Kamelmedien über dem eigenen Miste geröstet

Ich habe mich in den letzten Wochen hier mehrfach öffentlich darüber mokiert, echauffiert, mein Displaisier zum Ausdruck gebracht, wie wenig textuelle handwerkliche Sorgfalt in großen Netzmedien noch waltet, was für eine Schlamperei, die früher noch den Chefredakteur des Oberammergauer Gäuboten zu Wutanfällen gebracht hätte, dort inzwischen endemisch geworden ist.

Hält man da (fast) alle Leser für blöde, die wenigen, die das noch merken und despektierlich das Gesicht verziehen, für eine inzwischen vernachlässigbae Größe?

Oder ist es inzwischen gar hip, cool und trendy, in und der letzte Schrei, jeden Fehler, den das idiotische Rechtschreibprogramm nicht findet, souverän stehen zu lassen?

Will man etwa gegenüber den Kollegen nicht als verstaubt und altmodisch dastehen, indem man richtige Texte abliefert, mit korrektem Dativ, Akkusativ und derlei weiteren antiquierten Deutschtümeleien?

Wohlgemerkt: Ich rede hier nicht von ehrenamtlichen Redakteuren einer Zeitung des Ludwigsburger Hühnerzüchter e.V., sondern von Leuten, die sich Profis schimpfen und im Monat einige Tausender mit ihrem Geschrapsel verdienen.

Und es kann unmöglich sein, dass ihnen allen das nie auffällt.

Denn ab und an liest man ja doch auch mal den Text eines Kollegen, und sollte wenigstens dann merken, dass die Edelfeder da im Schlick der deutschen Sprache steckengeblieben ist.

Und sagt man etwas, so gilt man dafür wohl gleich als Nestbeschmutzer, hält also in Zukunft die Klappe.

Vielleicht baut auch so mancher Online-Redakteur, der’s noch kann, inzwischen mit Absicht ein oder zwei Seppelfehler (normale Tippfehler kann er sich ja nicht leisten, denn dann gibt’s bestimmt einen Granatenanschiss, da er ja offensichtlich das Rechtschreibprogramm abgeschaltet haben muss…) in seinen Text, damit er nicht unangenehm auffällt?

Jedenfalls ist es inzwischen ein Treppenwitz für Unterbelichtete, wenn sich diese Leute noch das Signet “Qualitätsmedien” ans Revers heften.

Das sind selbstverschafte Schafsmedien.

Über ihrem eigenen Trockenmist geröstete Kamelmedien.

Die jedes Recht dazu verloren haben, über Blogger abzulästern, die ihre Seite alleine betreiben, kein oder allenfalls wenig Geld damit verdienen, sich keinen Korrektor leisten können, mitunter keine Asse in Orthographie, Interpunktion, Grammatik und Syntax sind.

Das nämlich ist vergleichsweise verzeihlich.

Aber sehen wir es positiv: Die Kamelmedien lügen immer schlechter.

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