Vom positiv traumatisierten Menschen

Die positive Traumatisierung existiert. Nicht nur in dem Sinne, dass der Mensch sich daran gewöhnen kann, denselben Schmerz, den er schon lange oder öfter erfahren hat, gelassener und leichter auszuhalten, dass der Schmied über eine kleine Brandwunde nur noch lacht und sie zwei Stunden später nicht einmal mehr spürt, sondern auch auf der psychischen Ebene.

Dies allerdings lehrt die Wissenschaft meines Wissens nicht sehr laut. Dass nicht nur Ärzte, Krieger und Huren immer härter werden können, ohne ihre Menschlichkeit, ihren Verstand, ihr Mitgefühl einbüßen zu müssen. Im Gegenteil.

Während einerseits Schläge leichter weggesteckt werden können, die den Ungeübten aus der Bahn würfen, kann nicht nur das Sensorium für Gefahr einsichtsmäßig wie intuitiv weiterentwickelt, sondern auch die Analyse der Strukturen und Methoden von Peinigern und Angreifern verfeinert werden, alswelches d a s Problem der Entwickler und Nutzer von psychologischen Massenvernichtungswaffen darstellt.

Denn auf die Vorgehensweisen, die bei den meisten probat unterdrückend oder vernichtend, folgen bei denen, die erkennen, Unterlaufungs-, Abwehr- sowie Angriffsmaßnahmen von einer Art, die man den Untergenerälen der Übelgesinnten noch nicht einmal erklären darf, um sie nicht aus ihrer Spur zu werfen.

Abgesehen davon, dass noch nicht einmal die Obertraumatiseure unbedingt erkennen, was ihnen von den positiv Traumatisierten entgegengehalten wird.

Die Obertraumatiseure können einfach nicht mehr wesentlich in die Gedanken derer dringen, sie durchschauen, die sie bereits mit allen ihnen verfügbaren Mitteln negativ zu traumatisieren versuchten.

Vor deren Denken stehen sie wie der Ochs vorm Berge.

Der positiv Traumatisierte vermag seine Stoßrichtung jederzeit nicht nur zu ändern, sondern auch ganz neue, bislang ungedachte und daher nicht vorausschaubare Mittel einzusetzen, um den Peiniger, der einfach nicht nachlassen mag, zu verwirren, hemmen, in sein eigenes Loch fallen zu lassen.

Der positiv Traumatisierte kann sogar urplötzlich mit einer Macht zuschlagen, die ihm keiner zugetraut hätte.

Der positiv Traumatisierte ist nicht an das herkömmliche Ursache-Wirkung-Schema gebunden; er verfolgt, wenn es not tut, ganz andere Wege, die andere erst hinterher als gegangen erkannt, oder auch nie.

Der positiv Traumatisierte ist kein Indigo-Kind, oder ein mit allen Wassern gewaschener Freimaurer oder Scientologe oder Doppelagent; der positiv Traumatisierte ist vor allem einer, der gleichzeitig genauer und freier denkt als andere.

Der positiv Traumatisierte denkt nicht mehr in den Kategorien der “normalen” Menschen; er weiß längst, dass er sich das nicht leisten kann, und er will es auch schon nicht einmal mehr.

Der positiv traumatisierte Mensch weiß, dass es für ihn kein zurück mehr gibt in die Herde, dass er dort rettungslos unterginge, indem sein Trauma alsbald zum negativen würde.

Der positiv traumatisierte Mensch weiß auch, dass er stets in Gefahr schwebt, da die Traumatiseure ihn immerzu argwöhnisch beobachten, wenn nicht verfolgen, und dass die negativ Traumatisierten ihm seine Freiheit jederzeit neiden und daher vor nichts zurückschrecken, meist nicht wissend, weshalb.

Der positiv traumatisierte Mensch wird…

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32 Antworten zu “Vom positiv traumatisierten Menschen”

  1. Sil sagt:

    “Der positiv Traumatisierte denkt nicht mehr in den Kategorien der “normalen” Menschen;”

    Ist der Text oben ganz alleine Ihrem Geist entsprungen Herr Göller?
    Dann alle Achtung!
    Hat mir SEHR GUT gefallen, nein, er gefällt mir sicher auch weiterhin sehr gut. Ich werde ihn mir sogar kopieren – darf ich doch, oder?

    Auch das offene Ende ist interessant:

    “Der positiv traumatisierte Mensch wird…”

    Trotzdem würde es mich sehr interessieren, was der traumatisierte Mensch Ihrer Meinung nach denn tun “wird”.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sil

    Der Text ist selbstverständlich von mir, sonst stellte ich ihn nicht ohne Genehmigung des Urhebers und Verweis auf denselben hier ein.

    Danke außerdem für das Kompliment.

    Und Sie dürfen diesen Text ebenso selbstverständlich beliebig kopieren und weitergeben, solange Sie keinen Gewinn daraus ziehen und mich als Urheber korrekt angeben.

    Zu Ihrer indirekten Frage am Schluss Ihres Kommentars: Das Ende meines Artikels ist in der Tat mindestens doppelsinnig, und dies, wie Sie mir vielleicht abnehmen werden, in voller Absicht.

    Manchmal, so meine Erfahrung, lässt man die Leute besser erstmal selber denken.

    Übung macht bekanntlich den Meister.

    Es mag sein, dass dieser Artikel in absehbarer Zeit eine Fortsetzung findet, die dann natürlich auch in einer – zumindest weitreichenden – Erklärung des Schlusssatzes zu bestehen hätte.

    Kann aber auch sein, dass nicht.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sil

    Präzisierung: Nicht nur der Text ist von mir, sondern auch der Gedanke in dieser Konsequenz, jedenfalls inalsoweit ich weiß (es gibt wenig grundsätzlich Neues unter der Sonne).

    Man wird sicherlich in irgendeiner Form bei Konfuzius, Shakespeare, Cervantes, zumal Nietzsche (“Was mich nicht umbringt, macht mich stärker”) diesen Ansatz längst finden können, doch habe ich ihn in eine besonders explizite und ausdifferenzierte Form gebracht.

  4. Sil sagt:

    “….doch habe ich ihn in eine besonders explizite und ausdifferenzierte Form gebracht.”

    Sie haben also das schon für sich getan, was Sie sich von anderen durch den Schlusssatz im Artikel wünschen: alleine weiter denken.

    Können Sie sich vorstellen, dass Sie anderen durch Ihr selbständiges Weiterdenken in diesem Fall bereits eine große Hilfe sein könnten? Nur einmal ganz pauschal und aus meiner Sicht betrachtet, könnte es in der Tat so sein.

    Ich habe es an andere weitergereicht, denn jeder hat das eine oder andere Trauma und ich warte auf Antwort dazu. Jemand, dem ich es direkt zum Lesen anbot (eine Frau) sagte, sie fände sich in ihren Worten wieder.

    Unter der Sonne gibt es vielleicht nicht viel Neues zu entdecken, dafür aber hinter der Sonne vielleicht umso mehr.

    Ich wäre sehr interessiert an einer Fortsetzung ihrer Gedanken als Artikel und auch wie Sie sich sicher denken können, an einer Erklärung was wird….

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sil

    Liebe(r) Sil.

    es freut mich sehr, dass es laut Ihrer Aussage Menschen gibt, die mit meinen Gedanken zur Traumatisierung etwas anfangen können.

    Bezüglich der Fortsetzung bitte ich um etwas Geduld, da ich derzeit privat sehr eingespannt bin und sicherlich (soviel ist schon klar) recht heikle Implikationen aus dem zweiten Teil erwachsen werden.

    Hinter der Sonne kann es für manche so hell werden, dass sie sich wünschten, sie ständen lediglich in einiger Entfernung davor.

  6. Uwe Habricht sagt:

    Guten Morgen, Herr Göller. Ich finde Ihren Text außerordentlich gut und würde ihn gerne auf meiner bescheidenen Web-Seite unterbringen, wenn Sie nichts dagegen haben (als PDF, natürlich unter Nennung des Autors und der Quelle).

    http://ganzwerden.jimdo.com/

    Herzliche Grüße, Uwe Habricht

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Uwe Habricht

    Hallo Herr Habricht,

    Sie dürfen den Text gerne in der von Ihnen angegebenen Form veröffentlichen.

    Grüße

    M.G.

  8. Sil sagt:

    “Hinter der Sonne kann es für manche so hell werden, dass sie sich wünschten, sie ständen lediglich in einiger Entfernung davor.”

    @ MWG

    Ich habe keine Angst vor dem Licht und viel Geduld habe ich auch.

    Danke für das: “Liebe(r)”.

    Sie scheinen auch ein ganz Lieber zu sein.

    Ruhige und besinnliche Weihnachtstage wünscht Ihnen,

    Sil

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sil

    Danke!

    Wünsche Ihnen dasselbe.

    Lieb bin ich fast immer.

    Grüße

    M.G.

  10. Auch ich möchte bekennen, dass ich diesen feinen Gedanken gern noch weiter ausdifferenziert und in noch explizitere Formen gegossen sehen würde. Den “Entwicklern psychologischer Massenvernichtungswaffen” entgegenarbeiten … also wenn das kein Ansatz ist – Respekt! Daraus könnten sich viele wichtige und faszinierende Themen ergeben. Ich muss bei Gelegenheit unbedingt mal tiefer in deine Zeitgeist-Lektüre einsteigen, denn dieser Gedankengang macht wirklich Appetit.

    Der “Traumatiseur” scheint ja auch ein echtes Original zu sein. Den würde ich gern weiterverwenden, so gut gefällt er mir: Kommt daher wie ein “Friseur”, und doch laufen bei ihm letztlich nachweislich die Fäden zusammen. “Master of pieties” oder auch “Frömmigkeitsklempner” ist so ziemlich alles, was mir bisher für unsere hochprofessionellen Cheftraumatiseure einfallen wollte.

    “Der positiv Traumatisierte kann sogar urplötzlich mit einer Macht zuschlagen, die ihm keiner zugetraut hätte.”
    Dachtest du dabei an was bestimmtes?

    In eigenen Kategorien denken – diese Art Mut brachten bisher nur wenige auf. Aber in lichtschnellen Lernlandschaften könnte das durchaus zum Breitensport werden.

    Umschreibung für den vorletzten Absatz (oder Psalm): “Wenn man einmal zu zweifeln angefangen hat, dann ist es vorbei.”

  11. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tosco Torpedo

    Ein Entwurf zur Erweiterung, leider noch zu ungriffig und schwach, existiert bereits.

    Sobald ich meine privaten Dinge besser in die Ordnung gebracht habe, hoffe ich, dazu sinnreich Erweiterndes darlegen zu können.

  12. Sil sagt:

    @Tosco Torpedo

    “Der positiv Traumatisierte kann sogar urplötzlich mit einer Macht zuschlagen, die ihm keiner zugetraut hätte.”

    > Dachtest du dabei an was bestimmtes? <

    Wie wäre es mit der Macht des unberechenbaren und unbezwingbaren eigenen Willens.

    Oder ganz einfach ein einziges Wort: NEIN!

    Denn Ihr wißt ja: “Im Anfang war das Wort…”

  13. Tosco sagt:

    Gesprochen wie eine echte “Wutbürgerin”.
    Aber “die Sprache ist keine objektive Wirklichkeitsbeschreibung, sondern eine Fülle an Codierungen möglicher Wirklichkeitsaspekte,” hatte ich mir gestern bei Herrn Rätsch auf Youtube abgeschrieben (Pilz als Entheogen 09, Teil 2). Und genau dieser Umstand verwandelt m.E. die scheinbar klare Macht des eigenen Willens zu einer ziemlich kitzligen Angelegenheit, sofern die Willensäußerung auf vernünftigen, also rein-logischen, oder romantischen, sprich verklärt-logischen, Überlegungen bzw. der üblichen Mischung aus beiden beruht. Bei Trotzreaktionen und Gefühlsausbrüchen verhält sich das natürlich anders.

    “Im Anfang war das Wort.”
    Dieser Slogan steht für den durchschlagenden Erfolg, mit dem Schriftgelehrte vor sieben- bis zehntausend Jahren die Position der Priester okkupiert haben und seitdem die Geschicke der Zivilisation lenken. Wort-Priestern gelingt es bis heute – nach Erfindung des Buchdrucks in allen möglichen Berufen – sich durch überlegene Intelligenz und strategische Ausnutzung dieser “Fülle an Codierungen” Interpretationshoheiten zu sichern und damit Heerscharen an prinzipiell wesentlich oberflächlicher Denkenden geistig mehr oder weniger komplett in Bann zu schlagen (und bei Bedarf dann eben auch aufs Schlachtfeld zu schicken, wenn was dabei rausspringt). Im Gegensatz zum tausendjährigen “monolithischen und umfassenden Denk- und Lenkungssystem” des mittelalterlichen europäischen Christentums ist diese Interpretationshoheit 500 Jahre später selbstverständlich dialektisch stark fragmentiert, wobei “9/11″, die mörderische Instant-Pulverisierung der WTC-Türme live vor den Kameras der Welt, den nächsten Glaubensgraben aufreißen sollte und auch aufgerissen hat, aber hinter dieser Fragmentierung steckt dasselbe aus meiner Sicht perverse Kalkül auf geistige Vorherrschaft hinarbeitender sogenannter Geistlicher in seiner modernen, reformierten Ausprägung der kontrollierten Kontroverse.

    Eigentlich war ja “im Anfang” das Bild bzw. genauer “der Film”.
    Der Film im Kopf, wenn man so will. Ohne die psychedelische Ur-Sozialisierung kein menschlicher Geist, meint Terry McKenna. Zwar hatten auch die Medizinmänner und Traumzauberer ganz sicher ein paar fiese Tricks aufs Lager, doch gegenüber den Möglichkeiten, die die Sprache bot, andere gezielt zu täuschen, musste die politische Macht der “Film-Priester” zwangsläufig verblassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Hitler z.B. hätte nie dieser Mega-Verbrecher werden können, wäre er vorher nicht als Mega-Wohltäter in Szene gesetzt und zum Messias aufgebaut worden.
    Worauf ich hinauswill mit diesem kleinen Abriss, Sil, ist nichts geringeres, als in der Idee von der positiven Traumatisierung eine Art durchgreifenden Heilungsprozess mit historischem Gewicht zu vermuten. Historisch deshalb, weil mit den Computern der generelle Machtvorteil aus Geheimwissen immer schneller abgebaut und letztendlich eingeebnet wird, was durch gegenseitige Inspiration möglichst über Frömmigkeitsgrenzen hinweg statt kognitiver Uniformierung eine regelrechte Explosion an Bewusstseinserweiterung und -diversifizierung verspricht. Zugegeben, mit einem Nein fängt alles an, doch wenn sich hinter diesem Nein kein neues Ja reckt und entfaltet, dann nützt auf lange Sicht selbst die schönste Traumatisierung nichts, befürchte ich. In diese Sackgasse hat man z.B. alle gelockt, die in den kriminalistischen Kategorien einer Weltverschwörung denken. Speziell zu diesem Thema habe ich einen offenen Brief an Gerhard Wisnewski in der Pipeline, der in den nächsten Tagen rausgehen müsste.

    Kurz, Macht, die sich aus der unerwarteten Wendung inkulturationspolitisch-präziser Traumatisierungen (plus permanent-systematischer Verdummung, versteht sich) ins Positive ergibt, könnte, denke ich, eines Tages bei Erreichen eines Tipping Points durchaus plötzlich mit einer Wucht zurückschlagen, die das bisherige System der Verachtung, das sich v.a. aus Bildungsunterschieden speist, so gründlich aus den Angeln hebt, dass es im Nachhinein wirken würde wie ein schlechter Witz.

    @ MWG
    Dann lass ihn reifen, deinen Entwurf, bis er dir schmeckt. Ich hab Zeit.

  14. Sil sagt:

    @Tosco

    “eines Tages bei Erreichen eines Tipping Points”

    Auf so einen Tag warten einerseits viele und andererseits arbeiten auch viele darauf hin.

    Nur fragt man die anderen, WANN denn DIESER Tag endlich kommt, dann weiß niemand eine Antwort darauf.

    Da für viele DIESER Tag nichts Gutes mit sich bringen wird, lassen bestimmte Leute Bunker bauen und sie verrammeln auch bei sich Zuhause alle Türen. Nur was wollen diese Übervorsichtigen dagegen tun, wenn das was sie erwarten, nur über den Geist kommt?

    Das “mittelalterlichen europäischen Christentum” ist ein Schreckgespenst auf der Suche nach seinem Schloß. Weil es seine Heimstätte nicht finden kann, zieht es wie irrsinnig in der Welt umher und macht den Menschen das Leben schwer.

    So long, Sil

  15. Tosco sagt:

    Ich empfehle “Das Sandkorn, das die Erde zum Beben bringt”. Ein wirklich exzellentes Buch, in dem Mark Buchanan anhand verschiedener Beispiele sehr schön veranschaulicht, was einen Tipping Point genau ausmacht und weshalb seine Vorhersage so kompliziert ist. Der Hauptgrund jedoch, wieso mich “DIESER Tag” im Speziellen herzlich wenig interessiert, liegt woanders. Ich denke, unser Abenteuer besteht darin, dass wir der allerersten Generation angehören, die den Luxus genießt, in dieses Meer an digitalisierter Information und grenzenloser, blitzschneller Bild-, Ton- und Text-Kommunikation eintauchen zu können. Wir stecken mitten in einer gigantischen, beispiellosen Medienrevolution, die jede Menge Neuland zum Vorschein bringt. Als würden wir die ersten gedruckten Bücher in Händen halten, so ungefähr muss man sich das vorstellen, und von diesem Moment bis zum Westfälischen Frieden brauchte es damals an die 200 Jahre, ehe die Fronten neu abgesteckt waren. Wenn ich dann mein frisch erjagtes “Ketzerwissen” aus den letzten acht Jahren mit der allgemeinen Ahnungslosigkeit hierzulande in Beziehung setze, fällt es mir schwer zu glauben, dass “DIESER” Tipping Point noch vor der nächsten Jahrhundertwende erreicht sein könnte. Trotzdem gehe ich aus mehreren Gründen davon aus, ohne dass meine Lebenszeit dabei eine Rolle spielt.

    Damit du das richtig verstehst, will ich einen Schritt weiter gehen und klar zu Protokoll geben, dass politischer Aktivismus (im engeren Sinn) für mich praktisch nicht in Frage kommt. Nicht zu diesem Zeitpunkt. “Die Phalanx”, von der immer wieder die Rede sein wird, dient mir als Arbeitstitel für ein rein investigatives und gleichzeitig vermittelndes Projekt, das auf Belehrungen, Predigten u.ä. komplett verzichtet und niemandem ins Gewissen reden soll. Eine regelrecht antipolitische Phalanx sozusagen, mit dem einzigen Ziel, ein Maximum an Verständnis zu produzieren, über Frömmigkeitsgrenzen jeglicher Art hinweg. Denn die Bunker, von denen du sprichst, Sil, die kann man genauso im Geist bauen. Nimm z.B. die Mauer, die Berlin und das ganze Land zerteilte. Die hat nicht etwa wegen des Betons in den Straßen jahrzehntelang gehalten, sondern wegen des Betons in den Köpfen. Verrammelte Türen sind doch gerade im Geist das Normalste von der Welt. Der Cyberspace macht die Öffentlichkeit jetzt ungeschminkt sichtbar, und dir ist sicher nicht entgangen, wie viel Hass und gegenseitige Verachtung sich da täglich entlädt. So gesehen sind die Barrikaden im Geist meine politischen Widersacher. Oder anders gesagt: Mir geht es nicht um “die Wahrheit” (die jeder für sich in Anspruch nimmt), sondern vielmehr und v.a. um Wahrnehmung.

    Dein “Schreckgespenst, das in Europa umgeht,” finde ich ja sensationell gut beobachtet. Mal abgesehen davon, dass die römisch-allumfassende Priesterbruderschaft plus Glaubensgemeinde als gewichtigste Körperschaft von allen immer noch die größte Bastion in der Welt darstellt und die Bundesrepublik laut Spiegel Online genauso sozialkatholisch verfasst ist wie die gesamte moderne EU (mit einem Quasi-Jesuiten als Präsident des Europäischen Rates), hatte dieses monolithische Denk- und Lenkungssystem zwischenzeitlich eine neue und sehr beträchtliche Heimat gefunden: die Kommunität des kommunistischen Ostblocks, eine Kleriker-Diktatur par excellence. Mit Parteisekretären als Predigern sowie Gedankenpolizisten und einer Nomenklatura so verknöchert-bürokratisch und inquisitorisch-kanonisch wie ihr Vorbild in Rom. “Allumfasst” von einer Todeszone, seitdem klar war, dass das Experiment scheitern wird. Und was geschah unmittelbar nach dem Bau der Mauer? Glasnost auf katholisch – die Wende durch das Zweite Vatikanische Konzil. Wieder angeführt von den Gefährten Jesu. Ich kenne bisher niemanden, der diesen Zusammenhang je hergestellt hätte. Zwar fehlen mir noch konkrete Beweise, aber es besteht eine realistische Wahrscheinlichkeit, dass das gesamte sozialistische Großprojekt in Asien und Osteuropa Teil der Gegenreformation gewesen ist.

  16. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tosco

    Sehr interessant, was Du schreibst. Neben dem Katholentum – und nicht immer, nicht einmal verdeckt, mit jenem verbündet – gibt es mindestens noch zwei bedeutende (westliche) Machtgruppen, die wiederum miteinander verflochten sind: deren eine reklamiert z.B. in Großbritannien allein 280 000 Mitglieder für sich, wohl die wenigsten davon Bettler, Bauern oder Putzfrauen.

    Betrachtet man die Sache allerdings phänomenologisch, wie Du ja anhand des kommunistischen Experiments als einem von einer Priesterschaft geführten trefflich ausgeführt hast, so stellt der Vatikan mit seiner Struktur natürlich den Vorläufer und immer noch das Paradebeispiel hierfür dar.

    Allemal stellt sich selbstverständlich auch die Frage, was die Scharmützel zwischen z. B. Opus Dei und bestimmten Freimaurergruppen, oder auch, wie von Dan Brown im “Da Vinci Code” zum populären Abenteuer verarbeitet (habe mir den Schinken grade mal zur Entspannung auf Englisch reingezogen und will dessen verschiedene fragwürdige Aspekte hier jetzt nicht einzeln aufgreifen), zwischen der Kirche und der Prieuré de Sion, in Wirklichkeit zu bedeuten haben, inwieweit diese oft nicht nur Puppengefechte.

    Sehr erhellend zudem Deine Ausführungen zum “Wort” gegenüber dem älteren “Film”; ebenso die Erwägungen zum “Tipping Point”.

    Hier sind wir dann m. E. auch bei der Frage nach den die Realität kontrollierenden “malditos encantadores” (im Don Quijote), die ich in der Fortsetzung zum obigen etwas nachlässig mit “bösen Zauberern” übersetzte, während “maldito” genauer “verflucht” (schlechtgesagt) bedeutet und ein “encantador” eigentlich ein “Einsinger” (von “cantar”, “singen”) ist, das Adjektiv “encantado” in etwa “entzückt” oder aber auch ( !) “verwunschen” bedeutet.

    Darauf wollte ich eigentlich erst im Vierten Teil eingehen, werde dies auch sicherlich dort wiederholen und vertiefen, auf dass es nicht im hiesigen Kommentarstrang an manchen Lesern vorbeigehe; nun passt es aber durchaus schon hierher, so dass es wenig Sinn ergäbe, diesen Hinweis “aufzusparen”; und zumal mag es ja sein, dass Du oder Sil oder ein anderer Leser den Komplex schon zuvor weiter aufgreifst bzw. aufgreift, so dass entsprechende Erwägungen bereits hier im Faden und später dann als zitierte Textbausteine Platz finden.

  17. Sil sagt:

    @Tosco

    Meines Erachtens ist der folgende Satz von Dir, die Essenz von allem was auf unserer Welt passiert.

    “Verrammelte Türen sind doch gerade im Geist das Normalste von der Welt.”

    Mit dem verrammeln von Türen im Geist, beginnt jede Art von Unterdrückung und die Lösung aller Probleme ist die Beseitigung des Betons im Geist. Wie verrammelt man Türen im Geist bei anderen Menschen besser, als daß man sie traumatisiert? Es gibt einen schönen Ausdruck in Satzform dafür, der heißt: “The first cut is the deepest”.
    Welcher Mensch kann sich nicht an so einen ihm zugefügten Schnitt in seinen Geist, ein ihm zugefügtes Trauma erinnern? Ich denke, JEDER kann das.

    Aber der Mensch neigt eben auch dazu, den ihm zugefügten seelischen Schmerz so rasch wie möglich verdrängen zu wollen. Davon geht der Schmerz aber nicht weg, er wird nur “verrammelt” bzw. in Beton gegossen. Der verdrängte Schmerz sucht sich dann andere Wege sich zu offenbaren. Der eine wird ein spanischer Nationaldichter, dessen Geist über von kleineren bis größeren Verrücktheiten durchdrungene Geschichten die Freiheit versucht zu bekommen, die ihm eigentlich schon von vornherein zugestanden hätte. Die Frage ist dabei, hätte Cervantes Geist solche Sprünge in die Freiheit der Phantasie auch gemacht, wenn er kein Trauma erlitten hätte?

    Ein anderer Mensch versucht vielleicht sein Trauma zu verarbeiten, indem er anderen mit innerlichem Vergnügen dabei “hilft”, ihren Geist in Beton zu gießen. Klar ist das dann quasi schon fast ein verbrecherischer Akt, wenn man dem Täter nicht zugute halten müßte, daß er ja selbst ein seelisch leidender Traumatisierter ist.
    So mauern sich die Menschen ihren Geist also mit der Zeit gegenseitig zu und irgendwann gipfelt das Ganze in einem gigantischen gesellschaftlichen Trauma aus dem es kein Entrinnen mehr zu geben scheint. An dieser Stelle möchte ich auf 9/11 verweisen. Jetzt wird es etwas kompliziert: Machten hier Täter Opfer zu Tätern oder waren es Opfer die zu Tätern wurden, womit in sich hinein grinsende Irre, die schon immer Täter gewesen sind, einer ganze Gesellschaft ganz bewußt ein Trauma verabreichten?

    Das Erkennen, daß 9/11 geplant gewesen ist, hat wahrscheinlich bei vielen Menschen genau das Gegenteil erreicht,wie es von den Irren im Hntergrund gedacht wurde. Es erfolgte bei vielen Menschen so etwas wie eine positive Traumatisierung und verrammelte Türen im Geist öffneten sich plötzlich. Wie weit die Folgen davon noch gehen, wird man erst noch abwarten müssen. Aber meine Meinung ist, es tut sich ganz gewaltig etwas und zwar auf der ganzen Welt. Natürlich ist das Internet daran auch maßgeblich beteiligt und wie die Irren im Hintergrund selbst verlauten ließen, ist das www mit der größte Fehler, den sie sich geleistet haben. Deshalb versuchen sie nun ja auch, es mit allen Mitteln unter die totale Kontrolle zu bekommen. Die Frage ist nun, ob man zerbröckelten Beton im Geist aber einfach wieder kleben kann?

    “Glasnost auf katholisch – die Wende durch das Zweite Vatikanische Konzil.”

    Daß der Vatikan hauptsächlich für das Verrammeln von geistlichen Türen zuständig und verantwortlich ist, sollte wirklich langsam jedem aufgefallen sein, womit ich ja sicher nicht zu erklären brauche wie irre das ist. Gerade jene, die von sich selbst behaupten die Geistlichen zu sein und wovon der Papst als ihr Oberhaupt behauptet, der Stellvertreter Gottes, also der Obergeistliche auf Erden zu sein, sind es doch, die das Betonieren von menschlichem Geist erfunden haben, bei denen es also höchstwahrscheinlich seinen Ursprung hat und was sie zu Anfangstraumatiseuren macht. Ob man solche Leute dann aber auch noch Opfer nennen kann, müßte noch diskutiert werden.

    Mit Deinen Ausführungen Tosco gehe ich also soweit konform, frage mich aber, warum Du das Ganze dann am Schluß auf Jesus beziehst.

    “Wieder angeführt von den Gefährten Jesu.”

    War Jesus denn ein Katholik oder hat der Vatikan in Jesus nicht vielmehr ein super Opfer gefunden, um mit der Verfälschung des von ihm für den menschlichen Geist gewollten, nämlich absolute Freiheit für jedermann, etwas aufzubauen was viel besser als ein Bunker aus Beton für den Geist der Menschen ist. Unsichtbare Fesseln, unsichtbare verrammelte Türen, ein Trauma für jeden, der das verfälschte Geistliche annimmt, aber gleichzeitig auch für jeden, der das verfälschte Geistliche ablehnt. Wirklich so gut wie perfekt, denn wen gibt es dann noch, der sich dagegen wehren kann, wenn es nur zwei Wahlmöglichkeiten gibt und beides nur über diverse Verdrängungsmechanismen des einzelnen so in etwa im Zaum gehalten werden kann?

    Die Lösung liegt vielleicht und höchstens noch darin, sich selbst positiv zu traumatisieren, so wie es z.B. Cervantes auf seine spezielle Art getan hat, oder auch Nietzsche auf seine Art sich geistliche Freiheit zu erschaffen, oder ganz ihm Gegensatz zu ihm jemand, der zur urchristlichen Freiheit zurückgekehrt ist, die Jesus in Person und Geist gleichzeitig ausmacht und der wirklich verstanden hat, worum es dem echten Sohn Gottes wirklich geht.

    Wie ein traumatisierter Menschen letztendlich die verrammelten Türen in seinem Geist öffnet, ist doch erst einmal zweitrangig. Hauptsache ist doch, daß es passiert und er so zum positiv traumatisierten Mensch wird. Dann ist der Weg für den Geist frei und welche Windmühlen werden sich ihm dann noch als Schreckgespenster in den Weg stellen können?

    Die Wahrheit ist nur auf äußerst raffinierte Art und Weise, evtl. und wie es scheint wirklich von Jesuiten die hinter dem Papst stehen verhüllt worden, aber es gibt sie noch auf dieser Welt, die WAHRHEIT. Öffnet Euren Geist und Ihr werdet die Wahrheit auch für Euch finden.

    Der Hass und die gegenseitige Verachtung die sich dabei täglich entlädt, wie Du sagst, wird das aus der Verdrängung erwachende Trauma in den Köpfen vieler Menschen sein, die noch nicht so recht wissen, wie sie damit umgehen sollen, aus dem von Katholiken erbauten Gefängnis für den Geist entkommen zu sein. Die Angst vor der Inquistion steckt den Menschen sozusagen noch in den Knochen und vor allem auch in ihren Genen, ebenso wie vielleicht auch das, was die Nazizeit ausmachte und später dann das geteilte Deutschland. Schlag auf Schlag bekamen die Menschen ab, ihnen wurde ein Trauma nach dem anderen verabreicht. Wer kann so etwas alles geistlich verkraften, um am Ende doch als positiv traumatisierter Mensch da heil herauszukommen und für immer Schluß damit zu machen, sich in eine Opfer-Täter-Rolle drängen zu lassen? Wer kann an diesem besonderen Tag des vollständigen Erwachens bestehen?

    Doch so einem Menschen winkt am Ende die absolute Freiheit über oder durch seinen Geist. Und dann hat kein Traumatiseur bei ihm noch irgendeine Chance.

  18. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sil

    Brilliant. Danke.

  19. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tosco & Sil

    Als ich den Zyklus “Vom positiv traumatisierten Menschen” begann, sodann auch noch den Quijote als Beispiel heranziehend, vermutete ich kaum, eine so profunde und weitgespannte Resonanz daruf zu erhalten, wie Ihr hier einbringt.

    Seit der Diskussion um “Die Macht des Klarnamens”, die “Decknamenfritzen im Netz” und “Drei Neue Nicks” ff. , die nicht zufällig schon eine Menge dessen aufwarf, was hier erörtert wird (Befreiung des Individuums), hatte ich selten das Vergnügen, derart engagierte und gut verfasste Leserbeiträge zu bekommen. Noch einmal mein Dank dafür.

    Wie ich oben schon erwähnte, habt Ihr inzwischen einen erheblichen Teil dessen, was ich im Vierten Teil anschneiden wollte, bereits vorweggenommen, so dass ich diesen werde reichlich anders verfassen müssen, als mir vorschwob; jetzt habe ich noch einen Schlag Mehrarbeit vor mir, denn an Zitaten und Querverweisen auf das von Euch Eingebrachte komme ich nun sicherlich nicht mehr vorbei.

    So allerdings macht unerwartete Mehrarbeit große Freude.

    Ihr habt mich sozusagen positiv traumatisiert (hoffe ich mal…).

  20. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sil

    Noch zu 9/11 bzw. Deinen Ausführungen im Zusammenhang dazu.

    Teils gebe ich Dir vollkommen recht in Deiner Analyse.

    Aber: Für viele Menschen bedeutet gerade die Erkenntnis, dass dies ganze gelegte Ei ein faulichtes ist, wie dreist hier vorgegangen wurde, gelogen wird, das darauf errichtete Edifizium Maliziosum jedoch wider alle Vernunft zu stehen scheint, wie ein Fels, eine Traumatisierung in die Hoffnungslosigkeit.

    Ich habe nicht wenige kennengelernt, die, ob sie nun teils zum ersten Mal so richtig aufwachten, teils schon länger mehr als die offizielle Geschichtsschreibung kannten, 9/1 1 geradezu zum Beweis dafür hernahmen, gewisse Leute könnten tausendmal der Lüge überführt werden, und es hülfe doch nichts, nichts ändere sich dadurch; es sei daher einfach hoffnungslos, zu glauben, diesen Leuten sei einst das Handwerk zu legen, man sei also doch ein Spinner, vergeude sich, wenn man gar noch Lebensenergie dareinstecke.

    Einer überzeugt davon dann den anderen, und eine sehr effektive Schleife ist in Gang gesetzt.

    Und es ist gar nicht so leicht, diese Einschätzung zu entkräften, wenigstens ins Wanken zu bringen, denn, wie ich hier (kürzlich auch unter den “Sammelaphorismen”) ja auch schon verschiedentlich thematisiert habe (ebenso: “Von der Kunst des Lügens”): Es läuft z.B. ein Tony Blair, der sein Volk unzweifelhaft in den Irakkrieg hineingelogen hat, immer noch herum wie Karle Bräsig, kassiert 50 000 Pfund für einen Vortrag seines “Expertenwissens”, ist, wenn ich mich nicht irre, immer noch Nahostbeauftragter der EU…

    Die ultimative Demütigung, Entmutigung, Entmündigung besteht eben darin, die Leute offen anzulügen, ihnen zum Spotte noch hinterherzuschleudern, wie leicht einem das falle, wie ebenso leicht man Leuten, die lediglich auf klar erwiesene Wahrheiten hindeuten, jederzeit die Existenz schwermachen, wenn nicht zerstören kann.

    Wir haben diesbezüglich, meine ich, inzwischen eine ganz andere, noch wenig ins Bewusstsein selbt der Bewussteren gedrungene Qualität der Massenlenkung wie individuellen negativen Traumatisierung erreicht.

    Deshalb gilt trotzdem alles, was Du ausführtest: Dies ergänzt es lediglich, und wo die Sache in der nächsten Zeit noch hinläuft, das ist in der Tat offen.

    Es liegt aber auch wesentlich an uns.

    Diese Seite immerhin wird vermutlich nicht nur von Blöden und von Schlapphüten gelesen (was natürlich oft dasselbe ist).

  21. Sil sagt:

    Die kleinsten Ritzen, durch die jemand noch die Freiheit für seinen Geist erlangen könnte, sollen bald dicht gemacht werden. EIN Staat (eine Weltregierung) und EINE Religion, der alle zu folgen haben, wird das Ergebnis sein. Hoffentlich genügt die positive Traumatierung von vielen Menschen, um der Unvernunft die Stirn zu bieten. Wir werden es vermutlich live miterleben. Auf welche Seite werden sie sich stellen, die Leute? Nehmen sie den einfachen Weg und lassen sie sich für immer einsperren oder wählen sie den Weg des freien Geistes wie Don Quijote?

    http://ivarfjeld.wordpress.com/2011/01/15/ecumenical-unity-week-focuses-on-original-community-in-jerusalem/

    “Der Vatikan ist bereit ein himmlisches Jerusalem auf Erden zu bauen (siehe Quelle Ivarfjeld). Christliche Leiter bereiten die Woche der Einheit für 2011 vor.”
    Erkennt Ihr die große Bedeutung davon? Wir sind nicht mehr weit davon entfernt, dann haben wir den Superbunker Erde als Gefängnis für uns alle. Unterschätzt nicht die Macht des Vatikans.

    @MWGöller

    “Ihr habt mich sozusagen positiv traumatisiert (hoffe ich mal…).”

    Dabei kann ja dann nur etwas sehr Gutes herauskommen. Wir dürfen also wieder gespannt sein. Ein großes Dankeschön ebenfalls an Sie Herr Göller.

  22. Sil sagt:

    @MWGöller

    “Es liegt aber auch wesentlich an uns.”

    Es liegt immer nur an uns – an jedem einzelnen Menschen, und nur ein freier Geist kann und wird am Ende siegen.

  23. Tosco sagt:

    Das scheint sich zu entwickeln … (sprach John McClane).

    Deine “verrammelten Türen” erinnern mich an gewisse “rhetorisch verbarrikadierte Betstuben” vom letzten Sommer, Sil. Und deine Frage, wie mauert man Geist und Seele besser zu als durch bewusste Traumatisierung, bringt uns wieder zum eigentlichen Thema zurück. Ich denke, wir müssen, wenn wir uns über “die Essenz von allem, was auf der Welt passiert,” Gedanken machen wollen, zunächst zwei Dinge auseinanderhalten: Um den Begriff “Trauma” nicht über die Maßen auszudehnen, um ihn nicht überzustrapazieren, scheint es mir angebracht, ihn wie allgemein üblich nur bei einschneidenden, also seelisch überwältigenden, kurzzeitigen Erlebnissen anzuwenden (“the first cut” etc.) und nur dafür, denn aus Sicht der Architekten solcher Betonabsperrungen im Geiste gibt es neben der gezielten Traumatisierung auch die systematische, andauernde Variante, die Verschwörungsrhetoriker gern als “Gehirnwäsche” beschreiben. Weil nun leider “das Normalste von der Welt” nur für “Verschwörungstheoretiker” eine “Verschwörung” ist und in Wahrheit viel komplizierter und zivilisationsbedingter, sehe ich in der seelischen Vergewaltigung (Trauma) und der – ich nenn’s jetzt mal – terminologischen Vereinnahmung (Erziehung) zwei grundlegende Frömmigkeitsstrategien, die sich erstens in zeitlicher Hinsicht voneinander unterscheiden sowie darin, dass die Vergewaltigung die Seele praktisch waterboardet, während die Vereinnahmung eher auf die Seele einflüstert, sie streichelt, mit ihr spielt usw. Wie beide Strategien miteinander kombiniert werden, lässt sich sehr gut am Beispiel der “9/11″-Kontroverse beobachten und mindestens genauso gut am bewährten Vorgehen Rom-höriger Priester, die bis heute nicht davor zurückschrecken, ihre theologisierte Weltanschauung auch durch flächendeckenden Kindesmissbrauch weiterzuvererben.

    Nimmt man das Betonieren der Köpfe, also das Phänomen des geistlichen Mauerbaus, genauer unter die Lupe, stellt man schnell fest, dass es so alt ist wie die gesamte Zivilisation. D.h. mit den Mauern für Häuser, Tempel und Paläste wurden auch welche aus Worten aufgetürmt – schätze, der Freimaurerorden lässt schön grüßen an dieser Stelle … Oder anders gesagt: Mit dem Sesshaftwerden wurde auch das Denken sesshaft, mit dem Sesshaftwerden kam der Glaube. Dieses ordnungsstiftende Hirte-Herde-Grundprinzip, das in akademischen Fakultäten meines Wissens nur rückblickend hinterfragt werden darf, nun im Zuge des “9/11″-Traumas und ähnlicher Tatbestände als Verschwörung definieren und verstehen zu wollen, kann deshalb nur schiefgehen, weil bei einer rein kriminalistischen Untersuchung entscheidende Aspekte unterbelichtet bzw. komplett unberücksichtigt bleiben. Kurz: Der Begriff der Verschwörung funktioniert einfach nicht im kulturellen Kontext. Darüber schreibe ich an Herrn Wisnewski, der schon länger die Freudsche Dreier-Einteilung “Ich, Über-Ich und Es” auf die Gesellschaft im Ganzen anwendet – mit den arkanen Seilschaften der Eliten als dem nichtbewussten Unterbewusstsein “Es”, der Verfassung als “Über-Ich” und der gesellschaftlichen Wirklichkeit, wie sie sich in der öffentlichen Meinung widerspiegelt, als “Ich”. Weshalb nämlich das Verrammeln kognitiver Ein- und Ausgänge so normal bzw. “allzu menschlich” ist, dafür gibt es eine ganze Reihe handfester Gründe.

    Ich hab mir auf Youtube gestern “WikiRebels”, eine Dokumentation über WikiLeaks, angesehen und war einigermaßen überrascht, weil mich das Projekt von Assange & Co. bisher noch kaum interessiert hatte. Plötzlich scheint es, als wäre dieses flexible Netzwerk engagierter Computerprofis und überzeugter Transparenz-Erzeuger eine gewaltige Plattenverschiebung bei den tektonischen Umbrüchen im medialen Sektor, wo am Ende dieser demokratisierenden Informationsrevolution dann “ein Sandkorn” genügt. Welche andere westliche Nachrichtenagentur zeigte denn den Krieg um Babylon, wie er tatsächlich ist? Keine! Deshalb dreschen jetzt auch alle (Partei-)Politiker und Medienpolitiker – ich kann diese Hochstapler einfach nicht länger “Journalisten” nennen – im Schulterschluss mit Kabarettisten und anderen Fernsehschauspielern auf diese neuartige Whistleblower-Phalanx namens WikiLeaks verbal ein.
    “What is new is us forcing cooperation between competitive organizations that would otherwise be rivals. To do the best by the story, as opposed to simply just doing the best by their own organization.” O-Ton Assange und der Grund, weshalb ich hier überhaupt damit anfange. Die im Falle des “Irakkriegs” doppelt – zum einen im Medien- oder Staatskonzern, zum andern im Militär – “eingebetteten” Kriegsberichterstatter des Corporate Mainstream, die die Öffentlichkeit durch ihre schiere publizistische Dominanz im Wesentlichen nach Belieben verwalten und administrieren, waren doch schon von vornherein zur Auftragsarbeit vergattert und bleiben es prinzipiell auch. Würdest du etwa behaupten wollen, unsere “deutsche demokratische” Gesellschaft strotzt nur so vor Ehrlichkeit? Doch eher vom Gegenteil. Und damit verblasst nun mal vieles zu Makulatur.

    Die Gefährten Jesu hätte ich mal lieber in Anführungszeichen gesetzt, damit waren nämlich nur die in den Jesuitenorden eingeschworenen Priesterritter gemeint: die wieder zum Leben erweckten Tempelritter. Die Bezeichnung “Gefährten von Jesus” rührt von der Vision her, die der heilige Ignatius gehabt haben will (oder meinetwegen auch gehabt hatte) und die dem Kampfverband den Namen gab. Also “Gesellschaft Jesu” im Sinne von “Jesus’ Begleiter” oder “zusammen mit Jesus” – man könnte auch sagen die “Kompagnons” oder “Kumpel” von Jesus (engl. “Company of Jesus”). Ich bin erst vor kurzem bei Rita Haub drauf gestoßen. (“Diese Vision besagte, dass er und seine Gefährten Gott dienen sollten, indem sie zusammen mit Christus gesandt werden, den Menschen zu helfen. Ignatius hatte so eine große Andacht zum Namen Jesu gefasst und ließ sich von keinem Widerspruch davon abbringen, seine Gemeinschaft ‘Gesellschaft Jesu’ zu nennen.”) Dass sie ihren “Chief Executive Officer” als den “Christus quasi praesens”, den gegenwärtigen, quasi anwesenden, Christus anhimmeln, war mir dagegen dank Mathilde Ludendorff schon länger bekannt. Die “Gefährten Jesu” betrachten sich in ihrem eigenen Verständnis als die faktischen “Jesusse auf Erden”. Da kannst du dir in etwa ausrechnen, wie eklatant sich deren Frömmigkeit von jeder anderen unterscheidet.

    Fortsetzung folgt.

  24. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tosco

    Vielschichtig!

    Obgleich Du oben Sil direkt angesprochen hast, erlaube ich mir, Dir teilweise zu widersprechen.

    Traumatisierung besteht meines Erachtens nicht nur aus “einschneidenden, also seelisch überwältigenden, kurzzeitigen Erlebnissen”.

    Hochbegabte Kinder beispielsweise werden sehr häufig nicht durch wie von Dir definierte Erlebnisse traumatisiert, sondern die Traumatisierung vollzieht sich schrittweise.

    Einmal, zweimal, dreimal mit einer guten, ungewöhnlichen Idee oder ob einer andersartigen Herangehensweise an ein Problem, eines eigentümlichen Witzes oder sonstigen Verhaltens ausgelacht, ausgegrenzt, gedemütigt, das verkraften die meisten; erzeigt sich aber dauerhaft, dass e b e n g e n a u d a n n, wenn das Kind sich sicher ist, etwas besonders Fruchtbares vorzulegen bzw. zu leisten, die Ablehnung und Erniedrigung am härtesten ausfällt, so führt dies oft zur nachhaltigen, akkumulativ über viele “leichte” Schläge erreichten, veritablen Traumatisierung. Die Knäste und Irrenhäuser sind voll von auf diese Art aus der Bahn Geworfenen.

    Dass die Gesellschaft in diesem Zusammenhang mehr oder weniger zivilisationsbedingt, automatisch reagiert, in der Regel keine echte, auf den Einzelnen ausgerichtete “Verschwörung” dahintersteckt, ändert dabei nichts am Befund.

    Im übrigen werden klug angelegte, gezielt (verschwörungsmäßig) auf einen Einzelmenschen ausgerichtete Traumatisierungen, wenn genügend Grund, Ressourcen und Zeit vorhanden, nach demselben Prinzip vorgenommen; und zwar aus verschiedenen, im Sinne der Perfidie und der angestrebten Wirkung durchaus vernünftigen Gründen.

    Zunächst muss ich aber noch ein wenig ausholen. Als ich kürzlich mit einem Kollegen erörterte, wie sehr kleine Gruppen (jenseits des Geldes und Militärs) sehr große Macht entfalten können, nannte er mir folgendes Beispiel: Angenommen, in einem vollen Kino steht einer auf und schreit: “Feuer!”. Die Leute wundern sich, sind etwas beunruhigt, schauen nach Rauchentwicklung und Flammen, prüfen mit der Nase. Stehen nun aber, wenige Sekunden später, drei an verschiedenen Stellen plazierte “Eingeweihte” auf, brüllen “Feuer!”, und rennen wild-panisch zum Ausgang, so ist die Massenpanik programmiert.

    Dies Prinzip lässt sich natürlich auch feiner, übertragen und gegen einen Einzelnen anwenden, so dass ein zunächst aus wenigen Personen bestehendes Komplott die Masse gegen die Zielperson bewegt, wie von Geisterhand gezogen, diese nach einiger Zeit leicht den Eindruck bekommt, “alle haben sich gegen mich verschworen!”, damit umso mehr Fehler macht, sozial immer stärker ausfällt, der gewünschte Effekt, die Traumatisierung, wiederum sukzessive eintritt.

    Nun zu den Gründen, weshalb bei gezielter Traumatisierung gerne die sukzessive Methode angewendet wird.

    Nehmen wir an, eine Person steht gewissen Machtgruppen im Wege, diese fühlen sich durch deren Handeln und Strahlkraft, deren Beispiel herausgefordert. Nehmen wir weiterhin an, diese Person habe schon einiges zu verkraften gelernt, wisse, mit wem sie es im Großen und Ganzen zu tun hat, um die damit verbundene Gefahr, werde, bei allem üblichen Kopfschütteln ob ihrer Sturheit und Renitenz, doch schon von manchen hoch geachtet, anderen insgeheim bewundert, lasse einfach nicht nach, im Gegenteil.

    Nun kann man diese Person natürlich auf die Intensivstation prügeln lassen oder sich mit einem Fallschirm zutode springen oder einfach verphaetonisieren oder verbadewannen; bei allem in manchen Fällen gewünschten Abschreckungseffekt mag man, jenseits des kriminalistischen Restrisikos, doch eine andere Wahl treffen.

    Zum einen, im Falle der Intensivstationsvariante, mag die Zielperson, wenn halbwegs genesen, als Tier an die Wand getrieben, völlig Unerwartetes ganz plötzlich ins Werk setzen; zum anderen, jeglicher Skrupel entledigt und vollends todesmutig, zunächst in eine Art Schläferzustand sich zurückziehen, nichts mehr verlauten lassen, bis zu dem Tage, an dem sie ohne jegliche Rücksicht vor Verlusten, sorgsam aufgespart und geplant, sozusagen aus dem Hinterhalte erbarmungslos zurückschlägt.

    Als dritte Variante, wenn man sie lediglich zur Weiterverwendung in den eigenen Reihen brechen wollte, mag die Zielperson zum Scheine einwilligen und erst Jahre später, nach perfektem Schauspiele, die eigenen Reihen von innen her zerstören.

    Im Falle der Verunfallung oder des offenen Mordes bleibt zum einen das Problem bestehen, dass die Zielperson den anderen nicht als eigentlich gescheitert vorgeführt werden kann, alswelches häufig das Hauptziel, sie kann gar, wenn es ganz dumm läuft, eine Art Märtyrerstatus erlangen bzw. zu einer Legende werden, zumal bezüglich dessen, was sie wohl noch alles erreicht hätte, wäre sie nicht so früh verschieden (worden), zum Gegenstand unerwünschter Nachforschungen, Spekulationen etc.

    Wesentlich zielführender mag es also sein, diejenige Person in die Paranoia zu treiben oder sonst zu Handlungen zu verführen, Schritt um Schritt, zu Äußerungen zu verleiten, mit denen sie sich scheinbar oder tatsächlich (das ist dann leicht dasselbe) unmöglich macht.

    Mit dieser Methode wird dann, wenn sie Erfolg zeitigt, erreicht, dass die Zielperson ihr Bild vor den anderen selbst zerstört, damit den Irrsinn all ihrer vordem als hehr erscheinenden Anliegen sozusagen selbst nachweist, hiemit viele potentielle Gegner der sukzessiv Traumatisierenden wenigstens hemmt, wenn nicht wesentlich ablenkt oder gar umdreht.

    Und genau diese Methode wird ganz wesentlich in den kulturellen bzw. zivilisatorischen Kontext eingebunden, diesen eiskalt ausnutzend angewandt.

    Noch zu Wikileaks: Wie Du bei mir in diversen Artikeln dazu lesen kannst, auch erst gestern wieder, bin ich nicht Deiner Ansicht, dass dieser Laden allzuviel taugt, um es mal gelinde auszudrücken.

    Dass die mal einen Hubschrauber gezeigt haben, dessen Besatzung vergnügt Zivilisten abballert, heißt für mich nichts.

    Es war längst klar, wie das da unten abläuft. Hätten sie was zur Uranmunition gebracht, was allerdings auch schon jeder Informierte weiß, indes kein Thema ist. Oder zu Marjah, dito.

    Mir persönlich haben die n i c h t e i n e relevante Information geliefert.

    Und wer sich genehmigtermaßen mit der NYT, dem Guardian und dem Spiegel ins Bett legt, dem habe ich zu den Weltenläuften aussagend ohnehin keinen Grund, Vertrauen zu schenken, im Gegenteil.

  25. Sil sagt:

    @MWGöller

    “sondern die Traumatisierung vollzieht sich schrittweise…..über viele “leichte” Schläge erreichten, veritablen Traumatisierung.”

    Diesem Ansatz möchte ich widersprechen.
    Trauma oder Psychotrauma (griech.: Wunde).
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Trauma_%28Psychologie%29

    Eine seelische Wunde ist sozusagen oft nur eine Sache des Augenblicks, geschehen während einer kurzen Zeit. Eben “the first cut”. “Die Erinnerung einer Person an die Situation eines für sie seelisch einschneidenden Erlebnisses”.

    Was Sie anschneiden, hört sich eher nach (geplanter) Gehirnwäsche an, so wie es z.B. die Ausbildung zum Soldaten beinhaltet, alle gegen eine für alles offene Kinderseele, die man mit dem Unsinn von Evolution ist von selbst erfolgte Schöpfung oder anderem malträtiert, eine Einladung an jemand ins KZ, wenn man ihn loswerden und auf verschiedenste Art quälen will usw. So kann ein Soldat, ein Schüler oder ein KZ Insasse schrittweise durch viele “leichte” Schläge zwangsweise an das gewöhnt werden, was andere ihm abfordern, aber als ein Trauma im herkömmlichen Sinne möchte ich das nicht bezeichnen.

    Jemand kann sogar ein Trauma durch eine besondere Situation erhalten haben, was ihm selbst aber, möchte mal sagen im Geiste verloren gegangen ist und er damit wie hypnotisiert sein Leben weiterführt, ohne daß er selbst merkt, daß etwas mit ihm nicht stimmt. Das Besondere an einem Trauma ist noch, es kann jederzeit wieder hellwach werden und dem Betreffenden das Leben zur Hölle machen. Ich weiß wovon ich rede, wenn ich das hier so sage.
    Siehe dazu hier:
    http://www.psychiatriegespraech.de/psychische_krankheiten/ptsd/ptsd_ueberblick.php

    Eine Schrittweise erfolgte Beeinflussung wird hingegen ganz anders aufgenommen, kann sich natürlich auch erheblich auf das Verhalten von Menschen auswirken. Unsere Gesallschaft ist in ihrer Gesamtheit ein prima Beispiel dafür.

    Das hier ist z.B. ein Fall, der auf Ihre Darlegung paßt wie gleichermaßen auch auf meine:

    http://kochministrys.wordpress.com/2011/01/18/11-september-blaupause-fur-die-wahrheit/

    @Tosco

    “Die Gefährten Jesu hätte ich mal lieber in Anführungszeichen gesetzt”

    Alles klar! Schön, daß wir uns einig sind.

    @Tosco und @MWGöller

    Was jetzt wichtig ist, wie bekommt man eine ganze Gesellschaft dazu ihre wie auch immer geartete Traumatisierung im einzelnen oder die erfolgte Gehirnwäsche von allen so zu verarbeiten, damit eine positive Traumatisierung zu Gunsten aller und für ein neues System daraus erwächst?

    Nur als Beispiel: Mauer weg! Todesschützen an der Grenze weg! Ging doch, geht doch! Wo sind sie alle geblieben, die Überwacher und Verräter; Oder wo blieb damals die Armee von Sadam Hussein? Ein System von korrupter und durchtriebener Macht, kann schneller kippen als man denkt. Die NWO wird auch ohne Gewalt ihr Ziel nicht erreichen. Sehen wir es einfach mal positiv.

  26. Tosco sagt:

    Sehr gut, Magnus, ich glaube, so kommen wir ins Geschäft – ich meine, so könnten wir ins Geschäft kommen. Solltest du dich auf eine Korrespondenz einlassen wollen, wäre mein Vorschlag, dass du deine Kommentare – nicht unbedingt jeden, nur die längeren – auf einem neuen Kalenderblatt unterbringst, damit wir das Material nicht nur “vertikal” (in einem endlos langen Strang) ansammeln, sondern auch “horizontal” verteilen. Auf diese Weise würde ich z.B. ausführliche Beiträge auf meiner Website handhaben: Entweder nur den Permalink des entsprechenden Textes, Textauszüge oder den ganzen Text selbst nochmal veröffentlichen als Vorlage und dann weiter, wie es Usus ist in den Foren oder was einem sonst noch alles einfällt. Und eine neue Rubrik. Wegen den “Schichten” brauchst du absolut keine Hemmungen oder Bedenken aufkommen zu lassen, da irgendwelche nicht mit abgearbeitet zu haben oder so. Zur Realität von Komplexität gehört einfach die Tatsache, dass sie (in unserem Universum) immer weiter zunimmt. Und wenn wir uns ernsthaft Klarheit über bestimmte Sachen verschaffen wollen, führt kein Weg daran vorbei, die verwirrende Vielschichtigkeit der Wirklichkeit anzuerkennen und ihr mutig “gegenüberzutreten”, Definitionen zu wagen, Untersuchungen voran zu treiben usw., um irgendwann Unübersichtlichkeiten wie die der “Neuen Weltordnung”, der “Neue-Welt”-Ordnung und kleineren Einheiten davon möglichst stimmig in verständliche Kernaussagen aufzulösen, um im Endeffekt einen belastbaren gemeinsamen Nenner “herauszuoperieren”. Eine Essenz zu extrahieren, die eine Kostbarkeit darstellt. Deshalb “tauche” ich auch lieber im Netz als nur zu “surfen” …

    Mit deiner Kritik an WikiLeaks – “mir persönlich haben die nicht eine relevante Information geliefert” – brauchst du garnicht fortzufahren, denn genau das war der Grund, weshalb Assange und sein Projekt in meiner Wahrnehmung so blass geblieben sind bisher. Erst jetzt mit “WikiRebels” kam es für mich praktisch zum ersten Kontakt. Und die größte Überraschung dabei sind – auf den Punkt gebracht – die zwei Grundprinzipien des Netzwerks: erstens der strikte Verzicht, Meinungsführerschaft erringen zu wollen, und zweitens diese kooperativ-vermittelnde Orientierung, die ich mit dem What-is-new-Zitat hervorheben wollte. Wegen dieser in meinen Augen überzeugenden und wichtigen Grundeinstellung habe ich gleich von Whistleblower-”Phalanx” gesprochen, wobei mir schon klar ist, dass das ganze Theater – und zwar in beiden “Meinungsströmen” (oder -hochburgen) – dieses auffällig unergiebige Theater dazu dienen könnte, speziell dieses politisch sehr wertvolle “antipolitische” Konzept “medial zu verbrennen”. In einer Art frömmigkeitstaktischen Vorsichtsmaßnahme, verstehst du? Friederike hat in ihrem “Klog” ein Grundsatzpapier von Assange übersetzt, das ihn – für meine Begriffe – irgendwie in eine Art Grauzone zwischen den Lagern der “Corporatocracy” und der “Conspiracy” versetzt, und diese Platzierung macht ihn für mich nun interessant. Ich werde mich bei ihr mal zu dem Thema einklinken, da kannst du dich auf deine Rolle als Traumatisierungsbeauftragter konzentrieren … Deine kategorische Ablehnung der WikiLeaker, weil sie sich auf Verhandlungen mit Medienkonzernen einlassen, teile ich mit der Entschiedenheit zu diesem Zeitpunkt nicht, aber der Verweis auf die Generationenwaffe Uranmunition wiegt schwer an dieser Stelle und hat meine volle Unterstützung.

    Zur Begriffsproblematik Traumatisierung/Positive Traumatisierung im Moment nur soviel, dass ich denke, “Trauma” als Vokabel funktioniert nur dort, wo seelische Überforderung stattfindet: seelische Überlastung, die immer mit (mehr oder weniger gravierenden) Auswirkungen aufs sogenannte Unterbewusstsein verbunden ist und dadurch äußerst problematische, weil schwierig zu durchschauende Veränderungen zur Folge hat. Wie weit sich deine Fallbeispiele mit dieser Grenzziehung vereinbaren lassen, will ich als Nächstes mal durchdeklinieren. Fest steht, dass Berufstraumatiseure fast ausschließlich übers Unbewusste arbeiten – selbst bei der Sprache, von der wir in der Regel annehmen, sie wäre der eigentliche Bereich, die explizite Sphäre des Bewussten, oder besser vor allem bei der Sprache, eben weil wir das annehmen und die doch voller okkulter Symbolik steckt, die ihr die Computernetze jetzt gnadenlos austreiben können wie in einem spektakulären semantischen Exorzismus … Die Täter-Opfer-Frage, die Sil weiter oben im Zusammenhang mit “9/11″ aufgeworfen hatte (“Jetzt wird es kompliziert: Machten hier Täter Opfer zu Tätern oder waren es Opfer, die zu Tätern wurden, womit in sich hinein grinsende Irre, die schon immer Täter gewesen sind, einer ganzen Gesellschaft ganz bewusst ein Trauma verabreichten?”) könnte man dabei in den Mittelpunkt stellen oder als eine Art Testgelände ins Auge fassen, denn diese Debatte gehört mit zum Spannendsten, was dieser Mega-Krimi zu bieten hat. Noch spannender als im Zusammenhang mit dem “Holocaust”, würde ich sagen, weil noch undurchschaubarer und noch komplizierter. Guido Knopp und Paul Greengrass z.B. – Opfer oder Täter? Traumatisierte oder Traumatiseure?

  27. Sil sagt:

    @Tosco und @MWGöller

    “– Opfer oder Täter? Traumatisierte oder Traumatiseure?”

    Habt Ihr in diesem Zusammenhang schon einmal von diesem Buch hier gehört? Es wird nicht umsonst so schnell verboten worden sein und wie ich gesagt bekam, ist es in Deutschland nicht erhältlich. Klar, keine Ahnung warum es das Buch bei uns in den Läden nicht zu kaufen gibt. ;)

    http://gedankenfrei.wordpress.com/2008/08/17/lit-manuskript-polit/

    http://quantumfuture.net/gn/ponerologie/

  28. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tosco

    Gute Idee, das Ganze neu zu sortieren und aufzubereiten.

    Wie genau stellst Du Dir das vor?

    Ruf mich doch mal an: Ab nächste Woche sollte 0711 / 66 48 70 28 endlich funktionieren (so der Telegott will…).

  29. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sil

    Zunächst möchte ich mich bei Ihnen für meine unerfragte Duzerei entschuldigen: Manchmal weiß man im Netz einfach nicht mehr, wer einen gerade siezt und wer einfach duzt.

    Zur Sache: Sie und Tosco scheinen meine These der möglichen sukzessiven Traumatisierung partout nicht akzeptieren zu wollen, alswelches Ihr gutes Recht ist, sich mir aber logisch nach wie vor nicht erschließt, zumal da ich sehr eindeutig – zumal anhand des Beispieles des ausgelachten hochbegabten Kindes – nicht nur von demjenigen sprach, was landläufig als Gehirnwäsche bezeichnet wird, also einer vorsätzlichen, gezielten negativen Konditionierung.

    Über letztere – ich will nicht zuviel versprechen – werde ich voraussichtlich, obschon das Thema in unzähligen Büchern und Aufsätzen sattsam abgehandelt scheint, auf dieser Seite in Bälde noch ein paar Betrachtungen einstellen; geplantermaßen nicht nur im analytisch-erkenntnistheoretischen Sinne, sondern auch als praktischen Leitfaden für sowohl direkt Betroffene wie auch im Sinne der ihnen darausher entgegenschlagenden Abwehrhaltung bzw. Aggression Involvierten, derer, die sich notwendig oder aus mehr oder weniger freien Stücken zum Ziele setzen (müssen), eingesenkte psychische Strukturen bei anderen aufzubrechen.

    Dieser Themenkomplex ist jenem vom positiv traumatisierten Menschen naturgemäß nah verwandt bzw. eng mit jenem verflochten; ich habe mich aber trotzdem dafür entschieden, ihn zur rechten Zeit gesondert zu behandeln.

    Vorläufig wünsche ich daher viel Vergnügen mit den eben unter obigem Titel eingestellten Teilen IV und V.

  30. Tosco sagt:

    Sorry wegen der andauernden Sendepause, Magnat Magnus, aber du müsstest noch ein wenig mehr Geduld aufbringen. Dafür beliefere ich auch, wenn’s soweit ist, deine unzensierten Ungeniertheiten in größeren Schüben. Die Sache sieht nämlich so aus, dass sich Gerhard W.s Thema des zivilisatorisch Unbewussten – “wir müssen diese Arbeit von diesen Organisationen wirklich ins Rampenlicht stellen und sie uns anschauen, sonst können wir sowieso keine demokratische Gesellschaft haben” – mit dem von dir unterstellten Umschlagen, der Umkehr von Traumatas (ganz allgemein) ins Positive aufs Erfreulichste gegenseitig ergänzen und wie wild befruchten. Es ist, als würde ich zwei Briefe parallel schreiben, die sich eng und ständig aufeinander beziehen und mir aufgrund dieser Dynamik bisher die Genehmigung verweigern, einen der beiden abzuschicken oder wenigstens ein paar der hinreichend ausgereiften Passagen auszukoppeln. Das ganze Material, die Palette unterschiedlicher Gedankengänge scheint für meine Begriffe insgesamt noch so stark in Bewegung zu sein, dass es mir einfach verfrüht vorkommt, schon etwas davon in einem solch festen Aggregatzustand auszuliefern, der eine weiterführende Diskussion tragen müsste. Man könnte auch sagen, der Standpunkt, den ich damit einzunehmen gedenke, scheint mir noch zu schwammig formuliert – zu sumpfig der Untergrund, auf dem man bauen will.

    Gegenüber Herrn Wisnewski artet die Geschichte mit der öffentlichen Kontaktaufnahme jedenfalls eindeutig zu einer Art allgemeinen Standortbestimmung meinerseits aus, wobei es mir schwer fällt, die angesprochene Vielschichtigkeit in einen konsistenten “Rundumblick” auf der Basis seiner profunden Überlegung aufzulösen. Ohne dabei zu ausufernd zu werden, sondern mit einer möglichst prägnanten Auswahl das Kernproblem, wie es sich für mich darstellt, in seine entscheidenden Kernaspekte aufzuspalten. Und in deine Richtung versuche ich, einen angreifbaren – angreifbar hier im Sinne von falsifizierbar – also verteidigungsfähigen Umgang mit der Bedeutung von traumatisierenden Vorgängen für meine speziellen Zwecke herauszuarbeiten, die über die Verwendung im Rahmen der (“Individual-”)Psychologie beträchtlich hinausreichen dürfte. Alle Anmerkungen dazu von dir und Sil sind bereits berücksichtigt, mir fehlt eigentlich nur noch eine klare Formel. Oder wie du es nennen würdest: der Entwurf ist “leider noch zu ungriffig”. Die definitorische Abgrenzung reicht mir noch nicht ganz.

    Danke für die 0711-Nummer – dazu kommen wir später. Was meine Duzerei betrifft, da bin ich zugegeben relativ gnadenlos. Aber auch nur, solange es um dieses eine große Thema geht, von dem wir alle durch die Bank weg und selbst “die Pyramidenspitze”, wenn du verstehst, der “Chief Cornerstone” unserer “Society of Jesus” sozusagen, gleichermaßen betroffen sind. Bei dieser Sache übergehe ich z.B. auch generell und ohne jeden Skrupel sämtliche akademischen und andere (quasi-)militärischen oder amtlichen Titel, weil es letztlich ums nackte Überleben geht, je mehr sich der Planet analog zum kommunistischen Ostblock in ein Gefängnis (mit einem UN-Generalsekretär als Oberaufseher) verwandelt, dessen Mauer bzw. “Todesstreifen” dann in Form von Chipimplantaten (mit “Litwinenko-Option”) unter jedermanns Haut sitzt.

  31. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tosco

    “Magnat Magnus”: Das ist ja mal eine nette, leicht spöttische Spielerei als öffentliche Anrede.

    Ist mir jedenfalls so noch nicht untergekommen, obgleich der Stab sich anbietet.

    Noch zum Du: Im Netz handhabe ich es normalerweise einfach nach Gefühl, sieze aber in der Regel die Leute, die dies mir gegenüber tun.

    Zu Wisnewskis Gedanken: Würdest Du mal einen Link zur entsprechenden Schrift bzw. entscheidenden Textpassagen einstellen, damit interessierte Leser wie auch ich die Bezüge herstellen können?

  32. Tosco sagt:

    ins Rampenlicht” (the links are coming …)

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