gekommen”, versetzte ich.

“Spare dir deinen Sarkasmus.”

“Spare du mir dein Geschwätz. Butter bei die Fische bitte, so sagt man doch bei euch in Flachlandsachsen.”

“Ich kann dir nicht sagen, worum es geht.”

“Na prima. Auch darauf wäre ich nie gekommen.”

Sie war am Siedepunkt.

“Du stellst dich also gegen uns, soll das das heißen?”, fauchte sie.

“Nein, wie sollte ich.”

“Was also?”

“Ich könnte mich gar nicht gegen ‘euch’ stellen, selbst wenn ich das wollte. Ich weiß ja gar nicht, wer ‘ihr’ seid und was ‘ihr’ eigentlich wollt.”

“Das kann ich dir, verdammt nochmal, nicht sagen.”

“Nun, dann danke, dass du mich auf eine wohl lukrative Geschäftsidee gebracht hast. Vielleicht zahlt mir ja eine Firma nur 5000 im Monat, aber ich weiß, für wen ich arbeite. Nämlich für ein seriöses Unternehmen.”

“Du willst mir doch nicht etwa drohen?”

“Nö, wie sollte ich. Zenzi einen Pelzmantel zu schenken, wäre hier in Südschwitz wohl nicht der Bringer. Wenn wir uns dazu aber mal einen schönen Winterurlaub im Altreich leisten könnten, nähme sie den wohl auch. Gleich in München gibt es gute Geschäfte. Und ich hole mir noch eine kurze Gamsbockslederhose, die kann man sogar hier gut tragen. Sehr robust, die Dinger.”

“Du hältst mich doch nicht etwa für eine Verräterin? Spinnst du?”

“Als gute südschwitzer Patriotin gehst du mir so jedenfalls nicht durch. Du kennst wohl noch nicht das ungeschriebene Gesetz hier. Jedenfalls nicht wirklich. Außerdem könnte es sehr wohl sein, dass deine Auftraggeber dich nasführen, du selbst nicht weißt, wofür du dich vernutzen lässt. Eigentlich schade um eine schöne junge Frau, die eben erst ihr Liebesglück gefunden.”

Jetzt platzte sie. “Magnus, du bist ein absolut perfides, loses Arschloch!”

Ich gab mir drei Sekunden. “Ja, die meisten meiner Schüler – zumal Deutschschüler der Oberstufe – sehen das auch so. Sie sagen es meist nur nicht so offen und ehrlich wie du. Einer nannte mich mal Wortfaschist. Der bekam eine mündliche Eins dafür. Diese meine bekannten Qualitäten scheinen ‘euch’ aber nicht abgeschreckt zu haben, mich ins Boot zu holen zu trachten. Wohl eher im Gegenteile, möchte man logisch deduzieren, wenigstens allemal vermuten.”

“Arschloch!”

“Du kannst auch nochmal Arschloch sagen, das ändert nix.”

Sie bebte, aber fing sich.

“Ich muss Rücksprache halten. Du hältst einstweilen dein Maul gen Norddoof, ist das klar?”

“Na gut, einstweilen halte ich das Maul gen Norddoof. Gestattest du mir derweil, einmal mit deinem Buhl und Schutzpatron zu reden, Frau Maxima Securitate? Ich lernte auch gerne mal deinen Chef bei Gehrig & Partner kennen; vielleicht ist der im Sinne einer füglichen internen Unternehmenskommunikation kompetenter und kompatibler als du.”

“Du wirst den Teufel tun und bei Gehrig & Partner im Altreich anrufen. Jetzt, wo du wer weiß schon wie viele Pferde scheu gemacht hast! Das ist ein Befehl!”, schrie sie.

“Ein was ist das? Habe ich ein Bitte gehört? Nein, mir scheint es nicht so. Vielleicht höre ich schlecht.”

“Also gut, bitte”, keuchte sie.

“Drei Tage”, sagte ich kühl.

“Was, spinnst du?”

“Wenn du in drei Tagen nicht in der Lage bist, mehr zustande zu bringen, als das Telefon eines Dorfschulmeisters abzuhören, fehlt es dir an unabdingbar notwendigen Möglichkeiten und Befugnissen. Dann ist die Sache eine oder zwei oder gar drei Nummern zu groß für dich. Und, in dem Falle, für deinen Buhl vielleicht auch.”

“Nenne Heinz nicht mehr meinen Buhl, du…”

“Arschloch”, ergänzte ich. “Zivilistenarschloch. Was bist du so empfindlich? Ich hatte ja gar nicht ursprünglich angesetzt, dass ihr…”

“Halt’s Maul. Halte verdammt nochmal das Maul.”

“Ja, das sagt, so oder ähnlich, dein Heinz auch immer wieder zu mir. Nur dass er mich dabei nicht duzt. Bisher jedenfalls nicht.”

“Ich weiß jetzt, endlich, weshalb er mich immer vor dir warnt. Er sagt, du seist ein potentiell über jedes Maß intolerabler, gefährlicher Schwätzer. Ein abgezockter Zivilistenhundsfott vor dem Herrn.”

“Ach, sagt er das? ‘Zivilistenhundsfott vor dem Herrn’: den nehme ich gerne in meine Hartholtzsche  Sammlung, zumal aus dem Munde seines…”

“HALT’S MAUL!!!”, donnerte sie.

“Meine Frau sagt immer, dass ich das, selbst wenn der liebe Gott mir vier Hände dafür geschenkt hätte, wohl immer noch nicht hinbrächte.”

Sie ließ sich in einen Sessel fallen, holte eine Flasche Talisker aus dem Beistelltischchen, schenkte sich einen guten Doppelten ein – ich hatte noch nicht einmal etwas zu trinken angeboten bekommen, wobei es blieb – , schlug die Beine übereinander, und sann.

“Dir ist wohl klar, dass gefährlich ist, was du machst.”

“Das ist mir sehr wohl klar. Trotzdem weiß ich, dass ich lieber weiß, welche Haie in einem Becken schwimmen, bevor ich darin ein Bad nehme. Und dass du mir nicht einmal einen Whisky anbietest, spricht für einen Menschen von Kultur dazu überdies Bände.”

Sie schob mir die Flasche und ein Glas zu. “Einschenken kannst du wohl schon selber.”

Ich goss mir einen Fingerbreit ein, nippte und meinte: “Ja, das kann man sogar im zivilen Leben lernen. selbst Dorfschullehrer…”

“Halt’s Maul!”

“Naja”, entgegnete ich, “du wiederholst dich. Im Deutschaufsatz…”

Ich hatte den angebrochenen Satz selbst in der Luft hängen lassen, holte seelenruhig meinen Tabak aus der Brusttasche, begann mir eine zu drehen.

“Du gehst jetzt”, sagte sie leise, “kannst draußen die Luft verpesten.”

“Ja, eine gute Idee”, versetzte ich und trank den Whisky aus, “an der frischen freien Luft von Südschwitz schmeckt der Tabak sowieso besser, als in einer Bude, die schwer nach sauerer, gleichwohl unausgegorener Kabale riecht.”

“Hau ab.”

“Drei Tage.”

“Ich bin nicht taub.”

“Schön, ich finde selbst raus.”

Das war nun, unversehens, zu einem ziemlichen oder unziemlichen, so jedenfalls nicht geplanten Parforceritt meinerseits eskaliert. Was ich erreicht hatte, war unklar. Olli musste sofort über den Stand der Dinge informiert werden. Wahrscheinlich würde ich mir einiges an Tadel einfangen, dass ich spontan so weit gegangen war…

Als ich bei ihm ankam, war Olli nicht der besten Laune. So sieht man ihn selten. Er stellte jenen derben portugiesischen Landwein auf den Tisch, den er mit dem Spruch “nicht, dass uns der Wein zu gut schmeckt” zu begleiten pflegt, wenn harte Arbeit ansteht.

“Weißt du, was diese Arschlöcher machen?”, legte er gleich los. “Die gehen her und versuchen, meine Leute anzuwerben. Hinter meinem Rücken. Das ist gar nicht nett.”

Ich erzählte ihm von meiner Zusammenkunft mit meiner widerspenstigen Chefin in spe, und sein Gesichte hellte sich wieder etwas auf.

“Magnus, ich hätte dir vorher nie geraten, so forsch dranzugehen, aber das war wohl genau richtig. Wenn die uns schwindlig spielen wollen, dann sollen sie mal sehen, wer in Südschwitz noch etwas davon versteht. Sie werden uns nicht einfach umlegen. Sehr wahrscheinlich jedenfalls nicht. Jetzt jedenfalls nicht. Wir müssen es so anlegen, dass gar keiner auf die Idee kommt, egal wer, uns auch nur ernsthaft drohen zu wollen.”

Er trank mit einem großen Zuge das derbe Wasserglas aus, aus dem wir bei solchen Anlässen den Portugiesen zu trinken pflegen.

“Was machen wir?”

“Ich sehe gerade, wenn wir uns offen-verdeckt wehren wollen, also, dass sie es genau merken, aber nicht gleich ganz Südschwitz, erstmal drei mögliche Entwicklungslinien. Ich muss nach außen drei Tage die Füße stillhalten, insofern nichts Entscheidendes, Einschneidendes diesen Ruf ändert. Derweil kann ich aber Hartholtz auf die Nerven gehen, schauen, wie ich ihn kitzle. Du musst gar nicht stille halten, kannst für noch ein bisschen mehr Verwirrung sorgen. Ich weihe Zenzi ein, simuliere vielleicht gar einen kleinen Ehekrach, ziehe dann dieses Wochenende leicht derangiert, etwas geschwätzig, aber nicht zu sehr, durch deine Kneipen und jene der Konkurrenz in Freiberg, tatsächlich oder der Gegenseite vermutlich einiges erfahrend, kann dich jederzeit zum Kaffee treffen, so dass wir jederzeit weiterdisponieren können. Es wäre selbst daran zu denken, dass ich die Frist, es ist Freitag, auf zwei Tage verkürze, dergestalt verschärfe, Ariane zu sagen, dass das Leuteanwerben hinter deinem Rücken einen derartigen Kommentverstoß darstelle, dass ein solcher entsprechend zu ahnden sei, also nur Frist bis Sonntag.”

“Das wäre jetzt übereilt. Sie wissen wohl immerhin noch nicht, dass ich weiß, dass sie sich an meine Leute heranmachen. Und selbst wenn, so möchte es eine gewisse Nervosität zeigen, jetzt dergestalt vorzupreschen. Verkürzen können wir immer noch. Was wir brauchen sind möglichst viele Informationen im Felde, und ein bisschen selbstangerichtetes Chaos. Du ziehst also durch die Kneipen Freibergs und machst auf deine Art die Gegend unsicher, und ich werde morgen Abend, da habe ich Halbjahresumtrunk mit meinen Betriebsleitern, eine ausgesucht südschwitzerisch-patriotische Rede halten, welche die bewährte Treue zum Altreich in Verbindung mit der überaus erfolgreichen Selbstorganisation der Südschwitzer nicht nur in ökonomischen, sondern auch in Sicherheitsfragen ausgesucht positiv hervorstreicht, unter feiner Betonung der zweiten Komponente des Redeabschnitts. Das kleidet sich dann in die erzielten Fortschritte bezüglich der südschwitzerischen Infrastruktur, in der Distribution von landwirtschaftlichen Produkten wie zumal auch im Bildungswesen, dessen man ja, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, inzwischen besonders auch in Buschhausen stolz sein könne, was besonders auch bei unseren geschätzten Hintlingen, die inzwischen zwar nicht das alleinige Rückgrat der südschwitzerischen Wirtschaft, aber doch immer mehr Schwungrad, mit großer Freude und Ermutigung aufgenommen werde undsoweiterundsofortundderdeibelwas.”

“Olli, woher kannst du sowas einfach?”, fragte ich, doch mal wieder erstaunt.

“Lieber Magnus, danke des Lorbeers, aber ich habe schon als ich zwölf war, im alten Osten, in Leipzig, Bier mitausgeschenkt. Davor durfte ich es nur bringen. Da habe ich aber auch schon aufgepasst.”

“Was sage ich Hartholtz?”

“Hmmm. Mit dem ist es jetzt ja mindestens doppelt vergiftet. Er hält die Hand drüber, wir wissen nicht warum, auch nicht, ob er voll informiert ist. Dann noch, wie das mit seiner, hehe, mit seiner Buhle liegt, wie empfindlich er jetzt eben doch geworden ist, der alte Hagestolz, da ein Vollschiff wie das mehr als nur Frollein Nagel mit ihm fährt. Wie schätzt du sie ein?”

“Sie ist erstmal nicht doof. Gar nicht doof. Sie ist aber doch etwas reizbarer, als man normalerweise erwarten sollte. Sie scheint unter einem ziemlichen Druck zu stehen. So, wie es aussieht, stammt dieser Druck, jedenfalls für sie spürbar, nicht wesentlich von Hartholtz. Alles spricht dafür, dass jemand, der höher steht als Hartholtz, hier dirigiert. Nichts spricht dafür, dass dies eine seriöse deutsche Personenschutzfirma sein könnte. Wir dürfen auch nicht ausschließen, dass Hartholtzens Tante und Hartholtz in Wirklichkeit auf eigene Faust, oder in patriotischem Auftrage, gegen eine äußere, zunächst nicht direkt abzuwendende Bedrohung arbeiten, uns in ihre Strategeme einbegreifend, lieber, ohne uns dies schon oder überhaupt je zu sagen.”

“Da sagst du was, da sagst du was. Daran dachte ich auch immer wieder. Der Hartholtz ist doch nicht wirklich ein…” “Arschloch”, ergänzte ich. “Wenigstens kein dummes.”

“Er muss sich doch von vornherein völlig darüber im klaren gewesen sein, dass wir etwas merken würden, Fragen stellen, zumal bei dir, dass auch irgendein frecher Unfug folgen werde, wenn man uns hier vor einen unbekannten Karren versuchen wollte zu spannen, in solcher Weise. So könnte er uns gewissermaßen authentisch wirken lassen, in irgendeiner Art zu seiner Deckung nutzen.”

“Ja, Liebesnächte hin oder her, verblödet ist der Hartholtz nicht.”

“Eben. Vielleicht solltest du bei deiner nächsten Unterredung mit ihm auch unterschwellig durchblicken lassen, dass diese Möglichkeit hier zu Olli und Magnus durchaus erwogen wurde, schaust mal, wie er reagiert.”

“Mal sehen, was geht.”

Wir schwiegen eine Weile.

“Olli, da uns gerade nichts mehr einfällt, und nicht nur deswegen: Die Pflicht ruft. Es ist jetzt schon fast elf, die Durstigen strömen mit Wochendurst in die Kneipen, ich muss auf den harten Weg. Morgen früh, um elf, zum Frühstück?”

“Morgen früh, um elf.”

 

 

 

 

 

Neue Kabale in Südschwitz (II)

Freitag, 06. September 2013

Drei Dinge waren klar. Es war etwas oberfaul, ich musste sehr behutsam vorgehen, und ich musste noch heute Abend mit Olli reden.

Der Art nach, wie Hartholtz und Ariane Olli ins Spiel gebracht hatten, mussten sie in irgendeiner Weise schon mit ihm geredet haben. Es war alles sehr gezielt darauf angelegt gewesen, Ollis Einverständnis irgendeiner Art zu suggerieren, gleichzeitig ein gewisses Keiletreiben wider ihn, eine Aufstachelung meiner, mir an den Ehrbeutel gehend.

Und: Wie waren Gehrig & Partner und die Bundeswehr wirklich verbunden? Hartholtz war, selbst wenn Ariane ihm noch so eifrig das Bett wärmte, kaum zuzutrauen, dass er darüber seine elementarsten Pflichten als Offizier der Bundeswehr vergessen oder gar aktiv missachten würde. Trotzdem hatte er das merkwürdige Angebot durchaus aktiv gutgeheißen und empfohlen. Hier lief offenkundig ein sehr merkwürdiges Spiel, und es wurde dabei für südschwitzerische Verhältnisse am ganz großen Rad gedreht.

Die Bundeswehr bzw. Hartholtz, seine früher nur dienstlich untergebene Ariane, die neuerdings für eine “Sicherheitsfirma” hier, diese vorgeblich zum Personenschutz, die Taschen voller Geld, ausgerechnet für mich, dabei Olli, als bisher genannten vierten bzw. fünften im undurchsichtigen Bunde. Sie hatten ja nicht gesagt, dass ich ohne Ollis Wissen arbeiten solle. Das heißt normalerweise, dass auch seine Logistik eingebunden werden soll. Klar, täte ich auch so machen.

Olli hat aber nun keinerlei Kohle nötig von denen. Und er ist gern sein eigener Herr, und er ist kein Dummkopf. Kaum ist der MAD weg, kommt eine neue Krätze nach Südschwitz. Ex-MAD-Agentin, gedeckt von der Bundeswehr. Wird Olli erpresst? Oder hält er sie erstmal hin? Oder gibt es etwas so wichtiges, dass er deshalb mitspielt, pro patria sozusagen?

Als ich bei Olli ankam, war es nach einem längeren Spaziergang wohl schon halb elf, und er war glücklicherweise wo ich ihn vermutet hatte, in seinem kleinen Stadthäuschen am Rande von Freiberg.

“Magnus, altes Haus, was treibt Dich so überraschend in meine bescheidene Hütte? Komm rein! Ich habe vor einer Stunde einen netten kleinen Bordeaux aufgemacht, der sollte, die Vorsehung will es, eben in diesem Augenblicke, da du klingeltest, angetrunken werden, gut beatmet.”

Er schenkte mir den Verkostungsschluck ein, ich ließ den Trunk ein wenig im Glase kreisen, prüfte im Licht die Reflexe, roch einmal, zweimal gründlich prüfend die aufsteigenden Aromen, und, rieche da, Tabak, Leder, Vanille, allerlei schwarze Johannisbeere und Schlehdorn, kräftige Tannine, keinerlei auch nur leisesten Verdacht auf Korken. “Olli, wenn der so schmeckt, wie er riecht, ist es kein kleiner Bordeaux, alter Tiefstapler.” Ich nahm einen mittleren Zug und netzte alles, was Rachenraum ist, damit, ließ die Flüssigkeit meine Zunge umspülen, bis auch Kehle und Magen den Heilsaft kosten durften.

Als Olli mein Gesichte dabei sahe, lachte er und meinte nur: “Na gut, es ist ein mittlerer.” Und goss unsere Gläser halb voll.

“Führt dich nur mein Weinkeller hierher – nicht dass ich etwas dagegen hätte, nur ein wenig zu plaudern, indem ich ihm mit deiner Hilfe wieder etwas Platz verschaffe – oder gibt es Wichtiges?”, fuhr er in seiner direkten Art fort. “Haben Hartholtzens Tante und der Hartholtz dich bearbeitet? So siehst du gerade aus.”

“So ist es.” Ich nahm einen zweiten, großen Schluck und meinte: “Olli, ‘Hartholtzens Tante’, höre ich da nur ein bisschen Ironie heraus, oder deutest du da ein Problemchen an mit der Dame? Wer erzählt zuerst?”

“Fang du an.”

Ich berichtete also so detailgetreu wie möglich den Frühverlauf des Abends, und Olli sagte nichts dazu.

“Du bist dran, Olli.”

“Magnus, das ganze ist ein äußerst undurchsichtiges, oberschräges Ding. Bei mir war Hartholtz nicht so massiv wie bei dir, er signalisierte aber auch, dass die Machenschaften der Frau Nagel seinerseits mit Wohlwollen betrachtet würden. Sie rückte dann allein an und offenbarte mir, dass es der Schaden meiner Geschäfte, meiner Hotels und Gasthäuser sicher nicht wäre, wenn man sich dort besonders sicher fühlen könne, weshalb es in meinem ureigenen Interesse sei, diskret mit Gehrig & Partner zusammenzuarbeiten. Da ist mir schon beinahe der Kragen geplatzt. Das klang eher wie eine Drohung. Wie als ob ich meine Kneipen nicht im Griff hätte. Frechheit.”

“Und was kam dann?”

“Ich fragte sie, wie sie sich das denn im einzelnen vorstelle, merkte an, dass ich als vielbeschäftigter Mann keine Zeit für Firlefanz hätte, fragte zudem, welche südschwitzerischen Kräfte man denn noch hinzuziehen gedenke, eine gleichzeitig unauffällige wie effektive Logistik aufzubauen.”

Typisch Olli, dachte ich, gleich zum Punkt. Ohne aber sich festzulegen.

“Sie meinte darauf, dass sie natürlich nicht den ganzen Aufbau der Sache preisgeben könne, zunächst meine grundsätzliche Bereitschaft zu erkunden hiersei, sie aber, da ich es ja wohl ohnehin erfahren werde, mir gleich reinen Wein dahingehend einschenke, dass du als südschwitzer Kopf wesentlich zur Informationsbeschaffung angeworben werden sollest.”

“Wieso hast du mir nichts davon gesagt?”

“Es war erst gestern. Ich wollte die Sache erstmal laufen lassen. Außerdem, am Telefon… Auch wenn ich dich nur dringlich herzitiert hätte, hätte das auffallen können.”

“Gut, und weiter?”

“Ich sagte ihr, dass ich ja mal gespannt sei, wie sie dich ködern wolle. Du habest eine wunderschöne, witzige, tüchtige und loyale Frau, einen festen Job und mehrere mehr oder weniger ehrenamtliche Nebenjobs, seiest, zumindest wie es jedem Südschwitzer scheine, damit sowohl gut ausgelastet als auch in aller Regel sehr zufrieden. Sie meinte dazu nur, dass sie dir ein Angebot machen werde, das du kaum ablehnen könnest. Wieder so eine versteckte Drohung. Ich ließ mir aber wiederum nichts anmerken und wünschte ihr viel Erfolg bei ihrem Unterfangen.”

“Du hast sie nicht gefragt, weshalb sie mich im Visier hat?”

“Nein, das wäre ja blöde gewesen. Sie hätte gleich gemerkt, dass das eine Scheinfrage sei.”

“Aber sie kamen mir damit, dass du meine Kompetenz im Sinne der Informationsbeschaffung gelobt habest.”

“Naja, ich ließ zwischendrein noch so einen Scherz los. ‘Der Magnus ist in der Tat so empfindlich für Metainformation, dass ich mich schon manches Mal darüber gewundert habe.’ Ich denke, sie konnte das nicht sicher zuordnen, aber eine Art Lob war es doch. Und noch nicht einmal gelogen.”

“Was machen wir jetzt?”

“Meine Herrn, diese Bande bietet dir zehn Mille im Monat, ich soll irgendwie mittun, wenigstens die Füße stillhalten, und wir wissen noch nicht einmal, wer genau da wirklich auf was hinauswill. Und sie werden uns das auch nicht so leicht erzählen. Wenn wir es zu spät herauskriegen, stecken wir womöglich viel zu tief drin, und wenn wir einfach nicht mitmachen, könnten wir Ärger kriegen, nicht einmal wissend, wohin der Hase laufen soll. Wir müssen erstmal, zögerlich, mitmachen, dabei so viel als möglich in Erfahrung bringen, ohne uns zu kompromittieren. Natürlich rechnen die aber ebendamit, werden uns genau beobachten. Wir dürfen untereinander nur mit äußerster Diskretion kommunizieren, fraglos.”

“Wir brauchen ein Strategem. Vielleicht mehrere.”

“So ist es.”

“Was hältst du davon, wenn ich zu Ariane sage, dass ich bei einer Sache von solcher Tragweite schon erstmal Art und Umfang und Zweck der ganzen Veranstaltung erführe, und zwar nicht nur von ihr, sondern auch von ihrem zivilen Chef in Deutschland. Der könne ja binnen weniger Stunden hiersein, mich von der Seriosität der Sache persönlich zu überzeugen.”

“Sehr gut. Mal sehen, wie sie reagiert. Das kann zumindest Zeit verschaffen. Vielleicht verplappert sie sich auch ein bisschen, oder es packt sie wenigstens marginal an ihrer weiblichen Eitelkeit. Bringe sie zum Schwatzen. Schwärme von deiner Frau, davon, wie gerne du Lehrer und freier Publizist bist. Vielleicht…” Olli verstummte.

“Was vielleicht?”

“Das ist zwar eine wohlzubedenkende Sache, aber du könntest den Tiger auch anders vom Berge in die Ebene locken. Oder so dann erst richtig. Du könntest ein Konkurrenzangebot erwägen. Offen lassen, ob schon eines vorliegt, oder ganz einfach auf die Idee gekommen sein, dass Gehrig & Partner nicht die einzige Firma dieser Art sein dürfte, die mit deiner Hilfe erst richtig auf den Geschack kommen könne, in Südschwitz richtig einzusteigen. Wenn sie dann das handfeste Drohen anfängt, wissen wir bescheid, dass wirklich Feuer unterm Dach ist. Dann wissen wir aber, mit wem wir in Wirklichkeit nicht arbeiten werden. Oder man weiht uns, sozusagen gezwungenermaßen, ein, sollte etwas dahinterstehen, das lauter, man uns aber nicht so einfach sagen wollte.”

“Und was machst du in der Zwischenzeit?”

“Ich werde unangemeldete Stichproben in meinen Läden machen, mehr als sonst, dann meine ganzen Kneipiers zusammentrommeln, zu einer außerordentlichen Generalversammlung, um mit ihnen ausführlich über Brandschutz zu reden, über unser internes Sicherheitssystem, wie im äußersten Fall sehr schnell zehn bis fünfzehn Mann aus dem Verbund an einem beliebigen Ort in Freiberg oder Buschhausen zusammenzuziehen sind undsoweiter.”

“Das wird den anderen nicht verborgen bleiben. Aber das mag ja genau gut so sein. Nur, meinst du nicht, dass du damit Unruhe unter die Wirte und die Leute bringst, Gerüchte ins Krautschießen könnten?”

“Na klar. Sollen doch. DIE haben doch bezweifelt, dass ich meine Läden im Griff hätte. Das haben sie nun davon. Wetten, dass die mich bald darum bitten, nicht zu übertreiben? Ich werde mich als sturer, beleidigter alter Esel stellen, gekränkt in meiner Olli-Ehre, überhaupt nicht begreifen, weshalb ich mich nicht einer offenkundigen, wenigstens behaupteten Bedrohungslage selbst erwehren könne, dies auch deutlich machen.”

“Gut, so machen wir’s, Olli. Die ersten Schritte sind klar. Wir sollten uns zwischenzeitlich zwei oder dreimal die Woche hier bei dir treffen. Das fällt nicht sonderlich auf.”

Wir tranken aus, und ich nahm einen Nachtlaster nach Buschhausen.

 

 

 

Neue Kabale in Südschwitz

Donnerstag, 05. September 2013

Nie hätte ich gedacht, dass Hartholtz einmal derart meiner Hilfe bedürfen werde. Oder gar selbst wissentlich Teil einer üblen Kabale sein könne.

Inzwischen ist Frau Stabsfeldwebel der Reserve Ariane Nagel glücklich nicht nur Statthalterin der Sicherheitsfirma Gehrig & Partner, die hier in Südschwitz doch aus eher undurchsichtigen Gründen ihre Tätigkeit aufgenommen hat, vorgeblich Geschäftsleute diskret zu schützen, wobei man sich fragt, vor wem hier anständige Geschäftsleute zu schützen seien, sondern auch ganz offen die Gefährtin von Oberst Hartholtz.

Alle hier gönnen ihm nicht nur sein kühles Blondes, sondern auch seine temperamentvolle, inzwischen der Lebenslust Südschwitz’  gut eingewöhnten Hünin (sie ist fast zehn Zentimeter größer als er): Hartholtz ist drahtiger und schlagfertiger denn je. Beim Gewicht ist es etwa eins zu eins, so dass also alles passt, jeder den anderen auf Händen tragen kann.

Sinister erscheint allein jene Firma. Ich fragte Ariane kürzlich, was es mit der eigentlich so auf sich habe.

“Magnus, du meinst doch nicht im Ernst, dass ich dir etwas davon erzähle, du Klatsch- und Tratsch- und Schandmaul der Republik!”, meinte sie kühle lächelnd, sehr wissend wirkend, sehr souverän, sehr professionell.

“Achso”, meinte da das Schandmaul der Republik, “du sondierst und sicherst erstmal das Terrain, bist dann jederzeit, wenn gebraucht, bester Logistik, zur Stelle.”

“So magst du das unter deinen südschwitzer Saufkumpanen verbreiten.”

Jetzt ward es mir doch etwas zu bunt. (weiterlesen…)

Deutsch-Südschwitz: MAD erbarmungslos zurückgeschlagen

Donnerstag, 05. September 2013

Sieg für Südschwitz auf der ganzen Linie.

Nachdem er, gerade noch hinreichend kommunikationsfähig, Frau Stabsfeldwebel Ariane Nagel, die vermutlich nicht mehr zuverlässige vermutliche heimliche Liebschaft des Obersten Hartholtz, notgezwungen am Freiberger Flughafen (es ist der Flughafen der Bundeswehr, der auch zivil genutzt wird) verabschiedet hatte, meinte MAD-Sonderführer Rüb, er müsse sich auch einmal was gönnen dürfen und ward prompt von der eigenen Truppe – vermutlich – in einen Hinterhalt gelockt.

So ließ er sich tatsächlich, meinend, er könne jetzt die Gelegenheit zur Aushorchung der Soldaten unverdächtig-geschickt nutzen, von diesen zu nicht nur einem Biere einladen, gab sich, nach Dienstschluss versteht sich, ungemein gesellig.

So wurden schließlich Soldatenlieder angestimmt, Lili Marleen ließ grüßen. Endlich trat Olli, der Zivilist, auf, meinte, er wisse da auch noch eins zum besten zu geben. Und stimmte, wie er meinte, das Anti-Horst-Wessel-Lied an. Nur dessen Melodie, und die auch noch absichtlich falsch, zur doppelten Abschreckung vor unziemlich militaristischen Umtrieben.

Und was tat Rüb? (weiterlesen…)

Deutsch-Südschwitz: Oberst Hartholtz löst das Problem mit der Stabsfeld

Donnerstag, 05. September 2013

Hartholtz ist wirklich der härteste von drei Glocken. Frau Stabsfeldwebel Nagel, die im Auftrage von MAD-Sonderführer Rüb (sein tatsächlicher Rang ist, wie gesagt, unbekannt) unseren Bundeswehrstandort direkt über den Kommandanten auf unziemliche Lebenslust ausspähen sollte – besonders auf Bier, Hanf und Sex mit Frau Obergefreiter im Dienst – , eine echte Brünhilde aus Cloppenburg, fast einsachtzig, dabei bestblonder Kurven, “boshaft wie Kriemhild am Hofe König Etzels” (O-Ton Hartholtz noch vor kurzem), hat sich derormaßen in den Obersten verknallt, dass seine Landser drumb schon gelästert und respektlos herumgegrinst, was das Zeug hält.

Hartholtz schwor mir, dass er ihr, guter Vorgesetzter, nie näher gekommen sei als zwanzig Zentimeter, und ich glaube ihm.

Verzückten Blickes dackelte sie hinter ihrem Chef her, wofür er sie auch einmal ein Weißbier im Dienst trinken ließ, dieser gewiefte Stratege. Wie Hartholtz, dem man zutrauen möchte, dass er in der Ardennenoffensive nochmal das Ruder herumgerissen hätte, das binnen zwei Wochen geschafft hat, weiß wahrscheinlich außer ihm nur Amor selbst.

Auch aufgrund der losen Sprüche, die im Goldenen Ochsen diesbezüglich nun schon seit Tagen gingen, ward ihr eigentlicher Vorgesetzter Rüb schließlich äußerst molto frusto, manche sagten, er sei sogar eifersüchtig, obwohl sich alle ziemlich sicher, dass er eine Truppenschwuchtel.

Ein besonders pfiffiger Oberfeld, Horst Bär aus Hünxe, ein von Hartholtz geschätztes Organisationstalent mit den Fähigkeiten eines Trickbetrügers, oberster Possenreißer wann immer der Standortkommandierende Skat spielt, man also auch auf Posten gemäßigt einen reinlassen darf, der Rest die Sau rauslassen, hat den Rüb jetzt richtig reingelegt.

“Ob der Rüb wohl den Trauzeugen macht, bei der ersten Hochzeit am Standort?”, meinte er hinreichend laut hörbar am Soldatenstammtisch, wie als ob unbedacht, beim fünften Bier, “Damit der kleine Sascha Hartholtz-Nagel ehrenhaft geboren werden kann? Ich wette, der Junge kommt schon mit einem Barett auf die Welt, wenigstens als Stufz.”

“Wie kommst du darauf, dass es ein Junge wird?”, mischte sich sein bester Kumpel, Harry Rötel, Hauptgefreiter aus Mannheim, darein, “meinst du etwa, Militärs machen immer Jungs? Du bist ja von gestern, ein richtiger altmodischer Macho. Wo sollen denn da all die knackigen Frauen Stabsfeld herkommen?”

Rüb platzte. “Sie amüsiert das wohl noch, wenn bei der Bundeswehr Vorgesetzte mit Untergebenen Unzucht treiben, was? Sie…” (weiterlesen…)

“100 Prozent sozial”: Hier kommt der Schakal

Donnerstag, 05. September 2013

Bei der Überschrift “100 Prozent sozial” habe ich schon gar keine Lust mehr, das Programm der Linken zu lesen. Es könnte ja ein Punkt darinnen zu finden sein, dem ich zustimme.

Was ist das für ein Mensch, der 100 Prozent sozial?

Gehört der zu 100% den anderen, oder gehören die anderen zu 100% ihm, oder ist das dasselbe?

Eine Gesellschaft, die von 100% sozialen Ichlosen gebildet wird, gibt es in der noch jemand, der eigenständig denken kann? Darf? Auch nur zu 10%?

Es ist die Überschrift des ganzen Programms. Also vermutlich zumindest kein absichtlicher, wenigstens kein absichtlich erkennbarer Witz.

Wollt ihr 100% Sozialismus? (weiterlesen…)

Jesus blieb, die Piratin bleibt hängen

Donnerstag, 05. September 2013

Die Piraten haben grade so ‘nen Spruch (so ungefähr). Ein junges Ding sagt: “Was hänge ich hier eigentlich? Du gehst ja eh nicht wählen.”

An einem Laternenpfahl. Vergleiche mit Jesus verbieten sich aus Pietätsgründen natürlich eigentlich.

Aber: Hätten die Juden Jesus zu ihrem Führer gewählt, wären uns sicherlich sowohl das Christentum als auch wahrscheinlich der Islam erspart geblieben.

Leider ließen sie ihn hängen.

Diese Misswahl hat den Planeten Billiarden gekostet.

Wenn man, wie manche das tun, auch den Sozialismus als Folge dieser Misswahl ansieht, sind es nochmals Billiarden. (weiterlesen…)

Dem Nachwuchse – und nicht nur

Mittwoch, 04. September 2013

Wenn ausdauernd intensive Bildung dahin führt, dass Empfindungs- und Assoziationsformen regelmäßig, wie von selbst, an einen herantreten, wo sie früher allenfalls sporadisch waren oder so ohnkannt, ergibt sich eine mental sehr schwierige Umstellungsphase.

Die neuen Antennen und Werkzeuge sind noch nicht eingeübt; gleich einem Lehrbuben weiß man noch nicht immer recht, wie damit umzugehen, der psychische Kräfteverschleiß kann, da das sonstige Leben in seinen Anforderungen ja nicht nachlässt, enorm sein.

Auch die Möglichkeiten der Transformation und adäquaten Mitteilung, im Sinne von Ort und Zeit und Umfang und Gliederung und Darstellungsweise sind noch nicht erprobt noch gar ermittelt; auch dies Problem wühlt die Seele.

Man merkt bald, dass sich nur seltenst etwas erzwingen lässt. Sollte also zur Gelassenheit. Aber wiederum auch nicht. Denn jetzt lassen sich immer wieder enorme Fortschritte erzielen, wenn man einerseits beharrlich, andererseits aber der Emotion bis hin zur Wut auch manchmal ihren Lauf lässt.

Manches gehört in den Kühlschrank, die Speis, manches gehört gerührt, anderes geschmiedet, manchem singe man. Man übe der Selbstbeobachtung, aber mit nicht zu viel Obacht. (weiterlesen…)

Die Strategeme Nr. 37 bis 54: Gesamtübersicht

Dienstag, 03. September 2013

Um dem an den hier prinzipiell entwickelten 18 Strategemen interessierten Leser die Dinge zu erleichtern, hier nun der Gesamtzugriff:

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/02/14/vom-siebenunddreisigsten-strategem/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/04/21/vom-achtundreisigsten-strategeme/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/04/21/vom-neunundreisigsten-strategeme/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/04/21/vom-vierzigsten-strategeme/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/04/23/vom-einundvierzigsten-strategeme/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/04/23/vom-zweiundvierzigsten-strategeme/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/21/vom-strategeme-der-standigen-enttauschung-dem-43/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/23/vom-strategeme-der-vorgespiegelten-strategemischen-uberheblichkeit-dem-44/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/24/vom-strategeme-der-ehrlichkeit-nr-45/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/24/vom-strategeme-des-vorgeblich-verlorenen-interesses-nr-46/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/25/vom-strategeme-des-gunstigen-witzes-nr-47/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/26/vom-strategeme-des-unausgesprochenen-oder-unaussprechlichen-wortes-nr-48/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/08/03/vom-strategeme-des-schweigens-nr-49/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/08/06/vom-strategeme-des-ubermachtigen-gott-strategem-nr-50/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/09/01/vom-strategeme-der-echten-oder-gespielten-trunkenheit-nr-51/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/09/01/vom-strategeme-der-begriffsverwirrung-nr-52/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/09/02/vom-initiationsstrategeme-geheimbundstrategem-nr-53/

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/09/03/vom-strategeme-der-wiederholung-redundanzstrategem-nr-54/

Gerade merke ich, es ist also verrückt wie peinlich wie zum Lachen, dass ich mit dem 42. Strategeme bereits ein “Redundanzstrategem” angesetzt hatte, mit dem 54. heute nochmal. Ich werde das Problem beizeiten lösen…

Vom Strategeme der Wiederholung (Redundanzstrategem, Nr. 54)

Dienstag, 03. September 2013

Wiederholung bzw. Redundanz sind derart alltägliche Phänomene, dass man sich zunächst fragen mag, wo denn da, bei deren regelhafter Offenkundigkeit, das Strategemische, die List, ansetzen solle.

Lehrer wiederholen den Stoff und Merksätze, Eltern sagen hundertmal, dass die und die Ordnung zu halten sei, Werbebotschaften werden ständig wiederholt, politische Phrasen und Slogans, Glaubenssätze aller Art, nicht beweisbare Behauptungen, schließlich auch Lügen.

Vor allem aber kann, wo keine offensichtliche pädagogische Absicht, gut oder schlecht ausgeführt, waltet, eine Verleumdung, ständig wiederholt, greifen, selbst wenn ihr Inhalt längst widerlegt. Eine logisch nicht begründbare Behauptung, eine wenigstens zweifelhafte, kann durch gezielte Wiederholung bis in den Glorienschein der unantastbaren Wahrheit gehoben werden, der Hinterfragende als begriffsstutzig oder boshaft hingestellt.

Scheinbegründungen können den Ritterschlag der Selbstverständlichkeit erhalten, völlig unlogische Konjekturen, unzulässige Verallgemeinerungen von Spezialfällen, ablenkende Assoziationen und Zirkelschlüsse implementiert werden.

Wenn es ihm oft genug gesagt wird, glaubt der Durchschnittsmensch fast alles. Denn er ist denkfaul und will vor allem seine Ruhe haben. (weiterlesen…)

Überlegungen zu den neuen Strategemen

Montag, 02. September 2013

Indem ich nunmehr versucht habe, den 36 Strategemen der Chinesen 17 weitere, angerissenermaßen, hinzuzufügen, ist es an der Zeit, einmal innezuhalten.

Dass bisher wenig interessierte Leserresonanz dazu hereinkam, verwundert nicht sonderlich, irritiert mich daher nicht.

Schließlich werden ja schon die anerkannten Strategeme der Chinesen, älter als die Christusreligion, hierzulande kaum wahrgenommen, wenig diskutiert, sie sind, trotz der bahnbrechenden Arbeit des großartigen Harro von Senger, gar den meisten gebildeten Abendländern nicht einmal im Sinne ihres Vorhandenseins und ihres Gewichtes innerhalb des chinesischen Kulturraumes bekannt.

Von Senger auf der Rückseite meiner Gesamtausgabe (36 Strategeme – Lebens- und Überlebenslisten aus drei Jahrtausenden): “Europäer tun gut daran, mit Hilfe dieser listsensiblen Weisheit ihre eigenen Auffassungen von Weisheit (…) und damit ihre Listenblindheit zu korrigieren.”

In der Tat scheint es bei uns eine Art einerzogene Scheu zu geben, etwas von List zu verstehen, sich dafür zu interessieren; List wird mit Arglist schnell gleichgestellt, Listenreichtum dem Teufel zugeschrieben.

Dabei bedienen sich auch unsere Märchenhelden nicht selten feiner Listen, und am Schluss ist der böse Wolf tot. Und – beinahe hätte ich gesagt die Schwiegermutter – : Die Großmutter lebt. (weiterlesen…)

Vom Initiationsstrategeme (Geheimbundstrategem, Nr. 53)

Montag, 02. September 2013

Obschon das Strategem Nr. 53 an das Strategem Nr. 17 (“Einen Backstein hinwerfen, um einen Jadestein zu erlangen”) erinnert, ein Stück Überschneidung unabweisbar, unterscheidet es sich davon doch dadurch, dass der Strategemanwender dauerhaft Macht über die Psyche des anderen gewinnen will, möglichst umfässliche Kontrolle über dessen Denken erlangen, ihn langfristig lenken, wohl auch zum Komplizen und damit erpressbar machen. Verknüpft wird es natürlich nicht selten auch mit dem Strategem Nr. 50, jenem des Übermächtigen bzw. dem Gott-Strategeme. Es ist Kernstrategem aller verschwörerischen Geheimbünde, die dem Adepten schrittweise Initation versprechen.

Durch Befolgung bestimmter Regeln, Exerzitien, Rituale, Inkantationen usw., Verschwiegenheit und Gehorsam, werde der Adept immer weiter vervollkommnet und entwickelt, er werde immer mehr zu seinem wahren Selbste finden, zur Selbstkontrolle und Macht über sich selbst, und darausher auch über andere (was manchmal mehr in den Vordergrund gerückt wird, manchmal weniger). Stück um Stück bindet der Adept sich mehr an die Ideologie des Geheimbundes, und je mehr er darein investiert hat, um desto weniger wird er noch eine kritische Haltung demgegenüber entwickeln können, denn er wird bestimmender Teil seiner geistigen Sozialisation. Das Versprechen sich befreiender Selbstfindung mündet in die subtil gesteuerte, immer weitergehende Selbstversklavung im Sinne der Kabale; dabei wird das Ego des Adepten mächtig gefüttert, er wird, je nach Eignung, in Posten gehoben, die er alleine nicht erreicht hätte, erhält auch materiell Brosamen vom großen Kuchen. (weiterlesen…)

Jesus wählt wohl doch weder Linke noch PdV

Montag, 02. September 2013

Ich weiß jetzt, wem Jesus am 22. beinahe seine Stimme gegeben hätte. Vielleicht wenn ich ihn nicht so ernüchternd aufgeklärt hätte…

Nein, es ist nicht die Linkspartei, das hat die Sahra versiebt, und auch nicht die CDU, und auch nicht die Partei der Bilbeltreuen Christen.

Es ist, auch wenn das auf den ersten Blick ein bisschen überraschend anmuten mag, die Partei der Vernunft.

“Über 5000 Jahre Obskurantentum sind genug!”, sagte er heute Morgen bei seinem Frühstückstofu.

“Außerdem sind diese Ösi-Gurus von den Libertären schon ziemlich verstaubt; in ihrer Verzweiflung, weil sie keiner versteht, tun die mir leid. Die brauchen meine Unterstützung, Magnus.”

“Meinst du die glauben dir, dass du es ernst meinst? Die glauben nicht ans Mitleiden, daran, dass einer einfach freiwillig, aus reiner Gutherzigkeit, etwas gibt. Sie werden dir unlautere Absichten unterstellen.”

“Das ist doch paranoid.”

“Was? Dass ich befürchte, dass die so paranoid sind, oder dass sie dir vielleicht tatsächlich nicht über den Weg trauen werden?”

“Ich glaube nicht, dass die wirklich so paranoid sind.”

“Weißt du’s? Wie ich höre, tummeln sich nicht wenige Verschwörungstheoretiker in deren Reihen, Leute, die meinen, dass unser ganzes Geldsystem nichts taugt, und zwar mit Absicht, eine reine Beutelschneiderei.”

“Wie kommen die denn darauf? Eine so schöne Erfindung, die libertärste je, wie dass man per Knopfdruck Geld verleihen kann, zu guten Zinsen, das man gar nicht hat, wollen die nicht anerkennen? Dann ist es erst recht Zeit, dass ich denen was huste. Das sind ja hoffnungslose Sozialromantiker. Wo soll das ganze schöne Geld denn herkommen? Du weißt doch, dass Arbeit sich nicht lohnt.”

“Ja, das ist ja grade, was die nervt. Die meinen, das sei verkehrt, müsse anders werden. Die glauben sogar, dass das funktionierte.”

“Was für Spinner. Dann brauchen sie meine Hilfe umso mehr. Solch arme verwirrte Seelen brauchen meine Hilfe. Nicht dass der Teufel sie noch holt, mit dem sie offenkundig unwissentlich im Bunde.”

“Es ist noch schlimmer.”

“Was, noch schlimmer?”

“Ja, es haben sich sogar Patrioten in die Partei eingeschlichen. Manche sagen, sie sei in beträchtlichem Maße unterwandert.”

“PATRIOTEN? Und dann auch noch plutokratophobe? Infernalisch!”

“Ja, das wird mindestens ein Zweifronten-Hilfseinsatz. Es ist nämlich noch schlimmer.”

“Noch schlimmer? Geht das denn?” (weiterlesen…)

Ins Land der Weisheit

Sonntag, 01. September 2013

Klugheit und Schönheit müssen einander lange hold sein, bis dass ihnen vielleicht das Land der Weisheit in den Gesichtskreis kommt.

Sahra Wagenknecht wird als Gattin Jesu Kanzler

Sonntag, 01. September 2013

Eben las ich es. Aus eigentlich nicht christlich erscheinender Feder. Jesus, wenn hier, wählte, vereinfacht, die Linke, da die nicht national, was er gar nicht ertrüge, dafür 100% sozial, was ihm gefalle. Ob das Es eine (unfreiwillige?) Satire, da mag man sich nicht einmal so sicher sein.

Wenn gar nichts mehr hilft: Jesus fragen. Wenigstens den Jesus, wie man ihn sich gerne hätte. Und sei es einen gottlosen, sozialistischen Jesus, der der Sahra den Wagenknecht macht.

So ein hagerer, sehniger Jesus, hochgewachsen, stolze lange Löwenmähne, als Lover und Beau anseit der Sahra, ja, das gäbe dem lahmen Wahlkampf Schwung. (weiterlesen…)

Vom Strategeme der Begriffsverwirrung (Nr. 52)

Sonntag, 01. September 2013

Das Strategem der Begriffsverwirrung, welches auch das Ächten und Ersetzen sinnvoller Begriffe einbegreift, ebenso das einseitige Besatzen, ist ein, wenn nicht das Hauptstrategem sogenannter “Think Tanks” und “Spin Doctors” sowie von Politikern, Sozialpädagogen, Ärzten, Psychiatern, Pfaffen, Advokaten, Esoterikern, Obskuranten, Freimaurern, Geheimbündlern, “Illuminaten”.

Alle gezielte Implementierung von Schönfärberei gehört ebenso dazu wie selbst das nichtexplizite Meiden richtiger Begriffe. Das schrittweise Unterminieren, Verschieben, Nischenverbringen von Begriffen. (weiterlesen…)

Pages: Prev 1 2 3 4 Next