Kriegsrat unter Kompetenten

C: Wir müssen mehr bomben. Die anderen müssen mitbomben.

S: Genau. Die lassen uns glatt alleine bomben. Die Spanier, die Italiener und – mein Gott ich könnte glatt in den gebackenen Kalbskopf kübeln – diese verdammten Deutschen bomben nicht mit. Und du, lieber O, könntest auch etwas mehr bomben.

O: Ich bombe immer noch zu einem Drittel mit, lieber S, im übrigen war das von Anfang an deine Show und auch die von C.

C: Es ist ja nicht so, dass uns schon die Bomben ausgingen, aber du weißt, wie verdammt teuer die Präzisionsbomben sind, und dass man da gerne noch ein paar in der Hinterhand hat. Aber das ist nicht der Punkt. Nicht nur, dass wir – seien wir mal ehrlich – bisher militärisch nicht viel erreicht haben. Schlimmer noch ist, dass wir drei jetzt fast alleine bomben müssen. Ohne die Spanier, Italiener, Türken, Polen und die verdammten Krauts können wir die Sache nicht lange als NATO-Operation verkaufen. Meine Doktoren haben mich schon eindringlich gewarnt.

S: Excuse-moi, mon ami, welche Doktoren?

C: Na die für gesunden Spin, was denkst du denn.

O: Meine Doktoren sind auch schon schwer am Schimpfen. Es sei so unglaublich schwer, unsere reinen Herzen zu präsentieren, wenn nicht einmal unsere Freunde mitbomben. Sie malen schon das Horrorszenario an die Wand, bald könne das Unwort vom imperialen Krieg in vielen unkontrollierbar gewordenen Medien endemisch werden, was sie als einen möglichen mittleren PR-Gau bezeichnen.

C: Vielleicht sollten wir die Rebellen doch ordentlich bewaffnen.

O: Du weißt doch, was für eine Saubande das ist. Sheiks, Moslemspinner, alles, was du brauchst. Und wenn die je nach Tripolis durchbrechen, sagen mir meine Leute, gibt es ein schreckliches Gemetzel. Am Schluss muss doch jemand reingehen, sagen meine Leute.

C: Ground Troops? Dann müssten wir den Laden ja übernehmen.

S: Meine Leute sagen, dass wir dann bald von beiden Seiten beschossen werden, es sei denn wir halten die Ostlibyer einseitig an der Macht.

C: So eine Scheiße. Wir haben diesen Hurensohn unterschätzt. Der Dreckskerl hat in Tripolis noch jede Menge Rückhalt. Und die zivilen Opfer unserer Angriffe schlachtet dieser Kameltreiber vorort gnadenlos aus. Zum Glück kommt nicht viel an die Weltöffentlichkeit. Aber auch da fragt sich nur, wie lange.

O: Ich habe jedenfalls keine Bodentruppen übrig.

C: Vielleicht leihen dir die Chinesen ja ein paar aus, die sollen genug davon haben.

O: Hör auf mit den schlechten Witzen, dein Brithumor in Ehren.

S: Man bräuchte zunächst die Legion und den SAS, dann Panzer- und Infanteriebrigaden, um sicherzugehen. Die Deutschen…

C: Hör mir auf mit den bloody Germans, sei froh, wenn die noch zahlen.

O: Wenn wir da reingehen, sind wir erstmal drin.

C: Das ist ja die Scheiße. Dann dürfen wir die neue Regierung bewachen und deren Chaoten dazu und nebenher haben wir die Gaddafi-Guerrilleros an der Backe. Das wird kein Honigschlecken. Und was, wenn die neue Regierung bald auch wieder frech wird? Diesen Arabern ist alles zuzutrauen. Heute Freund, morgen Feind.

O: Also, was machen wir?

S: Erstmal weiter bomben und darauf beharren, dass wir das so lange tun, bis Gaddafi freiwillig geht. Darauf, dass wir nur bomben, um Zivilisten vor ihm zu schützen, und nicht, um ihn zu stürzen. Und dass wir weiterhin dabei bleiben, dass es nur eine diplomatische Lösung geben kann.

O: C, hast du eine bessere Idee?

C: Im Moment nicht.

O: Wir spechen uns bald wieder.

Weitere Informationen zum Kriegsrat sowie aktuelle Kommentare:

http://www.nytimes.com/2011/04/15/opinion/15iht-edlibya15.html?_r=1

http://www.independent.co.uk/news/world/politics/obama-cameron-and-sarkozy-state-their-commitment-to-regime-change-2268090.html

http://www.meinpolitikblog.de/2011/04/16/dreierbande-sturz-ghaddafis-als-kriegsziel/

Diesen Beitrag mit Anderen teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • Technorati
  • MySpace
  • LinkedIn
  • Webnews
  • Wikio DE

Tags:

Eine Antwort zu “Kriegsrat unter Kompetenten”

  1. Weltpolitische Bestandaufnahme … Erwachen oder doch nur Schattendämmerung? « Der AmSeL-Gedanke Plus = Gemeinschaft sagt:

    [...] vorausgesetzt, wie es im angeführten Beispiel der Fall ist) auch in Gestalt eines real-satirischen Kriegsrats der Kompetenten [...]

Eine Antwort hinterlassen