“Workshops”

Kürzlich habe ich selber einen „Workshop“ veranstaltet, ohne vorher davon zu wissen, dass es sich um eine verbal dergestalt geadelte Veranstaltung handeln werde. (Ich brachte ein paar Werkzeuge mit und zeigte ein paar Kindern, wie elementare Holzarbeiten vonstatten gehen.)

Vorhin war mein Zehnjähriger in einem weiteren „Workshop“ (oder bei, auf?), alswo Jonglierübungen und ähnliches für einen Kinderzirkus angeboten wurden.

„Teamwork“ ist inzwischen ein bisschen „out“ (weil meine Netzverbindung grade nicht steht, bin ich „off“ und nicht „on“), wohl da zu viele Aufgeweckte gemerkt haben, dass diese (dieses?) fast stets darauf hinausläuft, einen Tüchtigen zum Idioten des faulen und unfähigen Rests zu machen, der dafür dann die gute Note mitnimmt.

So heißt es jetzt wieder vermehrt „Gruppenarbeit“, was die Sache allerdings in der Regel lediglich sprachlich besser macht.

Das „Paper“ nämlich (vulgo: „Referat“) zeigt allein dadurch noch kein höheres „Level“, bringt keine bessere „Performance“, und sei es, dass es sich an der Penne die „Pole Position“ erdownloadet hat.

Weshalb auch selber noch einen Text schreiben, wenn es im Netz zu jedem Thema schon so viele gibt?

Da workshoppt man dann lieber auf Flatrate, anstatt dass man übte, teamworkt, dass die CPU glüht: versteht man die Widgets nicht, verkahlt man zwischendurch Wedges, egoshootet alles außer dem eigenen Ego, mal chillen („relaxen“ ist out), immer on (drauf), bis man völlig off vom Display ins Bett abstrackt.

Will man diesen Kinderlein (nach 2-4 Jahren Unterricht!) aber auch nur einen oder zwei vernünftige englische Sätze entpressen, mit halbwegs erträglicher Aussprache zumal, so reichte es auf Deutsch umgerechnet nicht einmal dafür, sich von Frankfurt nach Offenbach durchzufragen.

Alles wird Matsch mit Soße.

Und die Verachtung für alte Knacker wie mich könnte kaum größer sein, zumal dann, wenn man sich sagt, dass da ja immerhin nicht gar nichts gelernt werde und dessenthalben mal bezüglich einer Computerfunktion botmäßigst um Nachhilfe ersucht: „Ey Aller ey, du bist ja der totale Nullchecker ey!“ (Wobei man in dem Falle getrost vermuten darf, dass die Bedeutung von „total“ dem Gegenüber immerhin geläufig.)

Dergestalt vom jungen Sonderpädagogen gelobt, darf man sich dann unter diversen ähnlichen Tiraden und weiteren halbmilden Herabsetzungen zeigen lassen, wie man hintereinander drei Knöpfe zu drücken hat.

Ich hatte noch nie so gerne Unterricht.

Ich liebe Workshops.

Je kürzer desto.

Nachtrag

Grade sah der Knilch die Überschrift und fragte: “Was issn ‘n Workshop?”

Er wollte heute aber unbedingt hin, denn dass Wallung angesagt war, das hatte er immerhin begriffen.


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2 Antworten zu ““Workshops””

  1. Dude sagt:

    “Weshalb auch selber noch einen Text schreiben, wenn es im Netz zu jedem Thema schon so viele gibt?”

    Na weil du damit so manch einem Freude bescherst, und weil sie vor Einzigartigkeit strahlen, darum!
    Es freut mich jedenfalls ungemein den “alten Knacker” wieder “ON” zu sehen :-)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Seit ich die Bits vom Aldi nicht mehr einzeln zählen muss, bin ich sowas von On, das glaubst Du gar nicht.

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