Satiriker aller Länder vereinigt euch!

Tanja Krienen wies hier vor ein paar Tagen wieder einmal darauf hin, dass das Leben des Satirikers heute eines der härtesten sei, da man ständig von der Realität überholt werde.

Vielleicht hat sie damit noch untertrieben, um uns alle ein bisschen hochzunehmen.

Immerhin gebe ich ihr dahingehend recht, dass diese Realität dringend einer Generalüberholung durch die Satiriker bedarf.

Unsere Zunft darf es schlichtemang nicht zulassen, dass ernsthafte Politiker und, allzumal, Bänker, mehr leisten, wie als ob wir.

Wir müssen daher eine neue Ernsthaftigkeit in die Satire einführen, eine Besinnlichkeit, eine bedächtige Slow Motion, sodann, aus dem Hinterhalt, einen Überraschungsangriff, wie ihn die Welt schlicht noch nicht gesehen.

Wir müssen so ernst werden, dass diese Typen anfangen, lange Gesichter zu machen.

Wir müssen uns jede Heiterkeit bei Höchststrafe verbieten.

Wer dagegen verstößt, bekommt nicht unter fünf Jahren Zwangsarbeit bei der Schafspresse verpasst.

Bei schweren Verstößen droht lebenslänglich bei der Bildzeitung, mit anschließender Sicherheitsverwahrung beim Spiegel.

Nein, so kann es wirklich nicht weitergehen.

Geben wir es ehrlich zu: Wir sind ein reichlich verlotterter Haufen.

Disziplinlos, ungeimpft, lausige Sprache, kein Odnungssinn, glaubensschwach, oft debil: also meckern wir gleich altersschwachen Ziegenböcken vor uns hin, träumen von den guten alten Zeiten, da Politiker und Bänker noch willige Geißlein waren.

Wir müssen daher definitiv in den ikonoklastischen Jungbrunnen, und wer darin ersäuft, der hat eben Glück gehabt.

Es kann auch nicht sein, dass da einer einfach so sein Gnadenheu knabbert.

Gnadenlosigkeit galt uns einst als unsere höchste Tugend!

Dabei wusste schon Konfuzius, dass der Witz, ein eckiges Taufbecken sei rund, oder auch umgekehrt, verderblich ist, nichts taugt.

Wir müssen also Stoßtrupps bilden: und nicht etwa nur aus Freiwilligen.

Nein: Da muss klassisch konsequent rekrutiert werden, wo nötig auch geschanghait nach allen Regeln der Kunst.

Diese müssen dann so lange heimlich im Durchdrehen ausgebildet werden, ohne Käse und Salat, bis man sie auf Unfugsbeutezüge nach Berlin, London, Paris und sogar New York schicken kann.

Danach folgt die Hauptarmee, die die Wortstellungen unserer Usurpatoren im Blitzkrieg überrennt und dabei keine Gefangenen macht.

Die Nachhut sorgt derweil dafür, dass keine feindlichen syntaktischen Angriffe von hinten erfolgen.

Und der Tross, bestmöglich besetzt mit unseren erfahrensten Etymologen, sorgt für allzeit schlachtfesten Nachschub.

Nur so werden wir wieder an unsere alten Glanzzeiten anknüpfen können.

Alternativen gibt es nicht: Und wer “alternativ” sagt, der hat schon seit je dumm dahergelogen.

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2 Antworten zu “Satiriker aller Länder vereinigt euch!”

  1. hanne sagt:

    Mal im ernst spass bei seite… bin ich jetzt wirklich verwirrt oder habe ich mich nur mächtig verirrt, nicht wirklich ich glaube ich bin mal wieder nur im falschen Film! Dank all der Sat iliten im All von den iliten mit e sind wir nicht schon alle ein bischen Sat iriker? Jedenfalls hab ich es langsam Sat.

  2. hanne sagt:

    Da war doch mal was in Sat 1 wie “ich bin ein Stern” nein das war “ich bin ein Star ich will hier raus” ICH auch nur bin ich kein Stern auch kein Star!

    Oder Kiss goodbye einen Abschiedskuß geben auch KISS (etwas halten) Freunde geben sich ein Küsschen Krieg WAR einmal usw.

    Ja Ja die Apo kaly pse (Weltuntergang)

    Apo=von
    kaly=guter
    psy=Energie

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