Ohne Altlasten: Bitte kein BBB

Beim Mediastudium eines kostenlosen Anzeigenblattes fiel mein Blick auf die Kontaktanzeigen; später, im Telefonat mit einem Freunde, erwähnte ich das Folgende.

Zum wiederholten Male gewahrte ich Anforderungen, ich (oder wer immer) möchte “ohne Altlasten” sein (das wären dann wohl meine Söhne) und “tageslichttauglich” (damit ist wohl nicht gemeint, dass ich bei Tageslicht ohne Verstärker sehen können müsse, sondern selber so ansehnlich sein, dass ich nicht gleich mit der Schabracke neben mir verwechselt werde), aber, es kam noch besser: denn Anonymus wies mich darauf hin, ich hatte diese Chiffre nicht mehr sofort parat, dass auch “bitte ohne BBB” in diesem Genre geläufig sei. Also, bitte, ohne Brille, Bart und Bauch.

Das ließ die Säfte in mir wieder steigen. Zwar bin ich Brillenträger, aber das ließe sich durch Kontaktlinsen ja abfedern; ein richtiger Bart wächst bei mir noch nicht einmal, wenn ich ihn lasse; und den Bauch habe ich vor circa neun Jahren, da er mich doch ereilt hatte, bis heute gültig und verlässlich abgeschafft.

Anonymus wies mich dann noch darauf hin, dass “akad.” auch ein beliebtes Auswahlkriterium sei. Ja nu, ich war immerhin schonmal an einer “Akad.” und habe die Zeit dort weit überwiegend durchaus genossen.

Jetzt frage ich mich, was ich, ohne Brille, Bart, Bauch und als meinetwegen grenzwertiger Akad. , zwar altverlastet, aber doch tageslichttauglich, noch so alles mitbringen solle. (Geld: das ist klar. Aber so indiskret spricht frau in solchen verzeigten Zirkeln natürlich nicht.)

Achja, humorvoll soll ich sein, das ist wichtig. Ich frage mich da aber, halbwegs weibsgewitztigt, was das in dem Zusammenhang schon wieder für ein Trick sein möchte. Wahrscheinlich, dass ich jederzeit Sancho Pansa spielen können soll, wenn sie ihr Milchschüttelgetränk auf ihrer Damenbartbinde ausgebracht hat. Oder ein Pfennigabsatz unter ihren Klotzbertastempfeln den Geist aufgibt.

Wahrscheinlich sehe ich das Ganze aber nur zu defätistisch. Denn im Grunde wäre sie ja froh, wenn sie ein halbwegs gestopftes Nashorn fände, das sie mittels feinen Stöckchenstreichen dirigieren kann. Ab da sieht sie den Rest, von wegen Akademiker, keinen Bauch und so, sicherlich schon nicht mehr so eng. Vielleicht schaltet sie sogar die Sonne ab.

Allein, was ist mit den Altlasten. Von wegen Altlasten. Das sind Dauerneulasten. Söhne eben. Also gibt es von mir keine Antwort. Akademische Nashörner, die den Bauch einziehen, ihr Hirn dazu, gibt es schließlich genug.

— Anzeigen —


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8 Antworten zu “Ohne Altlasten: Bitte kein BBB”

  1. Magnus Wolf Göller sagt:

    In eigener Sache

    Sage mir bitte einer, weshalb, woher hier, soweit mein Programm (feedjit, rechts) mich richtig informiert, auf einmal so viele Zugriffe auf diesen Artikel reinkommen.
    Ich habe keine Ahnung, wäre nett, wenn mich einer in Kenntnis setzte.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    So, das kopiere ich jetzt, heute unabhängig hievon entstanden, aber passend, noch hierherüber:

    “Wir brauchen auch die Wiederkehr der echten Geschlechter.
    Das will und muss ich hier nicht näher begründen.
    Wer meine Texte versteht, versteht auch das von selbst.”

    Der Strang, wo es herstammt, der heißt “Von der kommenden aristokratischen Umwälzung”.

  3. anon sagt:

    Die Begrifflichkeit “ohne BBB” wurde in der RTL-Show “5 gegen Jauch” abgefragt. Vermutlich versuchten massenhaft Zuschauer im Netz noch vor den Kandidaten und Günther Jauch auf die korrekte Antwort zu kommen und stießen bei ihrer Suche auf diese Seite.

    MfG, Anonymus

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ anon

    Danke für den Hinweis.
    Bei Jauch treibe ich mich nunmal nicht rum.
    Danke.

  5. Anonymus sagt:

    Ich habe mal irgendwo die Anzeige einer Frau gesehen, die sich durch ankreuzen unter die Akademiker gemischt hatte, Sie hatte schliesslich ein Diplom, wenn auch als FusspflegerIN.

    In meinen Augen muss eine Frau nicht AkademikerIN sein, aber wenn Sie nicht einmal weiss, was das ist, ist das für meinen Geschmack entschieden zu wenig.

    Wobei mit Inschenören das ist schon grenzwertig. Ein In-genieur, also jemand ohne Genius, ein Naiver also, das geht natürlich nicht. Solche Pseudowissenschaften wie Mathematik, Physik und Chemie werden an einer Universität ja noch so am Rande geduldet, aber was soll ein Akademiker von einem jungen Mann halten, der sagt, er will Ingenieur, also ein Naiver werden? Das kann der ja gerne machen, aber doch nicht an einer Alma Mater, deshalb kann man an einer “richtigen” Universität nicht Ingenieur werden, das geht nur an einer sogenannten TH oder TU. Ich weiss, die Stuegarter sagen auch seit einigen Jahren, dass Sie eine Uni hätten, aber da werden eben auch Inschenöre ausgebildet und deshalb ist das keine Uni.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Ich wollte ja selber mal Naturwissenschaftler werden, Biologe.
    Ich habe in drei Semestern auch alle Scheine hingelegt (was wenigen auf Anhieb gelang), einschließlich des Mathe-II-Scheines, den man erst im Hauptstudium machen musste, aber im Grundstudium schon machen durfte. Dabei besuchte ich die Vorlesungen fast nie, nur die Scheißpraktika (anorganische und organische Chemie waren ganz schön langwierig und nervig). In Chemie gab ich Mitstudentinnen sogar Unterricht, also, hiemit, ich habe auch ein paar Naturwissenschaftlerinnen kennengelernt.
    Dann aber sattelte ich, es gab doch gewisse Frustrationen mit dem Fach, nach einem “Erweckungserlebnis” in Guatemala (im Ernst, es war gar eine US-Amerikanerin, doppelt so alt wie ich, sexuell lief allenfalls im Geiste was), auf die Sprachen um.
    Somit bin ich jetzt blöde, bärbeißig, bähmullig geworden.
    Ich frage mich nur, weshalb mir das gar nichts ausmacht.
    Und, ja, meine spätere Frau und Mutter meiner Kinder habe ich dann bei den dummen Philologen kennengelernt (viele von denen waren damals schon dumm, sie aber nicht).
    Jetzt bin ich ein reiner Altlaster.
    Zwei Rabatze, bald 14 und 16, die dem Alten jeden Tag klarmachen (fressen tun sie natürlich ohne Ende, rate mal, wer kocht und spült), dass er noch von Nichts null Plan habe.
    Vor allem natürlich vom Wichtigsten auf der Welt nicht, nämlich von Computern.
    Schwul geworden bin ich trotzdem nicht. Das habe ich auch einfach nicht hingekriegt, obzwar es ja so modern und sexy wäre.
    Wo war ich stehengeblieben?
    Ja, es waren die DREI Bs. Die man, außer dem Altlastentum, nicht haben sollte.
    Ich weiß nun aber nicht, ob ich auch mein Deutsch entbeisieren sollte, also komplett auf Ps umsatteln. Wobei die ja immer noch verdächtig wären, das merkte wohl noch die ärgste Langustinikerin, dass ich trickse.
    Battel, Büttel, Bimsstein.

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    Gibt es eigentlich, in diesem Genre, man möchte es fast schon eine literarische Gattung nennen, auch: “Bitte ohne OOO!” – ?
    Also ohne Opa, Oma, Ohm?
    (Hiemit die ganz schlimmen, echten Altlasten.)

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    Ich habe übrigens, das war lustig, wenigstens für mich, mal ein Enthaarungsstudio heimgesucht, spontan, aus Spaß an der Freude, die wollten zum Festpreis alles wegmachen. Alle Haare überall.
    Das Tantchen wurde nur noch blass, fast freiwillig selber haarlos, als sie alleine nur einen Teil meines Brustpelzes sahe, ich ihr, sie war ja Profi, dachte sie wenigstens, glaubhaft versicherte, am Rücken und anderwo sähe es für sie nicht viel besser aus, ich weiß nicht mehr, ob ich ihr auch noch eine Wade zeigte, praktisch unbesiegbar, viel zu teuer. Fast zwei Quadratmeter Arbeit.
    Ich sagte ihr dann, das Entsetzen des beinahe noch Mädchens war deutlich, dass ich ja nur zum Scherze gekommen, ich ihr den sinnlosen Laden nicht zu ruinieren angetreten.
    Sie solle nur mal drüber nachdenken, was sie auf ihr Schild schreibt.
    Ja, mit uns Neandertalern haben sie es heute schwer, die noch nicht einmal Verzärtelten.

    Achso.

    Da fällt mir das noch ein.

    Ich kam an einem BH-Laden vorbei, ward auch da vom Werbeständer angereizt.

    Das erste Mal war’s mir zu dumm, ich schüttelte zunächst nur den Kopf, aber beim zweiten oder dritten Male war mein wissenschaftlicher Geist doch hinreichend erweckt.

    Darauf stand, dass 72 Prozent der Frauen die verkehrte Größe trügen.

    Die Dame da drinnen konnte dann die Aussage auf dem Bock überzeugend, konzis, einleuchtend erklären.

    Ich verrate jetzt aber nicht, wie.

    Jedenfalls konnte ich ihr schnell folgen, und ich antizipierte, damit hatte ich mich noch nie so genau befasst, selbst wesentliche Teile der etwas heiklen Erklärung. (Vielleicht war ich gerade gut drauf, wer weiß.)

    Am Schlusse ihrer freundlichen Ausführung meinte sie nur noch, ich solle mich doch nur mal auf der Straße umsehen, da sähe ich schon, dass sie wisse, wovon sie rede.

    Auf den Laden lasse ich nichts kommen.

    “Ohne BBB” hat wohl noch eine ganz andere Bedeutung.

    Man lernt zum Glück nicht aus.

    (Wenn ich mal Geld für teure BHs habe, das richtige Weib dafür obendrein, weiß ich in Stuttgart, wo ich es hinschicke.)

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