Libyen: Krieg nach Drehbuch?

Zuerst Subversion mithilfe ausländischer Geheimdienste, dann inländischer Aufstand, dann ausländische Bomben, dann ausländische Militärberater, dann noch mehr ausländische Bomben und Sieg oder dann doch ausländische…

Bodentruppen.

Bisher läuft im Libyenkrieg alles nach dem bekannten Drehbuch ab.

Am Schluss kann man dann gar nichts dafür, dass man doch Bodentruppen schicken muss, was man ja von Anfang an so kategorisch ausschloss, dass man es endlich nur gegen seinen eigenen Willen zu tun gezwungen sein kann.

Honi soit qui mal y pense!

Wobei es in diesem Falle aber sogar wahrscheinlich ist, dass eigene Bodentruppen tatsächlich nicht auf der ursprünglichen Agenda standen, man meinte, Libyen mit der linken Rückhand kippen zu können.

Der Einsatz von Bodentruppen wird in den Heimatländern und anderwo jetzt sehr schwer zu verkaufen sein, und man hat auch schlicht und einfach schon Personalmangel im Bereich Kampfbrigaden und Infanterie.

So dumm hat man schon seit Jahren keinen Krieg angefangen.

Denn dass ein Sturz Gaddafis die westlibysche Bevölkerung automatisch amerikafreundlich mache, wäre weit her geholt; fast ebenso weit hergeholt, die ostlibysche sei es tatsächlich.

Und dass der Mythos, in der Wüste lasse es sich waffentechnisch überlegen leicht kriegen, längst ein überholter ist, weiß man im Pentagon so gut wie in Langley.

Hunderte Kilometer Nachschubwege durch die Sandwüste, überall, wo es keinen Hafen gibt, das macht gegen entschlossene Einheimische schnell keinen Spaß mehr.

In den Städten wiederum hat man mit Sprengfallen und Hinterhalten der urbanen Art, Eselskarren und Selbstmordattentätern zu rechnen, auf den Stützpunkten mit Raketenangriffen und Überfällen aus der Wüste.

Bedenkt man dann noch, dass die Aussage eines US-Kommandeurs, Gaddafis Truppen verfügten noch über zahlreiche tragbare Luftabwehrlenkwaffen (Gaddafi müsste auch saublöde gewesen sein, wenn er die nicht besorgt hätte), durchaus den Tatsachen entsprechen könnte, so ist auch der Zaubertrick schwere Kampfhubschrauber schnell ein Apache, der im libyschen Sand etwas kontinental verirrt zu liegen gekommen.

Und wer sagt denn, dass die Ausbildung in Gaddafis Armee, eben gerade auf solche Fälle bezogen, schlecht war?

Einen ernsthaften Übergriff Ägyptens, Algeriens, des Tschad oder sonst eines Nachbarn stand wohl weniger im Trainings- und Befürchtungskalender, den der Mann, der schon mit Ende zwanzig als Oberst putschte, seiner Truppe vorgab.

Mal gesetzt den Fall, es hätten dort aufmerksame Libyer als Ausbilder gedient, sie hätten sämtliche Erkenntnisse aus dem NATO-Jugoslawienkrieg, dem Afghanistankrieg, dem Irakkrieg, dem Libanonkrieg usw. in ihre Programme bestmöglich eingearbeitet, Spezialsprengfallenbau mit einfachsten Mitteln, Einsatz von vergrabenem Material, schnell zusammengesetzt, Ort nur dem jeweiligen Unterkommandeur bekannt; schnelles Zerfallen in mobile, autarke Kleineinheiten, die keinen externen Funkverkehr brauchen; Einsatz tragbarer Flugabwehrvorrichtungen; einmannhändische Erledigung eines Tanklastzuges mittels ordinärer Panzerfaust; Sabotageakte; Einsatz panzerbrechender Hohlladungen, aus einem Wasserrohr und einer aufgesägten Artilleriegranate sowie etwas Kupfer im Hinterhof vom Schmied gefertigt; den infanteristischen Kampf auf 300-400 Metern Entfernung, überlegene AK-47 gegen wenig durchschlagskräftige westliche Hochgeschwindigkeitsgeschossgewehre; Scharfschützen auf Kopfschuss mit ebenjenen leisen, auf bis zu einem Kilometer treffenden modernen Gewehren; Offenlegung aller Schwachstellen des mit 40-45 Kilo behängten westlichen Patrouillesoldaten in libyscher Sonne; die Kunst vernetzter Depots; alltagschiffrierte Signalübertragung per Handy; Einsatz von Frauen als Späherinnen; Aufbau von Eigenlogistik über zugeteilte Dollar- und Goldbestände; u.v.m…

Das ergäbe wahrlich kein Honigschlecken.

Nachtrag

Diese ausgezeichnete Analyse fiel mir dazu noch auf:

http://www.activistpost.com/2011/04/libyan-rebels-fighting-globalists-war.html

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3 Antworten zu “Libyen: Krieg nach Drehbuch?”

  1. Tester sagt:

    Und noch etwas: die nahezu bedingungslose Unterstützung der gesamten Bevölkerung, die bestens weiß was da gespielt wird und ihre Heimat verteidigt.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tester

    Diese entscheidet.

  3. Föhnix sagt:

    Schlachtbankberater…

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