“Eine erlesene Wein- und Gewürzhandlung betreiben, mit den feinsten Chili-Saucen, Remouladen, Aiolis, Tapenades und Senfen aus aller Welt, bester Butter, Xelchtem und Käschen, eigenen, tagesfrischen, kleinen Häppchen und Dipps zum Verkosten.”
Mein Avatar 23 hat mich eben gefragt, was für einen Berufswunsch ich noch einmal hätte.
“In so einem feinen, halbangespeckten Schicki-Holzschuppen herumturnen, viel aufsprechen, viel mitprobieren, zumal beim Wein, dabei noch Geld machen wie Heu und der Star der Szene, das täte dir natürlich schon gefallen”, entgegnete er trocken.
“Du sagst es!”
“Nur”, meinte er, “dass Dich als Oberbistroyen keiner recht ernst nehmen wird und auch keiner wiederum, dein Pech, als lustig genug, dass der notwendige Kultfaktor um dich herum erwachsen könnte, ohne welchen, wie du sehr wohl weißt, es einfach nicht geht.”
“Ich könnte zwischendrin mit dem Strahler eigene Aphorismen an die Wand werfen, um der Sache das Originelle und Kultige zu geben”, entgegnete ich tapfer. “Es kommt ja nicht darauf an, ob die Leute was lesen oder verstehen, sondern schlicht um den Act, weißt du, ich gehe mit der Zeit, die Leute wollen sowas.”
“Na klar. Ein Saucen- und Wein- und Käsbrötchendipplabermonster mit angeschlossener poematischer Wandzeitung, alswelche Figur der Lokalität einen Zulauf verschafft, dass der Chef an nicht wenigen Tagen der Hochsaison herein- und herausgetragen werden muss.”
“Zuerst kommt der Umsatz, dann die Disziplin!”, schmetterte ich ihm, mich selber erstaunlich keck befindend, entgegen.
Ja, ich merkte, dass er nervös geworden war.
Er hatte mehr Worte und mehr Anstrengung auf die Sache verwandt, als dass dies kein Signal gewesen wäre.
Ich war gewarnt.
Er hatte Angst, mich zwischen all den Saucen, Käsen und Weinen zu verlieren.
Eine verständliche Befürchtung.
Nun, so herzzerreißend auch die Geschichte, ihr Ende ist noch nicht gelegt, obschon das Schicksal sie wie auf ein Warteeis gelegt hat, indem es mir bislang nicht Macht noch Mittel gewährete, einen Wein- und Gewürzhandel mit Happen zu eröffnen, meinen neidischen Avatar auf die Probe zu stellen.
Ich weiß auch (aber das verrate ich ihm nicht), dass ich schon mittelfristig nur drei oder vier Frontkampfvollschichten je Woche durchhalten werde; dann aber brummt der Laden; ich kreuze an der Front nur noch ab und an ein zwei Stündchen so nach Lust und Laune auf, schaue nach der Qualität und schaufele mir die Taschen mit Bimbes voll.
Wenn es klappt, wird nicht einmal der hier zuständige Avatar mehr meckern, denn er sagt ja immer, dass etwas Anständiges aus mir werden solle.
Und, was will er dann noch sagen, wenn ich die geilste Weinstube Terras betreibe?
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