Feenglück

Heute küsste mich eine Fee, die garantiert nicht Gender war.

Jedenfalls sagte sie das.

Und ich glaubte ihr gerne, da ich so etwas kaum noch für möglich hielt.

Ich hatte mir nämlich jede heutige Fee als eine Art Hippogreif aus Harry Potter vorgestellt, als US-Soldatin mit Größe 46, oder als xanthippöse Demonstrantin gegen halbnackte Bademeister.

So kam sie einfach in mein Studierzimmer geschwoben, achtete der Unordnung nicht, noch des frischen Knoblauchgeruchs, noch meiner Weinflaschenbarrikaden, noch dass sie meine Knaben schmähte, noch zuerst einen neuen Umhang verlangete.

Zum Glück hatte ich noch einen tüchtigen Schluck trinkbaren Weißburgunders im Hause, denn sonst wäre es mir womöglich nicht so wohl ergangen.

Die Fee erklärte mir, dass Wasserwesen schwerlich auch noch von Wasser allein leben könnten, alswelches mir sofort einleuchtete.

Sie verwies dabei auch auf die Lehren Hildegard von Bingens, indem ich ihr eifrig nachgoss.

Ich frug sie denn, ob sie denn dauerhaft in meine Dimension hinabsteigen wolle, denn ihr Kuss brannte auf meiner Backe gar gewaltig.

Woraufhin sie mir mit einem unbeschreiblich ätherischen Lächeln erklärte, dass sie zu Dichtern stets nur einmal kommen könne, und sowieso nur zu diesen, und auch nur dann eine Weile bleiben, wenn sie hinreichend Weißburgunder vorhielten.

So hatten wir noch glücklich Gelegenheit, von Dingen zu reden, die nur uns Zweie angehen.

Am Schlusse meinte sie gar noch, dass sie in ganz besonderen Fällen öfter kommen dürfe.

Glückes mehr ward nie erdacht.

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