“Smileys” und deren Halb- und Viertelsbrüder

Es fällt mir schon seit geraumer Zeit auf, dass man im Netz allfällig jene “Smiley”-Zeichen setzt, auch selbst hier, um irgendwie allgemein standardisiert (?) etwas ungefähr auszudrücken, wofür entweder die sprachliche oder die gedankliche Kraft oder schlicht der Mut oder alles zusammen nicht auszureichen scheint.

Armselig.

Lächerlich.

Sprache kennt Wörter und Worte.

Es gibt sogar Abtönungspartikeln.

Interjektionen.

Alles, was der denkend Schreibende braucht.

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2 Antworten zu ““Smileys” und deren Halb- und Viertelsbrüder”

  1. Gundi sagt:

    Huhu lieber Magnus und liebe Leser!

    Das ist natürlich starker Tobak, aber nichts desto trotz auch ein hochinteressantes Diskusions- oder Gesprächsthema. Mag auch mal meinen Senf dazu abgeben:

    Armselig und lächerlich in dem Sinne empfinde ich die “Schreibe” mit den Satzzeichen eigentlich nicht. Irgendwann in diesen Internetzeiten muss jemand ja mal diese Smilies erfunden haben und das bedeutet für mich in erster Linie Kreativität, auch wenns nichts weltbewegendes ist oder manchmal doch ein wenig albern aussieht. Und dieser Kreativität sollte im Grunde keine Grenze aufgezeigt werden. Im Grunde. In Fachtexten, Büchern, ernsthaften Diskussionen oder gar in Schulheften haben diese Smilies natürlich nichts zu suchen. In erster Linie gehören Smilies in Chats oder spaßige Foren.

    Wenn mir ein Schreiber beispielsweise auf diesem Weg mit der Zeichenkombination ” :) ” ein Lächeln schickt, dann tut mir das persönlich erstmal gut, zumal der Schreiber vielleicht meilenweit von mir entfernt sitzt. Ist mir persönlich lieber als wenn er schreiben würde *Lächeln rüberschick*. Dieser Smilie ist irgendwie spontaner, einfacher – so wie ein Lächeln eben.

    In vielen Chats werden Smilies gar nicht als solche bezeichnet, sondern als “Emoticons”, sprich damit werden Gefühle ausgedrückt. Und das ist meiner kleinen bescheidenen Meinung nach _ein_ Weg, sich zu öffnen und ein paar der Mauern, die ein jeder um sich aufgebaut hat, einzureißen, auch wenns nicht nach soviel Arbeit aussieht (im Vergleich zu ausgeschriebenen Gefühlsäußerungen).

    Ein Problem, was ich dabei sehe, ist die Gefahr, dass die geschriebene Sprache als solches verloren gehen könnte.
    Was aber _nicht nur_ an diversen Smilies liegt, sondern an den vielen vielen Abkürzungen, die im Netz kursieren und die es tatsächlich um einiges leichter haben, junge Hirne zu verkorksen als die Smilies.
    Ungern, sehr ungern möchte ich nur eine davon nennen und die heißt “lol” (laughing out laud). Dann doch lieber ein Smilie, weil man den nicht sprechen kann. Keiner käme auf die Idee, ernsthaft “Doppelpunkt Klammer-zu” zu sagen, “lol” hingegen wird meiner Erfahrung nach mittlerweile sehr häufig so ausgesprochen, gesagt. Selbst Erwachsene sitzen da und sagen “lol” anstatt tatsächlich zu lachen! Das sind dann solche Momente, wo ich am liebsten einen harten Gegenstand nehmen würde…na lassen wir das.

    Diese ganze Satzzeichen- und Abkürzungssprache kommt vorwiegend aus den Chats, sie ist ein Zeichen unserer Zeit.
    Wenn ich also am Ende oder innerhalb eines längeren Beitrages einen Smilie setze, um zu verdeutlichen, dass ich trotz allem noch lachen kann, dann ist das a.) (m)eine Gefühlsäußerung die b.) nichts damit zu tun hat, ob mein Text durchdacht ist oder nicht.
    Ich brauche als denkender Schreiber keine Smilies/Emoticons, nein.
    Aber ich _kann_ sie nutzen. Um beispielsweise meinem Leser zwischendrin Mut zu machen. Ich hab schon das ein oder andere Mal die Erfahrung gemacht, dass mir jemand schrieb “Hättest du den Smilie da oder dort nicht gesetzt, hätte ichs falsch verstanden.” Ob das rein sprachwissenschaftlich nun so in Ordnung war von mir, oder ob ich mich vielleicht hätte anders ausdrücken sollen, damit ich ja nicht missverstanden werde, sei mal dahin gestellt. Wichtig ist an dem Punkt gewesen, dass ein einzelner geschriebener Smilie in dem Moment die richtige Wirkung erzielt hat.

    :)

    Gundi

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Gundi

    Ich freue mich sehr, dass Du meine kleine Provokation nicht als eine eines sturen alten verknöcherten Esels aufgenommen hast, sondern wie oben.

    Dafür gibt’s ein Fernbusserl.

    Ernsthaft: Ich finde Deine Ausführungen sehr durchdacht und gut nachvollziehbar.

    Aber wäre, ist es nicht doch interessanter, auch romatischer, wo es anliegt, die Dinge sprachlich auszudrücken?

    Ich habe mich an diese Dinger inzwischen gewöhnt, obschon, ich sage es ganz direkt, sie mich manchmal nerven.

    Einer macht einen Witz und setzt mir einen gelben Grinsepinse daneben.

    Traut der seinem eigenen Witz nicht?

    Oder einer wird kritisch und setzt einen Gelbheimer mit verzogenem Gesicht daneben.

    Traut der seiner eigenen Kritik nicht?

    Meint der etwa, ich nähme diese ernster, wenn so ein Schlurch dazugebastelt ist?

    “lol” z. B. ist natürlich lächerlich an sich.

    Derartigen substanzlosen Humbug wird man bei mir nicht finden.

    Ich freue mich nämlich, und arbeite teils bis zu spät in die Nacht daran, dass sich wieder eine Schreibkultur entwickelt, Leute wieder versuchen, sich gut und präzise, auch lustig, auszudrücken, gerade hier in diesem Netz der allfälligen Oberflächlichkeit und Eitelkeiten.

    Und ich habe nicht einmal den Eindruck, dass mich dessenthalben jeder verlacht oder für blöde hält, für schlicht Don Quijotesk.

    Die Erfahrung hier auf meiner Seite zeigt, dass nicht wenige sich ausdrucksmäßig entwickeln, indem sie sehen, dass es fußt und dabei auch noch Spaß macht, dass man sich entwickeln kann, schneller und sicherer wird, das vielleicht beste Gehirntraining der Welt kostenlos betreiben kann, wenn man beim Göller – oder anderwo, es gibt ja noch ein paar andere nicht ganz schlecht gemachte Seiten – versucht, etwas Intelligibles, Selbstgeschriebenes von einigem Sinngehalt einzustellen.

    Dass ich mit dem obigen Text mal wieder ein paar Leuten über die Zehen gefahren sein dürfte, ist mir klar.

    Mir war gleich klar, dass das nicht jedem gefallen werde.

    Aber ich wollte mal wieder zum Denken anregen.

    Und erkläre hiemit hochfeierlich, dass ich niemanden geringschätzen werde, nur weil mal so ein gelbes Kreisfeigchen im Text auftaucht.

    Liebe Grüße und ein zweites Fernbusserl!

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