Blogger Dir Einen

Es muss über dreißig Jahre hersein, zu jenen politisch inkorrekten Zeiten verbrochen, aber ich erinnere mich genau, wie in einer Eis-am-Stiel-TV-Werbung eine europide Maid an einem schwarz bezuckergussten Stabe lutschte, unter dem Motto: “Nogger dir einen!”

Da ich lediglich historisch korrekt zitiere, darf das hier wohl gesagt sein.

Inzwischen, da man kulturell etwas weiter ist, wird sich einer gebloggert.

Dies gelingt am besten (drei illustre Beispiele fielen mir sofort ein, aber ich schwärze hier keinen an), wenn man immer an die leicht variante Redundanzsucht des tendenziösen Lesers denkt, und nie, wie hier, auch an den seinerseits anspruchsvollen Schreiber.

Dann nämlich, am besten etwas schlampig gemacht, damit sich der Leser im Autor textkundigerweis wiedererkennt, hagelt es Zugriffe und begeisterte Kommentare ohne Ende.

So macht man denn selbst als kleiner Mann SPON und faz.net Alternative Schafsmedienkonkurrenz.

Am strengsten ist dabei darauf zu achten, dass man nie Christen, Vegetarier, Weiber und andere Gutgläubige übers Maß in Zweifel zieht; nicht einmal dann, wenn man einen erfolgreichen jüdisch oder moslemisch gefärbten Blog betreiben will: Da gelten selbst für jene die wesentlichen Toleranzgesetze.

Also: immer meckern, immer auf mediokrem Niveau, immer an die dummen Leser denken.

Wie die Profis, ganz einfach.

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12 Antworten zu “Blogger Dir Einen”

  1. Föhnix sagt:

    Wurde letzthin von einem Speisefisch missbraucht. Unglaublich, was sich Lebensmittel heutzutage herausnehmen. Man darf ja eigentlich nichts sagen, das wäre ökologisch nicht korrekt, erst recht wenn man noch so ein barbarischer Fischmörder ist. Jetzt trage ich seine Kalorien mit mir herum und sein Karma obendrein. Er ist jetzt fein raus und ich trage vielleicht mein Leben lang daran. Ist das vielleicht gerecht?

    Ich sinnierte schon einige Zeit, ob ich nicht an die Öffentlichkeit gehen solle. Hier sehe ich die passende Gelegenheit für ein Outing. Du bekommst ein paar zusätzliche Schafsleser und ich kann mich endlich offenbaren – eine Win-win-Situation, wenn man einmal von den Speisefischen absieht.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Föhnix

    Ja, wir teilen schon merkwürdige Schicksäler.

    Ich habe aber den Eindruck, dass Du mich ein wenig betriegst, lieber Grillvogel.

    Willst mir Schafslesertran als Butter bei die Fische tun?

    Du bist wahrscheinlich wirklich ein Kamelhöckerfettsieder.

    Allerdings macht mich das mit dem Karma doch ein wenig stutzig.

    Welcher Outer geht schon so weit zuzugeben, dass er ein ermordetes Gammelfischsyndrom in seine nächsten Inkarnationen hinüberschmecken wird?

    Verzeih, mein Sohn, mag sein, ich habe Deiner Lauterkeit halber sündige Rede geführt.

  3. Föhnix sagt:

    Tatsächlich! Ich habe mich inzwischen informiert und erstaunt festgestellt, dass Kamelhöcker tatsächlich Fettspeicher sind. Wieder was gelernt. Allerdings finde ich den Gedanken, dieses Fett mittels thermischer Behandlung zu extrahieren reichlich unbehaglich, um nicht zu sagen ekelerregend. Würde ich tatsächlich plötzlich dieser Profession (falls es diese überhaupt geben sollte) nachgehen, müsste ich sofort einen Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente einreichen.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Föhnix

    Jaja, das sind sie die Deutschen von heute.

    Wenn ihnen der Lama ranzige Yakbutter in den Tee schmiert, fühlen sie sich wie wiedergeboren, aber vom Kamelabdecken will man nichts wissen.

    Und zuhause nur noch Milchlämmer mit Salbei in ligurischem Olivenöl geschmort, konsequent kalal (kamelfrei).

    Früher war man froh, wenn es in Deinem Alter noch Erbsrübenbrei aus dem an den Ofen gestellten Knobelbecher gab.

    2500 Jahre Dekadenz und immer noch kein Ende in Sicht.

  5. Föhnix sagt:

    Schade, dass man das heute nicht mehr sagen kann – das war auch so ein vortreffliche Kommunikationskiller, ich kann mich aber noch gut an diesen Klassiker erinnern…

    Geh’ doch rüber!

    ;-)

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Föhnix

    Ja, wer das noch kennt, verstünde heute wohl ans andere Ufer.

    Was auch diskriminös aufgefasst werden könnte.

    Schon wenn meinem Großpapa meine losen Reden missfielen, raunte er, ich würde einmal Linksanwalt.

    Womit er wohl Rechtsverdreher meinte.

    So langsam wissen wir, weshalb Worte auf die Goldwaage gelegt gehören.

    Es gibt jetzt schon Wörter, die mehr als 24 000 Unzen Gold gekostet haben.

  7. Föhnix sagt:

    @ Magnus Wolf Göller

    Apropos “Worte auf die Goldwaage”, gerade eben lief mir schon wieder eine Frau über den Weg, die sich mutig als Gegnerin der “sogenannten schriftlichen Emanzipation” outet: die Bürgerrechtlerin Bettina Hammer, geb. Winsemann, alias Twister (der wir übrigens die erfolgreiche Verfassungsklage gegen Onlinedurchsuchungen zu verdanken haben). http://www.heise.de/tp/blogs/5/149718

    Kommt da wirklich ein Sprach-Reinigungsprozess in Gang? Ich kann es nur hoffen!

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Föhnix

    Nun, der Gender-Speak, der Schändersprech, ist schon nicht mehr ganz en vogue.

  9. Lesezeichen sagt:

    Eine Trendwende ist in Sicht.

    Wie immer ist es ein Tatort, der anfängt, die Denkrichtung zu verschieben.

    So wird im aktuellen Tatort – der ja praktischerweise online zu sehen ist – tatsächlich erwähnt, dass auch Männer Opfer von häuslicher Gewalt sind. Hier war es eine Boxerin, die in den Verdacht geriet, ihren Mann verprügelt zu haben. Der Tote wies entsprechende Merkmale, Hämatome etc. auf.

    Tatsächlich nannte der zuständige Gerichtsmediziner auch sofort die Zahlen der aktuellen Statistik, nach der häusliche Gewalt eben sehr wohl sehr stark von Frauen ausgeht.

    Sieh an, sieh an. Nachdem nun kein Tatort mehr ohne Message geht, mindestens pro Sendung mindestens ein Quotenschwuler oder eine Quotenlesbe auftaucht, Frauen die Führungspositionen innehaben, Männer nicht selten den Blödmann spielen müssen, kommt die weibliche Gewalt zutage.

    Ist doch mal interessant, oder. Der gute alte Tatort als subtiler Dauermessenger, quasi die wöchentliche Meinungsinfusion für’s Fußvolk

    Isses nich schön :D

    amüsiert ;)

    das Lesezeichen

  10. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Ja, der Tatort ist der Volkspädagogische Krimi par excellence.

    Ich liebe allerdings die aus Münster, mit dem durchgeknallten Gerichtsmediziner, dem lakonischen, kleinen, dicken, agilen Kommissar, der Reibeisenstaatsanwältin, Zwerg Alberich und dem kiffenden Opa.

    Davon gibt es sogar Folgen ohne Quotenschwule und Quotenlesben.

  11. Lesezeichen sagt:

    Stimmt, die Münsteraner sind klasse.

    Ich mag aber auch die Kölner, die Berliner und den Cenk Batu.

    Das mit den Quotenschwulen und -lesben war früher auch nicht so. (Wie das klingt :D )

    Das kommt erst in letzter Zeit verstärkter, selbst in jeder kleinsten Hinterwaldkomödie.

  12. Lesezeichen sagt:

    Unfassbare Neuigkeiten am Horizont

    :D

    Die feministische Brötchentüte:

    http://geschlechterdemokratie.files.wordpress.com/2011/04/brc3b6tchentc3bcte-in-gs.pdf

    und dazu auch gleich die schwesterliche Antwort aus der FeministInnenbäckerei:

    http://isis-welt.blog.de/2011/04/24/moni-broetchentuete-11051305/

    Der uralte Begriff “In den Krümeln suchen” kommt doch hier zu ganz neuem Glanz :D

    amüsiert ;)

    das Lesezeichen

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