Libyen: Lügen und Lage

Hier tagesaktuell, die Rebellen in Libyen rückten keineswegs erfolgreich in Tripolis vor, wie in den westlichen Medien – und Al Jazeera – eifrig behauptet.

Die Korrespondentin sieht in Tripolis keinerlei Unterstützung für die Rebellen und ein kampfbereites, bis an die Zähne bewaffnetes Volk.

Und der vorgeblich eingenommene internationale Flughafen scheint auch noch unter Regierungskontrolle zu stehen.

Dieser ältere Eintrag ist ebenfalls interessant, denn hier bestreitet die russische Luftwaffe, dass die von der BBC und Rebellen behaupteten Luftangriffe duch Gaddafi-Truppen auf Benghazi, die zur Begründung des Krieges (Schutz der Zivilbevölkerung!) herhalten mussten, überhaupt je stattfanden, neben weiteren im Rückblick sehr interessanten Beobachtungen.

In unseren Schafsmedien bekommen wir über Libyen seit Februar fast nur noch die den Rebellen und der NATO genehmen Halb- und Desinformationen, nichts über die Folgen der Luftangriffe.

Und, wie schon verschiedentlich erwähnt, auch herzlich wenig bis gar nichts darüber, wer diese Rebellen eigentlich sind; was sicher nicht daran liegt, dass man keine Erkenntnisse darüber hätte.

Es sieht allerdings eher so aus, als sei die NATO ziemlich ratlos.

Selbst 20-30 000 gut bewaffnete und organisierte Rebellen dürften – selbst bei einer Unterstützung durch Tiefflieger und Kampfhubschrauber – in Tripolis in größte Schwierigkeiten geraten, wenn die Bevölkerung sich verschanzt.

Fast der gesamte Nachschub müsste dabei von Osten möglicherweise nur über eine Straße herangeführt werden, die nicht sicher gehalten werden kann; selbst eine Einkesselung größerer Verbände oder gar des Hauptverbandes ist nicht auszuschließen.

Soweit bisher bekannt, verfügen die Rebellen nur über wenige gepanzerte Fahrzeuge, und wenn, dann keine mit moderner Aktivpanzerung, so dass diese in Straßenschluchten leichte Beute der ordinären Panzerfaust werden können.

Die Stadt hatte ein halbes Jahr Zeit, sich auf einen Angriff vorzubereiten.

An leichten Waffen und Munition sollte es nicht mangeln.

Man darf überdies mit einigem Fug bezweifeln, dass wirklich die meisten Warlords ihre meisten besten Kämpfer weit weg an die Westfront schicken, mit ungewissem Ausgang, um dann zuhause womöglich schnell unterzugehen, wenn der Braten erstmal doch ohne Tripolis verteilt wird.

Die Rebellen sollen immer noch keine eigentliche gemeinsame Kommandostruktur haben.

Man traut der “legitimen Vertretung des libyschen Volkes”, dem Nationalen Übergangsrat, der sich die Warlordmilizen als Armee hält, der in westlichen Hauptstädten de facto anerkannten libyschen Regierung also, offiziell bislang nur einige hundert Millionen weit, hält riesige Gelder eingefroren.

Es gibt viel zu verteilen in Libyen. Das wissen auch die Libyer selbst.

Einen Aufstand gegen Gaddafi anzetteln, die Chinesen rausschmeißen, Gaddafi loswerden, eine genehme Satrapenregierung einsetzen, absahnen: so die Milchmädchenrechnung der Amis, Franzosen, Briten, Italiener.

Jetzt dauert der Krieg ein halbes Jahr, und man weiß weder, wie man ihn gewinnen soll, noch wie nachher regieren.

Hier kommt nun wie selbstverständlich die Verschwörungstheorie auf, man habe durchaus auf Chaos und Unregierbarkeit gesetzt, umso leichter dirigieren zu können.

Gegen diese These spricht allerdings einiges.

Die Interessen der Öl-, Gas- und Wasserkonzerne sind handfest; und man investiert nicht gerne Milliarden in einem instabilen Umfeld.

Die Kapazitäten der Luftwaffen Frankreichs und Großbritanniens sind bereits sehr in Anspruch genommen: Man bedenke, dass derart aggressive Mächte sich stets noch ein paar Pfeile im Köcher behalten wollen, für den Fall, dass plötzlich noch ein Krieg zu führen wäre.

Und es ist bei der europäischen Bevölkerung auch nicht sehr populär, dieses Gemetzel direkt vor der Haustür, von dem jeder weiß, dass die eigenen Regierungen mit die Hauptverantwortung tragen.

Und man ist zwar nicht besonders sensibel, wenn es um zivile Opfer geht, weiß aber, dass auch das ein kritischer Faktor für eine derartige Agenda werden kann.

Gesetzt den Fall, es käme in einem unterworfenen Tripolis zu großen Massakern an der Zivilbevölkerung: Bei dem Gedanken treibt es Politikern wie Militärstrategen wie Konzernbossen den Schweiß auf die Stirn.

Und man hat ja insgesamt viel zu wenig Kontrolle über das Geschehen; ein paar Kommandoeinheiten reichen nicht aus, und ansonsten will man ja mit Bodentruppen partout – noch – nicht antreten.

Der bizarrste der westlichen Bellizisten, das noch angefügt, ist derzeit sicherlich David Cameron, ein Kriegspremier der britischen Oberklasse, der sein befreiendes Bombenglück flugzeugweis über Libyen herabregnen läßt, während ihm das Subproletariat die Straßen seiner Hauptstadt per pedes abfackelt.

Nachtrag (13.14 h): Seit etwa einer Stunde “soll” Gaddafi “laut gut informierten Kreisen” bereits auf der Flucht nach Algerien sein, wie in den Schafsmedien allenthalben gemeldet wird.

Ob es diesmal stimmt?

Hier noch ein aktueller amerikanischer Artikel zur Libyen-Propaganda.

Nachtrag (18.28 h): Jetzt schlagen die ersten Sorgen beim Kriegstreiberspiegel hoch:

“Wo das Ende Gaddafis nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, wächst die Sorge, ob der als Rebellenregierung agierende Übergangsrat in Bengasi in der Lage ist, die Geschäfte in Tripolis zu übernehmen. Westliche Beobachter bezweifeln die Handlungsfähigkeit der Rebellenführung, die untereinander teils bis aufs Blut verfeindet ist.”

Nachtrag (20.17):

Jetzt wird plötzlich auch die FAZ skeptisch, was ein Durchbrechen der Rebellen in Tripolis anlangt.

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11 Antworten zu “Libyen: Lügen und Lage”

  1. survivor1270 sagt:

    Für mich hat die NATO, der Westen jegliche Legitimation für den Kampf in Libyen verloren. Wie lautete noch der Auftrag? Gadafi und seine Jungs sollten davon abgehalten werden, ihre eigenen Landsleute aus der Luft zu bombardieren. “Wir” sollten lediglich dafür sorgen, dass er keine Flugzeuge mehr aufteigen lassen könne. Und nu? über 1000 tote Zivilisten durch die Nato. Saubande! Freiheit, Demokratie, Menschenrechte? Nur noch hohle Phrasen. Moralisch ist unser System am Ende. Obwohl ich Gadafi nicht mag, bin ich doch dafür, dass er gewinnt und nicht die Mörder und Diebe, die schon sabbernd nach der Beute lechzen.

  2. Oddball sagt:

    Saif al-Islam Gaddafi doch nicht festgenommen:

    http://www.youtube.com/watch?v=_U_wl2KGjfw

  3. RetroNuclear239 sagt:

    Die Ölpreise sind bereits gesunken.
    Ein paar Banksters wollten nur ein bisserl am Ölpreis fummeln, es geht nicht um den Endsieg.
    Falschemeldungen in dem Umfang sind die kleinste Übung, wenn ein paar kleine Banksterärsche irgendwo einen kurzfristigen Gewinn sehen.

  4. EuroTanic sagt:

    Achtung Satire: “Fachkräftemangel nun auch bei der NATO und den libyschen Rebellen?” http://file1.npage.de/006690/51/bilder/fahnenschwenker__2.jpg

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Oddball

    Das Video funzt leider nicht.

    Saif al-Islam Gaddafi hat sich allerdings geschickt in Szene gesetzt.

    Ob es wirklich stimmt, dass die Rebellen 95% von Tripolis kontrollieren?

  6. steinar sagt:

    diese verlogenen natogesteuerten euromedien!
    nach wie vor sind die rebellen,ich nenne sie terroristen, 10:1 in der unterzahl.in den westlichen lügenmedien tauchen nur rebellen auf.
    nie gaddafies soldaten.gaddafi bot seinem volk:gratis schule ,gesundheitsversorgung,gute löhne auch für andere afrikaner.
    diese verbrecherische nato stützt ein paar tausend scheißdämliche rebellen um das öl noch billigen auszubeuten. die rebellen haben null militärische erfolge erziehlt. gadafis truppen werden tapfer kämpfen und gewinnen.
    unt ich wünsche mir endlich eine vielzahl von abgeschossenen nato-fliegern inkl.trauernden witwen

  7. Dude sagt:

    Auch wenn ich das jetzt besser nicht sagen sollte, tu ich’s doch. Ich wünsche mir dass all diese Bomben mal über Europa fallen, denn das ist wohl die einzige Möglichkeit wie die in Lethargie und Ignoranz verfallene Schafsherde noch aufzuwecken wäre…
    gna, kotz die Wand an.

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Wünsch Dir mal lieber nicht zuviel.

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ alle

    Merkwürdig, wie Gaddafi-Sohn Saif vom Korrespondenten-Hotel aus unbehindert seine Schau starten konnte, wo er vorgeblich tags zuvor noch festgenommen worden war und die Stadt zu 90-95% von den Rebellen kontrolliert werde.

    Eben bekam ich in den 16-Uhr-Radionanchrichten eine erste Zahl: Inzwischen seien beim Kampf um Tripolis über 2000 Menschen ums Leben gekommen.

  10. hinterderfichte sagt:

    holocaust läugnen ist in deutschland verboten.aber lügen der politiker nicht.
    deutsche sind im libyen krieg, mit beteiligt.wer gaddafi verurteilt, muß, auch seine ,kumpanen im westen verurteilen, bnd , simens,und co.

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