Kurznachlese zum 3. Stuttgarter zeitgeist-Regionaltreff

Auf dem von mir moderierten Regionaltreff am vergangenen Freitag wurden dem hier bewanderten Leser bekannte Themen diskutiert, nachdem ein alter Herr, beklagend, dass man im Stuttgarter Treffpunkt Philosophie inzwischen wohl nur noch Esoterisches diskutiere – er monierte, seinen Plato in der Bücherauslage zwischen Altindischem und dem Dalai Lama und anderem nicht mehr wiedergefunden zu haben -, sich selber exkulpiert hatte: wozu ich ihm lediglich erklärte, ich sähe wohl kaum aus wie der Dalai Lama, führe ein ganz anderes Leben als jener und sei auch wohl in meinem Denken nicht in jenes Nähe anzusiedeln.

Gut, glückauf! – der Störer hatte seinen kurzen Auftritt, und es ging in überschaubarem Kreise zur Sache.

Besonders erfreulich dabei, dass meine Vorstellungen, es könne sich eine neue Netzkunst entwickeln, auf wohlwollendes Interesse stießen.

Auch entwickelte sich der Gedanke, Google in Form von nationalen Digitalisierungsprojekten der Menschheitsliteratur, mit angeschlossener Lagerung der physischen Originalwerke (vulgo: Bücher) zu kontern; letzteres auch und gerade, um digitale ex-post-Fälschungen zu verhindern.

Ein ganzes Stück weit kamen wir zum Schluss noch dahingehend, wie ein alternatives Netzbezahlportal aufgebaut werden könne: Ein reger Teilnehmer meinte, man solle einfach in allem das Gegenteil machen, wie auf web.de.

Also keine Promis, keine angeilenden Weiber, kein Klatsch und Tratsch, kein Lifestyle-Scheiß, und, auf Nachfrage meinerseits hin, auch keinen Sport.

Im Groben also: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kunst & Kultur. (Hallo Tanja Krienen: Die Beschränkung auf fünf Kategorien, die Du schon ins Spiel brachtest und wir im Zusammenhang mit einem Klarnamenforum schon verschiedentlich diskutierten, erfuhr klare Unterstützung.)

Im Ganzen kann ich natürlich als Ausrichtender nicht sagen, es sei eine gelungene Veranstaltung gewesen, denn das stünde mir nicht zu; ich darf lediglich behaupten, dass eine ganze Menge Dinge in mancher Ausdifferenziertheit auf den Prüfstand kamen – was mir erst am späteren Abend reflektierend in Umfässlichkeit klar wurde – und die knapp zwei Stunden zumindest für mich vergingen wie im Fluge.

Als persönliche Abrundung empfand ich noch ein gut halbstündiges Nachgespräch mit zwei Teilnehmern, das sich um Steinheilkunde, Psychologie und Menschentypen drehte.

Hierin erfuhr ich in einem unmittelbar offenen, herzlichen Gespräch noch einiges anregende Neue.

Die Unmittelbarkeit der persönlichen Begegnung ist durch nichts zu ersetzen.

Noch nicht einmal, und gerade erst recht nicht, wenn man über menschliche Vernetzung diskutiert.

Ich werde daher bald ein weiteres Stuttgarter zeitgeist-Regionaltreff einberufen.

— Anzeigen —

Diesen Beitrag mit Anderen teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • Technorati
  • MySpace
  • LinkedIn
  • Webnews
  • Wikio DE

Tags:

4 Antworten zu “Kurznachlese zum 3. Stuttgarter zeitgeist-Regionaltreff”

  1. TanjaKrienen sagt:

    Schön zu hören! Fünf Finger hat die Faust! Fünf ist mehr als vier, aber weniger als sechs!

    Zu den Grundlagen des Islam gehören die Fünf Säulen. Muslime verrichten fünfmal am Tag das Gebet.

    Im Christentum sind die Fünf Wundmale Christi Gegenstand der Andacht und Verehrung.

    Nach taoistischer Tradition gibt es die fünf Elemente Wasser, Feuer, Erde, Holz und Metall. In der westlichen Tradition gibt es nur vier Elemente; die Pythagoräer nahmen jedoch den Äther als fünftes Element an, daher der Ausdruck Quintessenz.

    Die Fünf ist in vielen östlichen und westlichen Kulturen die Zahl der Liebe als unteilbare Summe der männlichen Zahl drei und der weiblichen Zahl zwei. Sie galt als die Zahl der Liebesgöttin Venus.

    In der chinesischen Zahlensymbolik hat die Fünf eine besondere Bedeutung. Da die Vier in chinesischer Tradition als schlechte Zahl gilt, gibt es außer den vier Himmelsrichtungen Norden, Süden, Osten und Westen noch eine fünfte, senkrecht nach oben.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ TanjaKrienen

    Beim Drudenfuß!

    Ich wusste noch gar nicht Deines tiefen numerologischen Einweihungsgrades.

    Gülden geschnitten.

  3. Lesezeichen sagt:

    Ich denke, das Internet wird sich genau so entwickeln, wie der Rest der Menschheit auch.

    Da wird es die Kultursuchenden und -findenden geben, Oberschicht, Mittelschicht und Unterschicht – sowie die No-Go-Areas.

    Man kennt ja schon die Denunzianten-Kultur alla Rottenneighbors etc. Kürzlich wurde eine Denunzianten-Plattform für Jugendliche in Deutschland gesperrt, so weit ich weiß.

    Und nun taucht so eine Art Slap-the-Splapper-Plattform auf, die Trolle zitieren und benutzen wird, um damit Werbung bzw. Werber anzulocken, um “aus Scheiße Geld zu machen”, so Kopp-Online.

    http://hatr.org/about#was-ist-hatr

    Das ist das Schätzchen, herausgegeben vom ABC Bildungs- und Tagungszentrum, entstanden aus einem “Gender-Projekt 2010″, einem BarCamp rund um Feminismus, Queer, Gender und Netzkultur.

    http://www.abc-huell.de/abc/

    Nachdem nun die Ecke klar ist, woher das Entstanden ist, stellt sich die Frage danach, WAS ein Troll ist und welchen Kriterien er oder sie unterliegt.

    Wenn ich nämlich solche Kommentare lese:

    http://hatr.org/hate/8devs4iemnsof2cpo85z

    dann kommt mir wieder eine große Skepsis gegenüber dem Klarnamenforum bzw. das Klarnamenforum sollte eine gesperrte Zone sein. Der Verfasser Andreas Bühler hat offensichtlich (s)einen Klarnamen verwendet, seine Ansichten sind nach meiner Beobachtung und Erfahrung durchaus fundiert, er greift niemanden an – er hat halt nur eine nicht genehme Meinung und schwupps gilt er als Troll für den mittelalterlichen Pranger.

    Kampf der Meinungsfreiheit.

    Ich denke, die primäre Frage der Zukunft sollte sein, wie man das Denunziantentum erfolgreich bekämpft, um dann dem Internet zu helfen, erwachsen zu werden.

    es grüßt

    das Lesezeichen

  4. Föhnix sagt:

    Ich teile die Einschätzung, @Lesezeichen.

    Auf diese feministische Hassplattform bin ich auch schon gestoßen, bzw. eigentlich auf Kommentare über dieselbe. (z.B. http://is.gd/ZhFE7G http://is.gd/eN121R )

    Ich denke, es wird nicht leicht sein, das Denunziantentum zu bekämpfen, besonders wenn es profitabel ist und noch dazu so “politisch korrekt” daher kommt, wie “hatr”. Außerdem möchte man ja nicht wegen solcher schräger Vögel die Meinungsfreiheit einschränken.

    Hier greift eben auch der Vergleich mit der “normalen Welt”. Wie heißt es so schön im Evergreen:

    Oh mother tell your children
    Not to do what I have done
    Spend your lives in sin and misery
    In the House of the Rising Sun

    Das drückt im Endeffekt genau das aus, was man – übertragen auf die digital vernetzte Welt – mit Medienerziehung meint.

    Was ich schon in einem früheren Kommentar wortreich http://is.gd/M9CHPQ auszudrücken versuchte, ist letztlich ganz einfach: alle Welt will der Technik (“das böse Internet”) die diversen Probleme in die Schuhe schieben, aber die kann nichts dafür.

    Hassäußerungen, Denunziation und Lügen kommen zu 0% vom Internet und zu 100% von Menschen. Überwachungs- und Zensurmaßnahmen treffen zu 0% das Internet und zu 100% die Menschen, etc.

    Es wird aber immer so getan, als sei das Internet die Ursache. Das ist genauso unwahr, wie die Annahme, der Buchdruck sei für Goethes literarisches Schaffen die Ursache!

    Versteht Ihr? Die meisten haben den nötigen Evolutionsschritt noch nicht gemacht und sehen bei den Leiden des jungen Werthers noch mehr das physische Buch, als die Literatur.

    Erst wenn die Technik und deren Nutzung ganz in Fleisch und Blut übergegangen ist, wird das Internet wirklich als Kulturtechnik im kollektiven Bewusstsein angekommen sein.

    Magnus schrieb dazu “Ich muss sozusagen nicht Kfz-Meister sein, um Auto zu fahren”. Richtig, man muss auch kein Buchdrucker sein, um Literatur zu verstehen – das hat auch überhaupt nichts miteinander zu tun, hier liegt ein Kategorienfehler vor. Man muss die Technik nicht produzieren, sondern nur nutzen lernen. Aber man muss sie sozusagen transzendieren, um auf eine neue Ebene der selbstverständlichen, ja geradezu automatischen Nutzung zu kommen. Dann passiert das, was man vom Radfahren lernen kennt: man kann plötzlich die Aufmerksamkeit für die Technik auf nahezu 0% reduzieren und sich zu 100% der Anwendung zuwenden, den wirklich interessanten Dingen, der Frage wo man hinfahren möchte. Und ab dem Moment unterscheidet sich die Nutzung des Fahrrads kaum mehr von der Nutzung des Zufußgehens.

Eine Antwort hinterlassen