Christoph Seils spielt Cicero

Auf diesen Artikel zur Problematik des Netzgebrauchs bzw. -missbrauchs wurde ich eben noch weihnachtsgrüßlich hingewiesen.

Der Autor sagt viel Richtiges, springt aber in seiner Analyse doch zu kurz:

“Einige anonyme Blogger kennen dabei kein Tabu mehr (es geht um die aktuelle Debatte um den Bundespräsidenten, Anm. von mir), für sie scheinen weder die Regeln des Anstands noch das Presserecht zu gelten. Es gibt für die Betroffenen kaum Möglichkeiten, dagegen juristisch vorzugehen – und keinen Presserat, der mahnend seine Finger heben könnte. Der Bundespräsident steht dem völlig hilflos gegenüber.
Schleichend breitet sich das Gift der üblen Nachrede in der digitalen Welt aus. Irgendwann werden auch die traditionellen Medien sich diesem Gift nicht länger entziehen können. Und sei es, dass die Bild-Zeitung sich schließlich voller Verlogenheit über die „üblen Gerüchte im Internet“ empört. Man muss nicht prüde sein, um festzustellen, dass sich das Internet zur Gosse entwickelt hat.”

Es gibt sie in der Tat, jene anonymen Blogger, die keinerlei Anstand kennen.

Allerdings hat sich damit keineswegs das ganze Netz “zur Gosse” entwickelt.

Lassen wir aber zunächst noch einmal den Autor zitatweis sprechen:

“Es scheint keine verantwortungsvolle demokratische Öffentlichkeit im Internet zu geben, keine Selbstregulierungskräfte, die den Dreck zurückweisen, gegebenenfalls deren Löschen veranlassen. Es gibt keine Regeln und vor allem keine Sanktionsinstanz, die bei Regelverletzungen einschreitet. Jeder kann schreiben, was er will, gegebenenfalls auf einem ausländischen Server, der sich bundesdeutschen Gesetzen entzieht.”

Es gibt aber – zugegeben, noch nicht hinreichend – durchaus Selbstregulierungskräfte.

Ich weiß sehr wohl von Foren und Plattformen, wo man Netzgesindel abmahnt und gegebenenfalls auch sperrt.

Ich dulde auch nicht jeden dahergezogenen Mist in Kommentaren auf meiner Seite.

Und ich habe gewissen Leuten schon gezeigt, wo Barthel den Most holt, wenn es langt.

Ich kenne auch Leute, die Seiten, die sich durch Textdieberei, Gerüchtescheffelei, Angst- und Sensationsmache, ohne Impressum, anonym, auszeichnen, konsequent boykottieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch publizistisch wie juristisch gegen solche vorgehen.

Mir riecht der Artikel doch ein wenig nach einem verklausulierten Aufruf zu mehr staatlicher Kontrolle, zu härterer Zensur (wie als ob es davon zu diversen Themen nicht schon genug gäbe).

Im übrigen trete ich schon seit langem dafür ein, dass man auch als Kommentator möglichst mit Klarnamen antritt. Auf dieser Seite wurden ausführliche Debatten darüber geführt. (Wobei die Kehrseite eben immer war, dass man unter anderem von einem Arbeitgeber bis in alle Ewigkeit in der Suchmaschine gefunden werden kann und entsprechende Konsequenzen gewärtigen muss. Davon schreibt Christoph Seils nichts.)

Ich bin ein Blogger, ja, und nicht eben immer ein sanfter Säusler, ja, aber ich lege härteste Selbstkontrollmaßstäbe an, aus journalistischem Ethos zum einen, auch natürlich, weil man es mir nie durchgehen ließe, so dreist zu lügen, wie es in den Schafsmedien durchaus üblich: ich bin nicht die Gosse.

Und viele andere sind es auch nicht. Derlei Pauschalisierung ist daher absolut daneben.

Und: Hat der Presserat sich je über die völlig verlogen-einseitige, auch unterschlagene Berichterstattung der Schafsmedien zu, nur als zwei gewichtige Beispiele, Uranmunition und dem Libyenkrieg echauffiert?

Da lache ich in meiner “Gosse” aber.

Räumt mal Eure eigene Gosse auf, Ihr Schafsmedianten.

Wir kümmern uns tagtäglich um die unsere.

Ich mache das offen, mit Name und Impressum.

Und ich bin damit nicht der einzige.

 


 


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