Siegfried Röcklin

Ich denke, dass “Siggi”, wie er manchmal auch von mir genannt wurde, sich von mir, wenn überhaupt, statt eines ernsten einen irgendwie lustigen Nachruf gewünscht hätte, wenn überhaupt.

Denn Siegfried Röcklin, ein Maler, Holzbildhauer, Erfinder und Denker und Geist und Schwäbisches Original, wie man es sich nur denken kann, mein lieber, dionysischer, leider nur allzukurz gefundener Freund, hätte wahrscheinlich schon nach dieser Aufzählung gesagt: “Was schwäddsch soviel rom, komm mol zom Pongd.”

So weh es mir tut, bin ich froh, noch vor wenigen Tagen einen der lustigsten Abende meines Lebens mit ihm verbracht zu haben.

Er war es denn auch, dessen Namen ich im Zusammenhang mit diesem Zitat zunächst, da ungefragt, nicht nennen wollte:

“Viele Leute merken noch nicht einmal, dass sie schon gestorben sind!”

Er wird es wohl gemerkt haben.

Er meinte an diesem Abend zum Abschied an der Stadtbahn auch noch, wenn man so lachen könne, wie wir heute Abend, dann sei dies wohl das Gesündeste und Beste, was es gäbe.

Und verabschiedete sich, trotz manchen wohl schon zuvor und dann noch gemeinsam genossenen Weins, rüstig und fröhlich, um stolz und stur wieder in seine Wohnung im fünften Stock hinanzusteigen.

Für diese Art der Feierlichkeit hat er mir wohl schon wieder die mahnende Rüge: “Jedsd schwädsch scho so lang rom, I han ders schomol gsagd, kommd jedsd endlich mol der Widds?”

Also gut, Siegfried: Des mid dem Bierdeggel on des mid dem Eilegä vonnemä Hochhaus, on au des mid dem alloi Ronderschmeißa von dem großa Schdoi, des muesch jedsd hald mir iberlassa.

Des war war abber no ned der Widds, wia dua nadierlich scho gmergd hosch.

Der Widds isch, dass mir zwoi boide enander ernschdgnomma hend.

Fir die andere Sacha mue I jedsd noh versuecha zom sorga, ond Du bleibsch fir mi emmer irgendwie derbei.

On wer mi jedsed fir en Seggel häld, weil I des gschrieba han, iber den hädded mir sowieso midenander glachd.

I ben noh doh, Du bisch leider ford, abber drodsdem emmer noh bei mir.

— Anzeigen —


Tags:

2 Antworten zu “Siegfried Röcklin”

  1. Daniela Brach sagt:

    Sehr geehrter Verfasser dieses Artikels.

    Ich würde sehr gerne erfahren, wer einer der letzten Freunde meines Bruders war. Der Artikel ist mir sehr nahe gegangen.
    Ich würde mich freuen, eine Nachricht von Ihnen zu erhalten.
    Der plötzliche Tod meines Bruders ist mir sehr nahe gegangen, vielleicht können sie mir ja noch etwas über seine letzten Tage erzählen und seine Vorhaben mit Ihnen.
    Im Voraus schon vielen Dank.

    Mit freundlichen Grüßen,
    i. A. Daniela Brach.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Daniela Brach

    Liebe Frau Brach!

    Siegfried war ein liebenswerter Sturkopf, wie er im Buche steht.

    Und ich freue mich natürlich sehr darüber, dass ich oben anscheinend nicht den falschen Ton angeschlagen habe.

    Die letzten Begegnungen schildere ich Ihnen so gut als möglich jederzeit gerne; und ich erzähle Ihnen auch gerne von der genial einfachen, noch nie im Großen erprobten Erfindung, die er mir darlegte.

    Auch von jenem (gemeinsamen) Vorhaben, mit dem er Stuttgart noch mächtig zu überraschen gedachte.

    Allerdings kann ich das nur mündlich unter vier Augen tun.

    Was die Erfindung anlangt, so hätte er sicher nicht gewollt, dass ich sie einfach in die Welt hinausposaune.

    Bezüglich des Vorhabens kann ich nur sagen, dass der zweifellos erzielbare Effekt so nicht unbedingt jedermann gefallen hätte.

    Ich bitte Sie daher, mich persönlich, am besten per Telefon, zu kontaktieren, damit wir, wenn Sie mal in Stuttgart sind, darüber reden können.

    Mit den besten Wünschen und nachträglichem Beileid

    Ihr

    Magnus Wolf Göller

Eine Antwort hinterlassen