15. Oktober: Erlebnisbericht zur Besatzungsdemo in Frankfurt

Gastbeitrag von Gundi Schramm:

Hallo liebe Leser und Empörten,

ich berichte hier mehr oder weniger direkt aus Frankfurt/Main. Mehr, da wir in gleich wieder vor Ort am Willi-Brandt-Platz direkt vor der EZB sein werden, und weniger, weil ich mit diesem Artikel hauptsächlich von gestern, dem 15.10.2011, berichten werde und gerade wohlbehütet in einer der Frankfurter Vorstädte sitze.

Es war der blanke Wahnsinn (aber im positiven Sinne), wenn ich das mal so ausdrücken darf. Laut Polizeiangaben waren wir ca. 5000-8000 Leute, die gestern ab ca. 12 Uhr auf dem Willi-Brandt-Platz direkt in der Bankfurter City zusammenkamen. Damit hatte wohl kaum einer gerechnet.

Na gut, ich mag von vorn anfangen und meinen eigenen persönlichen Eindruck vermitteln. Ich lebe in der Mitte Deutschlands, bekam aber die Chance bzw. das Geld, mit dem Zug nach Frankfurt zu fahren, um dort mit dabei zu sein. Ich setzte mich also Samstag früh um 7 in den allerersten Zug, der von meiner Heimat aus Richtung weite Welt fuhr und düste nach Hanau, um mich dort abholen zu lassen. Während der dreistündigen Zugfahrt sperrte ich Augen und Ohren auf, ob denn andere auch auf dem Weg zur Demo seien oder ob die Occupybewegung generell im Gespräch ist. Pustekuchen, aber nicht schlimm, denn gestern war erst der Anfang.

Nun, ich kam in Hanau an, und nach einer kurzen Verschnaufpause und nachdem ich die drei selbstgemachten Protestshirts an meine Mitstreiter verteilt hatte, ging es auch schon los. Wir wurden zum S-Bahnhof nach Offenbach gebracht, wo uns eine große Mannschaft schwarzgekleideter Polizisten erwartete. Landeier, wie ich eines bin, bleibt bei so einem Anblick natürlich erstmal der Atem stehen, aber die Mannschaft war nicht wegen uns, sondern wegen der Fußballfans, die kurz drauf am S-Bahnhof ankamen, am S-Bahnhof stationiert und „beschützten“ uns Wartende vor der teils aufgebrachten Menge. Ich hatte nur einen Gedanken in dem Moment, den ich auch aussprach: „Leute…ihr seids auf der falschen Veranstaltung!“ Natürlich sagte ich das nur halblaut, sonst hätte ich wahrscheinlich Ärger von den Polizei-Menschen in schwarz bekommen.

An der Frankfurter Hauptwache angekommen, gab es gleich den nächsten Schock. Keine Demo da. Nirgends Plakate oder laute Menschen, nur das scheinbar übliche Tagesgeschäft war zu beobachten. Wir machten uns natürlich sofort auf die Suche, und ich begann, die Leute zu fragen, ob sie wüssten, wo die Demo hingezogen sei. Ich weiß nicht, welcher Engel im Spiel war oder ob überhaupt einer im Spiel war, aber der allererste Mensch, den ich fragte, suchte die Demo ebenso wie wir und hatte zum Glück ein internetfähiges Telefon dabei. So erfuhren wir, dass es wohl kurzfristige Planänderungen bezüglich des Startpunktes gab und dass die Empörten schon vor der EZB eingetroffen waren. Heißt, wir verpassten den Marsch, aber wussten den Zielort. Nichts wie hin.

Hatte ich eben geschrieben, dass ich ein Landei sei, so möchte ich das hiermit nochmals bestätigen, denn als Landei an solchen Gebäuden wie das der Commerzbank vorbeizugehen, ist schon beeindruckend. Ich stolperte mehr als ich ging mit Blick nach oben über die Zeil und ließ mir von unserem neuen Mitstreiter erzählen, welches Gebäude zu welcher Bank/Institution gehöre. Doch dann erfassten unsere Augen die ersten Polizeiautos und Plakate und wie von einem gigantischen Magneten angezogen, trafen wir schnell am Willi-Brandt-Platz ein.

Mit Betreten des Willi-Brandt-Platzes wuchs mein Mut ins Unermessliche. Endlich angekommen zwischen den Leuten, die genauso sauer sind wie ich, die dieses Finanz- und Wirtschaftssystem begriffen und durchschaut haben. Das macht Mut, das gibt mir persönlich Kraft und vor allem Sicherheit. Das „offene Mikrofon“ schlug ein wie eine Bombe. „Offenes Mikrofon“ bedeutet, dass die Leute quasi Schlange stehen, um sich letztendlich übers Mikrofon Luft machen zu können. Natürlich gab es zwischendrin immer wieder organisatorische Aufrufe zum Hinsetzen damit auch die hinteren Reihen was sehen können, Aufrufe an die anwesenden Parteien, ihre Fahnen einzurollen, Aufrufe zu Spenden usw. Da wir gerade bei den Parteien sind. Von meinem Stand- bzw. Sitzpunkt aus habe ich nur die Linke und die Piraten als anwesende Parteien wahrgenommen. Nachdem beide via Mikrofon dazu aufgerufen waren, ihre Fahnen einzurollen, weigerten sich die Linken am längsten und ignorierten unsere Argumente, dies ist eine Bürgerbewegung und keine Parteienbewegung. Erst als die Leute richtig sauer und vor allem laut wurden (und ich nehme an, dass auch die Organisatoren auf die Parteimitglieder einredeten), senkten sich die Fahnen. Ich möchte hier nicht mit dem Finger wedeln oder gar auf irgendwen zeigen, aber ich denke, der Zug ist sowohl für die Linken als auch für die Piraten abgefahren. Einer der Redner brachte das auch recht deutlich zum Ausdruck als er sagte, alle Parteien, ob sie nun rot, grün oder schwarz sind, doktorn am Ende auch nur an diesem menschen- und umweltfeindlichen System herum. Gehören zu der Wirtschaftsverwaltung, die sich Regierung nennt.

Dem ein oder anderen mag auch das Wort „Spenden“ sauer aufgestoßen sein, was verständlich ist, denn mittlerweile hat dieses Wort einen sehr negativen und kaum vertrauenswürdigen und damit giftigen Beigeschmack. Dennoch sind die Spenden notwendig, weil heutzutage ALLES Geld kostet. So sind in jeder Stadt, in der die Leute vor den Banken campen, die Dixieklos zu bezahlen, weil diese zwingend notwendig sind, DAMIT die Leute dort campen können, damit sie überhaupt die Genehmigung bekommen, dort zu übernachten. Bekloppt, aber am Ende nachvollziehbar, denn in die recht wenigen Büsche der Innenstädte zu kacken, ist nicht cool. Bekloppt insofern, dass an den Dixieklo-Gebühren eben auch Löhne hängen und Dixieklofirmen sich wohl nicht leisten können, die Dinger für kostenlos aufzustellen. Tipp: Solltet ihr spenden wollen, dann recherchiert genau, wohin. Und falls ihr vor Ort spenden wollt, fragt nach bei Attac oder einem der occupy-Aktivisten. Schmeißt Euer Geld nicht in Sammelbecher, die von manchen umhergetragen werden. In Frankfurt gingen dann wohl Leute mit Bechern rum und sammelten, und haben sich dann mit der Kohle aus dem Staub gemacht. Seid Euch sicher, vor Ort bei den Aktivisten und über die Internetseiten erreichen eure Spenden die Richtigen.

Soweit erstmal dazu, denn eben gerade sah ich auf ARD den Herrn Schäuble im Interview bei „Bericht aus Berlin“ und angesprochen auf die weltweite empörte Bewegung. Er sagte, er beobachte die Proteste sehr aufmerksam und müsse jetzt gemeinsam mit seinen Regierungskollegen überlegen, wie er glaubhaft rüberbringt, dass wir hier in Deutschland noch mehr für sogenannte Rettungspakete zahlen sollen. Dass der Privatsektor beteiligt werden muss. Die Leute würden glauben, dass die Bundesregierung gar nicht am längsten Hebel sitzt, sondern die Wirtschaft. Ich weiß nicht, in wie weit ihr das verfolgen konntet, aber wir haben gestern, nachdem wir wieder zu Hause waren, mit Entsetzen aber auch mit einem Lachen festgestellt, dass nun die Parteien auf den fahrenden Zug aufspringen. SPD, Grüne und Linke (berichtigt mich bitte, sollte ich mich vergangene Nacht verlesen haben) „begrüßen“ die Proteste und Herr Gabriel scheint sie sogar anzufeuern. Jetzt? Erst jetzt? Wie offensichtlich wollen die eigentlich noch auf Bauernfang gehen? Haben die Null Schamgefühl, Null Ehre im Leib? Ich glaube diese letze Frage kann man eindeutig beantworten. Nein. Da ist keine Ehre mehr. Schaut es euch selber an, ich nehme an, auf den Seiten der Schafsmedien findet ihr derzeit ein paar Statements unserer „Regierung“ zu den aktuellen Geschehnissen weltweit. Mein Eindruck: Sie wollen beschwichtigen, tun jetzt so, als wäre das ein kleines Fehlerchen gewesen und alle miteinander heben sie jetzt symbolisch abwehrend die Hände und sagen, dass sie das so nicht gewollt hätten. Traut ihnen nicht!

Zurück zur Demo von gestern. Und auch nochmals zurück zum „Offenen Mikrofon“, an dem auch Kinder sprachen, wenn auch nur kurz. Und natürlich gab es auch Redebeiträge, die nicht unbedingt sinnstiftend waren, wie zum Beispiel ein in unsagbarer Wut angekündigtes ich-spreng-mich-selbst-in-die-Luft-wenn-mir-niemand-hilft-Argument, welches natürlich mit buh-Rufen entkräftet wurde, und letztendlich wurde dem Sprecher auch klar, dass vor und um ihn herum Leute stehen und sitzen, die genau die gleichen Ziele verfolgen wie er.

Wovon ich auch noch berichten möchte, ist der eine, meines Wissens nach wirklich nur der eine gewalttätige Zwischenfall, den ich aus ca. 5m Entfernung miterlebt habe. Während unserer anfänglichen Suche nach der Demo begegneten uns drei junge Männer mit erhobener Amerika-Fahne. Sie waren leise und lachten und ich dachte: Na Hallo, die Jungs wollen die Fahne wohl öffentlich auf der Veranstaltung anzünden.

Was anderes kam mir gar nicht in den Sinn, auch wenn ich sowas nicht befürworte, das war einfach mein erster Gedanke dazu. Ich wurde allerdings eines Besseren belehrt. Die Kundgebung auf dem Willi-Brandt-Platz lief schon eine Weile, im Nachhinein geschätzt ca. eine Stunde, da tauchten unsere drei Spezis auf. Mitten in der Menge, direkt neben dem offenen Mikrofon. Sie schwenkten dort die Ami-Fahne und hielten ein Plakat hoch, auf dem „Ihr seid doch nur neidisch“ stand. Alle drei mit Sonnenbrille und einer mit Kamera.

Sofort startete natürlich der Protest, doch unsere drei Spezis zeigten den Finger auf Argumente unsererseits. Das genügte dann einem recht jungen und hitzigen Mitstreiter unsererseits, er sprang nach vorn, entriss dem Fahnenschwenker sein Instrument und brach die Fahnenstange in der Mitte entzwei. Sofort gab es ein Gerangel, doch die Ordner konnten die Lage sofort beruhigen, zumindest in soweit, dass keiner dem anderen mehr auf die Nuss haut. Einen großen Teil trugen sicher auch unsere sofortigen und sehr lauten „keine Gewalt“–Rufe bei. Der Heini mit der Fahne hatte allerdings dennoch nichts Besseres zu tun, als weiterhin sein Stäbchen mit Stoff zu schwenken und weiterhin seinen Finger zu zeigen und wohl verbal sehr aggressiv auf uns loszugehen. Die Organisatoren und Ordner versuchten indes, den Amerika-Fanclub zum Gehen zu bewegen, was aber nicht wirklich gelang. Stattdessen bekam jemand die Fahnenstange ab und die Situation eskalierte aufs Neue, als ein Mann älteren Kalibers aus der anderen Richtung aufsprang und Mr. America letztendlich sein Fähnchen entriss. Ich sah dann nicht mehr, was dort geschah, da sofort die Leute vor mir aufsprangen und hinstürmten. Eine Schlägerei gab es allerdings nicht, sondern ich kann es mir nur so erklären, dass der Fanclub von der Polizei abgeholt wurde. Es war ab da dann wieder ruhig. Näheres dazu bekomme ich vielleicht heute Abend raus. Und auch, ob es noch weitere Eskalationen gab.

Ich muss und will jetzt erstmal zum Ende kommen, da mir die Zeit im Nacken sitzt. Unser Plan ist jetzt folgender und ihr könnt euch überlegen, ob das nicht auch was für Euch ist:

Wir werden jetzt gleich wieder nach Frankfurt fahren und die Leute dort mit Tee, Brötchen und unserer Anwesenheit unterstützen. Wichtig ist jetzt, dass so viel Leute wie möglich an den Brennpunkten auftauchen und Solidarität zeigen. Wenn ihr das nicht könnt, zeigt eure Solidarität via Internet, verbreitet Links zu Aktionen, zu Youtube-Videos, macht publik, was auf der Welt passiert. Vertraut nicht auf die Schafsmedien, vertraut nicht auf die Argumentation der Politiker, geht hin, informiert Euch und steht uns – und damit Euch selbst – zur Seite. Jede Veränderung die wir erreichen, jeder Umbruch, den wir erreichen, wird Euch im Endeffekt selber betreffen.

Seid empört, macht mit, zeigt Euch, werdet laut. Wir sind die 99%! Wir haben die Macht, das muss Euch angesichts der WELTWEITEN Proteste einfach klar sein.

Links:

www.occupyfrankfurt.de/doku.php

www.heute.de/ZDFheute/inhalt/25/0,3672,8358041,00.html

Youtube, facebook und google helfen ebenso weiter.

Bilder folgen (wir haben ‘ne Menge, nur reicht die Zeit gerade nicht), eventuell auch Videos, aber dann erst in den nächsten Tagen.

Bleibt stark Leute und macht vor allem mit! In welcher Form auch immer! Unsere Zeit ist gekommen!

Gundi

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17 Antworten zu “15. Oktober: Erlebnisbericht zur Besatzungsdemo in Frankfurt”

  1. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Gundi

    Danke nochmal auf diesem Wege für Deinen Beitrag!

    Besonders gefällt mir, dass die Parteien verwiesen wurden.

    Das ist ein gutes Zeichen.

  2. Armin sagt:

    @ Gundi
    Sehr schöner Beitrag, danke!
    “Besonders gefällt mir, dass die Parteien verwiesen wurden.”
    Sehe ich auch so. Die eindeutig zunehmende Sensibilität gegenüber Manipulation und Vereinnahmung ist positiv.

  3. TanjaKrienen sagt:

    Sehr gut, die Amifahnen -Aktion der USA-Freunde! Alle Teilnehmer waren Spinner und fordern das Gegenteil des Nötigen.

  4. TanjaKrienen sagt:

    “Doch dann erfassten unsere Augen die ersten Polizeiautos”

    Leider hat man euch nicht niedergeknüppelt, so wird die Republik also in Dummheit versinken und diejenigen, die als “Opposition” starteten”, waren es nie!

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ TanjaKrienen

    Dachte ich mir schon, dass sich Deine Begeisterung für diese “Bewegung”, vornehm ausgedrückt, in Grenzen halten werde.

    Freute mich sehr, wenn Du Deine Einwände noch ein wenig präzisieren wolltest. (Ich maße mir an, mir schon in etwa denken zu können, wie sie lauten, doch begrüßte ich dies den Lesern zuliebe.)

    Wir sind hier ja nicht auf dem Schlafhof und wollen uns gegebenenfalls auch mal wieder so richtig streiten. (Nicht nur über Jesus oder Nichtjesus.)

    Liebe Grüße gen Waldeck!

  6. TanjaKrienen sagt:

    Klar kann ich das: Diese Leute die dort krakeelen, sind das Fußvolk derjenigen, die den Mist verursacht haben: die öffentlich-rechtlichen-staatlichen “Organe” tragen die Schuld für das Desaster, aber auch das Volk, das sich selbst verschuldet, die Verschuldung der öffentlichen Hand befeuert oder Parteien wählt, die das Geld der Abgebenden (hauptsächlich das obige Drittel der Beschäftigten) verbrennen. Schuld also sind sozialistische Prinzipien und nun schicken die Verursacher ihre Parteisoldaten und das Lumpenproletariat los, um den Sieg des Kommunismus endgültig zu erringen.

    Die Banken waren bislang eher die Bremser, die wurden weitgehend von der Politik genötigt diese Sachen mitzumachen. Sie selbst hätten normalerweise Menschen, die mehr als 60% für die Bedienung ihrer Kredite ausgeben müssen, keinen Kredit gegeben. Auch würden sie an keine Minusgesellschaft a la Griechenland Geld geben. Nur die Politik will das!!!

    Ich bin erschüttert, dass nach der offensichtlichen zu Trage tretenden Sympathie weiter Teile der “Oppostion”, die sich auch hier herumtreibt, wie auch auf ef oder PI, als Parteigänger des Kriminalitäts-Förderungsclubs der Polit-Piraten erweist und zudem sich an diesen grotesken Attac-Demonstrationen beteiligt, die ja ihre Vorläufer schon vor Jahren hatten. Alles benimmt sich nun wie die WASG, die dann in der PDS aufging. Ich komme mir vor, jahrelang auf ein Pferd gesetzt zu haben, das plötzlich und wie selbstständlich rückwärts läuft.

    Ich wäre – bei aller Kritik an bestimmten Erscheinungsformen der Gesellschaft, auch in den USA oder Isarel – die Vierte im Bundes der bewusst als oppositionelles Zeichen die USA-Fahne schwenkenden.

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ TanjaKrienen

    Beherzte Worte!

    Ich habe grade, auch durch Deinen noch nicht wie jetzt oben spezifizierten Widerspruch bewegt, diesen so noch nicht gekannt habend, einen neuen Artikel zur Sache eingestellt.

    (Vielleicht halten mich manche jetzt für einen Verräter der Guten Sache. Sei’s drum. Ich spiele nicht mit gezinkten Karten. Bin eben bereit, mich zu revidieren.)

  8. Gundi sagt:

    Hallo aus Thüringen,

    ich bin leider wieder zu Hause, obwohl ich gern noch wenigstens viele Wochen geblieben wäre. Eventuell kann ich an einem der nächsten Wochenenden nochmal bei jemandem mit nach Frankfurt fahren, mal schauen.

    Gut, dass wir nicht zusammen geknüppelt wurden, denn wir gaben keinen Anlass dazu. Also kann man solche Bilder nicht aus dem Gesamtbild der Demos raus schneiden, um sie dann als einzige Bilder von Randalierern darzustellen (so wie es eigentlich gehandhabt wird). Ich denke nicht, dass dadurch Deutschland in der Dummheit versinken wird, ganz im Gegenteil. Je weniger Gewalt, um so offener sind die Leute, die bisher nicht auf den Demos waren, gegenüber uns.
    Ein Beispiel, was mich dessen doch recht sicher macht, mag ich gern erzählen.
    Wie ihr vielleicht wisst, liegt das Camp nicht nur direkt vor der EZB und anderen Banken, sondern auch vor dem Opern/Schauspielhaus. Am Montag Abend in der Diskussionsrunde wurden genau diese städtischen Bühnen angesprochen. Städtische Bühnen gehören wem? Der Stadt. Also den Einwohnern, der Bevölkerung. Auf die Frage, ob denn die Camper wegen der kalten Temperaturen Räumlichkeiten dieser städtischen Einrichtung bekommen, wurde mit “nein” geantwortet. Warum nicht? Weil wir u.a. gegen die Machenschaften der Banken demonstrieren. Und woher bekommen diese städtischen Einrichtungen ihr Geld? Von den Banken. Das war deren Argumentation. Da frage ich mich an dieser Stelle, wie abhängig sich solche Einrichtungen noch machen wollen? Wäre diese Abhängigkeit nicht sogar ein Grund mehr, aufzuwachen und sich gegen solche Systeme zu stellen? Sich nicht länger erpressen zu lassen? Das scheinen sie zum Teil erkannt zu haben, denn immerhin darf nun die Kantine mit genutzt werden.
    Der Hammer allerdings sind die Besucher dieses Schauspielhauses! Von denen kommt Zustimmung, von denen kommt Anteilnahme, von denen kommen Spenden und Unterstützung genauso wie von den weniger gut Betuchten!
    Am Montag traf ich dort vor Ort auf ein Rentnerpäärchen, äußerst schniecke gekleidet. Vom Äußeren her also eher in die Schicht der Oberen einzuordnen. Beide betraten das Campgelände und riefen uns, die wir gerade in einem Gespräch waren, zu: “Macht weiter so!! Bleibt und kämpft weiter! Wir Alten habens versaut, ihr könnt das wieder gerade biegen! Weiter so!” Ich bin sofort hingegangen und hab versucht, den beiden ihr Schuldgefühl zu nehmen, indem ich sagte, dass sie beide weniger Schuld daran haben, als sie glauben, denn sonst wären sie heute nicht hier aufgetaucht, um uns anzufeuern.

    Zu den Amis: Wie schon im Artikel erwähnt, schwenkten diese drei Spezies die Amerikafahne UND ein Plakat, auf dem stand: “Ihr seid doch nur neidisch!” Auf was? AUF WAS denn? Auf den Dollar? Auf deren „Sozialsystem“? Auf deren Kriegszüge? Auf deren Geld und Macht? Mir fällt beim besten Willen nichts ein. Das einzige auf was man derzeit hinsichtlich Amerikas neidisch sein kann, ist die Occupy Wallstreet Bewegung, weil sie schon länger vor den Banken ausharrt! Was wollten uns diese drei Spezies ausserdem noch sagen? Alles was sie taten, war den Finger zu zeigen, DAS war die einzige Aussage, die wenigstens halbwegs Inhalt hatte, wenn auch einen sehr flachen.
    Weißt du, Tanja, wären sie (wie du es vielleicht getan hattest) ans offene Mikro gegangen und hätten da rüber ihr Anliegen vorgetragen, hätte man sich auf eine Diskussion eingelassen. Wenn auch nicht sofort, sondern eher nach der Demo in den verschiedenen einzelnen Diskussionsrunden, die überall von selbst entstanden. Sich aber direkt in die Menge zu stellen, und jedem im Umkreis von ein paar Zentimetern bis Metern seine Aggressivität samt Fahne bedrohlich ins Gesicht zu johlen, mit Sonnenbrille und scheinbar in jedem Nasenloch ein Gramm Kokain…nee, bei aller Liebe. Dann dem älteren Mann, der die Fahne entriss, nochmals eins mit der blanken Faust ins Gesicht nachzugeben, nachdem er schon halb am Boden lag…nee nee…das kann nicht der Weg sein. Meiner Meinung nach sind diese Leute geschickt worden. Von wem auch immer. Ziel wurde allerdings nicht erreicht. Nach 5 Minuten waren die drei verschwunden.

    “[...]um den Sieg des Kommunismus endgültig zu erringen.”
    Der Kommunismus ist nicht Ziel der Bewegung, auch wenn sich das _vielleicht_ vermuten lässt. Mich würde interessieren, wie sich diese Vermutung, das Ziel sei der weltweite Kommunismus, begründet. Vielleicht bin ich zu jung und unerfahren diesbezüglich, schließlich bin ich nur 13 Jahre in der DDR groß geworden. Lerne aber gerne dazu.

    Und wo, liebe Tanja, würdest du anfangen, dich zu bewegen, damit sich was ändert?
    Denn dass hier auf unserer Erdmurmel was nicht stimmt, wenn wir Nahrung für 12 Milliarden haben und dennoch 925 Millionen Menschen hungern, dürfte klar sein. Das was nicht stimmt, wenn die Vermögenssteuer abgeschafft wird oder Hotelbesitzer Steuerermäßigung bekommen, der Kneiper aber seine Stammkundschaft nicht mehr rauchen lassen darf, ist auch klar. Dass die Großverlage bestimmen, was unsere Kinder an den Schulen lernen, ist ebenso unverschämt. Dass sie generell unsere Kinder zu willenlosen Leistungsmaschinen „erziehen“ wollen, erfahre ich mit meiner Tochter am eigenen Leib. Und so weiter, ich denke, diese Liste ist äußerst lang.

    Auch du gehörst zu den 99%, die derzeit für Bankenrettungspakete und für Sozialsysteme usw. zahlt und die Taschen einiger weniger füllt. Oder nicht?
    Die Politik, die Banken und die Großunternehmen auf dieser Welt sorgen dafür, dass die meisten Menschen am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig haben. Und das wollen wir nun ändern und irgendwo muss man ja anfangen, wenn man nicht nur reden und sich aufregen will. Man muss aktiv handeln und sich einbringen. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Kommunismus zu tun. Selbst ein bGe hat nichts mit Kommunismus zu tun.

    Soweit erstmal.

    Habt Dank für Euer gewaltiges Feedback, vielen Dank.

    Und bleibt stark und gesund.

    Gundi

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Gundi

    Ich bin, wie nochmal verschärft offen in meinem neuen Artikel dazu gesagt, und für jeden Lesfähigen schon länger sichtbar, nicht eindeutig positionsfähig, vollauf zweiflig, was diese Sache anlangt.

    Ich danke Dir deshalb gerade erst recht nochmal für Deinen engagierten und pointierten Kommentar.

    Und mache jetzt erstmal das Feld frei.

    Ebenso liebe Grüße gen Thüringen wie gen Nordhessen

  10. Lesezeichen sagt:

    Hallo vom Nordlicht :)

    also ich oute mich mal als Angehörige der Bankstertruppe. Ich arbeite zwar seit vielen Jahren in völlig anderen Berufszweigen, weiß aber trotzdem ziemlich gut Bescheid über das, was da so abgeht.

    Tanja, wenn alle Banken so funktionieren würden, wie die Sparkassen und Volksbanken vom Grundsatz her gedacht sind, gäbe ich dir in deiner Analyse recht. Aber dem ist nicht so.

    Das Großbankengeschäft ist völlig anders aufgebaut und strukturiert. Die sind in den letzten Jahren bzw. eigentlich schon Jahrzehnten zunehmend vom normalen Kundengeschäft abgedriftet zum sogenannten Investmentbanking. Der Grund ist ganz einfach: Es ließ sich damit mehr Geld verdienen. Dorthin geht auch die Kundschaft, der die Sparkasse um die Ecke zu popelig ist. Sie gehen dorthin, wo die “klugen” Investmentbanker sitzen, hier in London die Cityboys genannt. Dort geht es eben dann um mehr – eben auch um risikoreiche Anlagen.

    Ackermann – mag man ihn mögen, oder nicht – hat mal etwas sehr kluges gesagt. Als man auf die Geschäftsbanken eindrosch, weil sogenannte Investments sich durch die extrem hohe Risikobehaftung in Luft aufgelöst haben, kommentierte er das mit Unverständnis. Er sagte, er könne diejenigen nicht verstehen, die sich nun beklagen, sie hätten das Geschäftsmodell nicht verstanden und deshalb diese Verluste erlitten. Denn die gleichen Leute hätten in den Jahren zuvor sehr viel Geld verdient und wären im Traum nicht auf die Idee gekommen, den Gewinn zurückzugeben mit der Begründung, sie hätten das Geschäftsmodell nicht verstanden.

    Und damit hat er deutlich Recht.

    Ich habe Mitleid mit der Oma, deren Ersparnisse man in windigen Anlagen durch Fehlberatung verzockt hat. Kein Verständnis habe ich mit den anderen, die bei exorbitanten Zinsen die Dollarzeichen in den Augen haben und alle Bedenken über Bord werfen.

    Ich kann mich noch gut erinnern, dass vor einigen Jahren die Rede davon war, dass die Anlageberater bei den Großbanken nur noch mit Provision bezahlt werden sollten. Man versprach sich davon eine Steigerung der Verkäufe. Dass damit eine Steigerung in den Risikoanlagen verbunden gewesen wäre, liegt auf der Hand, denn Risikoanlagen haben immer einen höheren Zins als normale Anlagen. Es gibt keinen Charity im Finanzsektor. Niemand zahlt mehr als er muss, und wenn er dann mehr zahlt, dann muss er.

    Mit dem sogenannten Investmentbanking ließ sich also wesentlich mehr Geld machen, als mit dem popeligen Fußvolkgeschäft. Sehr schön hat das Heide Simonis einmal ausgedrückt bezüglich der HSH Nordbank. Sie sagte “Wir waren trunken vom Erfolg der HSH”. Wohl wahr, denn all die Politiker, die übrigens alle in den Aufsichtsgremien insbesondere der Landesbanken gesessen haben, haben gedacht, sie könnten mit den gigantischen Zinsgewinnen ihre maroden Haushalte sanieren. Reichwerden durch Nichtstun, bzw. am Roulette-Tisch der Eitelkeiten. Dass eben jene nun – selbstverständlich geläutert – die Banken gern an die Kette legen wollen, ist eigentlich nicht mehr als ein gigantisches Ablenkungsmanöver.

    Fakt ist aber – und deswegen gebe ich der Bewegung Wearethe99percent deutlich recht – dass durch die Konkurrenz mit dem hochverzinslichen Risikogeschäft Gelder abgesaugt werden, die dem normalen Kreditgeschäft für Geschäftsinvestitionen nicht mehr zur Verfügung stellen. Hans-Werner Sinn hat das mal sehr anschaulich gezeigt, wie über diese ganzen Aktionen innerhalb eines Jahres ungefähr zwei Drittel des gesamten Sparaufkommens aus Deutschland hinaus katapultiert wurden, um in hochverzinslichen Hochrisikoanlagen zu landen, sei es in wertlosen Hypothekenanleihen oder aber – mittlerweile – in fast wertlosen Länderanleihen.

    Das Dumme ist, dass z.B. auch Lebensversicherer ihre Gelder dort angelegt haben, weil sie natürlich ihren Versicherungsnehmern eine ordentliche Durchschnittsrendite versprochen haben. So, wie es aktuell aussieht, werden diese Kunden wohl allesamt in die Röhre gucken, denn sie werden nicht nur diese Rendite nicht bekommen, sondern die Versicherungssumme auch nicht. Weg ist weg.

    Zu deiner allgemeinen Haltung zur Verschuldung der Privathaushalte gebe ich dir deutlich Recht. Aber auch hier wird man sehr schnell vom realen Leben eingeholt und wie schwer es ist, seinen Kindern beizubringen, dass es sich lohnt für etwas zu sparen, könnte ich hier auch in einer erlebten Geschichte erzählen. Unsere Wirtschaft ist nämlich gar nicht mehr darauf ausgelegt, dass Menschen zuerst sparen und dann ausgeben.

    Ich werde dazu aber mal einen eigenen Artikel verfassen, der das sehr anschaulich rüberbringt und zeigt, in welche Nöte man da als Eltern kommt.

    Es winkt

    das Lesezeichen

  11. Flo sagt:

    Einer von den Ami-Flagge-Störern hat später rumgejammert, dass seine Fahne kaputt war und auf die “Scheisz Krauts” geschimpft, die ja so undankbar sind, obwohl die Amis ja soo nett waren, sie von den bösen (mitfinanzierten übrigens, aber dass darf man ja nicht sagen, wenn Anti-Fa-Verblendete in der Nähe sind..) Nazis zu befreien….Hoffentlich hat diese jämmerliche Heulsuse meine “Nine-Eleven was an inside job”-Rufe gehört….Was für Deppen…

  12. TanjaKrienen sagt:

    Wer mir eine Fahne zerbricht, bekommt ebenfalls die Faust. Basta. Ein unerträgliches Gejammere und ein Theater mit “alten Leuten” und “Rentnern” (nichts als olle 68er Grünkommunarden). Schreib deinen Namen und deine Fuktion hierhin, dann wissen wir bescheid.

    Lesezeichen – UMGEKEHRT, die öffentichen-rechtlichen, staatsozialistischen Banken haben versagt und sind der Erfüllungsgehilfe der ökozoialistischen Regierung. Eine normale gute Bank investiert das Geld seiner Anleger, wer da nur Gier unterstellt, hat das System nicht begriffen. Geld-Gangster gibt es überall, sicher, aber es nicht nur billig die Schuld für DIESE Sache herumzudrehen, sondern einfach falsch.

  13. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Das obige von Dir ist sowohl anschaulich als auch m. E. richtig: C’est ca. (Diesmal habe ich den Cedille nicht hingekriegt – oder vielmehr, ich war zu faul, in den Sonderzeichen zu stöbern. Zu gierig auf schnellen Wortzins…)

    Auf den Artikel bin ich gespannt.

  14. i.V. Dude sagt:

    “Remember, remember the 5th of november” oder “Wie Banken sich zu wehren wissen”:

    http://matrixchange.blogspot.com/2011/11/geldautomaten-geben-den-geist-auf.html

  15. Dude sagt:

    Es wird je länger je besorgniserregender. Aber das der Staat als verbindendes Regulativ längst versagt hat, ist schon seit einiger Zeit klar.

    Mich nähme mal Wunder, was die machten, wenn da Millionen vor der EZB stünden, um ihr Demonstrationsrecht wahrzunehmen!

    Da reicht folgendes wohl nicht mehr: http://www.faz.net/aktuell/politik/frankfurt-schwerverletzte-bei-blockupy-demonstration-12204307.html

    Werden dann die Eurofighter und Drohnen gestartet?

    Wenn man diese Zustände sieht, ist man hier in der Monarchie der Chefbeamten mit seinen unsichtbaren Herren, welche der Welt, vom Gotthard herab Lektionen erteilen, vergleichsweise noch gut dran… noch…
    https://dudeweblog.wordpress.com/2013/04/12/vom-staat-als-verbindendes-regulativ/

  16. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich war nicht dabei, weiß zwar einerseits, dass beim “Schwarzen Block” ziemlich gewaltbereite Burschen mitmischen (wie viele davon vom Verfassungsschutz?), andererseits ist es schon grell, Regenschirme und Sonnenbrillen als Vermummungsinstrumente zu inkriminieren.
    Und sosehr ich auch die Banksterei ablehne und verachte, finden bei der Linkspartei, attac und selbst Verdi doch sehr sinistre Gruppierungen Deckung, deren Vorstellungen, was hier wie werden bzw. sein solle, mir auch nicht eben besser gefallen.
    Man hält sich dies Gesindel regelrecht, man will es so. (Es gibt jede Menge selbst staatliche Unterstützung für deren Vereine.)
    Die Masse der braven Bürger sieht das ebensowenig wie der durchschnittliche linke Gutmensch.

  17. Dude sagt:

    Genauso wie den Terror aus der Zivilgesellschaft überall…
    http://www.nachrichtenspiegel.de/2013/06/02/grundgesetzanderung-neufassung-artikel-8-seit-1-6-2013-in-kraft/

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