“In America everything is great!”
Also sprach mein Englischlehrer in der zehnten Klasse (oder war es die neunte? - egal), voller Begeisterung, ein Amimaurer durch und durch.
Riesige Autos, riesige Straßen, riesige Wolkenkratzer, riesige Theater, riesige Filmstudios, riesige Wüsten, riesige Weizenfelder, riesige Bergketten und Wälder, riesige Rinderherden, riesige Kettensägen, riesige Freiheit, riesige Demokratie.
Ich weiß nicht, ob der Mann noch lebt und inzwischen mit dem Stöckchen in seine Loge wackelt oder noch rüstig genug ohne, aber seine Verzücktheit ob des “American Dream” steht mir heute noch vor Augen.
Er war - wen wundert’s - eingefleischter CDUler, uns Spätnachhippies etwas zu konservativ, aber in dieser Hinsicht, obschon er Humor hatte und gut Englisch konnte, schlichtweg ein verblendeter Idiot.
Dass jener Größenwahn, jene Hybris einst an Grenzen stoßen müsse, kam ihm nicht in den Sinn; sprachen wir ihn darauf an, wischte er das vom Tisch; der Kommunismus war das schlechthin Böse, das nur durch die großartigen USA und in treuer Bündnisschaft mit ihr zu besiegen sei.
Dass deren riesige Autos zu viel Sprit fräßen, im Grunde Schrott seien, dass die Verschwendungssucht der Amerikaner jedes Maß sprenge, focht ihn nicht an.
Er hielt die USA für die vitalste Gesellschaft des Planeten und unbesiegbar, das Vorbild für alle anderen schlechthin.
Mit mir arrangierte er sich einigermaßen, denn mein Englisch war nicht bis zur Fünf hinab zu beanstanden, und er hatte, bei allem, auch einen Sinn für Fairness.
Im Grunde war er, schon um die fünfzig, ein trauriges Beispiel dafür, was man mit einem abiturierten, studierten, vom Wesen her jovialen und keineswegs grunddummen Menschen machen kann.
Sein Unterricht war abwechslungsreich, nie langweilig, und doch erzählte er auf dieser Ebene nur unhaltbaren Schrott.
Liebe jungen Leute: Lasst Euch nie in irgendwelchen Logen einseifen so wie der!
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Hallo Magnus,
was haben denn große Autos mit dem American Dream zu tun? Die großen Autos gibt es, weil das Land groß ist, es über eigene Ölresoucen verfügte und niemand so wirklich gezwungen wurde, ein paar Nummern kleiner zu fahren. Mal abgesehen davon, dass die Amerikaner den Katalysator wesentlich früher hatten, als die Europäer.
Wenn man mit preußisch-deutschem Blick den American Dream versucht zu verstehen, dann ist das von vorneherein zum Scheitern verurteilt, denn eigentlich ist er etwas großartiges und der Motor für eine kreative Gesellschaft. Vorausgesetzt, er wird so gelebt, wie es denn gedacht war.
Der American Dream, wie er eigentlich zu sehen war, hatte seinen Ursprung bei Menschen wie Thomas Jefferson und fing bei “we the people” an. Jedem sollte das Recht auf größtmögliche Entfaltung zustehen. Niemand sollte einem anderen im Wege stehen. So heißt es dann schon in der Präambel:
“…und das Glück der Freiheit uns selbst und unseren Nachkommen zu bewahren…”
Dazu gehört auch der Respekt vor der Freiheit des anderen und nicht nur vor seiner Freiheit, sondern auch vor seinen Entscheidungen, seinem Plan, seinen eigenen Weg zu gehen.
Das, was unlängst passierte, hat mit dem American Dream gar nichts zu tun. Die Autos nicht, die Finanzkrake nicht, die Ausbeutung der Natur nicht. Es zeugt nur von der Unfähigkeit der aktuellen Politiker, trotz Universitätsausbildung, die Wahrheit ihrer Urväter lesen zu können.
So sagte Jefferson z.B. zum Thema “Private Banks”:
“If the American people ever allow private banks to control the issue of their currency, first by inflation, then by deflation, the banks and corporations that will grow up around them will deprive the people of all property until their children wake up homeless on the continent their Fathers conquered.”
“I believe that banking institutions are more dangerous to our liberties than standing armies…”
“The issuing power should be taken from the banks and restored to the people, to whom it properly belongs.”
Man sieht also, dass die aktuelle Politklasse Lichtjahre von dem entfernt ist, was eigentlich die Amerikanische Gesellschaft bzw. den American Dream ausmachen sollte.
Vergleichend würde ich den Deutschen einen Hauch vom American Dream wünschen, der ihnen erlauben würde, aus ihrer immer noch preußischen Zwangsjacke zu entfliehen und tatsächliche freie Entfaltung nicht nur zu üben, sondern zu leben. Statt dessen erleben wir genau das Gegenteil. Immer mehr Menschen am Tropf, immer mehr Unfreiheit und in den Schulen die Abschaffung des freien Denkens - so es denn jemals wirklich gelehrt wurde. Statt dessen setzen wir jetzt bereits die allerkleinsten auf eine Schiene, von der wir alle wissen, dass sie nicht funktioniert. Aber wir setzen gleichzeitig in unsere Kinder, dass ihre Schiene lebenslang zu funktionieren hat. Wir produzieren Versagensängste, Zukunftsängste, Unsicherheiten, burnouts, weil zwischen dem, was gelehrt wird und dem was Realität ist, Welten klaffen und klaffen werden.
Da ziehe ich einen American Dream vor, der Umwege zulässt, der den Respekt vor meinem Lebensweg erlaubt, in dem ich heute etwas anderes machen kann und darf als morgen und niemand würde sich daran stören.
Freiheit ist ein hohes Gut und man muss lernen, damit umzugehen. Sehe ich auf Deutschland, so sehe ich bei den meisten eine unglaubliche Angst vor der Freiheit und statt dessen: Staat hilf, Staat mach, Staat hinten und Staat vorne. Niemand lernt, sich auf sich selber verlassen zu können.
Das soll besser sein?
grübelnd
das Lesezeichen
@ Lesezeichen
Deine Einwände sind zweifellos berechtigt, und die Zitate von Jefferson gehören in Gold gerahmt oder, wo das nicht da ist oder geklaut würde, eben in Messing.
Allerdings hatten wir zur Zeit Jeffersons die Preußen Wilhelm und Alexander von Humboldt sowie Heinrich von Kleist und den Schwaben Friedrich Schiller - ja, auch Goethe, der allerdings nicht viel von der Freiheit hielt (außer für sich natürlich).
Von denen rennen heute ebenfalls in etwa so wenige in Deutschland herum wie im ehemaligen Amerika Jeffersons.
Wir sind hüben wie drüben heute alle Bankensklaven, es ist genau das eingetreten, vor dem Jefferson warnte.
Und das war spätestens passiert, als die FED etwa um dieselbe Zeit privatisiert wurde da bei uns der Kaiser abdanken musste und die Bolschewisten in Russland das Wüten anfingen.
Also circa 60 Jahre bevor die USA endlich den Vietnamkrieg verloren hatten und mein Lehrer immer noch dafür schwärmte, wie genial dort alles sei.
Ich war selber als Halbwüchsiger in den Siebzigern länger drüben, als junger Mann Anfang der Achtziger nochmal, und in der Tat war das Riesenland trotz der schon damals vielen Obdachlosen usw. scheinbar noch sehr frei.
Man überfiel zwar regelmäßig Bananenländer, aber in den USA selber hatte man noch seine relative Ruhe. (Taser waren noch nicht üblich)
Mit der Abschaffung des Glass-Steagall-Acts unter Clinton aber und schließlich mit 9/11 und dem wundersam binnen kürzester Zeit verabschiedeten Patriot Act ist der Zacken dort drüben endgültig ab.
Man kann ohne Habeas Corpus verhaftet werden und als “Terrorverdächtiger” beliebig lange im Bau verschimmeln, die FEMA-Camps sind errichtet, man führt Kriege auf der halben Welt, während zuhause die Infrastruktur verrottet und die Industrie bis auf Hollywood und ein paar Soft- und Hardwaregiganten auf Drittweltniveau abgerutscht ist, wofern sie überhaupt noch etwas produziert.
Die Kriege finanziert man mit geliehenem Geld bzw. Fiat Money, man ist im Grunde am Ende.
Also nicht mehr viel übrig vom “American Dream”.
Ich setzte da nicht einmal mehr einen Fuß hin, wenn ich auf einem Weißen Ross rüberfliegen könnte und man mir dafür noch eine Million Dolllar Zehrgeld mitgäbe.