Christentum: Lizenz zum Denken nicht erteilt

“Der Bruder von Siegfried Kauder, Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU), verteidigte derweil Merkels Äußerungen. „Als Christ gibt es für mich das Böse in der Welt. Osama war böse. Und man darf sich als Christ freuen, wenn es weniger Böses auf der Welt gibt“, sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ laut Vorabbericht.”

(Bemerkenswert, dass nicht nur der Regierungssprecher Seibert, sondern auch Kauder mit bin Laden per Du waren.)

Das erfuhr ich eben hier im Zusammenhang mit einer Strafanzeige gegen die Bundeskanzlerin ob ihrer Äußerungen zur (vorgeblichen) Hinrichtung bin Ladens durch das US-Militär (mit Kollateraltoten).

Normalerweise ist es ja nicht meine Sache, mich in Christenhändel einzumischen.

Ich finde die Äußerung Herrn Kauders aber so apart, dass ich es in diesem Falle nicht lassen mag.

Denn er steht damit beispielhaft für die Neue Christliche Nächstenliebe und Weltordnung: jene der Zivilistenschlächterdrohnen und Mordkommandos.

Damit tut er seinem Glauben einen echten Gefallen, indem er ihn wieder auf sein alttestamentarisches Fundament zurückstellt: Alles Widrige, hiemit Böse, ist lustig wegzumorden, und wehe dem, der sich in die Nähe des Bösen gesellt. Ob Ochs ob Esel, ob Frau ob Kind.

Eine Lizenz zum Denken wird folgerichtig nicht erteilt.

Solches stünde einer anständigen abrahamitischen Religion ja auch schlecht zu Gesichte.

Schließlich will man gegenüber seinen moslemischen und jüdischen Heilskollegen nicht vollends aus der Art schlagen.

Nachtrag (13.09h)

Eben hat mich ein Ruf ereilt, an der Uni Eichstätt als Professor h.c. zu lehren. Der Dekan meinte am Telefon, unbelastete gesetzte Nachwuchskräfte wie ich seien das Gebot der Stunde für eine moderne theologische Fakultät.

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3 Antworten zu “Christentum: Lizenz zum Denken nicht erteilt”

  1. Lesezeichen sagt:

    Einspruch Euer Ehren ;)

    “Denn er steht damit beispielhaft für die Neue Christliche Nächstenliebe und Weltordnung: jene der Zivilistenschlächterdrohnen und Mordkommandos.”

    Dem möchte ich deutlich widersprechen.

    Das sind keine Christen. Jeder, der sich nur ansatzweise mit dem christlichen Glauben auseinandersetzt, weiß das. Jesus plädierte für eine absolut gewaltfreie, fast schon an Selbstaufgabe grenzende Haltung. Eigentlich plädierte er sogar nicht, er verlangte sie. Auge um Auge hat bei ihm keinen Platz:

    So lautet es in der Bergpredigt:

    “5 Selig, die keine Gewalt anwenden; / denn sie werden das Land erben.”

    In den 10 Geboten:

    Du sollst nicht töten – 5. Gebot

    Du sollst den Namen deines Herrn nicht missbrauchen – 2. Gebot

    Bedeutet, dass mindestens 2 Gebote des christlichen Glaubens hier gebrochen werden.

    Im weiteren wird auch das 10. Gebot gebrochen, dass da lautet, dass man seines Nächsten Hab und Gut nicht begehren soll. Bedenkt man, dass der Einfall in Irak und Afghanistan aufgrund der Bodenschätze erfolgte, so wurde auch dies Gebot deutlich gebrochen.

    Das sind keine Christen. Jesus wollte etwas völlig anderes.

    Ich zitiere sonst nie aus der Bibel und halte mich möglichst aus unerquicklichen Glaubensdiskussionen heraus, aber hier muss das mal erwähnt werden. Ich bin auch ansonsten kein Freund des Papstes, aber hier muss ich ihm Recht geben, wenn er sagt, dass der Tod eines Menschen für einen Christen niemals Grund zur Freude sein kann.

    Es grüßt

    das Lesezeichen

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Einspruch angenommen und geweiht.

    Ich weiß, dass es viele Ihrer Art gibt.

    Genau deren Pflicht ist es, jetzt klar widersprechend Zeugnis abzulegen.

    Was Sie hiermit löblicherweise wiederum getan haben.

    Ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich in diesem Zusammenhang momentan nicht mit der verbalen Nagelfeile antrete.

    Hier bedarf es meines Erachtens jetzt der semantischen und syntaktischen Streitaxt.

    Beste Wünsche!

  3. bl sagt:

    “Jesus plädierte für eine absolut gewaltfreie, fast schon an Selbstaufgabe grenzende Haltung.”

    Keineswegs. Jesus hat die notwendigen “mentalen Werkzeuge” aufgezeigt, mit denen man vollkommen “gewaltfrei” das “Land erben kann”. Aber die “Christen” haben ja noch nie die Worte ihres Gottes verstanden…

    Diese alttestamentarische Haltung der “Christen”* erstaunt mich gar nicht. Besonders in den USA sind die protestanischen Sekten in der Mehrheit fundamentalistische AT Anhänger. Leider gibt es die auch bei den Katholiken, von denen man annehmen könnte, sie hätten in der Vergangenheit genug gewütet.

    Kein Wunder, dass seit geraumer Zeit von der jüdisch-christlichen Leitkultur geredet wird.

    *Christ kann sich eigentlich nur jemand nennen, der das Erlösungsprinzip verstanden hat…

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