Wie man richtig abschreibt oder abschreiben lässt

Ein altgedienter Übersetzer, Lektor und Sachbuchautor erklärte mir mal, er habe gerade ein neues Buch geschrieben, nach dem bewährten Motto: “Lege zwei Bücher auf den Tisch und mache ein drittes.”

Der Mann war allerdings mit allen Wassern gewaschen, denn er zitierte zwar auch mal, aber ansonsten erzählte er eben im Grunde schon allgemein bekannte Geschichten einfach auf seine Art neu, so dass ein wahrscheinlich besseres Buch herauskam, als die zwei (naja, er nahm wohl schonmal noch ein drittes und viertes zur Hand), man ihm weder juristisch noch moralisch im Sinne eines Diebstahls bzw. einer Täuschung seiner Leserschaft am Zeug flicken konnte.

Der war ein echter Profi, der das Verlagswesen und sein Metier genau kannte, ein sehr begabter Schreiber, der wusste, was man sich leisten darf und was nicht (zumal er bei seinen heiklen Themen viel schneller Ärger bekommen hätte, als Guttenberg oder Koch-Mehrin in ihren akademischen “Fleißarbeiten”).

Bei dem dürfte man denn auch wohl kaum angefragt haben, ob er die Arbeiten der Politdrohnen “betreuen” wolle, wahrscheinlich hätte er es auch nicht gemacht, oder wenn, dann zu einem sehr stolzen Preis.

Dafür hätte die Sache dann aber gepasst.

So stümpert man dann beim Abschreiben eben selber herum, weil man sprachlich und im Sinne eines eigenständigen, einmaligen Textaufbaus nicht viel gelernt hat, oder man lässt einen ran, der sich für lumpige zwanzig- oder vierzigtausend Euronen (je nach Leistungsumfang) auf einen arbeitsreichen Betrug wenigstens in dem Sinne einlässt, dass er eine Dissertationstäuschung wissentlich und gewerblich betreibt.

Nun sind Journalisten und zu allem bereite Medienhuren zwar immer billiger geworden in den letzten Jahren, aber das heißt nicht, dass es für solche Aufgaben am Markt mehr verfügbare Könner gäbe.

Der echte Profi weiß nämlich auch, dass eine x-beliebige Promotion zu betreuen relativ ungefährlich ist, während man einen Auftrag aus dem Hause zu Guttenberg kritischer betrachten wird, weil da mal genauer nachgeforscht werden könnte, man schließlich doch spektakulär auffliegen, oder auch dümmerenfalls die Treppe hinunter.

Am Geld dürfte es für den Fall, dass zu Guttenberg dieses dummbatzige Plagiat nicht selbst verbrochen haben sollte, jedenfalls nicht gelegen haben.

Oder etwa doch? – Oft sind steinreiche Leute ja besonders geizig.

Ich denke, für derlei Bubenstücke muss man schon mindestens fünfzig- , eher hunderttausend Euronen hinlegen, damit der ausführende Komplize sein Handwerk versteht und auch konsequent anwendet.

Das macht nämlich, wenn der Auftraggeber nicht nur selber keinen Plan hat, sondern auch nie Zeit, die ganze Arbeit, mit Fußnoten, Zitaten, Quellenhinweisen, dem ganzen Handapparat, dem Schlusslektorat, dem Aufbau einer halbwegs tragbaren halbwegs eigenen These noch zudem einen fetten Zipfel an Gepfitzel, und so etwas hasst der Profi, wenn er es selber machen muss.

Und deutsche Wertarbeit kostet eben immer noch etwas, es sei denn, man kann sie selber.

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