Wacker voran!

Schlimm wird’s für den Geistigen, wenn er sich ob allzuviel erscheinender Schicksalshiebe nicht einmal mehr durchaus erreichbare Ziele noch zu erlangen zutraut.

Denn nicht nur, dass er immer unsicherer und zager an deren Verwirklichung herangeht, sondern, schlimmer noch, setzt er sich womöglich gar keine höheren Ziele mehr oder er gibt bereits gesetzte solche auf.

Ab da besteht die Gefahr, dass er verwahrlost, oder korrupt wird, oder durchgehend zynisch, was an sich auch eine Form der Korruption, oder zum Wurm.

Und, man sollte sich nicht täuschen: Selbst einfachst gestrickte Menschen spüren die Aura des Niedergangs, und jede Sorte Eckensteher und Gesindel erkennt seine Chance.

Erbringt er in diesem Zustande eine gut überdurchschnittliche Leistung, so wird sie als bestenfalls mäßig herabgesetzt; eine durchschnittliche wird verlacht; und eine hervorragende wird als durchschnittlich ausgerufen.

Und gelingt ihm doch einmal wieder Geniales, so wird es mit säuerlicher Miene als „ziemlich gut“ beurteilt, garniert mit einem ausgesprochenen oder unausgesprochenen „Zeit war’s aber auch, dass mal wieder etwas halbwegs Anständiges kommt“.

Und selbst ihm noch immer ehrlich Zugetane vermögen ihren zweiflig-besorgten Blick nicht zu verbergen, reden ihm mühsam ermunternd zu, er müsse halt nochmal durchhalten, irgendwann kämen bestimmt auch wieder bessere Zeiten.

Und noch diese Menschen durch sich selbst zu beschweren, das schafft ihm überdies drückende Last.

Außer tatsächlich noch einmal durchzuhalten, in den notwendigen täglichen Verrichtungen nicht noch weiter nachzulassen, bleibt nur die Hinwendung zum Schönen, zur Philosophie, eben gerade das Festhalten an höchsten Zielen: und möchten dem ein paar geringere geopfert werden.

Diese Flucht nach vorn auf Käfersfüßen ist nicht ohne Risiko; allzuleicht verdorrt er in der Wüstensonne oder wird von einem flinken Igel gefressen.

Allein: Es hilft nichts.

Denn verrät ein Geist sein Werk, so ist er schon lebendig tot.

Deshalb ist von der Reinkarnationstheorie in ihrer gängigen Form auch so wenig zu halten.

Einerseits verlagert sie nämlich die Ursachen für Unbilden in diesem Leben zuwenigst teils in vorige, andererseits bietet sie den schwächenden Trost, man könne den jetzo mangelnden Mut ja in künftigen noch erwerben und Liegengelassenes dann nachholen.

Der Glaube daran fördert eben gerade nicht die nötige Gelassenheit, die Ausdauer, die Zähigkeit, ja manchmal Verbissenheit, Wehrhaftigkeit, Selbstverachtung, welcher man auf den steilsten Geröllpfaden nicht selten bedarf, um diesseitig voranzukommen.

Dieser Glaube schafft, eben gerade indem er hunderttausendfache Chance vorgaukelt, Bedingtheit durch Niederes und Materielles.

Gelassenheit nicht als Tugend und Notwendigkeit, sondern als Droge.

Jetzt bin ich ein bisschen abgeschwiffen, aber nur scheinbar; und über meine Einschätzung ärgern kann sich ja glücklicherweise sowieso kein Reinkarnationsgläubiger, denn das verlohnte sich ja noch nicht einmal in diesem seinem Leben.

Also: Wacker voran!

Was liegt schon am Tode, jenem armen Wandergesellen, der dazu verdammt, sein Gewerk, oft als Dieb, von vorgestern bis auf ewig und ohne Urlaub verrichten zu müssen?

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6 Antworten zu “Wacker voran!”

  1. Monika Schulte sagt:

    chchchchch…..chchchch…chch…ch..ch..ch…c…h…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Monika Schulte

    Sehr philosophischer Kommentar.

    Hoffentlich wird er auch in der Schweiz richtig verstanden.

  3. Josef von Aphoris sagt:

    @ Magnus

    Schade, dass die Monika nur bis zum ….ch.. gekommen ist und nicht bis zum Ende. Leider scheint sie auch große Probleme mit dem Anfang zu haben.

    Ich möchte ihr daher empfehlen, sich mal bei Jesus Rat zu holen, denn Er ist das A und das O.

    Je nachdem wie attraktiv sie ist, kann sie au…ch….zu mir kommen.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Josef v. A.

    Ich weiß nicht, was Jesus von Kupplern hielt, lediglich, dass ich diesen Beruf in der Regel nicht ausübe.

    Vielleicht sprichst Du die Dame ja doch mal lieber direkt an.

  5. Immi sagt:

    Lieber Magnus,
    wie kunstvoll gedrechselt Deine Sprache, wie geschliffen bösartig-offen Deine Artikel, ohne Rechtschreibfehler – ziemlich zeitgeistungemäß! Vielen Dank! Der regnerische Sonntag in München und mit Frauenfußball ist gerettet.
    Reinkarnation: hat sich stets bemüht. Und dann wieder Murmeltiertag. Dann schon lieber ein kräftiges Halleluja im Himmel.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Immi

    Danke Dir herzlichst!

    (Mein Bemühen, grundsätzlich ohne Rechtschreibprogramm, orthographisch korrekt zu schreiben, ist natürlich schon “ziemlich zeitgeistungemäß”. Aber was liegt schon am diesbezüglich gerade noch vorherrschenden Zeitgeist.)

    Das eigentliche Lob erfreut mich weit darüber hinaus.

    (Den aktuellen Frauenfußballzirkus werden wir sehr wahrscheinlich auch noch überleben.)

    Beste Wünsche gen München

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