Nietzsche und Cervantes: Siehe, Menschen!

Nietzsche schrieb über seinen Zarathustra:

“Ich habe mit ihm der Menschheit das grösste Geschenk gemacht, das ihr bisher gemacht worden ist.”

Ich habe, deshalb greife ich diesen Satz hier auf, noch nie davon gehört, dass einer ihn für diesen Satz auszulachen sich verwagt habe.

Neben dem Zarathustra nämlich steht der Koran ekel und zudem noch lächerlich; die Bibel als in sich völlig widersprüchliches Konkokt ist nur in wenigen Teilen ernstzunehmen – selbst wenn man die grause Torah weglässt.

Nietzsche lachte denn auch, als sein Zarathustra nach einem Jahr gerade mal zweihundert Verkäufe erreicht hatte, da er schon europaweit bekannt war, nur über die diesbezüglichen Sorgen seines armen Verlegers. (Ich habe auch das schonmal erwähnt, aber es darf ruhig zweimal und noch öfter gesagt werden.)

Darin zeigt sich die Ruhe des wahrhaft selbstsicheren, gereiften Großen. Er bedarf der Welt nicht mehr im Sinne deren Urteils als Maßstab.

Cervantes, der der Welt das meiner Ansicht nach zweitgrößte Geschenk gemacht hat, das ihr bisher gemacht worden ist, äußert sich am Ende des Quijote ähnlich.

Er spricht dort von den kommenden Jahrhunderten, die sein Werk erfüllen werde.

Was soll uns das?

Wer einen unvergleichlichen Schatz gehoben hat und dies als erster weiß, ist nicht überheblich, indem er ihn nicht nur erkennt, sondern auch als den jeweilig solchen benennt.

Das ist der Lohn, den sich der Große (Nietzsche und Cervantes galten lange nicht viel) ganz einfach selbst gibt. Vielleicht auch, um dem Rest der Welt selbst darin noch zuvorzukommen.

Ecce Homo! Da ist ein Mensch!

Kein kleiner, grindiger Afterprophet, kein verlogener Heilsverkünder: nur ein Mensch!

Der gerade darin wegweisend ist, dass er nichts anderes sein will, beansprucht, um sich bläst!

Schlicht ein Mensch, der in seinem Werke sein eigenes Ganze für alle gefunden!

Hilflos! Einfach ein Selbst!

Wider solche verlohnt es sich nicht einmal, den Grundstein eines Gefängnisses zu setzen. Denn sie wären nie und nimmer geistig darinnen.

Meine Dankbarkeit gegenüber diesen beiden Menschen ist nur noch mit jener gegenüber meiner Frau zu vergleichen, die mir unvergleichliche Stunden und zwei Kinder schenkte.

Und mit jener gegenüber meinen Eltern, ohne die ich nichts von allem Schönen je erleben oder gar erfassen hätte können.

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