Bundeswehr: Zusammengeseppelt

Eben wurde ich durch diesen erhellenden Artikel auf ein Thema gelenkt, das ich schon länger anzufassen gedachte.

So blöd, wie man vielleicht nur in Berlin zu werden sich mit einiger Aussicht auf Erfolg anheischig machen kann, hat man die Wehrpflicht ausgesetzt, während man die Bundeswehr gleichzeitig und offen erklärt für weltweite Angriffskriege umbaut (dass das dem Grundgesetz fundamental entgegenläuft, ist den planetaren Möchtegernbeglückern ohnehin wurscht).

Nun hat man massive Probleme, halbwegs brauchbare Mannschaftsgrade (nur Offiziere funzt nicht im Krieg) und Unteroffiziere einzuwerben, da eben nicht jeder halbwegs gebildete Deutsche so auf den Kopf gefallen ist, sich für ein paar lumpige Kröten in Afghanistan oder sonstwo zu Zwecken den Arsch wegschießen zu lassen, die mit Vaterlandsverteidigung und Patriotismus nunmal gar nichts zu tun haben, sondern im Gegenteil gegen alle vernünftigen Interessen unseres schönen Landes gerichtet sind.

Kurzer Schwenk.

Vor knapp drei Wochen besuchte ich die Bildungsmesse “didacta”, wo die Bundeswehr mit einem stattlichen Stand vertreten war, mittels dessen sie laut eigenen Angaben lediglich zu informieren, keineswegs aber zu werben oder gar zu rekrutieren gedachte. (Schlechter Witz)

Ich gewahrte denn dort auch schmucke junge Offiziere in Ausgehuniform sowie einen Pulk adretter OberschülerInnen (ein Haufen dummer junger Hühner mit leuchtenden Augen fiel besonders auf), gruppiert an Tischen mit Fähnchen von NATO-Staaten, die gebannt auf die Videoleinwand starrten oder um die Offiziellen herumscharwenzelten. Dass man mit denen keinen Krieg gewinnen könne, musste noch dem Sehtrübsten auffallen.

Zurück.

Obschon ungedient, habe ich durch dreizehn Jahre berufliche Tätigkeit sowie fünf Jahre Leben in Hammelburg (Infanteriestandort mit Ausbildungszentrum für “Auslandseinsätze”) eine ganze Menge davon mitbekommen, wie der Laden Bundeswehr so tickt.

Mal ganz abgesehen davon, dass um die vermeintliche Gleichstellung (außer bei der Haartracht, die Weiber dürfen Zöpfe) und entsprechende Verwendungsfähigkeiten ein politisch korrekter Genderhumstanz vollführt wird, dass man meinen könne, man stehe vor einem kabarettistischen Ensemble statt einer Armee, belügt man die Truppe natürlich auch noch, was die von den britischen und amerikanischen Kameraden in Afghanistan eifrig verballerte Uranmunition anlangt, filzt ihre Feldpost und stellt ihnen überdies zum Hohn einen eitlen Gockel Marke Guttenberg vornan.

Welcher Blödrian geht da noch freiwillig hin, um als Gefreiter, Ufz oder Feldwebel zu dienen, solange es den Hartz gibt, der immer noch zum Leben reicht, wenn man schon gar keinen Job findet oder finden will?

Gut, ein paar Abenteuerlustige gibt’s immer, selbst in Zeiten, da man nach gewonnener Schlacht nicht mehr plündern und vergewaltigen darf; doch, wer ist das wohl?

Ballerspielverliebtes Prekariatsgewächs und Möchtegernrambos sowie Mädels, die Spaß daran haben, sich unter vielen strammen jungen Männern auf die Ärsche glotzen zu lassen. (Ein PR-Stabsfeld erklärte mir auf einer großen Waffenschau in Hammelburg auf Nachfrage, was denn ein Landser auf Posten in Afghanistan in voller Montur mit Splitterschutzweste etc. so an Gewicht herumzutragen habe, es seien etwa 40-45 Kilo. Das ist bei 45 Grad im Schatten über Stunden in der Sonne selbst für einen wirklich gestählten jungen Mann nicht eben wenig. Gefragt, wie die holde Weiblichkeit das denn durchhalte, meinte er ganz salopp: “Och, das ist alles nur eine Frage des Trainings. Die Mädels sind ganz schön zäh und schaffen das genauso wie ihre männlichen Kameraden.” Wer’s glaubt, wird selig. Ich wette – ich habe einige Zeit als Steinmetz gearbeitet und kenne mich daher mit Lasten ein bisschen aus – , dass nicht ein Prozent der Klotzbertas und Kunigundes, die ich dorten regelmäßig in Uniform herumspazieren sah, das schafft.)

Strandgut eben.

Und echte Patrioten mit einem Funken Verstand gehen da aus den oben erwähnten Gründen sowieso nicht (mehr) hin; und man fürchtet sie überdies wie der Teufel das Weihwasser, will sie gar nicht in der Truppe haben (bei den Offiziersanwärtern werden sie s e h r gezielt ausgesiebt).

Man weiß nicht, ob man darüber lachen oder weinen sollte.

Am ehesten beides, denn das Ganze ist so konzeptionslos wie lächerlich; andererseits tun einem die jungen Menschen leid, die da ganz gezielt verführt und verheizt werden.

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