Sackabschwitzschabracken (Onderhosa)

Vorgestern kam ich auf der Königstraße an einem Sportartikelpalast vorbei, vielmehr, ich ging mal rein, um ein paar Sachen zu bestaunen, und, siehe da, noch nichtmal im Parterre um die Ecke gebogen, lugte mich ein stattliches Regal mit “ergonomischer Unterwäsche” an. (Das heißt wohl, alles soll genau reinpassen.)

Das musste ich denn mal in näheren Augenschein nehmen (meine treuen Leser wissen, dass ich ein bisschen von Gestern bin).

Ein Abschwitzunterhemd gab’s für schlappe 40 Euro, die Männerunterhose gar für nur für 25.

Da nun Materialwissenschaft auch in meinem Steckenpferdsstall steht und ab und an wiehert, trug ich so einen Edelschlüpferkassiber (die Verpackung möchte wohl so viel wert gewesen sein wie der Inhalt) an den gleich gegenüber gelegenen Verkaufstresen und fragte die ansehnliche junge Dame daselbst, da ich nirgend auf der Dickschachtel eine Angabe zur stofflichen Zusammensetzung des Inhalts zu entdecken vermocht hatte, aus was denn dieses Edelunterkleid bestünde.

Ratlos, grade als wäre sie ich, drehte und wendete sie das merkwürdig Ding, auch mit ihren geübten Kräften nichts zu entziffern vermögend.

(Ich war natürlich mal wieder erleichtert, dass ich nicht alleine zu dumm zum Lesen gewesen war.)

In ihrer Ratlosigkeit rief sie sodann flugs eine Kollegin herbei – mindestens ebenso adrett – , diese um Aufklärung des Rätsels anerheischend.

Jene hinwiederum tat uns zügig Bescheids, indem sie den kräftigen Deckel des Apparillos öffnete und allda, zwar sehr klein geschrieben, doch deutlich schaubar, folgendes fand: 95 % PA 5% Elasthan.

Sie erklärte mir dann noch dass PA (Polyamid) für (vulgo) Nylon stehe.

Was ich selbstverständlich wusste, was sie aber gleichwohl überraschte, als ich es ihr kundtat.

Verwundert über mein Lachen, mich fragend, ob ich denn jetzt kaufen wolle, versetzte ich nur noch, dass ich so etwas nicht bräuchte, es kaum mein Stil oder meine Art sei (davon, wie einem da das Gehänge einschmurgelt, wenn man sich mal auf einen etwas zu heißen Stein setzt, sagte ich diskreterweise nichts).

Trug den Kassiber also brav zurück ins Regal, nicht übertrieben kopfschüttelnd, den netten jungen Damen den Tag nicht verderben wollend, und verließ das Lokal.

Achso, ich vergaß noch zu erwähnen, dass man mir erklärte, das sei ein ganz besonderer Spezialstoff zum optimalen Abschwitzen.

Ja bin ich denn ein schwuler Gaul, der um 25 Taler eine Unterleibsplastikschabracke braucht?

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