Kommentarstränge: Leser lernen Deutsch

Im Kommentarstrange zu “Vom ortbaren Handyoten” schrieb ich unter anderem:

‘Es ist für keine Zeitung leicht, die meisten ihrer Kommentatoren als “Verschwörungstheoretiker” oder, Neusprech, “Verschwörungsliebhaber” abzutun.’

Die großen Schafsmedien sitzen diesbezüglich inzwischen tatsächlich immer häufiger mächtig in der Tinte.

Einerseits sollen sie jeden selbständig denkfähigen Bürger auftragsgemäß als VSTler bzw. VSLHler verleumden und herabsetzen, andererseits werden sie von ebenjenen, ihren eigenen ach so blöden Lesern, immer unverhohlener ausgelacht und dafür runtergelassen.

Selbst das Zensieren hilft nicht mehr viel, da man eben nicht (in manchen Fällen) vier Fünftel der Beiträge zensieren kann, ohne dass man für seine diesbezügliche Hauspolitik irgendwann so notorisch wird, wie die Zeit.

Der Spiegel ist mit seinen Artikeln inzwischen nicht selten derart runter, vor allem jenen, in denen er sich als Oberkriegstreibermedium der Republik geriert, dass er fast nur noch Häme und Spott dafür erntet.

Ich halte es für enorm wichtig, dass Leute, die die Zeit dazu finden (ich habe sie nurmehr selten, um extern zu kommentieren), hier mit aller Beharrlichkeit und angemessenen Gnadenlosigkeit dranbleiben.

Bei besonders abranzigen, stümperhaft zusammengehunzten (oder auch besonders guten!) Artikeln mache ich mir manchmal das professionelle Vergnügen, durch die anschließenden Lesermeinungen zu rollen und sinniere ein wenig darüber, wie es wohl sein muss, wenn man in einem fetten Redaktionsgebäude sitzt, mit gutem Festgehalt, hiemit als einer der wirklich Privilegierten im Gewerbe, und kaum, dass man seinen vermeintlich gut elaborierten Schund losgelassen, diesen in fast jeder erdenklichen Form um die Ohren gehauen bekommt.

“Da war wohl mal wieder der Praktikant am Werke” ist noch einer der harmlosesten Sprüche, schon fast Standard, den man da zu lesen bekommt.

Immer mehr Kommentatoren scheinen inzwischen die richtige Haltung eingenommen zu haben, halten sich mit Flegeleien zurück, sehen die Sache ganz sportiv als ein gesellschaftlich äußerst nützliches Steckenpferd.

Da hat sich was verändert.

Bei der FAZ ist es so weit, dass die schreibenden Leser sich nicht nur Mühe geben, sauber zu formulieren.

Sie tun dies sogar weit überwiegend unter Klarnamen, die wahrscheinlich in den meisten Fällen auch welche sind. Sie zeigen also Gesicht, ähnlich wie früher, vor dem Netzzeitalter, als man ohne Namen und Adresse gar keinen Leserbrief durchbrachte.

Das ist kaum überschätzbar wichtig für die Diskussionskultur und natürlich auch die Wirkung, die sowohl bei anderen Lesern wie in den jeweiligen Journalistenhirnen erzielt wird.

Hier ist, abseits von den sogenannten “Alternativen Medien”, ein echtes publizistisches Korrektiv entstanden, eine bedeutsame Kontrollfunkion.

Auffällig ist auch, dass offensichtliche (dafür bezahlte und bestellte oder auch nicht bezahlte nicht bestellte) Störer und Klakeuere, Strangablenker, man nennt sie auch Trolle, immer häufiger souverän, unaufgeregt erledigt werden, ihnen heimgeleuchtet wird. Die Leute haben offensichtlich dazugelernt.

Wer hingegen nicht viel dazugelernt zu haben scheint, das sind die Trolle.

Ich könnte zwar, wollte ich das, so manchem Troll noch so manches beibringen, wie er sein Handwerk verbessern könnte, müsste ihm aber redlicherweise trotzdem sagen, dass er dort, wo geübte Wache schreiben, egal wie hinterfotzig und gewieft, weniger erreichen wird, als das vor nicht allzu langer Zeit noch vergleichsweise leicht möglich war.

Die Leute haben eben, so meine These, erstaunlicherweise, erfreulicherweise, eine ganze Menge dazugelernt. Das soll in der Menschheitsgeschichte ab und zu vorkommen.

Ich meine indes nicht, dass es sich da um eine Art erhöhte Schwarmintelligenz handelt (es gibt bei Menschen eh meist nur Schwarmdoofheit, Ausnahmen bestätigen die Regel), vielmehr, wenn man es schon etwas esoterisch mag, dürfte sich hier, durchaus auch im Sinne eines positiven, sich verstärkt habenden morphischen Feldes, eine je individuell verbesserte Medienkompetenz eingestellt haben.

Je mehr Schüler sich anstrengen, umso besser wird die ganze Klasse. Und mancher Funke mag sehr wohl auf andere überspringen.

Ich wollte nie Troll sein, und war es auch nie (obzwar man mich schon, abstruserweise, da ich immer unter Klarnamen auftauchte, als solchen bezeichnete).

Heute halte ich diesen Job für schwieriger denn je.

Es bringt ja nichts, auf einer Seite herumzutrollen, wo sich ohnehin nur der Plebs und halbe Analphabeten herumtreiben und alles zersoßt.

Wo es früher noch relativ leicht war, einen ganzen Diskussionsstrang auf Abwege zu bringen, sich so Befriedigung zu verschaffen, seinem Auftraggeber eine reife Leistung präsentieren zu können, wird man heute glatt von der Platte geputzt.

Da hat sich sehr zum Guten hin was getan, da bin ich mir sicher.

Früher galt noch der Leitspruch: “Don’t feed the troll!”

Jetzt bekommt er kurzerhand das zu fressen, woran er erstickt.

(Selbst das Wort “thread” ist zugunsten des “Fadens” oder “Stranges” immer unüblicher. Man lernt Deutsch.)

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