Die kommende Woche birgt für Hammelburg ein tragisches Ereignis und ein Stück weit gleichzeitig auch für mich.
Denn die Schafgasse 1, die edelste Adresse, die ein Nietzscheaner nur je sein Eigen nennen konnte, wird einem japanischen Bagger zum Opfer fallen, dem Erdboden gleichgemacht werden, um darauf schnöde Parkplätze zu errichten.
Zugegeben, das Hexenmeisterhäusle war so schon etwas runtergekommen; primitive Holzheizung, mangelnde Dachisolation, alte Ziegel, Kellertreppe ziemlich mitgenommen, Dachrinnen, die wohl nicht nur in Mailand oder Paris so leicht keinen Schönheitswettbewerb mehr gewonnen hätten, naja, lassen wir das, alles wäre zu richten gewesen…
Obschon ich aber, wie treue Leser längst wissen, dieses gleichwohl vornehmste aller Hammelburger Domizile vor gut einem Jahr gen Stuttgart verlassen habe, wird das Motto dieser Seite “Neues aus Hammelburg” weiterhin nicht aufgegeben werden, denn, my home is my castle, also, wo immer ich lebe, steht meine Burg, und allzusehr weniger hammelicht als früher bin ich unter Schwaben auch nicht denn unter Franken.
Außerdem bin ich ein ziemlich sentimentaler Typ, der unter anderem nicht so leicht vergisst, unter welchen Bedingungen, zeitweise schwer verletzt, ofenschürunfähig, eingemummt als wie ein Jakute, er trutzig, als ein Ritter von traurigster Gestalt, sich seine Genesung herbeikalauerte, am Uromaschreibtisch, in seinem kleinen Schlaf- und Studierkabuff, als inkarnierte Karikatur eines Dichters, zeitweise so gottverlassen, wie einen wohl nur dieser Beruf zu machen vermag.
Und, so bequem es sein mag, mit Russengas zu kochen, backen und heizen: Am meisten vermisse ich meinen Beistellherd.
Der buk das Brot so und briet die Gänse, wie es eben nur ein Holzherd kann. Schluchz.
Auch dass die Schwaben – außer man greift tief in die Tasche – an den Franken gemessen einen meist erbärmlichen Weißwein keltern, auch der Rote meist eine ziemliche Plörre, darf in diesem Zusammenhange nicht unerwähnt bleiben.
Andererseits, die Philosophendichte pro Einwohner ist in Stuttgart nicht erst seit meinem Herzug zweifellos höher als in Hammelburg; dort gab es auf 12 000 Einwohner einen; hier trifft man Vertreter dieser menschlichen Subspezies an jeder Ecke.
Ja, liebe Schafgasse zu Hammelburg, jetzt staubt es noch einmal gewaltig, und dann war es das endgültig mit der einst uneinnehmbaren Geistesfestung der Stadt.
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