Ich habe mal ein paar Seiten der Plagiatsvorwürfe gegen Frau Dr. Koch-Mehrin eingesehen.
Diese Frau hat sich offenkundig mehr Mühe gegeben als zu Guttenberg (oder dessen Ghostwriter), denn bei meinen Stichproben kamen je nur mal ein bis zwei (hintereinander) wörtlich übernommene, nicht zitierte längere Sätze, allerdings jede Menge Sätze, auch so im Kontext bleibend, dass man ihnen ansieht, dass da nur mal ein “etwa” eingefügt oder weggelassen wurde, die Formulierung leicht umgestellt, aber der Gesamtsatz erhalten blieb.
Es sind dann aber sehr wohl längere in diesem Sinne klar gefügte Textpassagen dabei, die offenkundig nur etwas frisiert wurden. (Es fällt schonmal was weg, oder tritt hinzu, was über ein “etwa” hinausreicht, mal die Zeitstufe versetzt…)
Sogar die Reihenfolge der Sätze umzustellen machte sie sich mitunter die Mühe.
Manche “Fundstellen” sind auch fragwürdig, ob als Plagiat anzusehen, denn eine recht kurze Formulierung, einen historischen Sachverhalt betreffend, darf schon mal gleich (vielleicht hat man sie so schonmal gehört, in dubio pro reo) oder sehr ähnlich auftauchen.
Etwas anderes wäre es dann aber doch, wenn derlei Fundstellen ein ganzes Netz aus einem oder mehreren Standardwerken ergäben, also willentlich übernommen wurden als vorgebliches Eigengewächs, eben nicht zitiert und mit Quellenangabe versehen.
Immerhin aber scheint hier eine gewisse Textverwandlungssorgfalt angewandt worden zu sein – mal sehen, was noch kommt – , also nicht lediglich Strg A-C-V, sondern hernach Durchlesen und leicht Abändern.
Was ich bislang gesehen habe, ist jedenfalls nicht so dummdreist gemacht, wie das bei zu Guttenberg der Fall war.
Und da die Plagiatsjäger schon einiges durchgearbeitet und wie oben Beschriebenes zutage gefördert, aber wohl noch nicht den Großen Knaller entdeckt haben, ist es wahrscheinlich, dass man insgesamt vorsichtiger vorging.
Das machte die Untersuchung der Dissertation aber nicht weniger nützlich und lehrreich, im Gegenteil: Während man bei zu Guttenberg bald das Gähnen bekam, könnte es hier noch spannend werden.
Prüfungskommissionen, Hochschullehrer, Studenten, Linguisten allzumal, ebenso die Justitiare von Verlagen, Urheberrechtsspezialisten, die Zunft der Ghostwriter sowie die interessierte Allgemeinheit mögen da noch einiges zu diskutieren haben und dabei lernen können.
Gleichwohl noch meine vorläufige Einschätzung: Wer das verfasste, wusste mindestens in einigen Fällen ganz genau, dass er abkupferte, nur meist nicht über längere Passagen wörtlich, sondern von ihm gezielt frisiert.
So etwas nennt man ein Plagiat und kann wegen Verstößen
gegen private Urheberrechte privatrechtlich, im Falle eines großen öffentlichen Interesses auch staatsanwaltschaftlich verfolgt werden.
Werden derer mehrere entdeckt, so ist insgesamt ein umfässlicher Täuschungsvorsatz nicht von der Hand zu weisen.
Die Universität Heidelberg, die den Fall derzeit prüft, wird sich jetzt sehr genau überlegen müssen, wie sie reagiert.
— Anzeigen —
Tags: Dissertationen
















Wer an der University of British Columbia “nur” beim Abschreiben während einer Klausur erwischt wird, wird für ein ganzes Studienjahr ausgeschlossen und zwar nicht nur für die UBC sondern auch für alle anderen Universitäten.
Gleiches gilt für unvollständige Quellenangaben.
Die sind da rigoros und knallhart.
Auch die “Grundhaltung” der Universität ist eine andere. Es zählt weniger, was der Student oder die Studentin von der Universität erwartet, sondern das, was die Universität von ihren Studenten erwartet, z.B. in punkto Übernahme von Verantwortung, Leadership, Code of ethics etc. Sie wissen genau, dass sie als Universität exzellente Arbeit leisten (was ich nur bestätigen kann) und haben eine entsprechend hohe Erwartungshaltung an ihre Absolventen, nicht nur an ihre Leistungen, auch an ihr Verhalten, ihr Auftreten, Erscheinungsbild etc.
Mir tut keiner der Entlarvten hier leid. Frau Koch-Mehrin war sowieso nie mein Fall. Ich halte die Dame für extrem überbewertet. Ich befürchte allerdings, dass dies wieder eine eiseitige Aktion wird und man sich vorzugsweise in den Doktorarbeiten der schwarz-gelben Fraktion umsehen wird und weniger bei den rot-grünen.
es winkt
das Lesezeichen ;)
@ Lesezeichen
“Mir tut keiner der Entlarvten hier leid.”
Das unterschreibe ich.
Und mache mir auch die Befürchtung zu eigen, dass da einseitig geforscht werden könnte…(Was ja auch nicht im Sinne der Wissenschaft wäre, oder?)
LG
@hotmail
Es ist gut,das es jetzt bekannt ist, das manche Titel nicht reell erarbeitet sind. Ich habe auch gelesen, das man sich Titel kaufen kann, vornehmlich aus unbekannten Kreisen in den USA.Es wäre immer gut, falls Personen einer bestimmten Strömung an der Macht ist oder gelangen will, sich die führende Leute im richtigen Moment unter die Lupe zu nehmen, es käme manches zu Tage, was besser nicht bekannt würde.
Mit freundlichem Gruß