Die angewandte Sprachwissenschaft hat mit dem Weltnetz, genauer, den Suchmaschinen und Bots und Whatnots in demselben, ein Feld gefunden, von dem die Brüder Grimm wohl nicht einmal träumten, das ich mir, indem das Netz lange von mir nicht sehr intensiv beobachtet neben mir aufwuchs, auch zumindest nicht vorstellte, bis ich ernstlich an die Praxis ging, und sah, was geschah.
Wer es richtig macht, kann ganz alleine Begriffe setzen.
Man muss dazu nicht Coca Cola heißen oder CIA.
Es bedarf nur ein wenig angewandter Sprachwissenschaft.
Es funktioniert natürlich, wenn nicht durch einen Sonderzufall oder eine Sonderbeförderung durch Dritte, nicht über Nacht; es führt auch nicht leicht weit, nur mit zwei oder drei Begriffen herumzupfuschen.
Ich verrate mal so viel, also wenig, dass ein umfässlicher Wortschatz und gute semantische und etymologische Kenntnisse sicher nicht schaden; inwieweit es auf diesem Gebiete andererseits das rein intuitive, völlig ungelahrte Genie geben mag, weiß ich bislang nicht einzuschätzen.
Der eigentliche “Zaubertrick” besteht wohl darin, sprachwissenschaftliche Analyse so in die eigene Intuition einzusenken, dass die spontan assoziierende Idee, aus irgendeinem Bilde oder Tone heraus, am Punkt auch kommt.
Das klingt jetzt fast schon ein bisschen eso, ist es aber nur insofern, als dass wohl die Wenigsten wissen, wovon ich gerade rede.
Doch dafür kann ich nichts.
Da fällt mir Bernd-Jürgen Martini wieder ein, der einmal das Kriterium setzte, man müsse als guter Journalist die Fähigkeit mitbringen, “grenzenlos und vernetzt denken zu können” (Gedächtniszitat).
Der Mann hatte noch die altmodische Vorstellung, dass Begriffe Geflechte bilden, und umgekehrt.
“Das eine nachdenkliche Wort!” – nach dem inzwischen selbst ein Botho Strauß sich schwülstig sehnend verzehrt: das gibt es nicht.
Allenfalls nennte ich es “ALU”.
Aber das ist eine besondere Chiffre, eher für bewanderte Kabbalisten, Nietzscheaner und Runologen.
Das recht eigentlich Witzigste an der ganzen Geschichte ist, dass der im Weltnetz anwendende Sprachwissenschaftler über keinerlei besondere informationstechnologische Fachkenntnisse verfügen muss.
Er hört sich nebenbei all die Leute an, die meinen, zu wissen, wie es funktioniere mit all den Algorithmen, und probiert einfach aus, bis er seinen eigenen Plan hat.
Es kommt ja auch darauf an, auf welchem Gebiete – alles geht nicht – , auf welchen Gebieten er sich verankern will.
Da gibt es unterschiedliche Anforderungen und Schwierigkeitsgrade.
Jede Baustelle ist ein bisschen anders.
Und, wie schon erwähnt, ist es eben ein Geschäft der geduldigen, klugen, stetigen, stets prüfenden Vorgehensweise zur Akkumulation der eigenen Kräfte im Sinne erfolgreich angewandter Netzsprachwissenschaft.
Gesellt sich all diesem nicht nur strebenden Bemühn dann noch die Prinzessin Poesia bei, dann weiß der Algorithmus selber nicht mehr, wie er heißt.
















