Was der Mensch am Tage so an Käse herausschwätzt, das geht wahrlich auf keine Kuhhaut.
So versuchte ich mich selbst vor etwa einer Stunde in semantischer Tagikomik, indem ich meinen Söhnen zum Thema Aufräumen (ein Göller-Drama in epischer Länge mit drei Antihelden) sagte, am Dienstag käme die Oma zu Besuch, und da müsse es hier “einigermaßen tiptop” sein!
Hilfe aber auch: Was bitte ist “einigermaßen tiptop”?
So etwa halbwegs perfekter?
Mittelprächtig spitzenklasse?
Kurz vor beinahe schwanger?
Fast ziemlich vollidiotisch?
Die psychologischen Untiefen, die zu diesem oxymoronischen Blödsinn führten, muss ich wohl nicht weiter darlegen, allein, sie erklären doch teilweise, dass Blödsinn auch aus Kenntnis der Lage erwachsen kann und nicht nur aus Dummheit oder Ignoranz.
Wie ich schon in meinem “Aphorismus der sprachlichen Präzision” anzeigte, ist die deutsche Spache nicht eben arm an sogenannten Abtönungspartikeln, also Wörtern, die dem Satz eine bedeutungsmäßige Farbe geben, oft nur im Zusammenhang oder am real Gehörten richtig zu erkennen.
Diese können ohne weiteres suchthaft wirken und auch Schäden über den präzisen Ausdruck hinaus folgehaft im Denken bewirken, denn sie laden dazu ein, sich stets ein Plätzchen an der Hintertür zu suchen, zur Feigheit.
Andererseits können sie ein derart köstliches Stilmittel abgeben, die Rede mit Liebe und Schwelgerischem wie auch Hintersinnigem und reichlich Lustigem tränken, alsomit wir derer doch nicht einfach entraten sollten.
Man bedenke, dass Wörter wie “ja, aber, eigentlich, doch, ziemlich, sozusagen, eymanney, Alter, quasi, äh, dabei, ganz, usw.” darunterzurechnen sind, ebenso wie bestimmte Interjektionen (im weitesten Sinne sogar kurze Redewendungen) zumal der fluchenden und verstärkenden Art.
Klar ist im Grunde, dass es sich hier funktional um eine eigene Wortart handelt, wiewohl diese sich aus mehreren gängigen Wortarten zusammensetzt, im Einzelfall oft auch nicht eindeutig von ihrer sonstigen, angestammten Funktion abzugrenzen.
Jedenfalls scheint das Deutsche mehr von diesen kleinen semantischen Biestern zu kennen, als beispielsweise das Englische; jeder gute Übersetzer weiß das.
Wohlwollend betrachtet könnte man sagen, dass das Deutsche sich den Luxus erlaubt, in den Abtönungspartikeln ein wenig Abstand von der für jeden erschließbaren Genauigkeit zu nehmen, oder auch einer Aussage nur eine situationsgemäße, womöglich diplomatische, persönliche Tönung zu geben.
Was natürlich bis zu solcher Schwachmatie führen kann, dass man es im Ernst gerne “einigermaßen tiptop aufgeräumt” hätte.
Im leichten Lustspiel darf man solches natürlich auch vorlagegemäß über die Bühnenbretter schmettern.
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Tags: Sprachliche Präzision
















Sehr schön :))). Vor allem das Göller-Drama mit drei Antihelden.
Ich hab mir dann in solchen Fällen immer ein Handbuch über die Kunst des Scheiterns mit Verarbeitungsanleitung gewünscht, weil diese sogenannten Aufräumaktionen außer Stress bei mir nicht viel konstruktives produzierten. Unsere Kinder waren da eher gelassen.
Einen Nebeneffekt hatten Aufräumtage dann doch noch. Meine Waschküche konnte vorher noch so leer sein. Danach war sie voll, weil unsere Kinder kurzerhand beschlossen, dass alle Wäsche, die am Boden liegt, doch dringendst gewaschen werden müsse, egal ob gebraucht oder nicht. Damit waren die Zimmer leer – und meine Wäschbütt quoll über :))). Aufräumen bei Lesezeichens in 5 Minuten. Zack zack!!!
Schmunzelgrüße aus England vom Lesezeichen
@ Lesezeichen
Mir scheint, Sie haben mich auf Punkt und Komma verstanden.