Wikileaks: Deppenverarsche

Ich habe nicht den Eindruck, dass die neuesten Wikileaks-Veröffentlichungen der Welt irgendetwas Substantielles bringen, so wie auch schon jene über den Irak und Afghanistan zuvor.

Das Ganze sieht nach einem großen Theater aus: es wird praktisch nur erzählt, was man sich ohnehin schon ausrechnen konnte.

Ich zitiere dazu aus Spiegel-Online:

“Jerusalem Post”: “Aus israelischer Sicht ist es keine Übertreibung zu sagen, dass WikiLeaks dem Land am Sonntag einen Gefallen getan haben könnte. Indem die arabischen Führer mit extremeren Äußerungen als die israelischen zitiert werden, zeigen die Mitteilungen die Unstimmigkeiten in der Region und die Gefahren, wenn man dem Iran gestattet, an seinem Atomprogramm weiterzuarbeiten. (…) Israelischen Politikern sind die peinlichen Analysen ihrer Persönlichkeit erspart geblieben.”

Mag also sein, dass immerhin Israel sich darüber freuen darf, vergleichsweise gut wegzukommen, doch worauf deutet dies hin?

Immerhin darauf, dass Herr Assange vom Mossad wohl wenig zu fürchten hat, weniger darauf, dass damit sonst jemandem geholfen wäre.

Das Ganze (zumal zuvor auch das US-Ziel Pakistan wie zufällig nicht gut wegkam) wäre eigentlich nicht einmal die virtuelle Tinte wert, genösse es nicht so viel Aufmerksamkeit, Hype, Ballyhoo.

Uns als Deutschen jedenfalls bringt es offenkundig nichts, es sei denn, man wollte sich diebisch darüber freuen, dass verschiedene deutsche Politiker von US-Diplomaten so ähnlich eingschätzt werden, wie man es jederzeit an jedem Stammtisch in Niederbayern hören kann.

Dass zu Guttenberg ein Mann der Amerikaner ist, weiß jeder; dass Merkel nicht leicht zu fassen ist, dito; dass Westerwelle viel aufspricht und wenig zuwege bringt, muss uns ebenfalls nicht erst per Wikileaks beigebracht werden; die Wankelmütigkeit eines Horst Seehofer ist selbst in Bayern gemeines Volkswissen.

Also: Was soll das Ganze?

Ich neige der These zu, dass zwei wichtige Dinge in Frage kommen.

Erstens: Abstumpfung, Sau durchs Dorf treiben.

Zweitens: Einer Organisation Heldenstatus und Glaubwürdigkeit verschaffen, damit diese am Punkte X gezielt genutzt werden können.

Ich wage auch schon einmal zu vorauszusagen, gegen wen wahrscheinlich: Pakistan, Iran, Russland, China.

Also die üblichen Verdächtigen, ganz unschuldig-neutral von der heroenhaften Weltenthüllungsorganisation angeschwärzt, ob mit echten oder getürkten Dokumenten, egal.

Nur so wird aus dieser Sause noch ein Schuh.

Oder gleich ein Militärstiefel.

— Anzeigen —


Tags: ,

3 Antworten zu “Wikileaks: Deppenverarsche”

  1. Ajaxa sagt:

    100% Zustimmung zu Ihrem Artikel!!

  2. ohwell sagt:

    wahr , wikileaks ist tool der sadisten

    wie alle gehypeden medien

    google & facebook fuettern die groesste “lebende” AI mit “bewusstsein”
    damit wir besser regiert werden
    koennen

Eine Antwort hinterlassen