Wilhelm Pötters ist ein Titan der Sprachwissenschaft.
Das ist jetzt endlich einmal zu sagen: Petrarca, Boccaccio, Dante.
Nebenher mal noch, mit einem Wissen, dass ich daran gemessen nicht in aller, aber vielerlei Hinsicht heute noch blass werde, vergleichende, praktisch alle lebenden romanischen Sprachen (die toten so nebenbei behandelnd, heftigste Wortgefechte über die aus dem Vulgärlateinischen abgeleitete Entwicklung jener wie der noch vorhandenen mit einem gewissen lästigen bis völlig unerträglichen Schüler mal außen vor), umfassende Sprach- und Literaturwissenschaft, dazu ein grundliebenswerter Mann, mit einer Frau, die, wie ich jetzt einfach mal verrate, ihm wohl nicht nur ein Kind schenkte, sondern auch geistig und literarisch voll zu seiner Seite zu sein schien und hoffentlich noch ist, grundsätzliche philosophische Erwägungen, der Mittzwanziger mit dem Mittvierziger, Student und Professor zwar, aber auch einfach Mensch und Mensch auf Augenhöhe, Diskussionen über mittelalterliche Zahlenmystik, Weib und Gesang, Nietzsche, Kleist, Cervantes (er beliebte, mich spöttisch als den “caballero andante” zu bezeichnen, allda ich mich in sein Büro zum wöchentlichen Privatissime einfand), alles, was freie Geister bewegt, im Grunde allzukurze, auch ohne Wein dionysische Stunden, Streit, manchmal wechselseitig Bosheit und Härte darinnen auch, wie es eben sein muss, gnadenlose Auseinandersetzungen im Seminar, wiederum hingetragenes Keingrüßgott von mir nach übelster Abkanzlung, harte wissenschaftliche Arbeit eben, wie sie sich gehört: mein bester Lehrer je.
Lieber Herr Pötters (ich war ja damals so frech, mir den Professorentitel in der direkten Anrede, unanständigerweise, stets wegzusparen, provokantermaßen, junger Kerl, Göller halt, was Sie mir aber großzügigerweise nie übel anrechneten), nein: Herr Professor Dr. Wilhelm Pötters! : Ich danke Ihnen hiermit endlich mal wenigstens halbwegs anständig für all das, was ich bei Ihnen lernen durfte.
Letztlich haben Sie die beiden anderen außergewöhnlichen Hochschullehrer an der Universität Würzburg, deren seltenen Wissens ich auch teilhaftig werden durfte, aus meiner Sicht eben doch weit übertroffen.
Ganz zu schweigen von jenem spanischen Literaturpapst (de la Concha, als der von der traurigen Muschel), mit dem ich zu Salamanca so aneinanderrasselte, wie wir allenfalls in unseren besten bösesten Zeiten; nein, es war übler, denn er konnte, und tat es auch, mich auf Spanisch zunächst natürlich gnadenloser herunterlassen, als es selbst Ihnen in unserer gemeinsamen Muttersprache so einfach je möglich gewesen wäre, selbst, wofern Sie das mit Ihren die seinen sicherlich übertreffenden Mitteln (sage ich jetzt im Rückblick entschieden, Sie haben mich ja, wie es sich gehört, auch nicht nur geschont) gewollt hätten: ich habe ihn aber anderntags trotzdem vor 250 Studenten im Haupthörsaale so gerichtet, dass er – der Katholenlug und vermutlich auch noch Freimaurer – mir gegenüber so lammfromm zu werden anscheinend für notwenig hielt, seinen Ruf zu retten, wie Ihnen das wohl nie passieren hätte können.
Das ist der Unterschied zwischen einem de la Concha und einem Wilhelm Pötters.
(Mal ganz abgesehen davon, dass ich nie davon gehört hätte, dass er an Ihnen gemessen wissenschaftlich irgendetwas Bedeutendes geleistet hätte. Bücher herausgeben, das kann sogar ich.)
Grüße und beste Wünsche hiermit von Ihrem ehemaligen Schüler, der es dann, bislang, wie manche schon meinten, selber immerhin zu einem nicht völlig missratenen Lehrer brachte.
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