Botho Strauß raunt

Botho Strauß hat sich wolkig zu Wort gemeldet.

Vieles Richtige sagend, sprachlich elegant wie immer, klagt er angesichts all der Krisen mangelnder Aufklärung.

Durch die Handelnden, gegenüber dem stümperhaften Volk, jenem der Deutschen, alswelches inzwischen statt mit Faust und Mephistopheles mit dem einen Hasenfuße in der Brust.

“Wichtiger als aufklären wäre in diesem Fall vielleicht ein instruierendes Werben für die Materie selbst, die heute genau wie zu bürgerlich pietistischen Zeiten als anrüchig gilt, vielleicht nicht mehr aus Gründen asketischer Scham, sondern eher aus saturierter Verachtung.”

Die Materie, für die da vielleicht instruierendes Werben wichtiger wäre als Aufklären, ist der Kapitalismus.

Aber dann, o Jammer: “Gleichwohl: ein einziges nachdenkliches Wort! Wäre jemand von Amt und Rang dazu imstande – es würde den Handelnden nicht nur Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, sondern das Thema, das Dilemma, die Katastrophe für einen bemerkenswerten Augenblick aus dem Schattenreich medialer Indifferenz herausgeführt haben.”

Meint Strauß das ernst?

Und, weshalb nennt Strauß das eine nachdenkliche Wort nicht selbst?

Strauß überzeugt mich in diesem Essay nicht.

Es wabert und macht und tut recht gelahrt, aber es verwischt und vermischt und verschleiert und vereinseitigt insgesamt in ärgerlichem Maße, gibt zumal keinerlei Antworten und nur vage Fragen.

Ein Kaleidoskop soziopsychologischer Gemengelagen wird zu einer am Grunde nicht wirklich kritischen Draufsicht auf unsere Gesellschaft, die in einem (zwanghaft?) poetischen Schlussbild gipfelt.

Nur, raus hat man irgendwie nix, Herr Strauß.

Das Stück enthält allerdings lesenswerte Passagen, keine Frage.

Jedem zur Lektüre anempfohlen.

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