Der unredigierte Mann

Gestern Nacht wurde mir, nachdem mir dasselbe in den letzten Jahren schon nicht ganz ungebildete Männer mehrfach erklärt hatten, von einer nicht mehr glücklich verheirateten Frau, deren Mann offenkundig genug verdient, erklärt, ein Mann müsse nunmal, zumal in meinem Alter, mit einigem Geld dem Weibe hinterherrennen: zumal das Hinterherrrennen wolle es unbedingt, aber natürlich auch das Geld sehen, um landen zu können.

Was ist denn mit denen los?

Soll nun damit der Mann aufs Geld und das Hinterherrennen reduziert werden, oder das Weib darauf, dass sie solch erbärmliches Gebaren von jedem potentiellen Freier erwartete?

Wer wird denn durch solche Aussagen mehr herabgesetzt?

Zunächst der Mann.

Der kein Geld hat und nicht rennt.

Dann aber viel mehr die Frau, die erwartet, dass der Mann Geld hat und ihr hinterherrennt (aufmerksam, zärtlich, einfühlsam usw. sollte er natürlich auch noch sein, ward mir erklärt).

Also ein Erbaffe.

Oder einer, der Tag und Nacht nach Geld geiert, gleichzeitig mit diesem der Angebeteten hinterherrennt, zärtlich wie die Sau, immer da, jeden Quatsch sich mit verständnisvollem Kopfwiegen sich stundenlang anhörend, gleichzeitig in der Firma, wie es sich gehört, dabei ein Supervögler, stundenlang, sozial total integriert und geachtet, also cool wie kantenlos, damit’s keinen Ärger gibt, ein Kriecher und Flieger und Schlecker, ein Urviech als megakultiviert, eine Lachnummer und gleichzeitig der SS-Stecher und -Steher, ein Vorführrhinozeros, das fallweise als weibsbeneideter Charmeur auf der Vernissage taugt, nebenher, wegen der Gleichberechtigung, den Müll rausbringt, spült, sich selber aus Solidarität halbmagersüchtig kotzt, kocht, seines Loses nie meckert, immer gut drauf ist, nicht trinkt, allenfalls mal ein halbes Glas, wenn der Chef es ausgibt, die Kinder hütet, nach dem Auto kuckt, der Steuer, der selbst durch den Fleischwolf gedreht noch super aussieht, aber nicht zu super, dass die andern Weiber das zu sehr merken, nie auf die Idee kommt, es gäbe da wohl noch was anderes, humorvoll habe ich noch vergessen, gegen oder für Stuttgart 21, je nachdem, was sich gerade durchsetzt, ein Mann, mit dem frau vor den Freundinnen angeben kann, ein Molch, ein Lurch, ein Affe, ein Laffe, ein Geck, ein Fant, ein Held, je nach Bedarf, ganzkörperrasiert, bei Bedarf tätowiert und gepierct, oder dann wieder nicht, einerseits dumm wie Brot, aber dann, auf Abruf, gescheit wie Bruno, lackiert, gegelt, Conan der Barbar und bekehrte Schwulette von nebenan, auf Knopfdruck Vollidiot oder Genie, Tanzbär oder Dompteur, Faktotum oder Faknullum, Knetmasse, die sich selbst zu kneten und brennen weiß, Sack, der den Esel schlägt, armseliger Komödiant, der im genau richtigen Moment nicht allzu peinlich plärrt, Wanddübel, Inbusschlüssel, Kotzbecken, Räppel und Hempfel, Hutsimpel und Abschleppwagen, Anhänger und Dampflok, Kohlentender und Schippe und Heizer, Kohlenschlepp dazu, feuriger Liebhaber rechts hinten, bei Bedarf, dick und doof wie schlank und rank und gescheit, ohn Fehl und Tadel, im Schloss wie im Stadel, Hurglibu wie Einstein, treu beim Alleinsein, Böbbel wie Basketbälle, aber bitte nur daheim, niemals eingebildet, außer, in Maßen, wenn er seine Frau lobt, dass sie niemals tobt, Kumpels allenfalls zum gelegentlichen Zuführen, wissend, was Masse ist, gottesfürchtig, als seines Weibes fürchtig, studiert und deshalb gut verblödet dabei, ohn’ Unterlass eilfertig, nie in kurzen Hosen, außer, wenn hineinbefohlen, Selbstverhütungshirn, Zehenschlecker, Abdecker, nur ausversehen abgestanden, nie abhanden.

— Anzeigen —


Tags:

9 Antworten zu “Der unredigierte Mann”

  1. Inge sagt:

    Ach herrjeh, der arme Kerl.
    Aber, wir Frauen mussten ja auch schon so allerlei sein, wenn es nach den Männern ging…
    Zuviel, lasst uns wie wir sind jeweils, das wäre gesünder, oder? Ich denke schon.
    Früher sagte man dazu, dass es eben unterschiedliche Temperamente gibt. Heute soll das ein Mensch alles in einem sein, das kann nicht gut gehen.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Inge

    Ich fühle mich seit über zehn Jahren ganz schlecht, weil ich meiner Frau nichtmal die Kinder kriegen konnte.

  3. Tester sagt:

    Magnus, das mit “Brötchen anschaffen” funktioniert so seit ca. 50 Millionen Jahren, was soll da neu sein? Die gute hat lediglich was von Biologie erzählt.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tester

    Schon klar. Wenn das gute Weib aber keine Kinder durchzufüttern hat von dem schönen Geld, das man ihr hinterherbuckeln soll, dann wird die Sache doch ein wenig schräg.

    Ich mag so langsam ein bisschen paranoid geworden sein in dieser Hinsicht, überlege mir aber, ob ich, wenn mich mal wieder eine nett anguckt, derjenigen als erstes erzähle, dass ich im Obdachlosenasyl logiere und sowas von gar keine Kohle habe, dass sie sich das gar nicht vorstellen kann.

    Wenn sie sich dann freundlich interessiert mit mir weiterunterhält, dann könnte es was werden.

  5. Tester sagt:

    Nachtrag: allerdings hat Sie es nicht geblickt, dass diese Frau, der man nachrennen würde, auch ihrerseits was zu bieten haben muss (also mehr als ihre Anwesenheit und eine Gebärmutter). Ist für eine heutige ewig-sich-selbst-verwirklichende pseudo-Frau schwer verständlich.

  6. Tester sagt:

    Magnus, das könnte sogar auf eine perfide Weise eine anziehende Wirkung haben – für die leicht sadistisch angehauchten, die sich einen abhängigen Sklaven für Zuhause anschaffen wollen ;)

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tester

    Ja, man sollte sogar als Penner vorsichtig sein, dass man nicht irgendwann feststellen muss, zum domestizierten Makaken gemacht worden zu sein.

    Danke der aufmerksamen Warnung.

  8. Tester sagt:

    Lieber ein einsamer Penner als ein domestizierter Beipenner? ;)

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tester

    So mag es sein.

Eine Antwort hinterlassen