Netzfreiheit? Piraten? Idioten?

Netzfreiheit? Was ist denn das für ein seltsam Ding?

Dass Staaten das Weltnetz zensieren, wissen wir alle. Schon nicht mehr alle wissen aber, oder machen sich auch nur Gedanken darüber, was da all nicht gesagt werden darf. Das interessiert ebengrad die “Piraten” auch offenkundig gar nicht. Denn, wenn etwas nicht gesagt werden darf in “unserem freiesten Staat der Geschichte auf deutschem Boden” (wahrscheinlich durfte man unter römischer Besatzung noch mehr sagen als heute, man denke mal darüber nach), dann wird das, sagt sich der wagemutige Pirat, ja wohl seinen Grund haben.

Denn die Netzfreiheit, die er sich freierbeuten will, betrifft nur die ihm interessante Beute. Also, dass er alles billigst oder ganz für Umme kriegt, was in seinen Flachkopf passt.

Mit freundlicher Genehmigung von Tanja Krienen stelle ich, als “Earcatcher” (geilet Wort, wat?) den folgenden Kommentar, den sie zu meinem Artikel “Grundeinkommen mit Bedingung” einbrachte, hier, weiter einführend, nochmal ein:

“Zu den Piraten schrieb ich jetzt als Antwort auf einen Lichtschlag – Artikel und auf einen der Blauen Narzisse -

1. Ist mir alles unverständlich. Die Piraten repräsentieren fast alles, wogegen ef jahrelang anschrieb. Es sind paradiesische Kommunismus-Utopisten, persönlich ewige Kinder, klassische Heuchler; Ewigkeitslärmer und Unverantwortlichkeitsepigonen des Lumpenproletariats. Sie sind nur im persönlichen Bereich, soweit es ihrer Freibeutermentalität nutzt “liberal” – doch dieses “Freiheitliche” meint so frei, wie auch Baader-Meinhof oder die Nacktänzertruppe „Ich tanze meinen Namen“ frei sein wollten. “Frei” und “Freiheit” ist der dehnbarste und am Meisten missbräuchlich verwendete, auch inhaltoffenste und somit nichtssagendste Begriff. Persönlich sind die Piraten Maurer auf dem Gebiet der echten Transparenz. Wie kommt es eigentlichtümlich frei, dass ausgerechnet diejenigen, die in ihren Foren am Meisten zensieren, also die Medienwächter des Mainsstream, diese Eventpartei der angeblichen „Internetfreiheit“ derartig befeuern? Das ist, weil man nur Theater macht und die “spaßige Offenheit und Bürgernähe” ist keine andere, als sie Merkel auf einem Kanzlerfest zeigt. Wer darauf hineinfällt, fällt tief. Die Freibeuter der Gesellschaft werden zur Etbalierung einer dauerhaft ultralinken Variante benötigt, weil die Linkspartei zu belastet ist. Fast alle Programmpunkte blinken so, der kleine und unwichtige Rest wird ausgeschaltet. Wer DAS als Alternative sieht, hat entscheidene Jahre verloren. Wir werden alle verlieren.

2. Vielfacher Unsinn! Es ist also toll Stimmungen, statt Politik zu machen? Nur weil sie inhaltlose Dummköpfe und Ultralinke aus einem Mixed von Ex-Grünen und Ex-SED sind, werden sie medial hofiert – EGAL was sie sagen. Boheme? Wohl eher Lumpenproletariat mit etwas mehr „Bildung“ oder was man heute dafür hält! Fakt ist, dass man nicht einfach Filme, Musik, Bücher usw. VOR der Vermarktung klauen kann, um selbst daran zu verdienen. Darum geht es hauptsächlich! Kultur haben die Piratten sowieso nicht. Welche denn? DIESE “Musik”, DIESE Inhalte? Sie sind DER fleischgewordene Ausdruck Deutschlands im Jahre 2012 und entsprechen der Verfasstheit des Volkes.”

Da teilt sie hart aus. Dass man nicht unbedingt “Piratten” sagen solle, gab ich im Gegenkommentar an. Ansonsten: Wer weiß ihren Worten zu widerraten?

Ich vermochte es jedenfalls nicht. Eher fühlte ich mich ob derer noch einmal umso mehr erweckt. Sozialismus als liberal-totalitär. Blankes Anspruchsdenken im Schafspelzmäntelchen vorgeblicher Freiheit. Leistungsloser Mehrwert für alle.

Denkunfähigkeit, Gedankenlosigkeit, Planlosigkeit, Unwissenheit, Unterinfantilität, offen zur Schau gestellte Ahnungslosigkeit als Trumpfasse in der Politik: Das muss man erstmal hinkriegen. Insofern: Respekt.

ABSOLUTE TRANSPARENZ! Selber aber will ich die totale Privatsphäre, wäre nie so blöd, im Netz mit meinem Klarnamen aufzutreten. Das machen ja nur solch Doofe wie die Krienen und der Göller.

Ja, wir sind so doof, und zwar bewusst und vorsätzlich. Wir haben nämlich sehr wahrscheinlich mehr vom Netz verstanden, als allerlei Millionen nutzloser Nerds. Auch wenn, oder gerade weil, unsere technischen Kenntnisse gerade mal zum Hochladen eines Videos hinreichen. Wir wissen nämlich noch, wozu uns der Herrgott – oder sonstwer oder sonstwas – mal ein Hirn geschenkt hat. Dass das Teil zum Denken da ist.

Tanja sagte mir im gestrigen Telefonat auch, dass sie die Trennung von “virtueller Welt” gegenüber einer “realen Welt” für absoluten Unfug halte und dies regelmäßig betone. Dem schließe ich mich uneingeschränkt an. (Wenn ich Dich unfüglich wiedergebe, Tanja, ändere ich diese Passage sofort.)

Es gibt keine “virtuelle Welt”. Noch nicht einmal ein Traum ist lediglich “virtuell”, denn wir erfahren ihn ja doch. (Mal abgesehen davon, dass schon das Wort “virtuell” irreführend ist. Der geneigte Wortkundler mag sich damit befassen.)

“Netzfreiheit”: Das bedeutete für mich echte Meinungsfreiheit. Davon, diese einzufordern, habe ich von den deutschen (?) Piraten aber noch nie ein Wort vernommen. Daran haben sie offenkundig kein Interesse. Denn mit solch einer Forderung könnte man ja anecken. Beim Staat und sonstwo. Soviel todesmutige Tapferkeit ist nicht. Da könnte man ja einen halben kleinen virtuellen Zehen dran verlieren. Auf solche Raubfahrten läuft man also lieber nicht aus.

Weshalb ich hier so heftig austeile? – Weil ich die ganze Sache für einen ungeheueren Schwindel halte. Für komplett hohl, sobald man auch nur ein bisschen näher hinschaut. Spaß haben, vor dem Rechner Rumfläzen, dumm Rausplärren, sich asozial besonders sozial Fühlen, im superindividualistischen Kollektivismus, als Wolfsamöbe, Kamillenschierling, nicht Fisch noch Sandstrand, obauf, grinsepinse, der letzte Schrei, Hohn selbst noch der Grünen und der FDP, wackelt man colalightbäuchicht durch Berlino und Frankoforte, wie Karle Bräsig, der vom Papste der Dekadenz über Nacht zum Abgeordneten gemacht, aalt sich im Nieselregen alswie ein Plattfisch, der der entscheidende Missing Link, ist doch nur Ochsenfrosch, macht nix, merkt ja eh keiner, Politik, Krieg, Armut, ist ja alles nur irgendein virtuelles Späßle, stolziert, filibustert, ohne zu wissen, was das denn sei, denn es fragt einen ja keiner, und man hat es in den Genen, raucht nur zertifiziertes Ökogras vom Detlev, spannt den Arsch zusammen, wegen des klimaschädlichen Methans (was Schwefelwasserstoff ist, weiß man auch nicht, da hat man in Chemie gefehlt), bandelt und scheppert, sinnlos, das ist das Beste, was man tun kann, die Bravo weiß das auch, umher, fühlt sich als Weib, gerade, da man keins ist, modern, angesagt, überauswichtig, lollt, lallt, lullt, labert, bis dass Spree und Main sich trüben, lumpt den Tag weg, ob dessen störenden Lichtes, dann ein Red Bull, denn, Taurin, das bringt’s dem Piratenstier, das Holzauge mit dem Holzbein verwechselt, macht auch nix, da die Augenklappe ja rückwärtig am Smartphone pappt, so schlendert man allda weiter, sich wundernd, was das ganze Volk auf der Gasse will, zum Italiener, der den garantiert besten Cappuccio der Stadt hat, sich daselbst in einen Korbstuhl zu ermatten, von dem aus man seinen hipp-urbanen Philosomurks vor sich hinbrabbelt.

Auf der Zeil endlich am Ziel. Chef zu sein bedarf es nicht viel.

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