Ich habe mir fest vorgenommen, diesmal der letzte zu sein.
Nämlich der letzte, der im Netz durchdreht.
Schaut man sich an, was viele Leute sich über die sogenannten “sozialen Netzwerke” so antun, welche Ergebnisse das – mal völlig abgesehen von der Datensammelwut bestimmter Firmen und Dienste – für deren Restverstand zeitigt, so kommt man nicht umhin, regelhaft pathologische Züge zu konstatieren.
Am deutlichsten wird die Diagnose, wenn man die sprachliche Ebene betrachtet.
Auf Twitter, Facebook, in Chats, Blogs, Foren, Online-Portalen macht sich eine Verwahrlosung des verbalen Ausdrucks breit, dass man oft meinen könnte, ein Affenhaus sei dagegen eine philologische Fakultät.
Man brüllt, lallt, pöbelt, zetert, hunzt, ranzt, hackt Müll in die Tasten bis zur Besinnungslosigkeit.
Dass man nebenbei noch Lügen verbreitet, Urheberrechte verletzt, nicht richtig zitiert, ist beinahe schon selbstverständlich.
Man scheut unter seinem Nick, mit seinem Zweitwesen, vor keiner Niedrigkeit, keiner Beleidigung, keiner haltlosen Unterstellung, keinem schwachmatischen Unfug zurück, findet sich gar noch cool darin, den eigenen Psychodreck abzusondern, sich über Leute, die es unternehmen, etwas Sinnvolles richtig zu sagen, halb totzulachen, zu stören, zu lästern, jeden geistigen Kehricht und Abhub vor die Leute zu schütten, ohne Sinn und Verstand.
Man lässt die Sau raus, dass die Schwarte kracht, Rechtschreibung ist ein Fremdwort, man schreibt oft gleich bloß klein, denn der Rest zählt ja eh nicht, man dreht einfach nach Herzenslust so richtig durch.
Da mache ich nicht mit.
Und ich werde auf dieser Seite, wo das verhältnismäßig wenig vorkommt, wahrscheinlich, weil diese Leute meine Texte sowieso nicht verstehen sowie weil sie instinktiv spüren, dass sie hier mit solchem Verhalten nicht allzuweit kommen werden, künftighin wohl etwas unnachsichtiger vorgehen, etwas zügiger einschreiten als bisher, wenn jemand herumsabbelt, Teilnehmer beleidigt, übelste Unterstellungen auswirft und was dergleichen mehr noch an Spuk auftauchen mag.
Durchdrehen üben gehen dürfen Netzspinner meinethalben woanders.
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Tags: Durchdrehen
















Das große furchtbare Weltnetz. Oder wie man einstens schrub:hic sunt dracones …
@ Föhnix
Damals schrub man auch: Hic sunt idiotae.
Naja, bei Facebook jedenfalls habe ich weniger Entgleisungen bemerkt, als sonst in den üblichen Internetforen mit schlechter Moderation. Gerade WEIL DORT die meisten Benutzer mit realem Namen unterwegs sind, hält sich die Pöbelei doch sehr in Grenzen. Was wieder für ein Klarnamenforum sprechen würde…
@ Tanja Krienen
Klar, dadurch dass die meisten bei Facebook echt sind, läuft es besser.
Und – ich weiß, das verspreche ich schon lange – ein Klarnamenforum wird kommen.
Ich kann jetzt hier nur so viel sagen, dass noch an der Konzeption und Umsetzung gebastelt wird.
Am besten telefonieren wir demnächst mal über die verschiedenen (unausgegorenen) Ideen, die inzwischen noch aufgekommen sind.
Und natürlich wäre es nicht schlecht, die entsprechende technische Logistik so aufgebaut zu bekommen, dass der Laden vernünftig steht und nicht ständig abstürzt, und das ohne diverse Tausender fürs Errichten sowie monatlich Hunderter für die GWS-Wartung auswerfen zu müssen.
Es ist schließlich (nur als Beispiele, das ich hier mal öffentlich mache) unter anderem noch nicht geklärt, wie exklusiv das ganze sein sollte, wie genau die Namensprüfung ablaufen sollte, ob man Gebühren erhebt u.v.m.
Lesezeichen hat aber zugesagt, demnächst einen Gastbeitrag hier einzustellen, wie sie sich ein Netzportal vorstellen könnte, für das sie zu zahlen bereit wäre.
Da erhoffe ich mir weitere Ideen und Erkenntnisse.
Besser es reift und wird dann richtig gemacht, mit hinreichend Unterstützung, als wir zwei beide fliegen damit alleine auf die Nase und ernten dann nicht nur den gesichert abzuholenden Spott, sondern haben womöglich noch die also einfache wie gute Idee, nach der der Zeitgeist förmlich schreit, dasavouiert.
Bis bald
Magnus
@ Tanja Krienen
Nachtrag
Es ist ja in dem Zusammenhang, mal betrachtet, was viele Leute bei Facebook so alles von sich preisgeben, umso erstaunlicher, welche Kritik wir in den hiesigen Diskussionen über ein Klarnamenforum teils erfahren haben.
Manche waren richtig gehend empört, wohinein sie denn da gezwungen werden sollten (wobei eine Teilnahme ja freiwillig wäre…), so eine öffentliche Selbstentblößung machten sie nie mit (früher, als man noch echte Leserbriefe schrieb, ging gar nichts ohne Namen, lediglich in sehr heiklen Fällen “der Redaktion bekannt”, und alle fanden das völlig normal).
Zuweilen hatte ich dabei den Eindruck, da fürchteten manche, ihr armer Avatar werde womöglich von einer spannenden Entwicklung abgehängt (schluchz! mitleid!), ihr Alter Ego dürfe fieserweise nicht mitspielen, wenn die Erwachsenen sich treffen.
Dabei wird, wie schon gesagt, ja keiner gezwungen, darf jeder unter dreiundreißig Nicks auf 666 anderen Foren weiterdaddeln, wenn er sich dort anmeldet.
Aber wir sind schon gemeine Leute: Schon das Vorhaben scheint vielen bedrohlich zu sein.
Vielleicht wird es Antiklarnamenforen schon vor dem eigentlichen Klarnamenforum geben…
Wie hieß das noch?
Wehret den Anfängen?